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Beerfriends - Zwei Prolos für ein Halleluja

Originaltitel: Fubar II

Herstellungsland:Kanada (2010)
Genre:Komödie
Alternativtitel:Fubar: Balls to the Wall
Fubar: Gods of Blunder
Bewertung unserer Besucher:
Note: 3,00 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Terry und Deaner: Zwei arschbreite Vokuhila-Prolls mit einer klaren Mission - keine Party ohne Alk, Sex, Metal und Kettensägen. Wer süße Hauskatzen erschießt und selten mehr als zwei Finger zeigt, ist wie geschaffen fürs Verlegen von Ölrohren. Die natürlich sofort vors Gemächt gehalten werden, gleich nach der spontanen Selbstanzündung. (Koch Media Internetseite)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von romero morgue:

LIGHTBEERMOVIE


In den 90er hatten ich und ein paar Kumpels auf einigen Partys mal eine VHS Kamera mitlaufen lassen und alles aufgezeichnet was dabei so an Blödsinn gemacht wurde. Wenn wir das damals als Film zugeschnitten hätten, wäre wohl etwas ähnliches wie der Anfang vom vorliegende FUBAR II bei rausgekommen! Nun ja...ganz so schlimm ist es dann jetzt doch nicht, da dem bei uns als BEERFRIENDS vermarkteten Klamauk so etwas wie ein Drehbuch zugrunde liegt, beides aber dennoch Dokumentationen über verblödete Vollpfosten sind.

Dean und Terry lieben Metalmusik und Bier. Kein Job, kein Bock auf gar nichts. Nachdem der gesamte Alk-Vorrat auf einer Party vernichtet wurde und die Unterkunft nicht mehr bewohnbar ist, zieht es die beiden Chaoten nach einem Tipp von Tron; der als Schweißer und "Holzfäller" arbeit; quer durch Alaska nach Alberta um dort für "viel Geld" als Bauarbeiter bei einer Ölfirma anzuheuern. "Wir machen ´ne viertel Million im Jahr und alles ist super". Hätte der gute Tron doch lieber seine Klappe gehalten. "Habt ihr Arbeitsschuhe? Schutzhelme?", "Was für´n scheiß?". Ohne Sicherheitszeugnisse läuft da gar nichts. Nach dem bei der Einkaufstour die letzte Kohle für die PSA ausgegeben wurde, erhält man durch viel Glück dann doch die Jobs ohne zu wissen was richtige Arbeit wirklich bedeutet. Selbst die Arbeitskollegen wollen in der Kneipe nichts mit den beiden Losern zu tun haben. Aber wozu gibt es eine Unfallabsicherung für hart arbeitende Männer? Also sich mal eben schnell das Bein brechen und abkassieren, ohne zu wissen das für eine Auszahlung eine bestimmte Zeit im Vorfeld gearbeitet werden musste. Zu allem Überfluss drängt sich nicht nur Trish (die "heiße" Rubens-Bardame) zwischen die Freundschaft sondern auch ein "Rückfall" bei Dean. Pech im Überfluss, den keiner der beiden gebraucht hätte und die Beziehung fast zerbrechen lässt. Da ist der Doppelselbstmordversuch durch den "Weihnachtsmann" noch eines der kleineren Übel.

Michael Dowse präsentiert uns mit dem Nachfolger von FUBAR (was für Fucked up beyond all recognition steht und sinngemäß soviel bedeutet wie Bis zur Unkenntlichkeit beschissen) eine waschechte Mockumentary, die alles ist, nur halt nicht "krasser als New Kids", wie uns der Werbetext weiß machen möchte. Mal wider werden hier Erwartungen (oder besser) Suggestionen geweckt, die weder stimmen noch überhaupt passen. Sicherlich sind auch die besagten Niederländer alles andere als "normal umgänglich" und frönen auch dem Alkohol und den Drogen. Das war es dann aber auch schon mit den parallelen. Die beiden Protagonisten Dean und Terry (gespielt von Paul Spence und Terry Lawrence) sind eher die auf ihre Art liebenswerten Loser, die einfach kein Glück haben und sich so durch das harte Leben schmuggeln. Dean hat bereits eine kleine Familie (eine Ex-Verflossene samt Tochter, die er über alles liebt) und Terry ist "natürlichweise" nicht in der Lage sich eine solche zu besorgen. Alles ist schief gelaufen (selbst die (Metal)Musikkarriere funzt nicht) und somit flüchtet man sich halt in dem vernichten von literweise Hefebräu und dem abbrennen von Pflanzen. Die Freundschaft ist das einzige was die beiden Aufrecht hält, welche aber gewaltig ins Schwanken gerät wenn sich Frauen und das liebe Geld einmischen. Im Grunde also wie eine durchschnittliche Männerbeziehung die jeder kennt.

