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Tauchfahrt des Schreckens

Originaltitel: Warlords of Atlantis

Herstellungsland:Großbritannien (1978)
Genre:Abenteuer
Alternativtitel:Tauchfahrt des Grauens
Warlords of the Deep
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,33 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Professor Aitken und sein Sohn Charles wollen mit einer Taucherglocke die geheimnisvolle Stadt Atlantis aufspüren. Dabei helfen ihnen Schiffs-Kapitän Daniels und seine Crew sowie der Tauchfahrt-Experte Greg Collinson. Kaum sind Charles Aitken und Collinson mit der Taucherglocke im Wasser, werden sie von Ungeheuern angegriffen, und durch einen Riesenkraken gerät fast die gesamte Besatzung des Schiffes und der Taucherglocke in eine Unterwasserhöhlen-Welt. Dort trifft die Crew auf Wesen aus einer anderen Galaxie in menschlicher Gestalt, die eine eigene Zivilisation erschaffen haben, aber auch weitere gefährliche Monstren. Es kommt zu Konflikten und ein Kampf um Leben und Tod beginnt. ()

eine kritik von cecil b:

 

Wo immer in den Siebzigern Saurier und Urmenschen ihr urwüchsiges Leben aufrechterhalten hatten, Monster allen möglichen Lebewesen nach dem Leben trachteten, gefährliches Unkraut kampfbereit vor sich hin vegetierte, und neben dem En­de­mis­mus die Herrsch­sucht dominierte, rieb sich das Filmteam rund um Regisseur Kevin Conner die Hände. Da wurde nach Möglichkeit die Kamera draufgehalten, wenn beispielsweise junge knackige Frauen mit üppiger Oberweite im Fell-BH schrien, weil diese appetitlichen Damen drauf und dran waren verspeist zu werden. Im Wissen, dass sich Doug McClure (1935–1995), der Superheld des Ungeheuer-Schunds, mit jeder Bestie anlegt, immer dazu bereit, das zarte Gesicht der schönen Frauen schützend auf seine nackte haarige Brust zu drücken, und sie notfalls wohlwollend zu ohrfeigen, um ihr Gemüt vor dem Wahnsinn zu wahren. Wie HORACE PINKER in seinen schönen Reviews beschrieben hat, wer so etwas amüsant findet, kommt nicht an Conners CAPRONA -DAS VERGESSENE LAND samt Fortsetzung vorbei. Und, als ich noch ganz grün hinter den Ohren war, was das Review-Schreiben anging, habe ich zuvor meine Vorliebe für dieses Team in der Besprechung von DER SECHSTE KONTINENT ausgedrückt. Bei TAUCHFAHRT DES SCHRECKENS konnte ich einfach nicht nein sagen. Der vierte und letzte Film, bei dem Connor hinter, und Doug McClure, leicht bekleidete Schönheiten und jede Menge Monster vor der Linse tatkräftig waren. Diese wurden von 5 Effekt-Spezialisten erschaffen, allen voran Roger Dicken, der nur ein Jahr später das geniale ALIEN auf der Leinwand fauchen ließ, und 1970 für den Oscar nominiert wurde, als er Saurier in ALS DINOSAURIER DIE ERDE BEHERRSCHTEN auf einer urzeitlichen Welt wandeln ließ.

