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Detachment

Herstellungsland:USA (2011)
Genre:Drama
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Er bleibt nie lange, denn er hat Angst vor Nähe und Verantwortung. Henry Barthes (Adrien Brody) ist Aushilfslehrer, unterrichtet mal hier, mal dort. Sein neuester Auftrag führt ihn an eine berüchtigte High School in New York. Von den Jugendlichen seiner neuen Klasse wird Henry mehr gefordert als je zuvor. Zusätzlich steht er plötzlich drei Frauen gegenüber, die mehr von ihm möchten als Unverbindlichkeit: Seine Kollegin Sarah Madison (Christina Hendricks), die Schülerin Meredith und die obdachlose Prostituierte Erica. Sie bringen Henrys Welt durcheinander und zwingen ihn, endlich Nähe zuzulassen. (Alamode Film, Internetseite)

eine kritik von randolph carter:

„Wir haben alle Probleme und wir schleppen alle was mit uns rum. Wir nehmen sie jeden Abend mit nach Hause und morgens nehmen wir sie mit zur Arbeit. Wir sind voller Hilflosigkeit und schmerzlicher Erfahrung. Wir haben diese Ahnung, das wir auf einem Meer treiben, ohne Aussicht auf Rettung am Horizont.“

 

„Detachment“, ein Film von Tony Kaye („American History X“) erzählt die Geschichte von Henry Barthes (Adrien Brody), ein Aushilfslehrer der mal hier, mal dort unterrichtet. Nebenbei schleppt er noch ein Trauma aus seiner Kindheit mit sich herum und kümmert sich um seinen dementen Großvater, welcher in einer Pflegeeinrichtung lebt, bzw. eigentlich eher vor sich hinvegetiert. Seine neue Anstellung führt in an eine Schule in New York, wo er auf überforderte, ausgebrannte Lehrer und frustrierte Schüler trifft. Und wäre das nicht schon anstrengend genug, schleicht sich auch noch die minderjährige Prostituierte Erica in sein Leben, welche seine Angst vor Nähe und Verantwortung auf eine harte Probe stellt…

 

„Sehen Sie mich?“

„Können Sie mich hier stehen sehen?“

 

Die Story von Henry ist aber nur eine von vielen, welcher der Film erzählt. Der Fokus liegt zwar klar auf ihr, aber hier werden noch viele weitere Geschichten und Themen angesprochen und von Charakteren erzählt, welche allesamt eigentlich einen eigenen Film füllen könnte. Mobbing, Lehrerüberforderung, zerrüttete Familien, die Bildungsmisere und die Schwierigkeit der zwischenmenschlichen Kommunikation, sowie die Probleme im Pflegesystem. Sehr viel für einen Film könnte man meinen und da bleiben manche Punkte und Charaktere natürlich auf der Strecke bzw. werden nur kurz angerissen.

Grundsätzlich haben alle diese Themen und Geschichten aber einen gemeinsamen Nenner, nämlich den Titel des Films. „Detachment“, wofür es im Deutschen verschiedene Übersetzungen gibt. Ablösung, Distanz oder auch Loslösung. Distanz und Loslösung sind für mich die passendsten Begriffe, welche auf unterschiedlicher Art zu jeder im Film erzählten, Geschichte passt. Egal ob nun die Eltern die Verantwortung der Erziehung auf die Lehrer übertragen und sich somit von den eigenen Kindern loslösen, ein Lehrer zu Medikamenten greift, um den Schulalltag zu überstehen und sich so in gewisser Weise davon zu distanzieren versucht oder man in einer Ehe feststeckt, wo jegliche Kommunikation schon längst eingeschlafen ist und die Distanz zueinander unüberwindbar groß geworden zu sein scheint. Oder man schlicht so losgelöst von sich selbst ist, dass man sich kaum noch spürt oder wahrnimmt.

