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Once Upon a Time in Vietnam

Originaltitel: Lua Phat

Herstellungsland:Vietnam (2013)
Genre:Abenteuer, Action, Drama, Fantasy
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Dustin Nguyen ("21 Jump Street") präsentiert das bis dato teuerste Film-Epos Vietnams! Dabei handelt es sich beim Martial-Arts-Blockbuster um einen wilden Genre-Mix aus knochenbrechendem Hongkong-Actionfilm und klassischem Spaghetti-Western! In aufwendig gestalteten Set-Designs kämpfen neben Dustin Nguyen Vietnams Topstar Ngo Thanh Van ("House in the Alley") und Roger Yuan ("Skyfall", "Batman Begins") um ihr Überleben!

Vor vielen Jahren war Dao (Dustin Nguyen) einer der gefährlichsten Kriegermönche der mächtigen kaiserlichen Armee. Desillusioniert nach jahrelangem Blutvergießen zieht er nun allein durch das weite Land, um Deserteure aufzuspüren und zu eliminieren. Seine Mission führt ihn in ein kleines Dorf, welches vom lokalen Gangsterboss terrorisiert wird. Als er zögert, sein nächstes Ziel hinzurichten, macht sich der gefürchtete General Long (Roger Yuan) selbst auf den Weg, um die Sache zu erledigen. Ausgestattet mit mystischen Kräften und unglaublichen Schwertkünsten, hinterlassen die Krieger eine Schneise der Zerstörung …
eine kritik von cabal666:

Mit "Once Upon A Time In Vietnam" verwirklichte der durch "21 Jump Street" bekannt gewordene vietnamesisch-amerikanische Schauspieler Dustin Nguyen 2013 sein Herzensprojekt. Bei dieser bis dato teuersten vietnamesischen Produktion und gleichzeitig dem ersten Fantasy-Film des Landes übernahm er dabei als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller alle wichtigen Posten vor und hinter der Kamera. Eine solche Vierfachbelastung bei einem größeren Filmprojekt kann natürlich leicht dazu führen, dass einem die Zügel aus der Hand gleiten. Und dem Endprodukt haftet durchaus der Eindruck an, dass Nguyen mit seinem Regiedebüt etwas überfordert war, auch wenn es insgesamt überzeugen kann. Aber der Reihe nach.

Die Handlung des Films ist in einem - wie es der internationale Titel schon sagt - zeitlich nicht näher bestimmten Vietnam angesiedelt, das einige Zeit zuvor durch Angriffe mythischer Monster verwüstet wurde. Eine Armee von Kriegermönchen (zu denen sowohl Männer als auch Frauen zählen) mit übernatürlichen Fähigkeiten stellte sich ihnen entgegen. Diese beschützen das Land immer noch, allerdings werden immer mehr Soldaten abtrünnig. Die Deserteure werden von Elitekriegern, die das Land durchstreifen, zur Strecke gebracht. Einer von ihnen ist Dao. Dieser ist des vielen Blutvergießens überdrüssig, steht aber nach wie vor treu zu seinem General. Seine neueste Mission wird für ihn jedoch zur Belastungsprobe. Sie führt ihn in ein abgelegenes Dorf, in dem sich die ehemalige Kriegerin Anh versteckt hält, mit welcher er früher eine romantische Beziehung hatte. Er will sie dazu bringen, wieder in die Armee einzutreten. Anh, die mit dem Bäcker Hien eine Familie gegründet hat, ist darüber jedoch alles andere als erfreut. Verkompliziert wird die Situation noch durch den ansässigen Gangsterboss, der Hiens Betrieb übernehmen will, und den Sohn Anhs, der in der Schule gemobbt wird und bei dem sich plötzlich magische Fähigkeiten zeigen. Was nur bedeuten kann, dass er von einem Kriegermönch gezeugt wurde...

