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Chiko

Herstellungsland:Deutschland (2008)
Genre:Drama, Krimi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,75 (4 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Chiko (Denis Moschitto) will ganz nach oben. Und das geht nur über den Big Boss Brownie (Moritz Bleibtreu). Mit seinem besten Freund Tibet (Volkan Özcan) verschafft er sich Brownies Aufmerksamkeit. Dieser ist beeindruckt von Chikos Mut und seiner Schlagfertigkeit und gibt ihm seine Chance. Als aber Tibet Brownie hintergeht, kommt es zu einer Zerreißprobe: Brownie will mit Tibet nichts mehr zu tun haben. Nun geht es um die Loyalität der beiden Freunde auf der einen und den unbedingten Willen Chikos, es ganz
noch oben zu schaffen, sein Bedürfnis nach Anerkennung, Respekt und Macht auf der anderen Seite. Doch bald merkt Chiko, dass auch ihm das Wasser bis zum Halse steht... (www.chiko-derfilm.de)

eine kritik von draven273:

Wo ich schon bei deutschen Gangsta Film Produktionen bin, darf ein bestimmter Film nicht fehlen. Und wie ihr seht, halte ich mich mit meinem sonst üblichen Intro zurück.

Mir geht es diesmal um das bereits im Jahre 2008 erschienene Gangsta- Drama Chiko. Dieser Film wurde von Fatih Akin (Soul Kitchen, Tschick), Klaus Maeck (Auf der anderen Seite, Fraktus) und Andreas Thiel (Black Souls) produziert. Unter der Regie von Özgur Yildirim (Boy 7, Blutzbrüdaz), der auch hier mit für das Drehbuch verantwortlich war. Die Musik kommt von Darko Krezic und die Kamera führte Matthias Bolliger (4 Blocks, Nur Gott kann mich richten). Chiko hat die Freigabe ab 16 Jahren bekommen und läuft gute 92Min.

Issa, von allen aber nur Chiko (Denis Moschitto/ Kebab Connection, Aus dem Nichts) genannt, möchte gern hoch hinaus und der Obergangsta seiner City werden. Warum wird uns nicht erzählt, ist auch nicht relevant und hat wahrscheinlich einfach mit Coolness zu tun, aber bisher hängt er nur mit seinen beiden besten Kumpels Curly (Fahri Yardim/ Tschiller Off Duty, Jerks) und Tibet (Volkan Özcan/ Todsichertot, Heute und Morgen) ab. Er fackelt nicht lange damit, seinen Plan in die Tat umzusetzen. So haut er auf offener Straße einige Kleindealer um, bis er bei Scholle (Philipp Baltus/ Underdogs, Der Goldene Handschuh) landet. Der gute Scholle, verkauft aber keine leckeren Schollen, nein- er ist einer der größeren Dealer. Dafür bekommt er von Chiko und Tibet passend einen auf die Mütze. Was wiederum nach kurzer Zeit Brownie (Moritz Bleibtreu/ Nur Gott kann mich richten, Abgeschnitten) auf den Plan ruft. Brownie verdient seine Kohle eigentlich als Musikproduzent, hat aber nebenbei was mit Drogen und Prostitution am Laufen. Da Chiko, Brownie davon überzeugen kann, ihn als neuen Mitarbeiter zu testen, darf Chiko nun mal anfangen Gras zu verkaufen. Dafür bekommt er das Zeug gestellt, eine Dealer Wohnung zugewiesen und eben alles was er braucht. An sich genau das was Chiko wollte.

Dumm nur, dass sein Kumpel Tibet, in seiner Abwesenheit, die bereits abgepackten und gewogenen Päckchen minimal verändert und Gras in eigenem Auftrag vertickt. Da Tibets Mutter, schwerkrank, ständig zur Dialyse muss und er seiner Mutter eine neue Niere besorgen will. Ich glaube ich brauche Euch nicht zu erzählen, dass Brownie natürlich dahinterkommt. Beim nächsten Treffen gibt es für Tibet ein böses Erwachen und die Freundschaft der beiden Männer gerät das erste Mal ins Schwanken. Tibet will das Chiko ihn rächt, Chiko stellt aber bereits schnell fest, dass Brownie ihn mag und ihn größer machen will. So trennen sich die Wege der Jungs und Chiko steigt immer weiter in das Drogengeschäft ein. Nebenbei lernt er die Prostituierte Meryem (Reyhan Sahin- Lady Bitch Ray) kennen und beide verlieben sich auch ineinander. Tibets Leben läuft derweil weiterhin schief, er versucht sich nun selbst an Brownie zu rächen, was natürlich misslingt und Chiko erneut gefordert ist, seinen besten Freund zu schützen. Wird es ihm gelingen, allen gerecht zu werden? Oder endet alles in einem Chaos?...

