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Kap der Angst

Originaltitel: Cape Fear

Herstellungsland:USA (1991)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,66 (29 Stimmen) Details
inhalt:
Als der eiskalte Psychopath Max Cady vierzehn Jahre nach seiner Verurteilung wieder auftaucht, kennt er nur ein Ziel: Er will sich an seinem Anwalt Sam Bowden rächen. Cadys Präsenz wird zunehmend bedrohlich, als er Bowdens langsam auseinander bröckelnde Familie immer enger einkreist. Nachdem Sam erkannt hat, dass er rechtlich nichts unternehmen kann, um seine attraktive Frau Leigh und seine pubertierende Tochter Danielle zu schützen, muss er auf unkonventionelle Maßnahmen zurückgreifen, die in einem unvergesslichen Showdown am Kap der Angst gipfeln.
eine kritik von dicker hund:

In der Vita von Regisseur Martin Scorsese und Darsteller Robert De Niro fällt "Kap der Angst" zwischen ihre Beteiligungen an den Gangsterstreifen "GoodFellas" und "Casino". Wie passend, dass auch Ex-Knacki Max Cady alles andere als gesetzestreu ist - ganz im Gegensatz zu seinem ehemaligen Pflichtverteidiger Sam (Nick Nolte, "48 Stunden"), auf den er es ebenso abgesehen hat wie auf dessen temperamentvolle Gattin Leigh (Jessica Lange, "Wenn der Postmann zweimal klingelt") und deren gemeinsame, heftig pubertiertende Tochter Danielle (die schlaksige Juliette Lewis im Teenageralter, noch vor "Kalifornia", "Natural Born Killers" und "From Dusk Till Dawn"). 

"Sie lernen noch, was Verlust heißt."

Was für ein muskulöser, wüst tätowierter Fleischbrocken von einem Kerl, der mit seinen angeklätschten Haaren und der dauerbrennenden Zigarre jegliche Sympathien vertreibt! Seine Übergriffe beginnen niedrigschwellig, sollen aber noch mächtig aufdrehen. Die Kamera schaut dem "Herrn Anwalt" lässig über die Schulter, wenn er in ausgefeilten Dialogen mit seinem ehemaligen Mandanten kommuniziert, dem es an Selbstbewusstsein nicht mangelt.

"Ich bin wie Gott! Und Gott ist wie ich!"

Zwischendurch tischen ein Feuerwerk und eine Straßenparade zu epochalen Klängen ganz groß auf, ebenso gigantisch wie der Sturm in dem verwegenen Boots-Finale, das der Hochspannung des zweistündigen Thrillers ihre Klimax verleiht, ohne dass jemals wirklich Atempausen vorhanden gewesen wären. Auf dieser infamen Strecke der Rache des geprellten Delinquenten sind Sex und Gewalt (je 4/10) in heftigen Ausmaßen erwähnt, ohne voll ausgespielt zu werden. Der Einsatz einer Klaviersaite bleibt indes schon bei dieser vorsichtigen Dosierung ebenso im Gedächtnis wie die wenigen Frames einer brutalen Vergewaltigung und die lolitahaften Aufnahmen der als 15jährigen deklarierten Danielle. Das genügt, um zusammen mit den Relikten des überschaubaren Bodycounts, die ein wirklich hässlicher Anblick sind, dem Horror (6/10) seine Wirkung zu verleihen. Unter völligem Verzicht auf Humor (1/10) konzentriert sich die Dramaturgie letztlich darauf, entlang der engagierten Charakterzeichnung mit der unter Druck gesetzten Familie mitfiebern zu lassen.

Das gelingt hervorragend (9/10 Punkten). Kleinere Anflüge von Vorhersehbarkeit und sporadisch anklingende Mainstream-Klischees fallen kaum negativ ins Gewicht. De Niro spielt mit einer selbst für seine Verhältnisse imposanten Wucht, was - besonders im Zusammenspiel mit der akzentuierten Mimik von Jungtalent Lewis - zu einprägsamen Szenen führt. Dabei kann fast in Vergessenheit geraten, dass "Cape Fear", wie sein Rufname im Original lautet, eigentlich nur ein Remake eines Titels aus den 1960ern ist, der in Deutschland als "Ein Köder für die Bestie" vermarktet wurde. Bloß am Rande fällt da auf, dass in einigen Passagen giftige Kritik am US-amerikanischen Justizsystem untergebracht ist. An Scorseses Filmographie kommt man als Liebhaber selbst auswahlreicher Genres jedenfalls nicht wirklich vorbei. Damit ist die FSK auch meistens einverstanden, die hier einen blauen Stempel abdrückte.