Trailer und Werbetext versprechen bei diesem Film zwar ein bildgewaltiges Martial-Arts-Spektakel, tatsächlich handelt es sich bei "Once Upon A Time In Vietnam" aber mehr um ein Drama. Denn die Beziehungs- und privaten Probleme der Hauptfiguren nehmen hier tatsächlich einen größeren Raum ein als die Actionszenen. Einerseits geht es um Anh, die zwischen Dao und Hien hin- und hergerissen ist, andererseits spielen auch Daos Verbitterung und seine Trink-Eskapaden eine Rolle, ebenso wie die Entfremdung des Sohns von Anh von seinen Eltern. Das ist alles nicht schlecht umgesetzt, was vor allem an den guten Schauspielleistungen liegt, aber irgendwie will dieser erzählerische Schwerpunkt nicht wirklich zum Setting passen. Zu selbigem muss auch erwähnt werden, dass es besser gewesen wäre, ein paar mehr Hintergründe zu erklären. Man erfährt den ganzen Film über nicht, ob es sich bei der gezeigten Welt um eine postapokalyptische Zivilisation handelt oder um eine alternative Realität, in der die Geschichte einen anderen Verlauf nahm. Szenenbild und Kostüme sind eine wilde Mischung aus den verschiedensten Epochen. Gebäude und Kleidung verweisen auf Amerika im 19. Jahrhundert, allerdings fahren die Leute mit Autos und Motorrädern durch die Gegend. Als Waffen werden keinerlei Gewehre oder Pistolen, sondern Schwerter benutzt. Und die körperbetonten Rüstungen der Kriegermönche wirken mittelalterlich, bzw. aus anderen Fantasy-Filmen übernommen, haben aber ebenso futuristische Elemente. Zudem werden auch andere Nationen wie Frankreich oder Amerika erwähnt. Und in einem Stripclub, welchen Dao mehrmals aufsucht, läuft ständig Rockmusik. Hat man diese stilistische Uneinheitlichkeit aber einmal akzeptiert, stört sie nicht weiter. Nur wären eben ein bisschen mehr Erklärungen schon hilfreich gewesen.

Schauspielerisch kann man sich nicht beschweren. Nguyen meistert die Anforderung, einen verbitterten, aber unnachgiebigen Helden zu verkörpern, mit viel Charisma und lässt sich oft genug bad-ass-mäßig in Szene setzen. Als starke Frau an seiner Seite agiert die in Vietnam und Hollywood berühmte Veronica Ngo bzw. Ngô Thanh Vân, welche schon sechs Jahre zuvor in "The Rebel" gemeinsam mit ihm vor der Kamera stand, der zu seiner Zeit ebenfalls der teuerste vietnamesische Film war (und bei dessen Dreharbeiten Nguyen laut ihr schon damals die Idee für sein Regiedebüt mit sich herumtrug). Damals verkörperten sie jedoch noch Gegenspieler, hier sind sie als Verbündete und in Rückblenden auch als Liebespaar zu sehen. Ngo mag in ihrer Rolle eher unterfordert werden, als einerseits liebende Ehefrau und Mutter und andererseits todesmutige Kämpferin überzeugt sie aber auf ganzer Linie. In den Kampfszenen zeigt sie auch hier wieder vollen Körpereinsatz, wenngleich man sich davon etwas mehr gewünscht hätte. Als Bösewicht, der unnachgiebige General der Kriegermönche, tritt der berühmte Stuntman und -koordinator Roger Yuan (u.a. "Shang-High Noon", "Bulletproof Monk", "Batman Begins") auf, der mit Ngo später auch in "Crouching Tiger, Hidden Dragon Sword of Destiny" gemeinsam vor der Kamera stehen sollte und hier einen eher ambivalenten Charakter verkörpert. Denn sein General Long empfindet ebenfalls Gefühle für Anh und wird nicht durchgängig als Tyrann gezeichnet. Die hierzulande unbekannten Thai Hoa als gutmütiger Hien, Hieu Hien als grobschlächtiger und tollpatschiger Gehilfe des Gangsterbosses, Dinh Ngoc Diep als kindliche, stumme Wäscherin in zerrissenen Klamotten, die sich in Dao verliebt, Jungschauspieler Nguyen Hoang Quan als Hung, der impulsive Sohn von Anh, und Phi Thanh Vân als wollüstige Prostituierte machen ihre Sache allesamt ebenfalls gut.

Die Action ist, wie erwähnt, weniger häufig anzutreffen als man meinen würde, kann sich aber in der Regel sehen lassen. Zumindest von den Choreographien der Kämpfe her. Leider meinte Nguyen nämlich, bei vielen Szenen unnötiges und ziemlich schlecht animiertes CGI hinzufügen zu müssen. Die herumfliegenden Gegenstände, Luft- und Energiestöße und Flammen sehen einfach nur grässlich aus; besser kann ich es leider nicht sagen. Dafür ist der Kampf Dustin Nguyen gegen Roger Yuan im Showdown hervorragend gemacht, bietet ziemlich heftige Schläge und Tritte und wirkt kaum gestellt. Auch Veronica Ngos Schwertkampf gegen mehrere Soldaten ist toll choreographiert. Nett sind auch die teils recht offensichtlichen Sergio-Leone-Hommagen. Der Titel des Films lehnt sich schließlich nicht umsonst an "Once Upon A Time In The West" bzw. "Spiel Mir Das Lied Vom Tod", das berühmteste Werk der italienischen Regie-Legende, an. Nguyen und sein Kameramann Wych Kaosayananda (führte auch Regie, u.a. bei "Ballistic: Ecks vs. Sever" und "Tekken 2: Kazuya's Revenge") verwendeten mehrere für diesen charakteristische Elemente wie häufige Close-Ups von Gesichtern oder die typische Einstellung von der Hüfte eines Kontrahenten aus bei einem Mexican Standoff. "Once Upon A Time In Vietnam" ist eben nicht nur, was Setting und Kostüme betrifft, ein Mix aus verschiedenen Stilen, sondern vermischt auch mehrere Genres. Hier treffen Western, Eastern, Endzeitfilm, Drama, Liebesfilm, Komödie und Fantasy aufeinander.

