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Lady Vengeance

Originaltitel: Chinjeolhan Geumjassi

Herstellungsland:Südkorea (2005)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi
Alternativtitel:Kind-Hearted Ms. Geum-Ja
Lady Vengeance - Leben für die Rache
My Lady Vengeance
Shed Tears for Lady Vengeance
Sympathy for Lady Vengeance
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,65 (17 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Das 19-jährige Mädchen Geum-Ja wird beschuldigt, einen Jungen entführt und ermordet zu haben. Sie kommt in den Knast und bezaubert in ihrer Art alle Mitgefangenden. Als sie ihre Strafe nach 13 Jahren abgessessen hat, beschließt sie sich zu rächen. Sie entführt den wahren Schuldigen und stellt ihn auf ihre persönliche Anklagebank. ()

eine kritik von dicker hund:

"Lady Vengeance" ist der dritte Teil der Rache-Trilogie des Südkoreaners Chan-wook Park, die mit "Sympathy for Mr. Vengeance" begann und mit "Oldboy" fortgeführt wurde. Es geht um die Strafgefangene Geum-ja Lee, die noch eine offene Rechnung zu begleichen hat, als sie endlich entlassen wird.

Die Geschichte tritt allerdings beim Eindruck des Filmerlebnisses hinter die Dominanz der audiovisuellen Aufbereitung zurück. Künstliche Materialverschmutzungen tauchen während der zahlreichen Bilder auf, die häufig geradezu überquellen vor traumhafter Surrealität. Melancholisch-poetische Zeilen gibt die Sprecherin aus dem Off zum Besten, wenn eine der längeren Phasen sensibler Dramatik den Revenge-Thrill emotionalisiert. Trotz eher oberflächlicher Figuren verfehlt diese Formensprache ihre Wirkung nicht, wofür nicht zuletzt die Begleitung durch die verwunschen konnotierten Klänge von Komponisten wie Vivaldi verantwortlich ist.

Omnipräsent bleibt währenddessen das facettenreiche Spiel Lee Yeong-aes, die unter anderem "I Saw the Devil"-Star Choi Min-sik in der Nebenrolle des Mr. Baek an ihrer Seite weiß. Die häufigen Zeitsprünge im Narrativ beanspruchen derweil die Konzentration des Zuschauers, dessen Geduld vor allem gegen Ende angesichts einiger zäh kommunizierter Passagen gefragt ist. Diese lohnt jedoch aufgrund der detailverliebten Umsetzung der performativen Ideen, die mit eigenwilligen Requisiten und weiteren Eyecatchern das Interesse aufrechterhalten. Ein Zoom entlang eines Schuss-Arms, der mit Pistolentätowierungen versehen ist, stellt dafür nur ein Beispiel dar. Daneben halten die eingestreuten Motive von Bedrohung, Erniedrigung und Folter bei der Stange, wobei letzteres schon ausgiebiger ausfällt, ohne jedoch viel Gore feilzubieten (Horror und Gewalt 5/10). Selbst blutrot verwässerte Fußböden und die Wege zu ihnen lassen nur stark gestraffte Blicke zu. Was da allerdings inhaltlich unterbreitet wird, kann durchaus als extrem wahrgenommen werden.

"Zieh sie aus."

In diese Kategorie fallen noch die prägnant gehaltenen Eindrücke von unangenehmem Sex (4/10), sei es nun gleichgeschlechtlicher Art im Frauenknast oder gegengeschlechtlicher Natur am Esstisch. Besonderes Vergnügen wird bei dieser Gelegenheit indes noch weniger vermittelt als Erotik (Humor 1/10). Vielmehr geht es um triste Einblicke in eine grausame Welt, die den nicht minder brutalen Widerstand gegen ihre Protagonisten zu rechtfertigen scheint. Weniger aufgrund reißerischer Effekte, als vielmehr aufgrund der im Ergebnis doch ziemlich heiklen Thematik, weiß die eingeschränkte Jugendfreigabe der FSK hierfür zu erstaunen.

Dank ihr ist der Zugriff auf diese kleine Filmperle (7/10 Punkten) stark vereinfacht. "Lady Vengeance" lässt vor lauter cineastischem Glämmer über weite Strecken vergessen, dass ihr Drehbuch eigentlich gar nicht so viel zu erzählen hat. Verkürzt gesprochen geht es um einen Vergeltungsakt, der an sich im exploitativen Raum verortet werden würde, wäre da nicht die Fokussierung auf die Frage, wie sich die Handelnde fühlt - und woran das liegt. Der etwas überdosierte Pathos erreicht bei dieser Gelegenheit oft genug sein Ziel, was bei Werken aus Fernost beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Sogar die deutsche Synchronisation mit beabsichtigten Ausflügen in die englische Sprache lässt bisweilen bruchlos tief in die dargebotene Gedankenwelt der Dame im Trenchcoat eintauchen.