Ja diese Gangsta Geschichten bieten nun nicht den abendfüllenden Geschichtsstoff, aber letzten Endes auch nicht weniger als jeder stinknormale Actionfilm. Chiko macht gar nicht so viel falsch. Die Story geht gut von der Hand und ist dazu spannend und unterhaltsam inszeniert. Der Film vermittelt auch gut den leicht dreckigen Look der Hamburger City, in der er spielt, kahle graue Wände, Ghetto, düsterer Grundton, Prostitution, Drogen, gescheiterte Existenzen etc. Alles vorhanden und gut ins Gesamtbild eingefügt. Denis Moschitto spielt den nach größeren, strebenden jungen Mann wirklich überzeugend und glaubhaft. Teils der typische Macho, aber auch in wenigen Momenten sensibel und dann doch wieder knallhart, wenn es darauf ankommt. Volkan vermittelt uns gut die Rolle des Tibet. Ein sehr gläubiger junger Mann, der niemanden etwas antun möchte, aber an das große Geld ran will und sich gerne als geiler Lowrider fahrender Ghettogangsta sieht. Fahri geht in seiner Rolle etwas unter. Er ist der Normalste von den drei Männern. Er arbeitet, verdient sein eigenes Geld auf dem Schrottplatz seines Vaters, hat ein Auto und ist eine gute Seele. Viel Filmzeit bekommt er nicht, es bleibt hier eher bei ein paar wenigen kurzen Szenen.  

Moritz Bleibtreu ist hier nun mal wieder als Obergangsta im Einsatz. Und der Moritz strahlt etwas aus, was den anderen Schauspielkollegen hier und da noch fehlt. Das ist jetzt kein großer Kritikpunkt an den anderen Darstellern, aber der ist halt schon der erfahrenste Fuchs im Bau. Wie er einerseits den lieben Musikproduzenten verkörpert, in der Rolle eines treusorgenden Vaters aufgeht und dann wieder abgebrüht und leicht abgefuckt als harter Knochen um die Ecke kommt, ist einfach eine gelungene Mischung. Zuerst denkt man sich, hey mit dem möchte ich mal einen trinken gehen und nur Sekunden später hat man dieses unangenehme mulmige Gefühl im Bauch.

Matthias Bollinger fängt mit seiner Kamera alle Szenen übersichtlich ein. Das versiffte, dreckige und anscheinend nur in grau erstrahlende Hamburg wird passend in Szene gesetzt. Gemütlichkeit kommt hier nicht so auf, und das Hamburg im realen Leben, eine der grünsten Großstädte Deutschlands ist, auch nicht. Für auswärtige Besucher, die Hamburg öfters schon mal gesehen haben und auch für die eingefleischten Hamburger wie mich, gibt es hier viel vom bekannten Hamburger Kiez zu entdecken. Auch der Hafen, sowie die Veddel oder Stadtteile wie Jenfeld und Billstedt gibt es für die gewohnten Augen zu sehen. Kommt super rüber und ich fühlte mich gleich entsprechend heimisch. Bollinger versteht es gekonnt die Emotionen der Darsteller einzufangen. Und von der Nahaufnahme bis zum Hamburger Panorama ist alles vorhanden. Musik erschallt in typischen Rap/Ghetto Sound aus der heimischen Anlage.

Wie auch schon bei dem viel neueren Beitrag Nur Gott kann mich richten, muss ich Euch aber auch hier warnen. Wer Probleme mit dem Ghetto- Slang hat, der wird hier auf ne harte Probe gestellt. Bei damaliger erster Sichtung wollte ich den Film wirklich nach 10min. ausschalten, da war meine Schmerzgrenze erreicht. Inzwischen nach einigen Sichtungen in den letzten Jahren, höre ich die Hälfte von dem -Ich ficke deine Mutter Gehabe- schon nicht mehr.

