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Atlantis Inferno

Originaltitel: OT: Predatori di Atlantide, I

Herstellungsland:Italien (1983)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Abenteuer, Action, Science-Fiction
Alternativtitel:Raiders of Atlantis, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,14 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Als vor der Küste Floridas ein russisches Atom-U-Boot sinkt, macht sich ein Rettungsteam auf, dieses zu bergen. Dabei kommt es zu einem Austritt von Radioaktivität, weshalb sich der verschwundene Kontinent Atlantis wieder aus dem Ozean erhebt. Die Haudegen Wash und Mike retten einige der Wissenschaftler aus dem Meer und bringen sie auf eine Insel. Doch damit beginnt das Abenteuer erst, denn dort wütet der geheimnisvolle Crystal Skull mit seiner Bande. Die mordenden Punks stehen unter dem Einfluss der "Wächter von Atlantis" und wollen um jeden Preis die Welt zurückerobern. Es beginnt ein gnadenloser Kampf ums Überleben... (KSM)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von shharry2:

In seinem Review zu „Cut and Run“ hat der Kollege CHOLLO vor einigen Wochen recht deutlich zum Ausdruck gebracht, dass er mit dem italienischen B-Filmregisseur Ruggero Deodato (wohl unbestreitbar am berühmt-berüchtigsten für „Cannibal Holocaust“) und dessen filmischen Schaffen nicht so wirklich was anfangen kann, um es mal diplomatisch auszudrücken. 😉 Das habe ich zum Anlass genommen, Deodatos Endzeit-Science-Fiction-Action-Abenteuer „Atlantis Inferno“ (OT: „I Predatori di Atlantide“, aka „Die Wächter von Atlantis“ aka „Raiders of Atlantis“) mal wieder in den Player zu werfen, und eine Kritik dazu zu verfassen. Ich selbst finde Deodatos „Cannibal Holocaust“ sehr gelungen (ja ich weiß, der Tiersnuff ist scheiße und grausam, ändert aber in meinen Augen wenig daran, dass der Film an sich eine beklemmende, durchgehend unheilvolle Atmosphäre und dazu äußerst gelungene Effekte zu bieten hat), und den hier besprochenen Film habe ich ebenfalls von der letzten Sichtung noch sehr positiv in Erinnerung. Mal schauen, ob das heuer immer noch gilt.

Inhalt: Die beiden Söldner/Abenteurer Mike Ross und Washington (oder Mohamed, wie er sich jetzt nennt) erledigen gerade einen Job für den mysteriösen Colonel, während auf einer Ölbohrplattform eine supergeheime Bergungsaktion der US-Regierung zur Hebung eines gesunkenen, russischen Atom-U-Boots in der letzten Phase ist. Als man in 5712 Fuss Tiefe eine uralte Steintafel mit seltsamen Symbolen vorfindet, die mal locker 12.000 Jahre alt ist, werden die Verantwortliche etwas nervös und wollen mehr über die Tafel erfahren. Zu diesem Zweck wird die für prä-kolumbianische Sprachen als Expertin ausgewiesene Dr. Cathy Rollins sofort zur Plattform gebracht, um das Ding zu untersuchen. Trotzdem hebt man wenig später das U-Boot vom Meeresgrund, doch als es an die Oberfläche kommt, verdunkelt sich der Himmel, sämtliche Kommunikationsmittel werden nutzlos, der Strom geht aus und eine riesige Flutwelle spült die Ölplattform weg und läßt eine Insel unter einer riesigen Kuppel aus dem Meer aufsteigen. Um die Lage noch zu verschärfen, tauchen an Land zeitgleich marodierende Banden auf, die optisch an eine Kreuzung aus Punk Rockern und der fiesen Anhänger des Humungus aus „Mad Max II“ erinnern und aus Prinzip jede andere Person, die ihnen begegnet, den Gar aus machen. Können Mike und Co. das Geheimnis von Atlantis lösen, bevor sie zum Opfer der Atlantiden werden?