Das Drehbuch von Brian Hayles (Das Dunkel der Nacht, DR. WHO), das hätte so auch in einen Comic gepasst, den man sich aus Langweile an einem Bahnhof kauft. Es orientiert sich aber grob an schöpferischen Gedanken von Jules Verne († 1905), einem Mitbegründer der Science-Fiction-Literatur, dessen DIE REISE ZUM MITTELPUNKT DER ERDE, 20.000 MEILEN UNTER DEM MEER sowie REISE UM DIE ERDE IN 80 TAGEN einen größeren Bekanntheitsgrad haben, und mehrfach verfilmt worden sind. Die einigermaßen interessanten Ideen stammen vermutlich von Verne, wenn sie nicht gleich schamlos von Klassikern wie DER MANN, DER VOM HIMMEL FIEL (Review vorhanden) geklaut wurden. Der Originaltitel, WARLORDS OF ATLANTIS, verrät ja schon, wohin die Tauchfahrt des Schreckens führt. Vieles wurde auf der Insel Gozo, zugehörig der Inselgruppe Malta, gedreht, und was dort im Wasser (und in den englischen Pinewood-Studios) auf die Figuren wartet, soll das sein, was auf Erden Atlantis genannt wird. Das mythische Inselreich des antiken griechischen Philosophen Platon († 348/347 v. Chr.). Eine Seemacht, die einige Länder von Afrika und Europa erobert haben, dann jedoch an einem einzigen Tag aufgrund einer Naturkatastrophe untergegangen sein soll. Die meisten Althistoriker und Philologen sind sich sicher, dass Platons Atlantis nur eine Erfindung ist, die einen philosophischen Gehalt darstellt, aber es gibt Hypothesen, die davon ausgehen, dass es dieses Inselreich wirklich gegeben hat oder gibt. WARLORDS OF ATLANTIS hat so eine Hypothese. Die Theorie spielt sich im Jahre 1896 ab und hat herzlich wenig mit Platon zu tun. Ein Schelm, wer denkt, dass dieses Atlantis -Jules Verne -Drumherum nur ein Mittel zum Zweck ist, um ein monströses Abenteuer zu inszenieren. Und, nein, wie raffiniert, 'Atlantis' befindet sich dann noch im Bermudadreieck. Diesem Seegebiet zwischen Florida, Puerto Rico und Bermuda, wo tatsächlich einige schwerwiegende Flugzeug- und Schiffsunfälle stattfanden, und dem mysteriöse Stimmen nachsagen, dass dort Unfälle üblich sein, und Flugzeuge, Schiffe oder deren Besatzung manchmal verschwänden. Das passt ja wie der Deckel auf den Topf. 

McClure hat in Monsterfilmen immer den Protagonisten gegeben, so auch in TAUCHFAHRT DES SCHRECKENS. Um diese Figur näher zu beschreiben, reicht es aus, zu schreiben, dass sie im Grunde aus den Filmen bekannt ist, die ich bereits erwähnt habe. Es ist fast dieselbe. Donald Bisset (Ragtime) spielt Aitken, Peter Gilmore (Carry-On-Filmreihe) dessen Sohn Charles, Lea Brodi (Sprengkommando Atlantik) das halbnackte Alien Delphine. Jede dieser Figuren ist so langweilig, und kann auch nur so gespielt werden, dass eine nähere Beschreibung eigentlich müßig ist. Gilmore und McClure spielen aber aus dem Effeff, und Michael Gothard († 1992, Lifeforce) als ernsthaftes Ober-Alien Admir ist noch er­wäh­nens­wert, schlecht macht der das nicht. Die Seemänner sind allesamt eine gewollte und ungewollte Lachnummer. Ich halte es nicht für nötig, darauf einzugehen, wer für dieses Schmierentheater Geld bekommen hat. Delphine agiert wie ein schüchternes Mädchen, Brodi scheint den Blick in einer Szene fragend Richtung Pappschild zu richten. Wie soll ich das Gesicht verziehen, wenn ihr mir die Tränen in die Augen kippt? Der Krake ist die beste Figur. Find ich gut. 