7/10
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Kommentare

17.06.2021 21:57 Uhr - sonyericssohn
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Da ich asiatische Filme eher weniger sehe ist mir dieser samt Vorgänger ebenfalls...entgangen. Is irgendwie nicht meins. Angenehme Präsentation aber in jedem Fall.

17.06.2021 22:04 Uhr - cecil b
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Umwerfend gute Review.

Ich liebe den Film. Wegen der Inszenierung, und der beschriebenen Frage, wie sich die Protagonistin fühlt. Ich sehe das so, dass ihr Racheakt aus ihrer Sicht nahezu verherrlicht wird. Finde ich genial. Geschmackssache. Ist aber lange her, dass ich den gesehen habe. Damals habe ich das so gesehen, wie ich das nun hier geschrieben habe.

Hatte mir mal nen T-Shirt mit dieser charmanten Augenpartie anfertigen lassen. Hüstel, demented Foreeever! :)

18.06.2021 09:29 Uhr - The Machinist
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Der Film wäre bei mir locker eine 9, wobei ich ''Oldboy'' noch besser finde bzw. er sowieso einer meiner Lieblingsfilme überhaupt ist. Dazu sei aber noch gesagt, dass ich selbst den ''schlechtesten'' Film des Regisseurs (Stoker) immer noch sehr gut finde. Ich liebe einfach seine Art Geschichten zu erzählen.

Tolle Besprechung.

18.06.2021 10:50 Uhr - tp_industries
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Von der Trilogie habe ich bis jetzt nur "Oldboy" gesehen und finde diesen sensationell.

Deine Kritik zur "Lady" verschafft mir einen super Eindruck vom Film und lässt eine Sichtung in greifbare Nähe rücken.

Wie schneidet "Lady Vengeance" im direkten Vergleich zu "Oldboy" bei Dir ab?

Unterm Strich also danke für Deine Kritik. Wie immer super formuliert und auf den Punkt gebracht, ohne zu viel zu verraten!

18.06.2021 12:20 Uhr - cecil b
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TheMachinist: STOKER wird mMn oft danach bewertet, dass der amerikanische Einflüsse hat, ich persönlich finde den genial! Null Mainstream, nach wie vor! Kunst.

18.06.2021 12:52 Uhr - dicker Hund
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@Sony
Ich wundere mich inzwischen öfter als früher über die Kategorisierung "asiatische Filme", weil mir zunehmend die Bandbreite von Fernost-Titeln auffällt. Aus Südkorea, Hongkong, Japan und den Philippinen kommen doch sehr unterschiedliche Beiträge auf den heimischen Bildschirm. Andererseits nenne ich mit "Horror und Sonstiges" selbst ein recht grobschlächtiges Vorauswahl-Schema mein eigen, weshalb ich natürlich für jeden Verständnis habe, der sich seine Watchlist übersichtlich gestalten möchte. Konkret auf "Lady Vengeance" bezogen gibt es sicherlich etliche Titel, bei deren Unkenntnis man mehr verpasst.

@cecil
Dieser Verherrlichungsaspekt ließ mich über die Freigabe staunen.

@Machinist
&
@tp
"Oldboy" habe ich etwas stärker in Erinnerung als "Lady Vengeance". Ob das an dem Halo-Effekt der stärkeren Vermarktung oder wirklich an dessen Qualitäten gelegen hat, müsste ich durch einen Rewatch herausfinden. "Mr. Vengeance" gefiel mir ebenfalls besser; dazu gibt es schon eine Rezi von mir.

18.06.2021 15:51 Uhr - The Machinist
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Interessant. ''Sympathy for Mr. Vengeance'' halte ich z.B. für den schwächsten der Quasi-Trilogie, wenngleich ich den an und für sich auch als Topfilm bezeichnen würde. Ist halt sehr langsam und leise, was wiederum die Besonderheit des Films ausmacht und die späteren Gewaltszenen eben noch viel härter reinknallen lässt. Auch diesen empfand ich für eine blaue 16er als sehr krass.

Bin jedenfalls gespannt, falls du mal was über ''Oldboy'' hören lässt.

18.06.2021 19:37 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Zum Thema Schema möchte ich dir zustimmen. Ich weiß daß der Ausdruck "asiatisch" evtl. etwas zu dürftig, zu grob gewählt ist. Ich schließe hier einfach Korea, Japan, Hong Kong...Indien usw. mit ein. Könnte auch sagen fernöstliche Filme lass ich des öfteren sausen. 😉

21.06.2021 20:17 Uhr - ActionJackson77
1x
Die Kritik rockt, genauso wie der Film! Wäre mit einem Punkt mehr dabei!

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