Tatsächlich muss aber gesagt werden, dass der Aspekt, in dem der Film am erfolgreichsten ist, der Humor ist. Die vielen Comic-Reliefs, darunter Hieu Hiens Charakter, sind zwar stark überzeichnet, aber sie reizen bei jedem ihrer Auftritte die Lachmuskeln. Was auch an den einfallsreichen Dialogen liegt. Besonders witzig sind dabei die Auftritte von zwei Bauern, Vater und Sohn, die zu Beginn und am Ende des Films durch die Wüste fahren, dabei den Weg des Protagonisten kreuzen, und sich herrliche Wortgefechte liefern.

Vater: "Meine Eier jucken wie Sau. Das heißt, heute wird's noch regnen."

Sohn: "Was, wenn deine Klöten zwicken, gibt's Regen?"

Vater: "Ja, kannst du die Uhr nach stellen, Söhnchen!"

Sohn: "Pah, wenn das so ist, müsste es dauernd regnen, wenn's nach meinen gehen würde!"

Sehr gelungen ist noch die Filmmusik, welche das Geschehen mit atmosphärischen, von vietnamesischer Folklore beeinflussten, Themen untermalt, auch wenn sie sich gelegentlich etwas zu offensichtlich bei Ennio-Morricone-Kompositionen bedient. Der rockige Abspannsong und die bereits angesprochene Musik in den Stripclubszenen machen dafür richtig Laune. Der gezeichnete Prolog, welcher die Vorgeschichte mit den Angriffen der Monster (die im Film selbst leider nicht auftauchen) und epische Schlachten zeigt, ist außerdem besonders schön gestaltet. Aber vielleicht wäre es besser gewesen, Nguyen hätte sich diesen Part als Haupthandlung seines Films ausgesucht, denn dann wäre das Geschehen mit Sicherheit aufregender geworden.

Insgesamt "Once Upon A Time In Vietnam" zwar nicht der große Wurf, da die Geschichte kaum originell ist, zu viel Zeit mit gut gespielten, aber an sich wenig interessanten Dramaszenen verschwendet wird und die hohe CGI-Lastigkeit der Actionszenen ganz gewaltig stört. Bei der teils eindeutigen Sexualisierung der weiblichen Charaktere und den vielen Szenen, in denen Veronica Ngo, Dinh Ngoc Diep und Phi Thanh Vân Körperkontakt mit Nguyen haben, drängt sich einem zudem der Eindruck auf, dass der Mann sich in seinem ersten Film mit möglichst vielen hübschen Schauspielerinnen umgeben wollte, damit er diese dann aufreizend in Szene setzen und sie betatschen kann. Da das Drehbuch die Charaktere aber durchaus ernst nimmt, die handgemachte Action absolut überzeugt und auch Musik und Kameraarbeit sehr gelungen sind, fällt das nicht allzu sehr ins Gewicht. Schaut man sich das Making-Of an, bei dem deutlich wird, wie viel Herzblut die Beteiligten in dieses Projekt steckten und mit wie vielen Schwierigkeiten sie während der Dreharbeiten zu kämpfen hatten, kommt man nicht umhin, Respekt vor ihnen zu empfinden. "Once Upon A Time In Vietnam" überzeugt so zwar nicht durchgängig, aber er unterhält. Und ist allein schon wegen seiner ausgefallenen Filmwelt sehenswert, die ansonsten nur noch mit der aus "Bunraku", den Fantasy-Szenen aus "Sucker Punch" oder der Stilmixtur aus dem (ansonsten misslungenen) 2018er "Robin Hood" vergleichbar ist.

7/10
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Kommentare

01.03.2021 15:19 Uhr - The Machinist
1x
User-Level von The Machinist 8
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Hat das denn auch irgendwas mit ''Once upon a Time in China'' zu tun? Und auf deutsch gibt es den Streifen auch noch? Ne, also der sagt sogar mir nix, klingt aber trotz der Kritikpunkte nach einem Film, mit dem gerade jemand wie ich seinen Spaß haben könnte.

Danke für die Vorstellung.

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