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Bright

Herstellungsland:USA (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Drama, Fantasy, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,68 (19 Stimmen) Details
inhalt:
In einer alternativen Realität leben magische Gestalten unter uns und 2 Cops werden auf den Straßen von L. A. in prophezeite Straßenkämpfe hineingezogen. Mit Will Smith.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

In einer Welt, die nicht nur von Menschen, sondern auch Elfen, Feen und Orks bevölkert wird, werden Letztgenannte von den anderen diskriminiert, da sie einige tausend Jahre zuvor einen "Dunklen Lord" unterstützten, der alle anderen Völker unterwerfen wollte. Im L.A. des 21. Jahrhunderts darf nun aber auch der erste Ork-Polizist, Nick Jakoby, auf Streife gehen. Dessen ihm zugeteilter Partner, Daryl Ward, ist davon wenig angetan, da er eine Abneigung gegen sämtliche nichtmenschlichen Zeitgenossen hat. Zudem misstraut er Jakoby, seit er beim letzten gemeinsamen Einsatz der beiden angeschossen wurde und Jakoby den Verdächtigen, einen jungen Ork, anscheinend entkommen ließ. Als Ward und Jakoby eines Nachts zu einem vermeintlichen Routineeinsatz bei einem Haus in der Nähe der Innenstadt gerufen werden, stechen sie in ein Wespennest: das Gebäude war der Unterschlupf einer radikalen Gruppe, welche vor der Rückkehr des Dunklen Lords warnte und von unbekannten Angreifern massakriert wurde. Die beiden Polizisten nehmen die einzige Überlebende, die verwirrt wirkende junge Elfe Tikka, in Gewahrsam. Diese trägt jedoch einen unfassbar mächtigen Zauberstab bei sich, der seinem Träger Wünsche erfüllt, aber nur von wenigen auserwählten Personen, den sogenannten "Brights", benutzt werden kann. Die Macht des Stabes erregt schnell das Verlangen mehrerer gieriger Gruppierungen und so befindet sich das ungleiche Trio bald auf der Flucht vor korrupten Polizisten, einer skrupellosen Latino-Gang und der terroristischen Elfengruppe der Inferni, die von Tikkas grausamer älterer Schwester Leilah angeführt werden.

"Bright" von "Training Day"-Autor und "Suicide Squad"-Regisseur David Ayer ist ein Paradebeispiel für schlechtes Worldbuilding und schlechtes Storytelling. Die Idee einer Urban-Fantasy-Welt, in der die Rassen aus "Herr der Ringe" und ähnlichen Stoffen in einem modernen Setting miteinander auskommen müssen, ist in filmischer Hinsicht ja tatsächlich sehr originell. Dabei auch sozialkritische Bezüge in die Geschichte einzubauen und auf die - vor allem in Amerika - immer noch alltägliche Diskriminierung von Minderheiten anzuspielen, ist an sich zudem ein löbliches Unterfangen. Und das Ganze als Buddycop-Movie aufzuziehen, hat auch einen gewissen Reiz. Nur hat man es sich bei der Umsetzung leider viel zu einfach gemacht.

Dass Orks hier für Afroamerikaner und Elfen für die versnobte, reiche weiße Oberschicht stehen, ist im Film von Anfang an offensichtlich. Der Vorspann mit den amüsant gestalteten Ork-Graffiti ist noch ganz nett, im weiteren Verlauf wird die Anti-Rassismus-Botschaft des Films aber mit dem Holzhammer auf die Zuschauer eingeprügelt. In so gut wie jedem Dialog muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden. Beispielsweise wenn die beiden Partner wider Willen ihre Streife durch das abgeschottete Viertel der reichen Elfen fahren und Ward mit Blick auf einen Ork am Steuer einer Limousine meint:

"Sogar die Chauffeure sind arrogant."

Die kulturellen Bezüge, welche hier auf die verschiedenen Fabelwesen angewandt werden, ergeben teilweise außerdem keinen wirklichen Sinn. Dass die in den meisten Fantasywerken als anmutig und aristokratisch beschriebenen Elfen in "Bright" gewissermaßen die Schickeria verkörpern, mag ja noch passend sein. Wenn die Orks in Kleidung, Gebaren und Umgangssprache hingegen an allseits bekannte Gangsta-Rapper aus Ghettos erinnern, die Musik, die sie spielen und hören, aber Deathmetal ist, geht diese Mischung überhaupt nicht auf (auch wenn es zugegebenermaßen ganz witzig ist, wenn Jakoby Ward gegenüber "Hammer Smashed Face" von Cannibal Corpse als "eines der schönsten Liebeslieder" bezeichnet). Auch verschiedene popkulturelle Anspielungen wollen nicht funktionieren:

Ward (zu einem Ork): "Schwing deinen fetten, wie Shrek aussehenden, Arsch zurück in deine Karre!"

