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The Killer

Originaltitel: Dip Hyut Soeng Hung

Herstellungsland:Hongkong (1989)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Action, Drama, Krimi, Liebe/Romantik,
Thriller
Alternativtitel:Blast Killer
Bloodshed of Two Heroes
Die Xue Shuang Xiong
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,28 (106 Stimmen) Details
inhalt:
Jeffrey, ein international hochbezahlter Auftragskiller hat bei seinem letzten Job aus Unachtsamkeit eine Sängerin schwer verletzt. Seine Ehre verlangt, dass er die Augenoperation bezahlt. Um das Geld aufzubringen, nimmt er von seinem Agenten einen hochdotierten schmutzigen Job an: Er soll das Oberhaupt eines Drogensyndikats hinrichten und einen blutigen Machtkampf unter den Überlebenden auslösen... In den Straßen von Hong Kong ist, wie vorausberechnet, die Hölle los. Es herscht offener Krieg. Als Jeffrey feststellt, dass ihn nicht nur die Unterwelt jagt, sondern auch ein "Regierungs Killer" auf seiner Spur ist, erkennt er, dass er in eine tödliche Falle gelockt wurde...
eine kritik von dicker hund:

"The Killer" fällt in die Hongkong-Phase John Woos, in welcher er etliche Filme des Subgenres "Heroic Bloodshed" drehte, unter ihnen vorher "A Better Tomorrrow" nebst Fortsetzung und nachher "Just Heroes". In den Hauptrollen spielen Chow Yun-Fat als der Cleaner Ah Jong und Danny Lee als der Kriminalbeamte Lee Ying, nachdem beide zusammen schon zwei Jahre früher prägend in "Cover Hard 2" involviert gewesen waren. Zwischen ihnen und anderen kommt ein einnehmender Pathos zum Tragen, der holzschnittartige Vorstellungen von Ehre transportiert. Es fällt nicht immer leicht, diesen ernst zu nehmen, zumal beispielsweise die Spitznamen "Mickey Mouse" und "Dumbo" einen dezent unpassenden Humor (2/10) beisteuern, der sich mit der dick aufgetragenen, auf wenig substantiellem Fundament aufgebauten Leidenschaft nur mäßig versteht. Darüber kann streckenweise hinweggesehen werden, weil der Score groß auftischt und dadurch hinreichend von solchen Inkonsistenzen ablenkt, indem er mit Verve bedrohliche mit melancholischen Tönen vermengt. Damit kommt er besser an als die bisweilen einfältigen Dialoge.

"Gut. Richtet euch nach den Vorschriften. Ich bin es gewohnt, dass mich Leute angreifen, die nicht wissen, wovon sie sprechen. Gehört zu meinem Job."

Der protagonistische Cop hat offenbar bei "Dirty Harry" gut aufgepasst, vermag aber die ominösen "Vorschriften" nicht als spezifizierte Kritik an einem Justizsystem zu markieren, wie es Clint Eastwoods Rolle in den Mund gelegt worden war. Dafür bläst er seine Mundharmonika wie die mysteriöse Figur in "Spiel mir das Lied vom Tod", was durch die fernöstlich konnotierten Melodien eine eigene Note erklingen lässt. Ebenso überzeugt die Setgestaltung mit individuellen Ideen wie dem umtriebigen Drachenbootrennen oder dem bedeutungsschwangeren Taubenflug in einer Kirche. Inzwischen erhält der titelgebende Auftragnehmer aus der Unterwelt eine ausgefeilte Charakterisierung.

"Ein Profikiller, aber kein echter Mörder."

Au weia. Da sei ein erneuter Versuch gewagt.

"Auch Killer haben ein Gewissen."

Puh. Gemeint ist, dass der konkrete Mensch hinter dem Abzug des Sniper-Rifles es ebenfalls als Horror (2/10) empfindet, wenn ein Kleinkind zwischen die Fronten gerät. Das Hauptaugenmerk bleibt indes lieber auf die krachigen Shootouts gerichtet, denn hier liegen mal wieder die gewichtigsten Stärken des Streifens. Es geht roh zu, blutig, während alles mit kalkulierten Zeitlupenphasen durchchoreografiert ist (Gewalt 5/10). Die Schießeisen sprechen eine souveräne Sprache, die sich vor der Mainstream-Konkurrenz aus dem Westen nicht zu verstecken braucht. Dabei gelingt eine stringente Klimax, die sich langsam von abgezählten, doch um so ansehnlicheren Einzelschüssen, die meistens aus Pistolen abgefeuert werden, zu verschwenderischen Salven aus Schnellfeuergewehren steigert.