Die besten Gags werden bereits in den ersten 30 Minuten verschossen und ab der Mitte wandelt sich der Film eher zu einer Dramödie. Zwischendurch lockert sich das Geschehen durch einige subtile Humoreinlagen etwas auf (etwa wenn Dean sich bei der Blutabnahme beim Arzt wie ein Junkie verheißungsvoll auf die Spritze freut), im Kern halten sich die Witze aber in Grenzen. Eventuell finden es andere ja amüsanter wenn ständig über das Poppen sinniert wird, jede Minute mehrmals "ficken" gesagt wird (die deutsche Synchro ist trotzdem passabel) und sich das Benehmen der beiden Anti-Helden in der unteren Schublade befindet. Trotzdem hat man am Ende sogar Mitleid mit den Figuren, da sie zwar der Sache geschuldet übertrieben dargestellt sind aber auch bodenständig bleiben.

Paul Spence war bereits an zahlreichen Indiefilmprojekten beteiligt, hat sogar Teile des Soundtracks beigesteuert und scheint in seiner Heimat Kanada kein Unbekannter zu sein. Auch David Lawrence konnte schon in einigen Movies Erfahrungen sammeln wie z.B. in GOON (auch von Dowse mit Sean W. Scott) und zahlreichen Indie- & Trashfilmen. Die einigermaßen bekanntesten in den Reihen dürfte neben Francis Damberger (u.a. dem Western GUNFIGHTER) noch Terra Hazelton als Trish sein. Neben der Schauspielerei ist sie eine erfolgreiche Jazzmusikerin und Rundfunksprecherin. Somit kann man dem Film hier schon mal keine großen Vorwürfe machen. Technisch sollte man aufgrund der Ausrichtung auch nicht viel erwarten. Aber wenn ich ganz groß einen lustigen Film ankündige dann sollte es dieser auch sein. Leider ist hier aber wie gesagt der Hund begraben. Von all dem was man erwarten ist einfach zu wenig vorhanden: Nur kleine Witze (welche bereits am Anfang am meisten vorhanden sind), keine Metalmusik (nun ja, es sind Songs von KROKUS, Black Sabbath, REO Speedwagon, Slaughter und Poison vorhanden welche aber alle eher dem Rock zugeschrieben werden können), noch nicht einmal ein richtiger Spielfilm - nein, einfach alles dümpelt auf Sparflamme. Das einzige was zuhauf vorhanden ist, ist die Fäkaliensprache über die sich in dieser Fülle eventuell noch ein jüngeres Publikum belustigen wird.

Aber aus irgendeinem Grunde kann ich hier von keinem Totalausfall reden. Denn wenn man sich das ganze aus einem anderen Blickwinkel anschaut dann funktioniert das sogar. Man sollte halt nur keinen saulustigen Film erwarten. Am Ende streift das ganze sogar das Melodrama (etwas sehr übertrieben ausgedrückt). Wer also an Werbetexten wie "Lustiger als alles, was du je sehen wirst! Pures Gold!" glaubt der kann nur enttäuscht werden. Somit trifft (mal wieder) den Verleiher eine Mitschuld. Aber wie soll man so einen Mischmasch auch anders vermarkten? Als Indieanarchomelodramödie? Keine Ahnung ob das was gebracht hätte. Das Endprodukt gleich als FUBAR zu bezeichnen wäre dann doch etwas zu übertrieben und gemein.


Am Ende bleiben noch 4 Dosen Fubar-Premium Lager(light)bier übrig. Nett gemacht, zumindest einigermaßen sympathische Schauspieler/Charaktere und technisch in Ordnung. Das deutsche Cover macht auch was her - hat doch auch was! Mehr will ich aber nicht geben, da ich immer die ganze Zeit darauf gewartet habe dass das ROCK BAND Schlagzeug im Wohnzimmer von Dean/Terry zum Einsatz kommt und wurde enttäuscht. Genauso wie wahrscheinlich ein Großteil der im Vorfeld ahnungslosen Zuschauer. Am besten eignet sich der Film in der Vorweihnachtszeit für einsame Seelen oder notorische Proleten!

4/10
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Kommentare

02.04.2021 07:51 Uhr - dicker Hund
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Fubar II dürfte so gar nicht mein Geschmack sein. Die Besprechung liest sich aber locker herunter und fair differenziert.

Aprilscherz-Fallen konnte ich auf die Schnelle nicht ausmachen. Sonst möge man mich am 2. April aufklären.

:-))

02.04.2021 16:27 Uhr - Romero Morgue
1x
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@ dicker Hund

Keine Panik, die Review ist wirklich kein Aprilscherz und da sind auch keine Fallen versteckt. Wenn, dann kann man den ganzen Film als (schlechten) Scherz bezeichnen. 😉

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