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Cut and Run

Originaltitel: Inferno in diretta

Herstellungsland:Italien (1985)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Abenteuer, Horror, Splatter, Thriller
Alternativtitel:Amazon: Savage Adventure
Straight to Hell
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,95 (35 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Um ihren skrupellosen Machenschaften ungestört nachgehen zu können, errichtet ein kolumbianisches Drogenkartell sein Lager direkt im Dschungel. Doch die scheinbare Ruhe wird durch einheimische Buschmänner zerstört. Auf bestialische Weise metzeln sie die Eindringlinge einen nach dem anderen nieder. Im Zuge einer Reportage um den tot geglaubten Drogenboss Colonel Horne, von dem ein aktuelles Foto bei einem Mord in Miami gefunden wurde, machen sich kurz darauf Fran Hudson und Mark Ludman auf den Weg in den Dschungel. Sie wittern eine heiße Story, denn auf dem Foto ist neben dem Drogenboss der ebenfalls tot geglaubte Sohn ihres Senderchefs zu sehen. Als sie bei ihren Recherchen auf die Spuren des blutigen Massakers stoßen, ahnen sie nicht, dass auch sie sich schon längst im Visier der primitiven Wilden befinden... (84 Entertainment)

eine kritik von chollo:

Ich muss gestehen dass ich kein allzu großer Bewunderer Ruggero Deodatos und seinen Arbeiten bin. Sein "Cannibal Holocaust" schneidet bei mir persönlich noch am besten ab und gilt gemeinhin als die Krönung des kurzlebigen Kannibalen Genres sowie Deodatos persönliches "Meisterwerk". "Der Schlitzer" ist atmosphärische Durchschnittsware, wohingegen "Die Babaren" nur als peinlicher Trash bezeichnet werden kann. Wie schneidet also sein etwas höher budgetierter und mit einigen B- bis C- Stars gespickter Film bei mir ab? Nicht besonders gut muss ich leider sagen!

Schon die Story kommt hanebüchen daher und weiß nicht recht wohin sie will. Ein Viertel Horror, Ein Viertel Abenteuer, Ein Viertel Action und ein Viertel (unfreiwillige) Komik. Fertig ist die beinahe unverdauliche Genre Suppe. So eine Unentschlossenheit wirkt auf den Zuschauer nicht nur anstrengend, sondern auf Dauer auch irgendwie ermüdend. Zumal es Deodato meines Erachtens zu keiner Sekunde schafft, diese Richtungen auch nur Ansatzweise plausibel und unterhaltsam zu kombinieren.

Ein weiteres Manko sind Ruggeros offensichtlich limitierte inszenatorische Fähigkeiten. Irgendwie wirkt der Film auf mich doch recht dilettantisch was Kamera, Settings und dergleichen angeht. Ähnlich einer privat Person, die irgendwo im Hinterland oder vor der eigenen Haustür Aufnahmen mit dem Camcorder macht. Hektisch und unausgegoren kann hier von einer professionellen Bildsprache nun wirklich nicht die Rede sein. Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren dass der Gute, seit seinem auf semi-dokumentarische Visualisierung setzende "Cannibal Holocaust", nichts mehr dazu gelernt hat. War jenes bei diesem noch nützlich und hat sich wunderbar in das Gesehene eingefügt, wirkt die gleiche Masche hier nur noch amateurhaft.

Als nächstes kommen die Darsteller an die Reihe. Lisa Blount, Richard Lynch, Michael Berryman, Karen Black und Eriq la Salle. Da sollten versierter B-Film Recken mit der Zunge schnalzen und eigentlich dürfte da auch nichts mehr schief gehen oder?! Nun ja, Karen Black ("Invasion vom Mars") und auch  Michael Berryman ("The Hills have Eyes") bekommen eigentlich nur größere Gastauftritte spendiert. Sie darf sich damit begnügen immer mal wieder ihr entsetztes Gesicht vor laufenden Bildschirmen zu präsentieren, und er springt hier und da ganz unerwartet aus dem Wasser. Talentverschwendung wenn ihr mich fragt. Eriq la Salle, dem Mainstream Publikum vor allem aus seiner Rolle in der Serie "Emergency Room" bekannt, mimt hier den Zuhälter mit Herz. Nicht nur dass seine Aufmachung als farbiger "Pimp" an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten ist weil er das volle Klischee bedient, bekommt er auch noch einen äußerst dümmlichen Tod spendiert, bei dem wieder einmal Deodatos fast laienhafte Bildsprache die eigentliche Hauptrolle übernimmt. Richard Lynch sehe ich, neben seinem Kollegen in Sachen Schurken Gesicht der Achtziger Jahre Billy Drago, normalerweise gerne. In "Invasion U.S.A." durften sich beide nebenbei bemerkt sogar kurz den Bildschirm teilen. Hier gibt Lynch um es kurz zu machen den Colonel Kurtz aus "Apocalypse Now" für Arme. Ein Pseudo-philosophischer Spruch reiht sich an den nächsten, ohne dabei natürlich auch nur Ansatzweise die Intensität eines Marlon Brando zu erreichen. Im hauseigenen Making of zieht er dann noch Parallelen zu den beiden Darstellungen, was dem Fass der Überheblichkeit dann schon irgendwo den Boden ausschlägt. Diese beiden Erzeugnisse sollten nach Möglichkeit nicht in einem Atemzug genannt werden. Lisa Blount ("Die Fürsten der Dunkelheit") spielt dann noch die kultivierte Zicke, die sie nach gequält wirkenden diplomatischen Aussagen Deodatos wohl auch abseits der Kamera gegeben hat. Null Empathie, geschweige denn Mitgefühl, was ihre Rolle angeht auf Seiten meiner Wenigkeit kann ich da nur sagen.

