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Kids

Herstellungsland:USA (1995)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,76 (38 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Telly und Jennie küssen sich. Jennie hat noch nie mit einem Jungen geschlafen. Jungfrauen "knacken" - darauf steht der 17-jährige Telly. "Jungfrauen sind geil. Und du kannst dir nichts holen." Zuerst hat Jennie Angst, doch dann kommt Telly zum Ziel. Reine Routine, Technik. Danach wimmelt er Jennie ab. Später trifft sich Telly mit seinem Freund Casper. Sie kaufen sich Dope mit Geld, dass sie gerade Tellys Mutter geklaut haben. Total bekifft, verprügeln sie einen Schwarzen, der Casper versehentlich angerempelt hat. Währenddessen sitzen die Mädchen bei Ruby zusammen und reden über Sex, über den Unterschied zwischen "making love", "having sex" und "fucking". Jennie erzählt dass sie entjungfert wurde. Noch weiß sie nicht dass Telly AIDS hat... (Senator DVD-Cover)

eine kritik von dicker hund:

Larry Clarks Regiedebut "Kids" ist im Grunde ein weiterer (Anti-) Drogenfilm, der einen thematischen Schwerpunkt auf die sexuelle Verwahrlosung konsumierender Jugendlicher legt. Gedreht mit Laiendarstellern von den Straßen New York Citys, die erstmals vor einer Kamera standen, war beim Casting ein bemerkenswertes Gespür für Talent vorhanden. So hatten Leo Fitzpatrick, Justin Pierce, Chloe Sevigny und Rosario Dawson noch professionelle Karrieren als Gesichtsvermieter vor sich, letztere etwa mit Rollen in "Sin City" und "Death Proof".

Hier sind sie der Nachwuchs des Kapitalismus mit Rollennamen Telly, Casper, Jennie und Ruby, welcher in geschlechtergetrennten Cliquen zusammen herumlungert, sich mit Alkohol und diversen Betäubungsmitteln zudröhnt und nur dann zueinander findet, wenn mal wieder Zeit für ziemlich vulgär inszenierten Sex (6/10) ist. Beiläufig führt der Übermut der Halbstarken auch schon einmal zur Eskalation von Gewalt (2/10), die aber nicht im Zentrum steht. Schließlich geht vielen nur das Eine im Kopf herum.

"Mann, die Titten von deiner Mom sind echt fett geil."

So oberflächlich die Charaktere gezeichnet sind, kann leicht übersehen werden, dass nicht selten nachdenkliche Töne zu hören sind. So kann "Kids" aufgrund der Aids-Thematik als wütendes Plädoyer für Verhütung verstanden werden, das auch einen Mangel an gesellschaftlicher Fürsorge in einer Welt voller unerträglicher Armut anprangert. Schnappschüsse von heruntergekommenen Verlieren der liberalen Zivilisation stehen jedenfalls für sich.

"Kann nicht mehr gehen, kann nicht mehr gehen, ..."

Zu einer solchen Deutung passt, dass die hier skizzierte Generation teilweise erstaunlich konservative Ansichten verinnerlicht hat. Genannt seien hier nur die mit Aggressivität vertretene Heteronormativität und die beiläufige Bejahung eines christlichen Glaubenssymbols. Dies steht in einem scheinbaren Widerspruch zu dem schandmäuligen Lotterleben ohne sinnvolle Grenzen, dessen Spaßfaktor unter Einspielung cooler Indie-Tracks etwa von den "Beastie Boys" nicht geleugnet wird. Dass die Libido keine maskuline Exklusivität hat und Erotik mit manchmal durchaus angemessen auflockerndem Humor (4/10) gelebt wird, sind Beispiele für die progressiv-heiteren Seiten der jugendlichen Narrenfreiheit, dank derer nicht jede Identifikation vermisst werden muss. Zeigt sich jedoch der bittere Ernst des Lebens, weicht die Gelassenheit einer tränenreichen Agonie. Das Finale schockiert, weil hier die geringe Hemmschwelle zu triebgesteuerten Übergriffen schonungslos auf die Spitze getrieben wird (Horror 3/10).

Vordergründig sieht "Kids" fast wie ein softer Jugendporno mit derbem Vokabular und pädagogischer Botschaft aus. Tatsächlich erzählt diese große Filmperle (8/10 Punkten) einige collagenhaft dargebotene Geschichten von Sozialdevianz, ohne die Protagonisten anzuklagen oder übertrieben zu bemitleiden. Die weitgehende Abwesenheit von Erwachsenen geht mit einem Verzicht auf das Angebot von Lösungsmodellen einher, was eine gewisse Trostlosigkeit in sich trägt, die einen eindrucksvollen Kontrast zu der unbekümmerten Stimmung der meistens high unterwegs befindlichen Jungs und Mädels mit sich bringt. Die FSK vergab den blauen Flatschen.

 

8/10
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Kommentare

27.04.2021 18:53 Uhr - McGuinness
1x
DB-Co-Admin
User-Level von McGuinness 8
Erfahrungspunkte von McGuinness 847
Ansprechende Review, die sich gut liest und einen soliden Eindruck zu vermitteln weiß.
Ein Werk, welches ich auch heute noch " gerne " sehe, dieses mich oftmals kopfschüttelnd zurücklässt und sich am Ende unweigerlich die Eingeweide verkrampfen.

Ein ziemlich desillusionierender Film, der seine Wirkung garantiert nicht verfehlt und zumindest einen Teil der Jugendlichen der damaligen und auch heutigen Zeit widerspiegelt, denen absolut alles am Allerwertesten vorbeizugehen scheint.

Krasses Werk, tolle Review 👍🏻

27.04.2021 20:13 Uhr - tp_industries
3x
User-Level von tp_industries 3
Erfahrungspunkte von tp_industries 173
Ein schonungsloses Werk, welches du nüchtern und informativ besprochen hast ( liest sich jetzt zwar nicht so aber glaube mir, das ist positiv gemeint).

Dies ist einer der wenigen Filme, der selbst nach mehrfacher Sichtung noch schwer zu konsumieren ist. Wie du schon klasse angemerkt hast, wird hier weder glorifiziert, noch der moralische Zeigefinger geschwenkt. Und ich denke diese realistische, fast schon dokumentarische Darstellung macht auch den Großteil dieser unangenehmen Wirkung aus.

27.04.2021 23:16 Uhr - Intofilms
3x
Kein schöner, aber ein ganz wichtiger Film, sehr gut vorgestellt! ;)

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