Moment mal - in dieser Filmwelt gibt es auch die Filmreihe "Shrek"? Das ergibt erstens keinen Sinn, weil die Fantasywesen aus diesem Animationsfranchise in der Welt von "Bright" keine Fantasywesen sind (in einem Dialog werden noch weitere Rassen erwähnt und man sieht u.a. in verschiedenen Szenen auch einen Zentauren und einen Drachen im Hintergrund). Und zweitens impliziert es, dass auch das Dreamworks-Studio in der Welt von "Bright" existiert. Bei einer von dessen Produktionen - "Große Haie, Kleine Fische" bzw. "Shark Tale" wirkte Ward-Darsteller Will Smith ebenfalls mit. Sollte man Ward dann nicht auf seine Ähnlichkeit zu dieser Berühmtheit häufiger ansprechen?

Das mag jetzt alles Rosinenpickerei sein und ich ziehe vielleicht ein paar übereilte Schlussfolgerungen, aber diese Beispiele illustrieren doch gut, wie wenig Gedanken man sich bei der Ausarbeitung dieser fiktiven Welt gemacht hat. Das Hauptproblem mit dieser ist nämlich, dass sie unserer zu sehr ähnelt. Vermutlich aus Budgetgründen hat man sich die Mühe gespart, eine eigenständige Architektur und Gesellschaft auszudenken und stattdessen einfach die Handlung in Los Angeles angesiedelt und willkürlich Fantasywesen und -elemente wie Zauberstäbe da reingeworfen. Und das will eben einfach nicht zusammenpassen. Geprägt ist diese Gesellschaft ja offensichtlich durch das Christentum, allerdings würden Religionen, die auf bloßem Glauben an Wunder basieren, in sich zusammenbrechen, wenn Magie wirklich existiert und müssten einen anderen Schwerpunkt haben. Die Erwähnung des "Dunklen Lords" legt ja auch einen alternativen Geschichtsverlauf nahe, deswegen erscheint es ebenfalls fehl am Platz, wenn reale historische Begebenheiten wie die Schlacht von Alamo referenziert werden.

Wie schon angesprochen, ist aber nicht nur die Hintergrundgeschichte undurchdacht, sondern auch die Story an sich. Mehrmals wird im Film erwähnt, dass die beiden Polizisten in eine Prophezeiung hineingeraten sind. Was der Inhalt dieser Prophezeiung ist, vom wem sie stammt und warum sie so wichtig ist - wird an keiner Stelle erklärt. Dann gibt es recht früh im Film auch einen Auftritt eines schrägen Typen mit Schwert, der zu der Sekte gehört, die die Wiederkehr des Dunklen Lords verhindern will. Er randaliert in der betreffenden Szene mit nacktem Oberkörper in der Öffentlichkeit, wird dafür verhaftet und erklärt bei seinem Verhör kichernd, was es mit dem magischen Stab auf sich hat, hinter dem alle her sind. Wozu stellt er diesen Blödsinn an, wenn er, als einer von Guten, eigentlich Besseres zu tun hat? Der Handlungsverlauf an sich erscheint dazu ziemlich konstruiert, vor allem, wenn sich im Showdown herausstellt, dass es sich bei Ward natürlich auch um einen der titelgebenden "Brights" handelt. Zudem ist selbiger Charakter ein Unsympath und bleibt das bis zum Schluss.

Was vermutlich auch mit der Besetzung zusammenhängt. Will Smith, der die Rolle vor allem aus dem Grund annahm, weil es ihn reizte, mal einen afroamerikanischen Rassisten darzustellen, scheint zwar viel Spaß bei den Dreharbeiten gehabt zu haben, geht einem mit seinem arroganten, pseudocoolen Gehabe aber einfach nur auf die Nerven. Joel Edgerton (bekannt u.a. aus den "Star Wars"-Episoden II+III, "King Arthur", "Exodus" und "Red Sparrow") als Jakoby, der unter dem Ork-Make-Up kaum zu erkennen ist, macht seinen Part da schon besser. Sein Charakter, der sowohl von seinen Artgenossen, die ihn als Verräter betrachten, als auch von seinen Kollegen verachtet wird, die in ihm nur den Ork sehen, ist die wohl interessanteste Figur des Films, da sie den Zwiespalt verkörpert, in dem sicher viele Polizisten in der realen Welt stecken, die diskriminierten Minderheiten angehören. Wie erwähnt wird das im Film zwar eher plump umgesetzt, Edgerton gelingt es aber, Sympathie für seine Rolle aufzubauen. Abgesehen von einigen Szenen zum Schluss, aber dazu komme ich noch an anderer Stelle.