Junge Junge, ich bin von den italienischen Schmalspurfilmern ja schon Einiges gewohnt, aber „Atlantis Inferno“ ist eine ganz eigene Hausnummer und erstaunt mich auch nach der drölfzigsten Sichtung immer noch. Deodato und seine 2 Drehbuchschreiber – ich hätte wetten können, dass bei dieser völlig verworrenen Story mindestens ein halbes Dutzend Schreiberlinge nötig gewesen wären – mixen hier so ziemlich jedes Genre zu einem kruden Brei zusammen, welches zur damalige Zeit auch nur eine Lira Gewinn versprach. Wir haben den typischen Abenteuerstreifen, garniert mit Science-Fiction Elementen, hier und da etwas Belagerungsszenario ala „Assault on Precinct 13“ sowie natürlich den typischen Mad-Max-Endzeit-Hintergrund. Im Prinzip fehlt nur noch ein Einschlag des damals durch „Conan“ losgetretenen Barbaren-Genres, dann hätten wir echt Alles in einem Film.

Die „Story“, wenn man es überhaupt so nennen kann, ist dementsprechend total gaga und sowas von unlogisch, es ist zum Schießen. Das fängt schon mit den Atlantiden selbst an: Der Film macht nie wirklich klar, woher die marodierenden Rocker eigentlich kommen. Von Atlantis (die aus dem Wasser aufgetauchte Insel) können sie nicht direkt kommen, da der erste Auftritt der Rocker VOR dem Erscheinen der Insel ist. Ob sie dann einfach nur ne Atlantis anbetende Sekte sind oder irgendwelche Nachfahren, die jahrhundertelang ein normales Leben geführt haben (wie es bei ihrem Anführer Crystal Skull impliziert wird) und GENAU JETZT zu mordenden Psychos mutieren, bleibt der Fantasie des Zuschauers überlassen. Apropos Crystal Skull: Das ist wie gesagt der Anführer der Bösewichte, der einen lächerlichen, an ein umgestülptes Fischglas erinnernden, gläsernen Helm in Totenkopfform trägt.

Warum Atlantis wieder auftaucht, ist ebenso nebulös: Es soll wohl mit der Hebung des gesunkenen Atom-U-Boots und dort ausgetretener Strahlung zu tun haben, aber wie genau DAS nun funktionieren soll, wissen die Götter. Noch beknackter wird es, wenn Mike dem überlebenden Professor Saunders vorschlägt, dieser könne die Nuklearraketen des am Strand liegenden U-Boots neutralisieren, damit Atlantis wieder verschwindet. Ich sehe, ihr reibt euch den Kopf und die Augen, genau so ging es mir bei dieser total idiotischen Szene auch (klingt in etwa so als ob man behauptet, der Betonsarg, der in Tschernobyl über den Reaktor gestülpt wurde sorgt jetzt dafür, dass sämtliche Nebeneffekte der damaligen Katastrophe negiert werden, und morgen die Bewohner von Prypjat ihre Häuser wieder beziehen können…). Irgendwie schafft der Professor es auch, die Raketen zu neutralisieren, wobei niemand erfährt, wie genau, und Atlantis versinkt wenig später erneut im Meer. Wobei auch hier offen gelassen wird, ob das jetzt tatsächlich eine Folge durch die Aktion von Saunders war oder eher, weil Cathy doch nicht die Königin der „echten“ Bewohner von Atlantis spielen wollte.

Der Prolog, in dem Mike und Wash…äh Mohamed (Running Gag ist, dass Washington jeden korrigiert, der ihn Washington und nicht Mohamed nennt) für den Colonel einen nicht näher spezifizierten, alten Knacker aus einem nicht näher spezifizierten Grund aus einer Strandvilla entführen, hat selbstverständlich mit dem Rest des Films nichts zu tun. Die zeitliche Abfolge ist kaum zu erkennen, mal scheint es, als ob Tage vergangen sind, dann wieder ist von einem auf den anderen Moment urplötzlich Nacht geworden. Laut Texttafel zu Beginn spielt sich Alles im Miami des Jahres 1994 ab. Doch absolut Nichts deutet auf die (Drehzeitraum war 1983) Zukunft hin, Alles sieht genau so aus, wie es eben Anfang der 80er so war. Einerseits etabliert der Film, wir wären in Miami, andererseits spricht Mike davon, nachdem die Überlebenden der Flutwelle mit seinem Boot an Land auflaufen davon, man wäre in San Pedro. Es gibt viele Orte und Gegenden mit dem Namen San Pedro, die meisten in Südamerika, und keiner auch nur in der Nähe von Miami.