9/10
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Kommentare

19.04.2021 11:29 Uhr - TheMovieStar
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Yessssss! Ein geiler Streifen und einer meiner Lieblingsfilme die einen durchdrehenden Psychopathen charakterisieren. De Niro gefällt mir hier fast noch besser wie in seiner ähnlich psychopathischen ausgelegten Rolle "The Fan" und auch Nolte überzeugt als "Anwalt" auf ganzer Linie. Mindestens genauso überzeugend wie der Film ist dein Review Hund, danke für die Erinnerung an einen zeitlosen Klassiker!

19.04.2021 11:37 Uhr - Randolph Carter
1x
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Ja, wirklich toller Film, den ich viel zu lange nicht mehr gesehen habe. Danke für die schöne Besprechung und Erinnerung :-)

An dieser Stelle sei auch das Lied "Verräter an Gott" des Elektroprojekts "Nachtmahr" empfohlen, welche in dem Song Zitate bzw. Sprachsamples aus dem Film eingefügt haben. Kommt sehr geil.

19.04.2021 11:40 Uhr - Egill-Skallagrímsson
1x
DB-Helfer
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Tolle Review zu einem mordsguten Film. Habe den erst vor einigen Wochen neugesichtet. DeNiro lässt einen echt einen Schauer über den Rücken laufen.
Der heimliche Star des Films ist dennoch für mich "Juliette Lewis". Habe kurz vor der Neusichtung zufällig und ausgerechnet "Kalifornia" angeschaut und musste dann bei "Cape Fear" laut lachen als ich Lewis zum ersten mal sah. Irgendwie hat sich dadurch ungewollt etwas Komödiantisches quer über den ganzen Film eingeschlichen. :D

19.04.2021 13:18 Uhr - Intofilms
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Hervorragende Review, Moppi, auch wenn ich sagen muss, dass ich das Original besser, insgesamt stimmiger und überzeugender finde, und „Kap der Angst“ für mich nicht zu Scorseses besten Filmen zählt. Wie immer reine Ansichtssache. ;)

19.04.2021 13:31 Uhr - Mr.Tourette
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19.04.2021 13:18 Uhr schrieb Intofilms
Hervorragende Review, Moppi, auch wenn ich sagen muss, dass ich das Original besser, insgesamt stimmiger und überzeugender finde, und „Kap der Angst“ für mich nicht zu Scorseses besten Filmen zählt. Wie immer reine Ansichtssache. ;)


Also für mich einer der besten Filme überhaupt, da laufen alle Darsteller zur Hochform auf und de Niro spielt trotzdem in seiner eigenen Liga. Das Original hat seinen eignen Charme, aber die dezente Seitehiebe auf u.s. Justizsystem und die Konstellation von Schuld und Unschuld (alleine die Familie und deren glückliche Fassade, die Cady sehr leicht zum Brökeln bringt) ergeben da im Remake eine wuchtige Dynamik. Aber ich bin sowieso de Niro feat. Scorsese Fanboy...

19.04.2021 14:35 Uhr - Cinema(rkus)
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Endlich kommt zusammen, was zusammen gehört ?
Dachshund....trifft.....Mops.