Lucy Fry (war zuvor in "Vampire Academy" und der Serie zu "Wolf Creek" zu sehen) als scheinbar kindlich-naive, im Gegensatz zu den meisten ihrer Artgenossen leger gekleidete Elfe Tikka weckt mit ihrer überdrehten Leistung Erinnerungen an Milla Jovovich in "Das Fünfte Element" und ist mit ihrem staunenden Herumgetolle irgendwie niedlich. Die originale "Lisbeth Salander" Noomi Rapace als ihre gnadenlose Schwester und Hauptantagonistin des Films kann hier zum ersten Mal hemmungslos ihre dunkle Seite ausleben und gibt eine durchaus bedrohliche Schurkin ab. Édgar Ramírez (u.a. "Domino", "Das Bourne Ultimatum", "Carlos - Der Schakal") als elfischer FBI-Agent Kandomere strahlt ernste Autorität aus und Vietnams Schauspielstar Veronica Ngo in ihrem zweiten Hollywood-Auftritt nach "Star Wars: The Last Jedi" ist ebenso badass als schweigsame Gehilfin von Rapace', wird als Schauspielerin aber eher verschwendet. Brad William Henke (u.a. "The Fan", Space Jam", "World Trade Center") als übel gelaunter Anführer einer Orkgang bringt ebenfalls einiges an Charisma in den Film. In kleineren Parts sind noch Margaret Cho ("Face/Off") als korrupte Vorgesetzte der beiden Helden, Chris Browning ("Todeszug nach Yuma", "Terminator: Die Erlösung") als der erwähnte schwertschwingende Fanatiker und Dawn Olivieri ("Heroes", "American Hustle") als Smith' Ehefrau dabei. Schauspielerisch fällt hier also im Großen und Ganzen, abgesehen vom Hauptdarsteller, kaum jemand negativ auf.

Probleme hat "Bright" eher noch wegen seines Humors. Die zu bemüht auf cool getrimmten Sprüche und Wortgefechte der beiden Hauptfiguren sind nur leidlich amüsant und reizen zumeist nur zu einem müden Lächeln. Und richtiggehend penlich wird es in der Szene kurz vor Schluss, wenn Jakoby und Ward im Krankenhaus liegen und in albernes (vermutlich von Smith und Edgerton improvisiertes) Gequassel verfallen, als sie versuchen, sich vor Kandomere zu rechtfertigen. Wozu in aller Welt war das gut? Witzig war es jedenfalls nicht.

Aber es ist nicht alles an "Bright" misslungen. Kameramann Roman Vasyanov (mit dem Ayer seit "End of Watch" zusammenarbeitet) fängt einige schöne Ansichten des nächtlichen, hell erleuchteten L.A. ein. Die zuweilen recht blutigen Schießereien halten durchaus bei Laune. Und ziemlich originell ist die Sequenz, in der Ward sich für seinen Partner und gegen seine korrupten Vorgesetzten entscheidet und selbige kurzerhand über den Haufen schießt, inszeniert worden. Bei selbiger dreht sich die Kamera nämlich in Zeitlupe um Smith, während dabei, als amüsanter Kontrast, ein schmalziger Popsong zu hören ist. Der Soundtrack an sich macht ebenfalls Spaß und setzt sich sowohl aus Titeln von bekannten R'n'B- und Hiphop-Künstlern wie Snoop Dogg, Machine Gun Kelly, Bebe Rexha und Camila Cabello wie auch - als krasser Gegensatz - aus Metalsongs, die hier von den Orks performt werden, zusammen. Das Ork- und Elfen-Make-Up kann sich außerdem echt sehen lassen (Lucy Fry, Noomi Rapace und Veronica Ngo sehen als Elfen einfach umwerfend aus!) und auch die, meist in Verbindung mit dem leuchtenden Zauberstab, eingesetzten Computereffekte sind größtenteils gelungen.

Wenn man über all die logischen Ungereimtheiten und nicht zu Ende gedachten Anspielungen nicht weiter nachdenkt und "Bright" einfach als Actionkomödie mit vereinzelten Fantasy-Elementen betrachtet, kann man mit dem Film durchaus Spaß haben. Wirklich ärgerlich ist aber das gewaltige verschenkte Potenzial. Die Idee einer Fantasywelt, die sich in technologischer und gesellschaftlicher Hinsicht unserer Gegenwart angenähert hat, ist nämlich sehr reizvoll und bietet viel Stoff für interessante Geschichten. Umso trauriger ist, was man hier daraus gemacht hat. Drehbuchautor Max Landis ("Chronicle", "American Ultra", "Victor Frankenstein"), der sich übrigens in der Post-#MeToo-Zeit durch sein ekelhaftes Verhalten gegenüber Frauen in Hollywood selbst ins Aus befördert hat, zeigte hiermit, dass er nicht viel Talent im Ausarbeiten eines in sich stimmigen Filmuniversums besitzt. Es wäre vielleicht besser gewesen, man hätte sich an einer Adaption des beliebten Rollenspiels "Shadowrun" versucht, das ja eine ähnliche Grundidee aufweist, anstatt am Reißbrett etwas zu entwerfen, das nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Bleibt zu hoffen, dass David Ayer bei der geplanten Fortsetzung die größten Fehler ausbügelt und die Möglichkeiten ausnutzt, die in dem Stoff schlummern.

4/10
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Kommentare

01.03.2021 10:54 Uhr - Randolph Carter
1x
User-Level von Randolph Carter 3
Erfahrungspunkte von Randolph Carter 109
Eine Review, bei der ich inhaltlich voll mitgehe. Spiegelt genau die Eindrücke wieder die ich beim anschauen auch hatte. Eigentlich ne coole Idee, aber das Potential wenig bis gar nicht ausgeschöpft. Die Review ist natürlich über alle Zweifel erhaben, hat Spaß gemacht zu lesen :-)

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