 

„Mir ist heute etwas klar geworden. Ich bin eine Unperson, Sarah. Ich bin nicht hier. Du siehst mich vielleicht, aber ich bin hohl.“

 

Ein besonderes Augenmerk sei hier auf die Hauptfigur Henry gelegt, welcher irgendwie verloren zu sein scheint und am Leben fast zu zerbrechen droht. Ein prägendes, schockierendes Erlebnis aus seiner Kindheit lässt ihn nicht mehr los und so kommt er mehr schlecht als recht durch den Tag. Zwei Menschen bringen sein Leben dann völlig durcheinander und zwingen ihn plötzlich aus seiner Lethargie, was ihn zu ängstigen scheint. Da wäre zum einen die schon Erwähnte Prostituierte Erica, welche in ihm eine Art Vaterersatz sieht und sich ihm anfangs sehr aufdrängt. Nach anfänglichem Zögern scheint Henry dies dann auch zuzulassen und blüht kurz auf, schafft es sogar ihr seine Lebensgeschichte zu erzählen. Das dann aber auch noch die Schülerin Meredith (gespielt von Tony Kayes Tochter Betty), welche in der Schule gemobbt wird und auch zu Hause Probleme hat, ihr Leid bei ihm ablädt und von ihm gerettet werden will, wird es ihm zu viel. Das nun plötzlich zwei junge Menschen Nähe, Emotionalität und im Falle von Erica Liebe von ihm fordern, wird ihm zu viel. Wenn eine über die Jahre aufgebaute Mauer plötzlich einzustürzen droht, kann einem das schon Angst machen. Angst vor den Dingen die dahinter liegen. Diese Erfahrung müssen dann auch Erica und Meredith machen, als sie versuchen Henrys Mauer abzutragen…

 

„Ich tue Dir nicht gut.“

 

Interessant sind aber nicht nur die vielen Themen, Geschichtchen und Charaktere von „Detachment“, sondern auch die Inszenierung. Kaye greift hier auf Stilmittel zurück, mit welchem er teilweise auch schon in „American History X“ gearbeitet hat. Da wäre zum einen sein Fokus auf Gesichter, welche des Öfteren das gesamte Bild ausfüllen und so den Zuschauer noch mehr in das Seelenleben der Figuren eintauchen lässt. Ein Blick sagt manchmal eben mehr als tausend Worte.

Gesichter ist ein gutes Stichwort. Denn Kaye hat es geschafft hier eine ganze Schar von bekannten Schauspielern vor die Kamera zu holen. Neben Brody sind hier noch in kleineren Rollen u.a. Bryan Cranston, Christina Hendricks, Lucy Liu, Marcia Gay Harden und James Caan zu sehen. Ich finde es immer wieder schön, wenn Stars auch in so kleinen Miniproduktionen für wenig Geld mitspielen. Das zeigt immerhin, dass es manchen Mimen nicht nur um die Kohle geht, sondern dass man für ein gutes Drehbuch auch mal auf die übliche hohe Gage verzichtet. Ein weiteres Beispiel dafür wäre z.b. noch „L.A Crash“

Ebenfalls wichtig schien es dem Regisseur, sowie Drehbuchautor Carl Lund wichtig zu sein, die Schönheit von Kunst und Poesie zu betonen. So fotografiert Meredith ihre Mitmenschen und fängt so deren Emotionen ein, es werden immer wieder Zitate von Dichtern und Autoren eingestreut und die Off Kommentare von Henry stecken auch voller tieferen Gedanken über das Leben selbst. Außerdem ist er ein Verfechter des Lesens und des Lernens, des selbst Denkens und des Reflektierens. Was er den Schülern auch vermitteln möchte. Somit kann man in dem Film auch als einen Liebesbeweis an die schaffenden Künste sehen, oder als einen Aufruf, vielleicht öfters mal innezuhalten und Dinge zu hinterfragen.

