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Evil Dead Trap - Die tödliche Falle

Originaltitel: Shiryō no wana

Herstellungsland:Japan (1988)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Abenteuer, Horror, Splatter
Alternativtitel:Evil Dead's Trap
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,19 (36 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nami, die Moderatorin der erfolgreichsten Late-Night-Show im japanischen TV-Alltag, erhält eine VHS-Kassette mit grausamem Inhalt: aus der Perspektive des Täters gefilmt, sieht man in einem schrecklichen Snuff-Film, wie eine Frau brutal gefoltert und getötet wird. Angewidert, aber noch mehr fasziniert von dem Gezeigten, macht sich Nami mit einem Filmteam auf den Weg, den Täter ausfindig zu machen, ohne zu ahnen, dass sie direkt in die tödliche Falle läuft. Der Kampf ums Überleben beginnt... (Eyeless Entertainment DVD-Cover)

eine kritik von the machinist:

Evil Dead Trap

Massaker mit Mehrwert

 

Nicht zu verwechseln mit Sam Raimis kultigen Evil Dead-Filmen gehört Evil Dead Trap von Toshiharu Ikeda zu den  einflussreichsten japanischen Horrorfilmen der Achtzigerjahre. Das verwundert kein bisschen, denn was auf den ersten Bick ein durchschnittlicher Slasher-Flick zu sein scheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ambitionierter Genrefilm mit Hang zur Wahnvorstellung. Wie man das von den Japanern kennt, fließt dabei natürlich auch sehr viel Blut.

Nami (Miyuki Ono), Moderatorin einer Late-Night-TV-Show, erhält eine Videokassete von unbekanntem Absender. Die Aufnahme stellt sich als Snuff-Tape heraus, auf dem eine junge Frau grauenhaft gefoltert und anschließend getötet wird. Verstört aber doch fasziniert von dem Gezeigten, stellt Nami ein Filmteam zusammen und macht sich auf zu dem verlassenen Ort, von wo aus das Videomaterial scheinbar stammt. Dort angekommen muss die Crew feststellen, dass der Killer nach wie vor zugegen ist und das leerstehende Industriegelände mit allerlei tödlichen Fallen gespickt hat. Eine Flucht scheint unmöglich... 

Ikeda, der vorher schon mit Filmen wie Scent of a Spell und der Angel Guts-Installation Red Porno Fuß im Exploitation-Sektor gefasst hatte, orientierte sich für diesen Film an Motiven klassischen Horrorkinos. Neben Hitchcocks Psycho und dem florierenden Angebot US-amerikanischer Slasher-Reihen wie Freitag der 13. oder Halloween atmet Evil Dead Trap durch und durch den Geist früher Dario Argento-Werke (Profondo Rosso, Inferno) und zelebriert zudem ähnliche Gewaltorgien wie die des italienischen Kollegen. Dazu gesellen sich (Ironie?) Evil Dead-artige Kamerafahrten, die das agierende ''Böse'' entfremden und dem Film schon zu Anfang eine wenig greifbare übernatürliche Note verleihen.

Auch der wilde Mix aus elektronischem Bass und tranceartige Filmmusik ruft sofort Erinnerungen an Giallokunst wach, genauso wie die übertrieben klirrenden Soundeffekte, bei denen man sich schon auf einem Industrial-Konzert wähnt, wo ausschließlich mit blanken Küchenmessern gespielt wird. Und wenn der Killer bereits in den ersten Minuten einem Opfer saftend und glitschend ein Auge aussticht, würde es wahrscheinlich sogar Lucio Fulci (Das Haus an der Friedhofsmauer, Der New York Ripper) eiskalt den Rücken herunterlaufen.

Das alles ist aber nicht einfach nur gut geklaut, sondern auch logisch weitergedacht. Die Prämisse rund um die fiesen Fallen hält das Geschehen stets unvorhersehbar und hat in gewisser Weise auch schon die Grundidee zum langlebigen Saw-Franchise vorweggenommen. Gestorben wird in Evil Dead Trap deftig heftig, was in vielen hervorragenden Spezialeffekten resultiert und man den prägnanten Killer mit allerlei Mordwerkzeug (Rambo-Messer oder Armbrust gefällig?) gekonnt in Szene zu setzen weiß. Die Laufzeit von gut 100 Minuten ist optimal für die Belange des Films und lässt so gut wie keinen Leerlauf zu. Auch ist das Werk frei von komödiantischen Untertönen und die kontinuirlichen Morde zwar splatterhaft überzeichnet aber niemals albern.

Das Industriegelände beschwört mit seiner räudigen Ausstrahlung eine so physisch greifbare Stimmung herauf, der man sich nur schwer zu entziehen vermag. Die verträumte Bildsprache ergeht sich in perfekten Volltotalen und Kameramann Masaki Tamura (der hat unter anderem auch Lady Snowblood und Tampopo gefilmt) ist ein absoluter Meister darin, blauen Dunst mit monochromen Schnittgewittern zu vereinen. Hauptakteurin Miyuki Ono spielt durch die Bank überzeugend, was bei einem derartigen Film gleich noch sehr viel krasser auffällt, auch wenn sie ihre Rolle damit nicht vor gelegentlich surrealer Dummheit retten kann. Sinn und Zweck der übrigen Charaktere hält keine großen Überraschungen bereit, nicht umsonst hatte man für deren Verkörperung eine Handvoll Pornodarsteller auf der Ersatzbank. Über einige wirre Szenen, die nicht immer hundertprozentig Sinn ergeben, sollte man derweil genauso gefeit sein.

