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Exte: Hair Extensions

Originaltitel: Ekusute

Herstellungsland:Japan (2007)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Alternativtitel:Exte
Fonika extensions
Наращивание волос
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,20 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

In einer Kleinstadt treiben blutrünstige Haarverlängerungen ihr Unwesen: Am modischen Kopf ihres neuen Besitzers angebracht, entwickeln sie schnell ein mörderisches Eigenleben. Die Spuren führen zu Totenwächter Yamazaki. Als der kahlköpfigen Leiche eines Mädchens meterlange Haare aus den Wunden sprießen, entführt der Haarfetischist sie zu sich nach Hause. Bürstend und striegelnd verbringt er seine Zeit mit ihr und verkauft schließlich Teile der unglaublichen Haarpracht an den Friseursalon "Gilles de Rais", in dem auch die langhaarige Yuko arbeitet... (Rapid Eye Movies DVD-Cover)

eine kritik von the machinist:

Exte: Hair Extensions

Schönstes Haar 2007

 

Mit Suicide Circle und dessen Quasi-Prequel Noriko's Dinner Table hatte der japanische Enfant Terrible Sion Sono Anfang der Nullerjahre zwei bereits über alle Maßen weirde Horrorschocker vom Stapel gelassen, und auch 2005 wurde es psychotisch in seinem poetisch verstörenden Meisterwerk Strange Circus. Exte: Hair Extensions von 2007 bildet da selbstverständlich keine Ausnahme im verrückt-frivolen Regie-Kanon des japanischen Vielfilmers. Tatsächlich hat die - im wahrsten Sinn des Wortes - haarige Angelegenheit aber sehr viel weniger mit zeitgenössischem J-Horror zu tun als man vielleicht meinen mag, ist aber gerade deswegen so gut. 

Schon seit ihrer Kindheit ist es Yukos (Chiaki Kuriyama) Traum, Friseurin zu werden. Die Ausbildung im renommierten Friseursalon ''Gilles de Rais'' läuft gut und in Yuki (Megumi Sato) hat die junge Frau mit scheinbar trauriger Vergangenheit eine nette Mitbewohnerin im sonnigen Küstenstädtchen gefunden. Das ändert sich jedoch schlagartig, als eines Tages Yukos ältere Schwester Kiyomi (Tsugumi) mit ihrer kleinen Tochter Mami (Miku Sato) vor der Tür steht und ihr das schwer verängstigte Kind aufschwatzt. Doch Yuko kümmert sich liebevoll um die Kleine, zeigt sich zudem besorgt, da Mami allem Anschein nach von ihrer Mutter schwer misshandelt wird. Als wäre dies noch nicht genug des Trubels, taucht plötzlich der exzentrische Yamazaki (Ren Osugi) mit einem Vogelkäfig voller Echthaar im Friseursalon auf. Die Haarproben seien umsonst und von erlesenster Qualität. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden und so finden die ''Hair Extensions'' bald ihre ersten Kunden. Was Yuko und ihre Kollegen nicht wissen: Die Haare stammen alle von ein und der selben Person und besitzen anscheinend ein mörderisches Eigenleben, das bald die ersten Toten fordert...

Die bizarre Horrorstory, wie sie auch Mangaka Junji Ito kaum seltsamer ersonnen haben könnte, konzentriert sich aber vor allem auf ihre ausgetüftelten zwischenmenschlichen Beziehungen. Nicht umsonst ist der Drama-Anteil in Exte für einen Genrefilm überraschend hoch. Dies ist aber keineswegs zum Haare raufen, sondern insgesamt recht gut aufeinander abgestimmt, wenn auch in seiner Gänze etwas seifenopernartig. Natürlich ist es da unerlässlich, dass Yuko morgens beim Aufstehen und auf dem Weg zur Arbeit einen komplett durchgeskripteten Monolog mit sich selbst führt, sich am Ende des Tages wertvolle Tipps von der Geschäftsleitung einholt und am Abend zuhause fleißig an einem Echthaar-Übungskopf schnippelt. Will man ja auch alles wissen in einem klassischen Sion Sono-Erlebnis! 

Mit Chiaki Kuriyama (Battle Royale, Kill Bill Vol.1) wurde die Rolle der Yuko haarsträubend gut besetzt. Deren Fürsorge für die kleine Mami ist irgendwann auch Dreh- und Angelpunkt des Geschehens, strotzt vor vitaler Melodramatik bis in die Spitzen und fungiert außerdem als haarscharf gedachtes Mutter-Tochter-Scheinkonzept, hinter dem sich von Kindesmisshandlung bis hin zur Abtreibungsthematik so einiges an Kontroversem verbirgt. Klar mag sich der ein oder andere Horror-Geek irgendwann fragen, was Derartiges (inklusive einem Friseur-Wettbewerb) eigentlich in so einem Streifen zu suchen hat, Film-Enthusiasten und Kenner des Regisseurs werden in solchen Momenten unweigerlich Sonos Hang zu schwer kategorisierbarer Realitätsflucht sehen.

Nur der Einsatz des weinerlichen Kleinkindes Mami fällt mitunter zu voluminös aus und hätte eine fachliche Kürzung mit der Schere vertragen können, genauso wie der eingeflochtene Nebenhandlungsstrang um zwei Polizisten, die in den behaarten Mordfällen ermitteln, was sich dann aber letztendlich als so nötig herausstellt, wie eine Haarverlängerung an einem Siebziger-Jahre-Afro.

