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Duell

Originaltitel: Duel

Herstellungsland:USA (1971)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,74 (19 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Vertreter David Mann ist unterwegs zu seinem Kunden. Er hat es eilig, denn er will schnellstmöglich auch wieder zurück nach Hause. Als es mit dem Strassenverkehr in der glühend heissen Wüste Kaliforniens gerade mal zu laufen scheint, blockiert ein dreckiger Truck seinen Weg. Als ein Überholvorgang gelingt setzt Mann seinen Weg fort... doch der Truck holt auf. Und diesmal lässt dieser sich nicht abhängen! ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Es ist im Nachhinein kaum zu glauben, dass der virtuose Duell ursprünglich ein Film für's Fernsehen war, der innerhalb weniger Wochen gedreht worden ist. Einer der ersten Filme von Steven Spielberg und vielleicht sogar sein bester, selbst im ernsten Vergleich mindestens sein spannendster. Die Prämisse, so simpel wie geradlinig, ist richtig gut geraten und ich blieb ohne Vorwarnung oder gar Erwartungen von der ersten bis zur letzten Minute am Bildschirm haften, umgeben von meiner voll aufgedrehten Surround-Anlage. Es ist nicht das erste was auffällt, aber der Sound klingt für einen derart niedrig budgetierten und auch alten Film (magere 450.000 Dollar sollen's wohl gewesen sein), der dieses Jahr obendrein sein fünfzigstes Jubiläum feiert, absolut klasse! Wenn der mörderische Truck beißend und druckvoll hupt oder aus dem Nichts scheinend einem zu Recht unheilvollen Schmettern gleich auftaucht, dann fährt der 5.1-Sound durch Ohr und Gleichgewicht, durch Mark und Bein. Wirklich spitze. Natürlich muss man dafür entweder zum O-Ton oder zu der neuerlich angefertigten deutschen Synchro greifen, die ich – im Gegensatz zu vielen schief hörenden Forenstürmern im Wasserglas – für sehr gelungen halte. Da ich Duell auf Anhieb so geil fand, dass ich diesen Film gleich nochmal in mich hineinbrettern lassen wollte, musste ich unbedingt wissen, wie sich die alte Synchro schlägt. Und nun ja, sie tut's halt auch und hat definitiv das stimmigere Flair alter Tage – so klangen sie halt, die kratzigen Siebziger in den hiesigen Synchronstudios. Allerdings ist die Wirkung dieser Tonspur, mit ihren dünn angegrauten Soundelementen und einer in Nebel gehüllten Dynamik, recht mickrig und es fehlt klar an Kraft und Druck, an Dröhnen und Präzision. So ungeliebt manche Neusynchro auch sein mag, hier bevorzuge ich sie klar, nicht nur weil ich sie vor der alten Fassung gehört habe, sondern weil der Film ohnehin so wenige gesprochene Worte enthält, dass der bessere 5.1-Sound ohne vergangene Erinnerungskerben gar leicht zu lieben ist. Schade ist allerdings, das Universal nicht beide Tonspuren auf die Blu-Ray gepackt hat, ähnlich wie Spielbergs Der weiße Hai. Damit hätte man gewiss alle Seiten in heiß staubiger Einöde mit Glück beregnet.

Von diesem Malheur einer Fußnote gleich mal abgesehen, kann sich die HD-Scheibe aber absolut sehen lassen. Das auf 16mm analog gefilmte Meisterwerk hat's weitgehend unbeschadet, ungefiltert und mit durchweg guten Werten in aktuelle Sehgewohnheiten geschafft. Hier und da, abseits der breiten Straßen und wenn es mal in abgedunkelte Räumlichkeiten geht, liegen die begrenzten Möglichkeiten in inkonsistenten Rauschschwaden brach, aber gerade auf der brenzligen Piste sieht Spielbergs Duell immer noch atemberaubend, kontrastreich (das knallrote Auto in der aufgeheizten Einöde), glanzvoll dreckig und körnig authentisch aus. Man kann sich an Duell einfach nicht satt sehen. Der schlichte Ausgangspunkt und die weiteren Fügungen sind dermaßen spartanisch und gleichermaßen effektiv angelegt, doch was Spielberg und Autor Richard Matheson, Kameramann Jack A. Marten, Cutter Frank Morriss und sämtliche Beteiligte ohne Lametta direkt und in Meta machten, ist ein famoser Spannungsstreich für aller Zeiten Hochdruck. Nach fünfzig Jahren fiebert es sich hier durchweg am Siedepunkt – bis der Kühlerschlauch platzt. Die gleißend sengende Sonne, der scharfkantig trockener Wüstenstaub und diese zwei wirbelnden Extreme auf den endlosen Straßen, die so schnell nicht wieder voneinander loskommen. David Mann (Dennis Weaver) auf einer Fahrt im kalifornischen Nirgendwo in einem roten Plymouth Valiant – schnörkellos, einfach und zielstrebig. Ein nie zu sehender Trucker (Carey Loftin) in einem ungetümen Tanklaster auf seinen Fährten. Lustvolle Begierden. Eine unerbittliche und hochspannende Jagd, deren Tastsinn nie vorhersehbar gerät.