Chiko hat eine durchgehend düstere Stimmung. Sicher gibt es hier zwei oder drei Lacher zu finden oder Szenen, in denen man schmunzeln muss, aber diese sind sehr spärlich gesät und würden auch zu diesem Gangsta- Drogen- Milieu Drama nicht passen. Der Aufstieg Chikos ist realistisch und teils hart, kompromisslos in Szene gesetzt. Mit Gewalt wird man hier jetzt nicht zugeschüttet, wenn jedoch etwas passiert, hat das mit Spaß aber nichts mehr zu tun. Es fließt auch passenderweise etwas Blut. Die FSK 16 ist schon gerechtfertigt. Die Handlungen der einzelnen Personen sind sicher nicht immer zu einhundert Prozent nachvollziehbar, im Großen und Ganzen aber gekonnt umgesetzt. Emotionen kann man zu den Personen und ihren Schicksalen genug aufbauen und ich zumindest fieberte mit den Personen mit. Auch konnte ich keinen nennenswerten Spannungsabbau feststellen. Ganz im Gegenteil, Chiko startet relativ ruhig, weiß sich über die gesamte Laufzeit stetig aufzubauen, bis er sich dann in seinem Finale praktisch entlädt. So wie man sich das auch von einem Film dieser Art vorstellt.

Einige Auszeichnungen gab es übrigens auch. So räumte der Film beim Deutschen Filmpreis 2009 zwei Preise ab als Bestes Drehbuch (Yildirim) und für den Besten Schnitt (Thümler). Auf dem 2. Hachenburger Filmfest 2008 gewann der Film den Jungen Löwen. Auf dem Filmfestival Türkei/Deutschland 2008 gewannen Denis Moschitto als Bester Hauptdarsteller und Volkan Özcan als Bester Newcomer einen Preis. Für Özgür Yildirim war Chiko das Spielfilmdebüt, zuvor hatte er drei Kurzfilme inszeniert. Auch die Darstellerin Reyhan Sahin war es die erste Rolle in einem Spielfilm. Die Dreharbeiten fanden von Februar bis April 2007 statt. Die Produktionskosten lagen bei knapp 1,5Mio. Euro. Zudem kam der Film auch bei den Kritikern sehr gut weg.

Was bleibt mir noch zu sagen? Eigentlich nicht mehr viel. Chiko hat mir sehr gut gefallen, konnte mich super unterhalten, Langweile kam nie auf und auch nach bereits mehreren Sichtungen weiß ich Chiko zu schätzen. Von mir bekommt auch dieser deutsche Beitrag eine gute 8/10. Wie immer nur meine Meinung und Euch wünsche ich viel Spaß.

8/10
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Kommentare

16.09.2021 20:22 Uhr - McGuinness
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Erst liest man lange Zeit gar nichts von dir und dann erneut wieder eine dermaßen gelungene Review, dass ich mich geradezu genötigt fühle, diesem Werk eine Chance zu geben 😉

Dieser Titel ist mir dabei sogar kein unbekannter, doch blieb erfolgte Sichtung bisweilen aus... bis jetzt 😏
Positiv gestaltet sich für mich durch deine Beschreibungen die Szenerie der grauen Fassaden, der oder des jeweiligen Stadteiles, wodurch die Monotonie und Ausweglosigkeit nochmals dick unterstrichen wird... gefiel mir schon in " Knallhart " (2006) ziemlich gut.

Jedenfalls eine überaus prägnante Vorstellung deinerseits... Gerne wieder mehr davon 👍🏻

17.09.2021 08:59 Uhr - Draven273
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@McGuinness -- Moin mein Lieber. Vielen Dank für die netten Worte, freut mich wenn ich dein Interesse wecken konnte. Und ja, schau ihn dir ruhig mal an. Mit gewissen zeitlichen Abständen habe ich den jetzt gut 5mal gesehen und der macht immer wieder Spaß. Kein geistiges hohes Niveau, aber eine toll gemachte Unterhaltung.

18.09.2021 17:08 Uhr - Lukas
1x
Auch hier wieder eine schöne Kritik zu einem gelungenen deutschen Gangsterfilm, der von seinen überragenden Hauptdarstellern Moschitto und Bleibtreu getragen wird, die Story kann da leider nicht ganz mithalten.
Inhaltlich muss ich dir nur in einer Kleinigkeit widersprechen: Du schreibst, dass der Film durchgehend düster ist, doch ganz am Anfang mischt sich noch (speziell durch Tibets Getue) ein unpassender und nerviger alberner Unterton mit rein, der aber dann zum Glück schnell verschwindet und nicht wiederkommt.
Mal schauen, welchen Film du dir als nächstes vornimmst. ;-)

19.09.2021 19:25 Uhr - Draven273
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@Lukas, vielen Dank der Herr :))) das mit Tibets Getue kann einen stören, ich stimme dir zu, mir fällt es anscheinend gar nicht mehr so auf, daher hat es hier keine Erwähnung gefunden. Was deutsche Filme angeht, darfst Du mir gerne einen Vorschlag machen, ansonsten lass Dich gerne überraschen :)

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