Das Finale ist noch wirrer, als der Rest des Films, wozu die am Anfang des Films gefundene Tafel wirklich dient, wird nie klar, was GENAU die Atlantiden und ihre Anführer (ich nehme einfach mal an, dass die Fratzen, die man da auf 3 Großleinwänden sieht, diese Position einnehmen sollen) nun wirklich wollen, bleibt im Dunkeln und wieso Cathy in einem Moment aussieht wie ne drittklassig-geschminkte Geisha und 20 Sekunden später völlig normal wieder in den Helikopter neben Mike und Wash…äh Mohamed teleportiert wurde, bleibt wohl auf ewig das Geheimnis von Deodato. Weggeschmissen habe ich mich dann in den letzten 45 Sekunden des Films, als Cathy aus heiterem Himmel anfängt, den alten Mike abzuschlabbern und was von einem gemeinsamen Spinat-Essen zu faseln, das schlägt dem Fass die Krone aus dem Boden! 😉:-D

Ich könnte hier jetzt noch mindestens ein gutes Dutzend Beispiele anführen, wie behämmert die Story ist, aber das würde den Rahmen sprengen. Man könnte jetzt meinen, der Film wäre totale Grütze aus der untersten Schublade italienischer Filmverbrecher. Doch dies ist kurioserweise nicht der Fall. „Die Wächter von Atlantis“ ist einer der seltenen Fälle, in denen trotz massivster Defizite das Gezeigte einfach nur unglaublich viel Spaß macht. Auf die Story kann und muss man echt sche**en, aber wenn man dies auch tut, hat man echt viel Fun mit dem Film. Deodato schafft es, ein sehr hohes Tempo, mit viel Action, Explosionen und Geballere, von praktisch Anfang bis Ende zu halten, und so vergehen die knapp 90 Minuten wie im Fluge. Sehr gekonnt wechselt er auch immer wieder mal die Location, was für zusätzlichen Schwung sorgt. Mal werden unsere Helden in einer Lagerhalle inmitten einer völlig verwüsteten Gegend (sieht aus wie manch deutsche Innenstädte nach Mai ´45) unter Beschuss genommen, mal sind sie in einem roten Bus auf der Flucht und wieder ein anderes Mal bekriegen sie sich mit den Rockern im Dschungel (=die Insel Atlantis). Die beinahe Nonstop-Action ist größtenteils sauber inszeniert, hier und da gibt es auch ein paar blutige Einschüsse und Wunden zu sehen, es ist aber kein Schlachtfest für Gorebauern. Das die Italiener allgemein wenig Lire für ihre Filme zur Verfügung hatten, dürfte niemanden verwundern und so hat Sparfuchs Deodato manche Szene mehrfach verwendet. Wenn bspw. Wash… äh Mohamed einen selbstgebastelten Molotov-Cocktail küsst und aus dem Fenster schleudert, wird diese Szene mindestens dreimal verwendet, innerhalb von noch nicht mal 2 Minuten.

Die Effekte sind teils ganz okay, wie etwa die „berüchtigste“ Szene des Films, in der ein Punker auf dem Moped seinen Kopf aufgrund eines über die Straße gespannten Drahtseils verliert (sowas Ähnliches gab es später auch mal in einer Folge der „Simpsons“ zu sehen). Andere, wie die von einer Flutwelle zerstörte Ölbohrplattform, sind zwar klar als Miniaturmodell zu erkenne, aber irgendwie putzig. Wiederum andere sind einfach nur mies getrickst, wenn etwa einer Überlebenden ein Pfeil durch den offenen Mund in den Rachen geschossen wird, ist dies vollkommen offensichtlich als billigster Papmache-Schädel auszumachen. Nicht ganz so schlecht wie der Kopf im Eimer bei „Man-Eater – Der Menschenfresser“, aber auch nicht weit von dessen Qualität entfernt.