Fazit: Emotional, anrührend, melancholisch. Ein Film, der einen nachdenklich zurücklässt und dazu einlädt, das eigene Leben zu reflektieren. Den einen oder anderen Erzählstrang hätte man vielleicht weglassen können, um so den Fokus mehr auf andere zu legen. Denn letztlich bietet der Film zu viele Geschichten und Charaktere, um wirklich jedem und jede hier vollends gerecht zu werden. Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt eines ansonsten gelungen Werkes.

 

Jeder braucht Ablenkung, von den Schwierigkeiten im Leben, der Komplexität der Wirklichkeit. Niemand will seine Vergangenheit wieder ausgraben, niemand will über den Kampf nachdenken, den er durchgestanden hat. Das wir in einem Meer von Schmerzen hineingeboren wurden aus dem wir herauszukommen versuche. Von diesem Schmerz sollten wir uns verabschieden.“

 

 

 

 

9/10
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Kommentare

11.05.2021 11:58 Uhr - McGuinness
1x
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Super verfasste Review, zu einem mir (noch) vollkommen unbekannten Werk, welches aufgrund deiner tollen Einführung, ohne zu spoilern, direkt mein Interesse geweckt hat.
Liest sich jedenfalls überaus interessant für mich und Hauptdarsteller Adrien Brody wusste mir schon in " Der Pianist " (2002) außerordentlich gut zu gefallen.

Sehr gute Vorstellung von dir 😉👍🏻

11.05.2021 16:22 Uhr - cecil b
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Eine durch und durch gelungene Review und eine tolle Vorstellung!

Nur ein winziger Zusatz könnte noch dazu: Musik. ;)

Der Eindruck, den du vom Film gibst, ist aber so oder spitze!

Film: Ich habe das Gefühl, dass der klug und sehr interessant ist, aber auf mich wirkt die Story auch etwas überladen.

11.05.2021 17:31 Uhr - Randolph Carter
1x
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@McGuinness: Vielen Dank für dein Feedback und fürs lesen :-) Der Film ist in der Tat auch eher unbekannt, deshalb freut es mich, das die Review dein Interesse geweckt hat. Er hat definitiv ein größeres Publikum verdient. Ist für einen eher spezielles Werk, wie "Detachment" eines ist, aber immer schwer viele Leute zu erreichen. Ist so eine kleine Perle die es zu entdecken gilt :-) Und ja, Adrien Brody ist ein toller Schauspieler und hat den Oscar für seine Rolle in "Der Pianist" wirklich verdient.

@Cecil B: Auch Dir danke ich für deine Rückmeldung :-) Die Story ist tatsächlich etwas überladen, er spricht halt ein paar Themen zu viel an und macht am Ende zu viele Baustellen auf, um wirklich allen gerecht zu werden. Das ist meiner Meinung nach aber nur ein kleiner Kritikpunkt und ich hoffe, dass du dem Film vielleicht doch irgendwann mal eine Chance gibst :-)

Zur Musik: Ja stimmt, die hätte ich noch erwähnen können. Viel mir aber weder besonders negativ noch stach sie besonders hervor. Deshalb habe ich wohl vergessen sie zu erwähnen :-)

11.05.2021 19:24 Uhr - cecil b
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Randolph Carter: Dieser von dir optimal formulierte Kritikpunkt berechtigt dann ja 9 Punkte. ;)

Ich könnte mir durchaus denken, dass der in meinem Player landet. Ich werde dann hier eventuell davon berichten. Wobei ich denke, dass deiner Review vermutlich wenig neues hinzuzufügen ist, was mich dann tatsächlich nicht besonders reizt.

Musik: Sie ist wohl so unaufdringlich, dass sie daher wirkungsvoll ist. Deine Review braucht diesen Zusatz mMn nicht unbedingt.

12.05.2021 08:28 Uhr - Randolph Carter
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@cecil b: Vielen Dank nochmal :-) Würde mch über eine Review deinersits zum Film sehr freuen, vielleicht empfindest du manche Punkte ja anders, oder hast eine komplett andere Sicht auf den Film. Ist glaub ich auch immer irgendwie stimmungsabhängig, gerade bei einem melancholischen Streifen wie "Detachment" :-)

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