Wieder einmal peinlich fällt leider das Frauenbild aus, für welches die damals 28jährige Sally Yeh ("Fünf Schwerter für die Freiheit") herhalten muss. Ihre Sängerin Jennie erfüllt das ganze Paket misogyner Klischees: Schwächlich, passiv, emotional labil und dumm wie Bohnenstroh. Wie ein vorpubertäres Mädchen (Sex 1/10) kommt sie allenfalls als Opfer in Betracht, das von den überlegenen Männern beschützt werden muss. Aufgrund der oberflächlichen Kommunikation schlägt Woos Versuch, in dieser Hinsicht große Gefühle auf die Leinwand zu bringen, absehbar fehl. Dennoch ist ihm anzurechnen, dass die beiden ambivalenten männlichen Platzhirsche durchaus eine gewisse Differenzierung in ihrer Persönlichkeit erfahren haben.

Bereits dies etabliert "The Killer" unter den früheren Werken John Woos als ebenbürtig, und zwar im Status einer kleinen Filmperle (7/10 Punkten). Natürlich sind es vor allem die sausenden Patronenhülsen, berstenden Fensterscheiben und gekreuzten, aufeinander gerichteten Läufe, die als Kernzutat überzeugen, während das meiste andere Nebensache bleibt. Dieselbe hat dank einprägsamer Kulissen, epischer Melodien und dem Ansatz, von dem Triaden-Gangster und dem Bullen mehr als nur reine Schablonen zu zeigen, ohne Weiteres Qualitäten für sich zu verbuchen. Narrative Schwächen sprachlicher und psychologischer Art stehen jedoch dem umfänglichen Gelingen des zu sehr gewollten, ganz großen Dramas entgegen, was besonders für das unreflektierte, einfach strukturierte Bild von Freundschaft gilt, mit dem das Drehbuch fast schon wahllos um sich wirft. Noch unbedachter handelte die BPjS, die "Blast Killer" (Alternativtitel) bis 2015 ein Vierteljahrhundert lang auf dem Index schmoren ließ. 

7/10
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Kommentare

07.05.2021 11:00 Uhr - sonyericssohn
1x
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Fand den eigentlich sehr anständig, aber auch etwas anstrengend. Müsste den aber mal wieder auffrischen. Kommt aber für mich nicht an Hard-Boiled ran.
Mit 7 Punkten wäre ich wohl auch dabei. Angenehme Erinnerung, Hund 😁

07.05.2021 11:50 Uhr - beebop251
1x
Gelungene Review, der ich inhaltlich nur zustimmen kann. Woos Inszenierung der Thematik "Freundschaft" ist oft sehr seicht geraten, ebenso die Liebesgeschichte. Verstärkt wird das auch durch den Score, wobei viele Stücke aus Red Heat und eins aus dem Chuck Norris Film Hero verwendet wurden, und dem sehr kitschigen Titelsong. Die Action find ich aber über jeden Zweifel erhaben und Woo weiß auch genau, wie er die Zeitlupe effektiv einzusetzen hat und daher würde der Film von mir ne 8+/10 bekommen. Getoppt wird das tatsächlich nur noch von Hard Boiled.

07.05.2021 13:22 Uhr - McGuinness
1x
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Bemüht wohlwollend formulierte Review, der ich als bekennender Verehrer dieses Meisterwerks logischerweise nicht zustimmen kann, da hier meines Erachtens nach einfach alles perfekt zusammenpasst.

Sowohl die Charakterzeichnung der beiden Hauptprotagonisten, als auch die der zu beschützenden Dame, gefallen mir außerordentlich gut, wobei die von Woo typischen Werte von Freundschaft und Ehre ihr übriges tun.

Gewalt 5/10 ist mir persönlich etwas zu niedrig angesetzt, da mit dem roten Lebenssaft geradezu verschwenderisch umgegangen wird, zumindest für einen Actionfilm.

Große Gefühle zwischen Jeff und Jenny wurden für mich hervorragend transportiert und beim ertönen des Titlesongs, natürlich gesungen von Sally Yeh, stellen sich mir heute noch die Härchen auf.

Nach wie vor ein 10er - Kandidat für mich, doch respektiere ich selbstverständlich deine Meinung und Ansicht, und kann verstehen, wenn nicht jeder meine Faszination teilen will 😉

" Hard Boiled " finde ich ebenfalls richtig stark 😎 wenn auch nicht so phänomenal wie dieses Werk hier 🤗

07.05.2021 15:50 Uhr - dicker Hund
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Schönen Gruß zum Wochenende!

@Sony
Sehr anständig, aber auch etwas anstrengend trifft auch meinen Eindruck.

@beebop
Danke für die Anmerkungen zum Score. Das Wort "seicht" trifft meine Wahrnehmung der Macken des Streifens ebenfalls.