Punkten kann Exte dafür nochmal mit überwiegend starken Frisen-Tricks, die nur seltene und verzeihbare CGI-Ausreißer beinhalten und ansonsten gerne mal in bester Stop-Motion-Manier einem Opfer wortwörtlich die Haare bis zur Zimmerdecke stehen stehen lassen. Kein Wunder, war doch erneut Effekte-Stylist Yoshihiro Nishimura voll haarigem Tatendrang bei der Sache und lässt die schwarzen Strähnen aus Mündern, Augäpfeln und sogar Wunden sprießen. Mit kiloweise Kunsthaar sorgt der auch dafür, dass Mamis kratzbürstige Rabenmutter und deren borstiger Lover das Haarmageddon auf Erden erleben. Nebenbei gesagt erweist sich die Herkunft der eigenmächtig agierenden Tolle als sehr originell, wenn auch mitunter etwas an den Haaren herbeigezogen.

Obwohl er im Film irgendwann gar Haare zum bluten bringt, hat der Regisseur Exte gegenüber vielen seiner anderen Werke in der Gewaltdarstellung stark gestutzt und ordentlich getrimmt. Wenn hier wirklich Blut fließt, dann zum Großteil in gewaltsamen Flashbacks, die ein wenig was von David Finchers schnell geschnittenem Sieben-Intro haben. 

Ferner noch liefert die nur allzu bescheuerte Prämisse einen überdeutlichen Kommentar auf immer banaler werdende Horrorfilm-Ideen der vergangenen Jahrzehnte. Was bitte soll denn nach Killer-Ameisen, Killer-Kaninchen, Killer-Joghurt, Killer-Pflanzen, Killer-Tomaten, Killer-Autos, Killer-Puppen, Killer-Fahrstühlen und sogar Killer-Betten noch großartig kommen? Genau, Killer-Haare! Überdies kann man Exte ebenso als wilde Persiflage über das japanische Horrorkino in seiner Gesamtheit sehen, aus dem lange schwarze (vorzugsweise noch nasse) Haare schon lange nicht mehr wegzudenken sind.

Das Alles bekommt noch das letzte Finish durch den geistig ziemlich verföhnten Haar-Fetischisten Yamazaki (kongenial albern: Ren Osugi), der sogar in einem Haar-Auto unterwegs ist, und in dessen zur Haar-Hölle umdekorierten Bruchbude auch der morbide Schlussakt steigt. Derweil ist Hikari Mitsushima, die man ein Jahr später in Sonos hanebüchen grandiosen Sekten-Thriller-Schwulst-Epos Love Exposure lieben lernen sollte, in einer Nebenrolle zu sehen.

''Es wächst. Es wächst.''

 

Fazit

Wer meint im Horrorgenre schon alles gesehen zu haben, der dürfte bei Exte: Hair Extensions sein haariges Wunder erleben.

8/10
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Kommentare

25.03.2021 06:39 Uhr - dicker Hund
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User-Level von dicker Hund 17
Erfahrungspunkte von dicker Hund 5.197
Es macht Spaß, Deinen enthusiastischen Wortwitz zu lesen, auch wenn mich dieses offenbar schräge Werk nur bedingt reizt.

25.03.2021 11:47 Uhr - The Machinist
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User-Level von The Machinist 8
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@dicker Hund: Danke. Ich mag ihn ja total gerne, wie die meisten anderen Filme des Regisseurs auch, aber das konnte man der Kritik vermutlich schon entnehmen. Weitere Besprechungen über Sion Sono werden in absehbarer Zeit folgen.

Danke übrigens mal an der Stelle, dass du unter weitestgehend jedem meiner Reviews stehst. Wollte ich schon ewig loswerden.

25.03.2021 12:11 Uhr - Chímaira
1x
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Eine Kritik, mit welcher Du gut zu unterhalten weißt. Die haarigen Anmerkungen passen ohne Zweifel sehr gut und konnten mir häufig ein Lächeln abgewinnen. Dank Dir weiß ich auch endlich, zu welchem Friseur Sadako und Kayako gehen. Ich sehe es schon förmlich bei den nächsten SB-News: "Sadako vs. Kayako vs. Ekusute - Die beiden Horrorikonen werden mit ihren schlimmsten Feinden konfrontiert ... ihren eigenen Haaren!"

25.03.2021 15:02 Uhr - The Machinist
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User-Level von The Machinist 8
Erfahrungspunkte von The Machinist 864
@Chimaira: Oh ja, aber bitte mit Takashi Miike auf dem Regiestuhl und Quentin Tarantino als Sadako!

PS.: Chiaki Kuriyama würde bestimmt auch eine ziemlich gute ''Tomie Kawakami'' abgeben. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

25.03.2021 15:36 Uhr - Chímaira
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25.03.2021 15:02 Uhr schrieb The Machinist
@Chimaira: Oh ja, aber bitte mit Takashi Miike auf dem Regiestuhl und Quentin Tarantino als Sadako!

PS.: Chiaki Kuriyama würde bestimmt auch eine ziemlich gute ''Tomie Kawakami'' abgeben. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Hört sich schon jetzt nach einem Blockbuster an ;)

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