Der vor morbiden Bildkompositionen schon fast überquellende Showdown mündet in einem Japano-Mindfuck vom Allerfeinsten, der natürlich erneut zu sehr viel Blutnebel führt. Nicht zuletzt sind es aber wie gesagt die Bilder und die Musik die einen im wahrsten Sinn des Wortes heimsuchen.

Anfang der Neunziger entstanden zwei Fortsetzungen.

''Is killing really that much fun? Do you enjoy it?''

 

Fazit

Evil Dead Trap schickt Argento-Atmosphäre auf Kollisionskurs mit typisch asiatischem Gore-Porn. Das hat auch nach über dreißig Jahren nichts von seinem rigorosen Charme verloren und ist somit trotz vorhandener (Genre)Schwächen absolutes Pflichtprogramm für Fans siffig-stylischer Japan-Schocker.

8/10
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Kommentare

20.03.2021 16:50 Uhr - The Machinist
2x
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Hat mich echt überrascht, dass der hier anscheinend noch nie besprochen wurde.

20.03.2021 19:31 Uhr - dicker Hund
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Prima Titelwahl! Den habe ich schon lange auf dem Radar. Leider haben sich unsere Wege bisher noch nicht gekreuzt. Nach Lektüre des feinen Reviews empfinde ich das noch mehr als einen korrekturbedürftigen Zustand.

20.03.2021 20:13 Uhr - Nubret
1x
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Wahrlich einer der besten japanischen Horrorschocker, sehr ansprechend rezensiert!

@dicker Hund: Der wird dir auf alle Fälle zusagen!

21.03.2021 00:35 Uhr - Dissection78
4x
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Die seligen 90er. Mitte jenes Jahrzehnts wurde ich durch die Moviestar auf "Evil Dead Trap" aufmerksam. Das ist ein so interessanter wie ungewöhnlicher Streifen von Ikeda Toshiharu ("Mermaid Legend"), der wie beschrieben Slasher- sowie Giallo-Motive à la Argento und Bava mit einer Prise Body-Horror vermischt. Das bizarre Ergebnis gefiel mir immer sehr gut. Dementsprechend gehe ich hier bei Deinem Fazit mit, Herr Machinist.

Auf "Evil Dead Trap 2" freute ich mich damals besonders, weil dies nur einer von dreien unter tausenden von Horrorfilmen in Frank Trebbins "Die Angst sitzt neben dir" ist, der mit einem Blut'n'Gore-Faktor von 10 versehen wurde (die anderen beiden 10er-Streifen waren "Braindead" und "Premutos"). Ja, zu der Zeit legte ich da Wert drauf. Heute rolle ich ein wenig mit den Augen, wenn ich mich an so etwas zurückerinnere. Aber, hey, ein kleiner Gorebauer steckt immer noch in mir - neben dem Arthouse-Snob, dem Atmo-Liebhaber und diversen anderen 'Persönlichkeiten'. Jedenfalls wurde ich von Nummero Zwo alias "Hideki: The Killer" irgendwie enttäuscht. Den fand ich zu jener Zeit lahm, sperrig und gar nicht so megabluttriefend wie erhofft, doch das Finale...! Hehe. Heutzutage würde ich ihm definitiv eine neue Chance geben. Wahrscheinlich gefiele er mir besser. Den dritten "Evil Dead Trap" ("Broken Love Killer") sortierte ich unter melancholisch-schleppender Kauzigkeit der brachialeren Sorte ein.

Insgesamt ist mir die Reihe, die ja eigentlich keine ist, als relativ schwere Kost bzw. harter Tobak erinnerlich. Ich habe seit Ewigkeiten keinen Blick mehr riskiert, doch der Erstling war mein Favorit. Weiter so! :)

21.03.2021 13:37 Uhr - cecil b
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Moderator
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Geil, die Review, und dass ich mich jetzt auf diesen Film freue! Hatte den schon mal angefangen zu gucken, dann kam mir was dazwischen, und an den nächsten Tagen wollte ich was anderes gucken. Laughing Vampire hat mit einer Review angefangen, aber du bist der Erste! 'Herzlichen Glückwunsch' und Danke! :)

22.03.2021 00:50 Uhr - The Machinist
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Danke an Alle für eure Rückmeldungen. Da hat es sich ja gelohnt mal wieder die Feder zu schwingen!

@dicker Hund: Wie auch schon von Nubret angemerkt bin ich mir ebenfalls sicher, dass der genau in dein Beuteschema passt.

@Nubret: Würde ich dir im Bezug auf die Achtzigerjahre zustimmen. Ich selbst bin ja so ein beinharter Takashi Miike-Fan und halte es für gut möglich, dass der sich bei manchen seiner Filme von ''Evil Dead Trap'' inspirieren ließ. Speziell ''Audition'' und ''Gozu'': Wie die aussehen, Beleuchtung, etc.

@Dissection: Zu der Zeit war ich noch überhaupt nicht geboren, aber freut mich wenn dir der Film auch so gut gefällt. Hatte alle drei vor einigen Jahren schonmal gesehen. Über die Fortsetzungen werde ich nicht schreiben. Fand die durchaus interessant, wobei ich auch ganz klar zum Ersten tendiere.

@cecil: Das Laughing Vampire was für den übrig hat weiß ich. Mal sehen was er dazu erzählen kann.

22.03.2021 00:53 Uhr - The Machinist
User-Level von The Machinist 8
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Ach ja, und bevor ich's vergesse. Hier kann man sich ein eigenes Bild machen:

https://www.youtube.com/watch?v=VjKsSr6MEVE

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