@McGuinness
"Bemüht wohlwollend" - da stimme ich zu! Bei 7 Punkten fällt es mir sonst leichter, die Stärken eines Films hervorzuheben.
Was den "Gewalt"-Seismographen angeht, nutze ich diesen nicht genrespezifisch. Ob Komödie, Drama, Horror, Thriller oder Action - sie alle kann man als Schlachtplatte oder fast frei von sichtbaren Ableben inszenieren. Stufen über "5" sehen bei mir schon erste Splattereien vor. Die Hinrichtungen in "Bullet in the Head" gehen in die Richtung, Titel wie der erste "Expendables" und - noch mehr - "Hardcore" sind weitere Beispiele aus dem Actiongenre, bei denen dieses Stilmittel eine größere Rolle spielt. "The Killer" dagegen begnügt sich mit blutigen Einschüssen ohne Fontänen, Folter, Amputationen, platzende Köpfe oder ähnliches, und hat daher die gleiche Kategorie verpasst bekommen wie "A Better Tomorrow" oder "Hard Boiled".
Letzterer gefällt mir klar besser als "The Killer", warum, habe ich sogar schon ausformuliert.
Ein Review von Dir zu "The Killer" würde ich gleichwohl gerne lesen. Mit 10 Punkten wärst Du ja schon in guter Gesellschaft!

07.05.2021 16:16 Uhr - leichenwurm
2x
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Ein, wie immer prima formuliertes und nachvollziehbar begründetes Review, dicker Hund. Inhaltlich muss ich mich aber glasklar McGuinnes anschliessen... für mich auch nen 10 Punkte Kandidat. Die Action ist einfach phänomenal und der übertriebener Pathos, die Melodramatik, sowieso die hier stets mitschwingende Melancholie, sowie zwei Hauptdarsteller die sich innerhalb der hier dargestellten "Freundschaft auf Zeit" gegenseitig vortrefflich ergänzen... eingefangen in Woo-Typischer Zeitlupenästhetik... für mich passt das einfach alles perfekt zusammen. Empfehlen kann ich hier übrigens die DVD-Auflage von EMS, die dem Film eine komplett neue (richtig gut gelungene) Synchro spendiert, die den einen oder anderen unfreiwillig komischen Moment der alten dt. Sprachfassung auslässt.

07.05.2021 18:26 Uhr - McGuinness
1x
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Auf kurz oder lang werde ich " The Killer " definitiv noch rezensieren 😎😉

07.05.2021 21:08 Uhr - The Machinist
1x
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Den würde ich im hiesigen Wertungsschema auch noch höher einschätzen. Aber macht ja nichts, wie gewohnt hast du deine Meinung zum Film treffend und nachvollziehbar erläutert.
Mein Favorit von John Woo bleibt indes ''Bullet in the Head''. Mit dem hat er schon den perfekten Querschnitt aus Melodrama, Heroic Bloodshed und irgendwo auch CAT III-Cinema geschaffen. In meinen Augen zumindest.

PS.: Nur so nebenbei. Ich würde echt mal verdammt gerne eine Review von dir zu einem Werk der Shaw Brothers lesen. ''Human Lanterns'' oder so. Was anderes wäre aber bestimmt ähnlich reizvoll. :)

07.05.2021 21:51 Uhr - DJANGOdzilla
100/10. Schluss, aus, Micky Maus.

Und Dumbo. ;-)

07.05.2021 22:17 Uhr - dicker Hund
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@Leichenwurm
Ja, die Synchro kann was ausmachen.

@Machinist
Von den Shaw Brothers kenne ich das "Bambuscamp der Frauen", welches ich gar nicht mal so übel fand. "Human Lanterns" wäre dagegen eine nostradamische Review-Variante. Also eine Weissagung, ob ich ihn mal sehen und wie ich ihn dann finden werde...

07.05.2021 22:26 Uhr - Kaiser Soze
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Den Film habe ich vor einiger Zeit nach Jahren mal wieder gesehen und schlechter wahrgenommen als Du. Daher umso interessanter zu lesen, wenn so gewohnt eloquent und knackig aufn Punkt mal eine Besprechung folgt, die eben kein in den Himmelloben ist. Den Quatsch mit der verschenkten Frauenrolle würde ich mal aus Ausfall Deinerseits abtun :D In Gegenwart eines solchen Killer wirken wohl die meisten Leute, Männlein, wie Weiblein, nicht allzu "hart", aber egal. Gute Besprechung eines in meinen Augen viel zu zäh-langatmigen Films.

23.05.2021 13:36 Uhr - Grrrg
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07.05.2021 22:26 Uhr schrieb Kaiser Soze
Den Quatsch mit der verschenkten Frauenrolle würde ich mal aus Ausfall Deinerseits abtun :D In Gegenwart eines solchen Killer wirken wohl die meisten Leute, Männlein, wie Weiblein, nicht allzu "hart", aber egal.

Arrogant und beleidigend. Eigentlich sollte man für solche Kommentare gesperrt werden.

Das Review gibt meine Meinung zum Film exakt wieder. Top auf den Punkt gebracht!

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