Obacht, ein gigantischer Kopffüßer lauert unseren Helden auf! Und so ein Vieh wird ausgewachsen nur von bis zu 16 Meter langen Pottwalen zwecks Nahrungszufuhr in die Schranken verwiesen! Collinson, nein, ich schreibe Doug, haut einem Ungetüm, dessen Rübe so groß ist wie sein Körper, eins auf die Glocke, aber bei so langen Tentakeln wirft auch er die Flinte ins Korn. Und das geschieht nach ungefähr 10 Minuten! Typisch Conner. So ist's fein. Die Figurenkonstellation ist so durchsichtig, die Action muss im Vordergrund stehen! An Bord hat ein Klassenkampf seinen Anfang. Als Gold in Sicht ist, richten sich die Primitivlinge der Arbeiterklasse gegen die Intellektuellen und Selbstständigen. In der Stadt der Aliens erwartet die Zuschauer eine diktatorische Herrenrasse (gabs schon in Der 6. Kontinent), und diese lockt mit Übermacht und Freuden auf den Schultern von Sklaven. Die Zusammenarbeit der Crew ist gezwungenermaßen übergreifend gefragt. Admir, mit Prinz Eisenherz-Frisur und im weißen Gewand, hat große Pläne, er unterjocht Menschen. Seine Halle der Meditation, in der man im Schneidersitz in der Luft sitzt, oder die der Erkenntnis, wo das Hirn gewaschen wird, sind verführerisch. Das folgende Spiegelbild der bedenklichen Menschheit ist ausreichend zi­vi­li­sa­ti­ons­kri­tisch, um seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Es braucht oft nur wenige Sekunden, um zu wissen, welche Beziehungen zwischen den Figuren entstehen werden, und diese 'Entwicklungen' werden immer nur lachhaft zwischen Tür und Angel dargestellt. Die Menschen sind stets bemüht lustige Phrasen zu sabbeln, was inflationär ist, und nur selten funzt. Doug: "Ich werde diesem Ungeheuer die Anhänglichkeit austreiben!". A: "Fühlen sie sich wie zuhause." B: "Würd ich ja, aber mit ihnen?". Es geht um das Schießen, Kloppen, Beißen usw., und es wird gekloppt, gekämpft und gerannt, was das Zeug hält. 

Die Schlägereien sind Klamauk, Bud Spencer und Terence Hill hatten aber deutlich mehr drauf. Dafür haut Doug sogar volle Granate auf einen Helm ein. Fans solcher Filme warten doch auch auf die Kämpfe mit Dickens Kreaturen. Die Seeungeheuer sind wunderbar, so etwas gehört in ein Museum. Vermutlich die Stop-Motion-Technik und biegsames Material bringt sie in Bewegung. An Land brüllen gigantische Wesen rum, winzige hopsen und quieken. Da krauchen riesige unliebsame Vierbeiner durch eine Art zertrümmertes Modelleisenbahn-Gelände ohne Schienen, bis sie dann bedrohlich an Schnüren eine Mauer hochgezogen werden. Da muss man ordentlich Pappe in Stein-Form werfen! Die gemalten Szenenbilder mit der Pappkulisse, dem Bodennebel und den Plastik-Ungetümen werden in Technicolor präsentiert. Conners Maler und Lackierer haben nicht versucht na­tu­ra­lis­tische Bilder zu gestalten, die Welt besteht zur Hälfte aus riesigen Postern mit surrealen, unlogischen Motiven. Die Kamera (Alan Hume † 2010, Die Rückkehr der Jedi-Ritter) filmt schön empor der Segel, oder eine Mauer senkrecht herunter, die Perspektiven wechseln großartig zwischen Totalen, halbtotalen, halbnahen und nahen Einstellung, Wasserspritzer auf der Linse sind ja in der nächsten Szene passé. Die Schnitte von Bill Blunden († 2018, Prime Time Emmy für IM WESTEN NICHTS NEUES) sind weder schlecht noch bemerkenswert. Michael Vickers (auch DER SECHSTE KONTINENT) Musik passt das Spiel von Geigen, Harven, sowie Pauken und Trompeten, immer gut an die Dramaturgie an.  

TAUCHFAHRT DES SCHRECKENS ist nicht nur aus heutiger Sicht Monster-Quatsch. Dennoch, der Film ist nicht schlecht inszeniert, und die nahezu durchgängige Action hilft über die dramaturgischen und narrativen Schwächen hinweg. Manche Ungeheuer sehen für die damalige Zeit gut aus, und die, die schlecht aussehen, sind mindestens genauso unterhaltsam.

 

6/10
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Kommentare

04.05.2021 17:58 Uhr - sonyericssohn
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Oh je, den hab ich vor zig Jahren das erste und letzte Mal gesehen. NACH DEM ich 20.000 Meilen unter dem Meer sah (den mit Kirk Douglas). War ziemlich enttäuscht weil ich dachte daß nach Jahren eigentlich mehr drin gewesen wäre.

04.05.2021 23:45 Uhr - Punisher77
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Ich glaube zwar nicht, dass der Film mal in meinem Player, geschweige denn in meiner Sammlung wandern wird, aber das Review war äußerst informativ und lesenswert - well done!