Dennis Weaver spielt wirklich super und all sein ängstliches Leid, seine nervös genervte Verzweiflung und der letztlich sprühende Hass pulsieren in einer glänzenden Darbietung hinter der erst schmutzigen, dann völlig mitgenommenen Windschutzscheibe. Er ist auch der einzige menschliche Akteur, der überhaupt Eindruck hinterlassen kann und natürlich muss, ist er doch das rastlos schwitzende, gebeutelte wie unvorbereitete und vor Furcht schnaufende Subjekt der Begierde. Über Weaver, dem überaus bedrohlich inszenierten Truck und der hitzigen Sphäre, wringen die geschickten Finger Spielbergs, dessen allumfassendes Feingefühl für Suspense, wahren Horror und stark flammender Action eine reibende, anstoßende und prallende Initialzündung darstellt. Finsternis und strahlender Sonnenschein, kräftig tropfendes Blut am Ende. Es ist unmöglich, nicht mit Weavers Figur mitzuleiden, mitzufiebern und mit der Erlösung ins ersehnte Dunkel zu verschwinden, ein Sonnenuntergang wie kein zweiter. Die situative Spannung schraubt sich zerstörerisch mit schroff fallender, gekrümmter Späne immer mehr in ungeahnte Höhen, bis Flammen und Schutt unter den gen Himmel siechenden Abgasen liegen. Ein Fernsehfilm wie kein anderer.

Die visuellen Variationen sind dabei durchweg kreativ und nie gleichförmig, die alles verschlingenden Blickwinkel waghalsig bis imposant, erhaben bis gefräßig, durchweg ungewöhnlich und über alle Maßen direkt. Zwei Gefährte, keine Gefährten. Spielberg lotete hier ein Maximum ob der begrenzten Möglichkeiten bei antreibend bescheidenen Mitteln aus. Duell ist ein perfekter Horrorfilm und eine malmende Sternstunde dessen, was ohne Umschweife zählt. Ein aufregendes Werk. Man kann sich an Duell einfach nicht satt sehen.

9/10
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Kommentare

14.04.2021 22:24 Uhr - Intofilms
Sehr schöne Review! „Duell“ habe ich leider schon lang nicht mehr gesehen. Aber sicherlich würde ich heute auch nicht weniger als 9 Punkte geben. Ein extrem spannender Thriller. Wunderbar! ;)

14.04.2021 22:27 Uhr - Dissection78
DB-Co-Admin
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Erfahrungspunkte von Dissection78 3.905
Jap, hier will ich nicht lange rumschwafeln: Das ist für mich - neben "Jaws" - Spielbergs Bester! All der unnötige Ballast über Bord geworfen, alles auf's Minimalistischste eingedampft; der großartige Richard Matheson ("Ich bin Legende", "Tanz der Totenköpfe") für's Skript zuständig; ein perfektes Zusammenspiel von Sound, Schnitt und Kameraarbeit; überzeugender Hauptdarsteller; höchste Spannung, kein Kitsch, keine Schnörkel. 10 Punkte. Ende.

15.04.2021 07:53 Uhr - sonyericssohn
Moderator
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Ich mach's kurz: Meisterwerk !

15.04.2021 09:22 Uhr - Draven273
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Erfahrungspunkte von Draven273 262
Toller Film, auch den habe ich als Bub auf meinem kleinen Fernseher gesehen. Und Jahre später nochmal, da hatte er von seiner Wirkung nichts verloren. Ein wirklich toller Film. Eigentlich würde ich mir den gerne zulegen, aber die Blu Ray soll eine neue Synchro haben und davon sind die Kritiken eher..... mau, leider. Ein Grund warum der noch nicht in meinem Regal steht. Deine Review hingegen ist super.

15.04.2021 11:08 Uhr - CHOLLO
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Erfahrungspunkte von CHOLLO 1.344
Cooler Klassiker.
Hab den erst letztens wieder gesehen und der hat einfach mal gar nichts von seiner Sogwirkung verloren.
Deine schöne Kritik fügt sich da gut ein.

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