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The Rebel

Originaltitel: Dong Mau Anh Hung

Herstellungsland:Vietnam (2007)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Action, Drama, Martial Arts, Krieg,
Liebe/Romantik
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Vietnam, 1922: Das Land ist seit einem halben Jahrhundert unter französischer Kolonialherrschaft. Die Last der hohen Steuern, der Enteignung und Zwangsarbeit ruft die vietnamesischen Bauern zum bewaffneten Widerstand auf, der von den französischen Besatzern mit willkürlicher Beraubung, Internierungslagern und Exekutionen beantwortet wird. Es wird eine Eliteeinheit an vietnamesischen Undercover-Agenten gegründet, um die vietnamesischen Rebelleneinheiten zu zerstören. Zu der gehört auch Le Van Cuong, der jedoch mehr und mehr in Zweifel gerät, welche Seite die richtige ist: die des verräterischen Handlangers oder die seines eigenen Volkes. Als er auf die gefangene Rebellin Thanh trifft, hilft er ihr zu flüchten. Eine Jagd auf die beiden beginnt...
eine kritik von cabal666:

Der 2007 erschienene "The Rebel" war seinerzeit - mit einem Budget von umgerechnet 1,5 Mio. Dollar - nicht nur der teuerste, sondern auch der erfolgreichste Film aus Vietnam. Einem Land, dessen Filmindustrie zu dieser Zeit noch im Entstehen begriffen war. Für vietnamesische Verhältnisse handelte es sich bei diesem Actionfilm mit historischem Setting dementsprechend um eine Mammutproduktion. Regisseur Charlie Nguyen, der hiermit erst sein zweites Spielfilmprojekt in Angriff nahm, hatte über die 80 Tage andauernde Drehzeit mit vielen Problemen zu kämpfen: Crewmitglieder erkrankten, Schauspieler verletzten sich und dazu wurde die Produktion von staatlicher Seite überwacht. All die Mühe zahlte sich aber letztlich aus: hiermit gelang ihm ein spannender Martial-Arts-Film mit beeindruckenden Action-Setpieces.

Angesiedelt ist die Handlung im Vietnam der 20er Jahre, das sich unter französischer Kolonialherrschaft befindet. Die Diskriminierung, Ausbeutung und Enteignung der Landbevölkerung hat terroristische Aktionen von Widerstandskämpfern zur Folge, auf die die Kolonialregierung mit umso härteren Repressionen antwortet. Hauptfigur ist Van Le Cuong, ein in Frankreich ausgebildeter Agent, der mit der Eliminierung der Rebellen beauftragt ist, jedoch schon lange mit Selbstzweifeln und Schuldgefühlen kämpft. Als der Geheimpolizei Vo Thanh Thuy, die Tochter des Anführers einer Widerstandsgruppe, ins Netz geht und Cuong angewidert mitansehen muss, wie sie von seinem sadistischen Vorgesetzten Sy gefoltert wird, verhilft er ihr zur Flucht. Dadurch wird er selbst zum Gejagten. Verfolgt von Sy, dem selbst der französische Chef der Geheimpolizei im Nacken sitzt, fliehen die beiden durch das Land, werden Zeuge von Grausamkeiten gegenüber der Zivilbevölkerung, müssen sich gegen zahlreiche Gegner zur Wehr setzen und kommen schließlich einander näher.

Was Originalität angeht, gewinnt "The Rebel" mit seiner Handlung leider keinen Blumentopf. Die Grundstory um einen Soldaten einer unterdrückerischen Großmacht, der die Seiten wechselt (oft genug aus Liebe zu einer Eingeborenen) wurde davor (beispielsweise in "Der mit dem Wolf tanzt", "Pocahontas" oder dem Dolph-Lundgren-Actioner "Men of War") und danach (wie in James Camerons "Avatar") häufig genug erzählt. Auch betreiben die Filmemacher, was die Vergangenheit ihres Landes betrifft, vielleicht etwas zu viel Schwarzweißmalerei und dämonisieren die französischen Besatzer hier geradezu (und da hilft es auch nicht viel, wenn Thuy in einer Szene davon spricht, dass sie weiß, dass nicht alle Franzosen grausam sind, da im Film kaum ein positiv gezeichneter Angehöriger der Kolonialmacht auftritt). Andererseits sollte man von einem Actionfilm mit klar umrissener Sympathieverteilung auch nicht zuviel erwarten.