Die Härten die man bei dem Namen des Regisseurs und einer vergangenen Indizierung von gut 25 Jahren erwarten würde, bekommt man dann auch nicht wirklich zu sehen. Eine grafische Zerteilung im Mittelteil und das "Massaker" zu Beginn, viel heftiger wird es nicht mehr. Der rote Flatschen der FSK mag zwar nach heutigen Standards gerade noch gerechtfertigt sein, erfahrene Gorehounds oder Splatterfreaks schauen aber trotzdem frustriert in die Röhre. Mehr wäre hier eindeutig besser gewesen und hätte eventuell noch dabei geholfen, die übrigen Schwächen die "Cut and Run" zuhauf zu bieten hat etwas zu übertünchen. Mit so etwas sollte sich der Mann hinter der Kamera eigentlich auskennen.

Einen Punkt für die zwar verworrene, aber durchaus mutige Geschichte die einem hier aufgetischt wird. Einen Punkt für Michael Berryman und Richard Lynch, weil sie sich trotz der Rahmenbedingungen sichtlich Mühe geben. Einen weiteren für die wenigen, aber optisch durchaus gelungenen Bluteinlagen. Und einen letzten für die Nostalgie. Macht in der Summe 4 Punkte. Und mehr kann ich Deodatos, in meinen Augen in seiner Gesamtheit misslungenen Genremix, beim besten Willen nicht geben.

4/10
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Kommentare

10.04.2021 13:44 Uhr - Draven273
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Hm, na das ist doch mal eine ganz andere Sicht auf den Film. Finde ich persönlich ja auch mal ganz gut, wenn man einen Film dieser Art auch mal nach heutiger Sicht auseinander nimmt. Der steht bei mir im Schrank und das seit Jahren. Damals wo ich solche Filme noch total abgefeiert habe, und ja das ist lange her, fand ich den natürlich super. Wenn ich mir Deine jetzige Sicht auf den Film so durchlese, kommen mir da ganz böse Gedanken, der das Film bei mir wohl auch nicht mehr ansatzweise so gut wegkommen würde. Hm... schau ich den nochmal oder belasse ich es bei meinen letzten Erinnerungen.... Insgesamt gefällt mir Deine Review wahrscheinlich genau deswegen so gut :) In meinen Augen hast Du auch gut begründet warum der eben bei Dir genau so abschneidet. Somit für mich eine schöne, angenehme und lesenswerte Review.

10.04.2021 16:29 Uhr - Chímaira
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"Cannibal Holocaust" steht bei mir im Schrank und ist meiner Meinung nach einer der besten Kannibalenfilme. Mit Vorsicht sind selbstverständlich die Tier-Snuff-Szenen zu betrachten. Neben diesem Film würden mir keine weiteren guten Werke von ihm einfallen. Im Gedächtnis blieb noch seine Darstellung in "Hostel 2". Deine Kritik bestätigt mich in der Vermutung, dass "Cannibal Holocaust" das Highlight seines Schaffens ist ;)

Edit: Michael Berryman finde ich als Schauspieler auch sehr interessant. Seine Darstellung in "The Hills Have Eyes" fand ich klasse!

10.04.2021 16:54 Uhr - dicker Hund
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"Cut and Run" hat bei mir nur geringfügig besser abgeschnitten. Viele hier angeführte Kritikpunkte finde ich berechtigt. Harte, aber faire Review.

10.04.2021 19:02 Uhr - shharry2
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Den kenne ich nur vom Hörensagen, bleibt vorerst wohl auch dabei nachdem ich mir deine lesenswerte Kritik zu Gemüte geführt habe.

Mir gefällt Deodatos "Cannibal Holocaust" sehr gut, klar, der Tiersnuff ist schrecklich, leider aber kam praktisch kaum einer der damaligen Kannibalenfilme ohne diese Grausamkeiten aus (speziell das mit der Schildkröte ist übel anzusehen und dauert sehr lange).
Sein "Atlantis Inferno" ist aus meiner Sicht ebenfalls sehr sehenswert, da gibt es kaum Leerlauf und Action satt, der Soundtrack der Oliver Onions passt wie die Faust aufs Auge. Die Story ist relativ krude, aber das stört nicht wirklich.

10.04.2021 20:46 Uhr - TheMovieStar
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Den wollte ich schon fast kaufen wegen dem geilen Cover... habs aber dann doch gelassen. Feines Review Chollo war dann wohl die richtige Entscheidung den Film nicht zu kaufen 😉😊

11.04.2021 10:52 Uhr - CHOLLO
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Danke für die Rückmeldungen an euch alle.
Habe den kurz vor meiner Rezension zum ersten Mal gesehen und war sehr enttäuscht. Hätte die Sichtung zu einem früheren Zeitpunkt in meinem Leben stattgefunden, wäre das Urteil wahrscheinlich nicht ganz so negativ ausgefallen.

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