Nach vielen, vielen, vielen Reviews, muss ich Dir in Deinem (aktuellen) Review - ähmmmm Revier - doch mal einen Besuch abstatten. Ich selbst bin ja jemand der vielen Worte, bewundere aber wirklich Deinen phänomenalen Sprachstil.
Wenige Worte, aber wirklich alles gesagt. Klasse !
Mit so wenigen Worten alles wissenswerte über Filme mitzubellen, das bedarf einer hohen Kunst. Ich wette mal, der Mops ist beruflich auch irgendwie lyrisch unterwegs ?
Der Film ? Mops, müssen wir da von Dackel, zu Mops, überhaupt bellen ?
Ein Meisterwerk. Alle, wirklich ALLE, am Höhepunkt ihres Könnens. War Nolte jemals besser ? Dieser nunmehr zersauselte - ja, was eigentlich ? - Bobtail, ist in diesem Film grandios.
Lewis, Mann, diese zwar nicht sehr attraktive, aber irgendwie lasterhafte....Lolita. Super !
DeNiro ? Mann, was hat der diesem Psychopathen Profil gegeben, eine Lehrstunde in Schauspiel.
Musik, Kamera, Cameos (Peck. Mitchum), dieser schwurbelnde Sturm, der das Hausboot irgendwie in irgendwas zieht. Applaus. Applaus. Applaus.
Sorry, Dicker, dass ich heute erst in Deinem Revier erscheine.
Aber...
Ich finde Deine Kritiken schon stets famos (wenige Wort, aber alles wichtige ist drin), immer bist Du cool und abgeklärt. Ja, manchmal kann ein Mops Vorbild für einen Kaninchen-Langhaar-Dackel sein.
Weiter so; ich lese Dich gern.
Gruß C.M.

19.04.2021 18:19 Uhr - dicker Hund
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Vielen Dank für die einhelligen, netten Kommentare!

@MovieStar
Die Wendung "fast noch besser" ist für mich in der Grammatik das, was ein Paradoxon in einem Zeitreise-Sci-Fi ist.

@Randolph
Im Bereich des Hardcore wurde das Zitat mit Gott ebenfalls aufgegriffen, von "Rawside", glaube ich.

@Egill
"Kalifornia" muss ich auch mal wieder auffrischen...

@Intofilms
Das Original kenne ich nicht mal. Eigentlich keine gute Voraussetzung für ein Review, aber es kommt ja anscheinend trotzdem gut an. Freut mich.

@Tourette
Da gibt es sicher fernliegendere Fanboy-Vorbilder als diese!

@Cinemarkus
Schön, dass Du mir ein hochwertiges Abstraktionsniveau attestierst. Bei so viel Lob muss ich meinen Avatar aber bald gegen ein korpulentes Eichhörnchen mit rotem Fell ersetzen.
;-))

19.04.2021 22:11 Uhr - ulver
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Robert De Niro ist eine markerschütternde Wucht. Selten habe ich in den Jahren, die auf die Erstsichtung von Kap der Angst folgten, eine vergleichbare Performance gesehen. Das es gelingt über ein Schauspiel eine solche Gewalt zu entfesseln beeindruckt mich bis zu heute zutiefst. Für mich immer noch ein mustergültiges Beispiel was Schauspiel zu leisten im Stande ist. Kap der Angst ist einer der wenigen Filme, die mich immer wieder fesseln und auch aufs neue ängstigen. Dicker Hund, da hast du dir wirklich, ganz subjektiv, einen wirklich außergewöhnlichen Film zur Brust genommen. Treffend, exakt und spröde in der Formulierung, ganz im Geiste des vorliegenden Films.

19.04.2021 22:51 Uhr - Intofilms
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19.04.2021 18:19 Uhr schrieb dicker Hund
Das Original kenne ich nicht mal. Eigentlich keine gute Voraussetzung für ein Review [...]

In diesem Fall wohl eher eine sehr gute Voraussetzung! 😉

19.04.2021 23:11 Uhr - Kaiser Soze
1x
DB-Co-Admin
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Den Film habe ich gefühlt ewig nicht mehr gesehen. Danke für die gewohnt kurz-knackig-verständliche Erinnerung, die ihrerseits sehr wortgewandt, wie üblich und von Dir gewohnt, formuliert und bestimmt treffend aufn Punkt gebracht wurde. Nach der Sichtung melde ich mich, ob das "bestimmt" zu streichen ist ;-D schönes Review!

20.04.2021 03:47 Uhr - CHOLLO
2x
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Spitzen Film mit De Niro in einer seiner besten Rollen. Gewohnt geschmeidiges Review von dir Hund ;)

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