Handwerklich kann man Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Charlie Nguyen definitiv nicht viel vorwerfen. Die wuchtig inszenierten, spektakulären Martial-Arts-Kämpfe mit teilweise vollem Körperkontakt wecken wohlige Erinnerungen an "Ong Bak". Bei Feuergefechten und Messerstechereien spritzt dazu gelegentlich nicht wenig Blut. Und auch als Historienfilm ist "The Rebel" gelungen. Kostüme, Requisiten und Sets beschwören glaubwürdig eine vergangene Epoche herauf. Die Musik des Komponisten Christopher Wong, welche teilweise orchestral und teilweise von traditionellen Musikinstrumenten intoniert wird, verleiht dem Geschehen Atmosphäre, Spannung und Emotionalität. Was das Wecken von Emotionen betrifft, zeigt Nguyen auch hier Talent. Am eindringlichsten geriet eine Handlungspassage, in der die beiden Hauptfiguren in einem Arbeitslager untertauchen und dabei Zeuge der entsetzlichen Ungerechtigkeiten gegenüber den einfachen Zivilisten werden.

Die Besetzung hingegen ist etwas durchwachsen geraten. Hauptdarsteller Johnny Nguyen, der jüngere Bruder des Regisseurs, welcher ebenfalls am Drehbuch mitschrieb und den Film produzierte, bietet zwar beeindruckende Kampffertigkeiten auf, ist als Protagonist Van Le Cuong aber leider entsetzlich blass. Durch seine limitierte Mimik kann er nur wenig Sympathie aufbauen. Besser sieht es da mit seiner Leinwandpartnerin Veronica Ngo (hier noch unter ihrem bürgerlichen Namen Ngô Thanh Vân genannt), welche zuvor in ihrem Heimatland als Model und Sängerin bekannt war und der hiermit der Durchbruch als Schauspielerin gelang. Sie wirkt hier sowohl verletzlich als auch von eiserner Entschlossenheit getrieben und zeigt in einem emotionalen Monolog, in welchem sie dem Protagonisten das erschütternde Schicksal der Familie ihrer Figur Thuy schildert, die ganze Bandbreite ihres Könnens. Als arroganten und grausamen Antagonisten Sy sieht man schließlich den durch die kultige Serie "21 Jump Street" bekannt gewordenen vietnamesisch-amerikanischen Darsteller Dustin Nguyen (nicht mit Regisseur und Hauptdarsteller verwandt), der hier mit seinen geradezu als übermenschlich inszenierten Kampffähigkeiten und Widerstandskräften einen besonders ernstzunehmenden Gegner abgibt. Er wird zwar als hassenswerter Bösewicht gezeichnet, ein wenig Differenzierung erlaubte man sich bei seiner Figur aber dennoch, da Sy, wie in einem heftigen Gefühlsausbruch deutlich wird, selbst unter der Diskriminierung aufgrund seiner Herkunft leidet und von einem starken Drang getrieben ist, sich zu beweisen. Der halb-vietnamesische, mittlerweile verstorbene Regisseur, Autor und Darsteller Stephane Gauger als Sys aalglatter Vorgesetzter kann ebenfalls überzeugen und seiner eher klischeehaften Figur auch eine gewisse Ambivalenz verleihen.

Das Trio der drei vietnamesischen Stars sollte übrigens später mehrmals erneut gemeinsam vor die Kamera treten. Johnny Nguyen (der auch bei zahlreichen Hollywoodfilmen als Stuntman und -koordinator mitwirkte und Actionfans auch als Bösewicht aus "Revenge of the Warrior" mit Tony Jaa bekannt sein dürfte) und Veronica Ngo trafen zwei Jahre später in "Clash - Die Söldner" und 2020 in Spike Lees "Da 5 Bloods" ein weiteres Mal vor der Kamera aufeinander. Dustin Nguyen war gemeinsam mit Johnny 2007 auch im Drama "Saigon Eclipse" zu sehen und sollte Veronica Ngo 2013 in seinem Regiedebüt "Once upon a time in Vietnam" (der ebenfalls zeitweise der erfolgreichste Kinofilm in Vietnam war) an seiner Seite besetzen.

Insgesamt ist "The Rebel" trotz seiner unoriginellen, vorsehbaren Handlung, seines farblosen Hauptdarstellers und der Vereinfachung historischer Geschehnisse ein mitreißendes, bildgewaltiges Leinwandspektakel geworden, das sich vor ähnlichen Filmen aus Hollywood, China, Thailand oder Südkorea nicht zu verstecken braucht. Mit diesem Film wurde auch Vietnam auf den Radar des Genrepublikums geholt.

7/10
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Kommentare

24.02.2021 23:48 Uhr - TheMovieStar
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Der könnte was für mich sein, habe den Film leider noch nicht gesehen. Deine ansprechende Kritik macht jedenfalls Lust auf mehr und ich könnte mir vorstellen, dem Film mal eine Chance zu geben, vor allem weil ich auch ein Anhänger von Martial Arts / Actionfilme bin. Danke für die lesenswerte Vorstellung.

25.02.2021 00:08 Uhr - Wong Fei Hung
1x
Ne Blu-Ray könnte auch langsam mal kommen.

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