05.05.2021 08:16 Uhr - Dissection78
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Sehr gehaltvolle Kritik, der ich unumwunden zustimmen kann, cecil :)

Die 70er-Jahre-Fantasyabenteuer von Kevin Connor habe ich früher recht gerne gesehen, allerdings fielen mir schon damals die Effekte als eher semi auf. Die beiden "Caprona"-Streifen, "Der 6. Kontinent", "Tauchfahrt des Schreckens" und "Im Bann des Kalifen" (den würde ich als fünftes Werk mit in die Reihe aufnehmen) besitzen durchaus einen gewissen Charme, doch an die 50er- und 60er-Abenteuer, die auf Vernes Vorlagen bzw. auf Motiven derer basieren - siehe "20.000 Meilen unter dem Meer" (1954), "In 80 Tagen um die Welt" (1956), "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" (1959), "Die geheimnisvolle Insel" (1961), "Die Abenteuer des Kapitän Grant" (1962) oder "Die tollen Abenteuer des Monsieur L." (1965) -, reichen sie nicht heran, was natürlich auch am deutlich geringeren Budget liegen mag. Nichtsdestotrotz kann man sich 'die Connors' an verregneten Sonntagnachmittagen oder an Krankheitstagen gönnen.

Apropos "Die Abenteuer des Kapitän Grant": Von dem könnte auch mal eine ansprechende, erschwingliche VÖ erscheinen... genauso wie von "Insel am Ende der Welt" (1974) und "Der Goldschatz von Matecumbe" (1976). Ich fand diese drei Filme wunderbar. Und um gänzlich abzuschweifen: Die fabelhaften Fantasyabenteuer von Karel Zeman ("Reise in die Urzeit", "Die Erfindung des Verderbens", "Das gestohlene Luftschiff", "Baron Münchhausen", "Auf dem Kometen") müsste ich mir ebenfalls besorgen. Die sollte man definitiv kennen!

PS:
Da kann man mal sehen wie versaut man durch Covid schon ist. Ich las zuerst "Corona - Das vergessene Land"...

05.05.2021 12:09 Uhr - cecil b
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Hallihallo!

Ich freue mich wieder sehr über eure Kommentare! :)

Sony: Ich war vor kurzem auch enttäuscht, aber diese surrealen Welten, und dieser unfassbare Quatsch (Der erste Angriff ist nicht zu fassen!!!), die sind für mich nach wie vor etwas Besonderes.

Kirk ist/war eine andere Hausnummer als Doug, aber der ist/war auf seine Art der Hit! ;)

Punisher77: Danke! :) Den kannst du dir sparen, ist nur was für besondere Momente der anderen Art. ;)

77, 78.

Dissection78: Thanx!

Das Lexikon klärt mich wieder auf. :) "Im Bann des Kalifen": Dann werde ich eventuell noch was editieren.

Ich stimme dir zu, soweit ich da überhaupt mitkomme. Haargenau so sehe ich das auch: "Nichtsdestotrotz kann man sich 'die Connors' an verregneten Sonntagnachmittagen oder an Krankheitstagen gönnen."

"Baron Münchhausen": Ich weiß nicht, ob es da verschiedene Verfilmungen gibt. Die, die ich mal versuchte, hat mich überfordert. Vielleicht sollte ich die deswegen wieder wagen. Schließlich konnte mich Marian Dora auch nicht kleinkriegen (bisher.). ;) Wobei es heißen sollte,'alles' kann, nichts muss. :)

"CORONA - Das vergessene Land" (genial):

Es wäre vielleicht gut, wenn es diesen Film gäbe. THE LIZARDMAN hat schon versucht, politische und ethische Themen bewusst grotesk zu überspritzen, um damit zu zeigen, dass das fast jeder Film macht. ;)


05.05.2021 15:47 Uhr - TheMovieStar
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Wie immer schön und informativ geschrieben Cecil. Ich mag alte phantasiereiche Monsterschinken von daher könnte mit der Film gefallen. Danke fürs Vorstellen.

05.05.2021 19:44 Uhr - cecil b
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Danke dir! Dann könnte der dir gefallen Gerne. :)


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