Auf Seiten der Darsteller haben wir viele bekannte Nasen aus B-Filmen, allen voran Christopher Connelly als Mike und Tony King als Wash… ä h Mohamed, deren Leistung auch als die beste zu bezeichnen ist. Vor allem aufgrund ihrer kumpelhaften Art und oftmals nicht ganz ernst gemeinten Sprüche sorgen sie dafür, dass der Streifen nicht total bierernst bleibt. Vor allem bei Connelly hatte ich den Eindruck, dass hm der Dreh durchaus Spaß gemacht hat. Gioia Scola als Cathy sieht süßt und attraktiv aus und ist – bis auf 2 andere Weiber, die aber schnell wieder verschwinden – auch so ziemlich die einzige weibliche Rolle. George Hilton, altgedienter Veteran von Spaghetti-Western („Django – Schieß mir das Lied vom Sterben“) tritt als Prof. Saunders auf, Ivan Rassimov („Mondo Cannibale“) als Hubschrauberpilot Bill Cook und Bruce Baron („Ninja Connection“) als Crystall Skull passen auch in ihre jeweiligen Rollen. In Nebenrollen sieht man noch Michele Soavi, Mike Monty sowie Regisseur Deodato selbst. Ganz famos ist übrigens auch der Soundtrack, allen voran das Titelthema „Black Inferno“ von den Oliver Onions, ein Ohrwurm sondergleichen!

Kurioses: Was mir die Tage aufgefallen ist, es scheint wohl 2 verschiedene, deutsche Synchros zu geben, zumindest, was den Trailer betrifft. Auf youtube ist ein alter, dt. Trailer zu sehen, und dort haben fast alle Charaktere eine andere Synchronstimme, aus auf der mir vorliegenden DVD von KMS. Ob dies jetzt nur auf den Trailer zutrifft oder evtl. auf den ganzen Film, kann ich nicht beurteilen.

Fazit: Mann dürfte es gemerkt haben, „Atlantis Inferno“ hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, trotz der oben genannten Defizite, allen voran die absolut hanebüchene Story. Andererseits aber bedeutet dies für Trash-Fans, dass man hier fast im Minutentakt schmunzeln und ablachen kann, wenn die nächste, unlogische Szene ihren Lauf nimmt. Darüber hinaus ist vor allem die oft handgemachte Nonstop-Action ein Garant für Kurzweil, bekannte B-Film-Recken und der tolle Soundtrack runden das Geschehen zusätzlich ab. „Atlantis Inferno“ ist eine echte Trash-Perle, die ich jedem Fan des 80er Italo-Kinos nur wärmstens empfehlen kann.

8 von 10 gläsernen Kristallschädeln.

8/10
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Kommentare

12.05.2021 15:10 Uhr - TheMovieStar
1x
User-Level von TheMovieStar 10
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Wer mich kennt der weiß, dass ich immer etwas übrig habe für 80er Jahre B-Action und deine Begeisterung hat mich neugierig gemacht. Den Film selbst kenne ich noch nicht. Mal sehen, vielleicht gucke ich den mal wenn ich ihn irgendwo aufspüre.

Danke für die tolle Vorstellung!

12.05.2021 20:08 Uhr - McGuinness
1x
DB-Co-Admin
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Da ich mit italienischen B - Actionern wenig bis gar nicht vertraut bin, habe ich dementsprechend auch von diesem Werk hier noch nie etwas gehört.

Deine Review liest sich aber prima und Deine Begeisterung lässt sich zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen.

Ich glaube, ich sollte diesem mal durchaus eine Chance geben 😉

14.05.2021 19:25 Uhr - shharry2
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Erfahrungspunkte von shharry2 196
Vielen Dank euch für das Lob. 🙂

Die DVD ist meine ich noch zu erwerben, allerdings nicht gerade günstig. Es lohnt sich aber. 😎

16.05.2021 02:51 Uhr - Dissection78
1x
DB-Co-Admin
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Ich mag bekanntermaßen Italo-Trash, dementsprechend mag ich auch dieses hanebüchene Konglomerat verschiedenster Pulp-Zutaten. Sehr unterhaltsamer Blödsinn, dem ich allerdings nur unter Party-Gesichtspunkten 8 Zähler geben würde - ansonsten sind's bei mir wohl eher 6 von 10. Und generell finde ich es natürlich wieder toll, dass hier auch solch abseitigeren Werke besprochen werden. Sowas zu lesen, ist in meinen Augen einfach ein großer Spaß ;)

18.05.2021 14:36 Uhr - shharry2
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Erfahrungspunkte von shharry2 196
Danke Dissection78 für deinen Kommentar und j, solch ein Film wie "Atlantis Inferno" macht auch mir Spaß, nicht nur beim Sehen des Films. :-D

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