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Subconscious Cruelty

Herstellungsland:Kanada (2000)
Genre:Horror, Erotik/Sex, Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,58 (12 Stimmen) Details
inhalt:
Subconscious Cruelty gibt einen tiefen Blick in die Abgründe menschlichen Empfindens und Handelns und zeigt bildgewaltige Eindrücke voller Obsessionen, Grausamkeit und Sexualität. Gezeigt werden Sequenzen vom getriebenen Inzest eines Geschwisterpärchens und dessen sexuelle Ausschweifung bis zur Schwangerschaft der Schwester, die bei der Geburt des kleinen Sohnes vom Bruder blutig entbunden wird, welcher dem Säugling noch während der Geburt den Hals aufschlitzt, um ihr im Anschluss das aus der Halsschlagader herausspritzende Blut über den kanzen Körper zu ergießt. Eine Gruppe nackter Frauen und Männer suhlen und wälzen sich im Schlamm der Natur und treiben es mit ihr, ein skurriles Treiben in höchster Hingabe. Einblicke in die tief abgründige Perversität eines höchst triebig onanierenden Mannes, dem in seiner Gedankenwelt fremdonaniert sein Blut fontänenartig entgegen spritzt. Extrem bizarre Bilder einer Orgie zweier Frauen, die in einer Kirche mit kannibalischen Ansätzen einem als Jesus gekleidetem und leidenden Mann die Därme aus dem Leib reißen und es mit diesen treiben. Das experimentelle Kino von Karim Hussain und Mitch Davis überschreitet Grenzen und scheint keine Tabus zu kennen. Düstere Bilder werden mit ausgefeiltem Tondesign zu schockierenden Visionen des menschlichen Unterbewusstseins geformt...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von jichi:

"Subconscious Cruelty“ aus dem Jahr 2000 von Karim Hussain wird immer wieder genannt, wenn es um extreme, kontroverse, tabubrechende und surreale Filme geht, und diese Aspekte erfüllt der Film voll und ganz. Der Regisseur Hussain war zum Zeitpunkt des Drehs übrigens erst 19 Jahre alt, und wirkte später an der Anthology Reihe "The ABCs of Death" und an der beliebten (und brutalen) Serie "Hannibal" mit, wo man bei genauerem Hinsehen durchaus Einflüsse von Hussain sehen kann, die schon in "Subconscious Cruelty" voll zur Geltung kommen.

Unterteilt ist der Film hierbei in mehrere Episoden, wobei ich sagen muss, dass ich nicht genau erkannt habe wo welche Episode anfängt und endet. Ist aber auch nicht so wichtig, denn einen klaren roten Faden gibt es sowieso nicht, außer dass immer wieder menschliche Ängste, Gelüste und Abgründe in Verbindung mit Religion, besonders dem Christentum, thematisiert werden.

Schon mit der ersten Episode werden wir eine absurde Alptraumwelt geworfen. Einer Frau wird der Bauch aufgeschnitten und ein Auge herausgeholt. Kann man jetzt interpretieren mit "jemand ist immer bei dir, beobachtet dich und kann dein Inneres lesen", oder man lässt es sein.

Die zweite Episode dürfte bereits der kranke Höhepunkt sein: Ein Mann begehrt seine Schwester sexuell und ist von ihrer Schönheit beeindruckt, ekelt sich aber gleichzeitig vor ihr, da sie schwanger ist. In seinen kranken Phantasien fasst er den Entschluss, Mutter und Kind während der Geburt zu töten, dass beide im Moment, wenn Leben geschenkt wird, auch im Tod vereinigt sind. Abgemildert wird das Ganze zumindest davon, dass man die Gummipuppe klar erkennt. Trotzdem wirklich gestört.

Und munter weiter zur nächsten Episode ! "Du sollst Mutter Natur lieben" wird auf sehr direkte, verrückte und sexuelle Weise interpretiert. Dennoch ist hier die Symbolkraft sehr stark: Der Mensch nutzt die Natur aus, um sich Befriedigung zu verschaffen, und achtet nicht auf die verursachten Schäden. So wird maßlos Erdöl in der Szene während der Orgie ausgegraben und Sachen von Bäumen abgerissen, aus deren Wunden dann Blut sprudelt. Der Mensch liebt die Natur ganz sicher nicht. Und wenn, dann nur aus Eigennutz.

Kommen wir nun zur meiner Meinung nach schwächsten Episode: Mehr oder weniger wird der Pornographie-Konsum des Menschen angeprangert, und das Ganze wird mit Geld in Verbindung gebracht. Bestraft wird das Ganze dann auch prompt, in dem in einer alptraumhaften Sequenz die Geschlechtsteile des Mannes übel mit einer Rasierklinge und Würgeschlinge malträtiert werden. Ein Mann (der eventuell Gott darstellen könnte) sieht ungerührt und von oben herab dabei zu. Das Kreuz um den Hals des sterbenden Opfers wird entfernt. Hussains Gottesbild dürfte in etwas so positiv wie Marian Doras Menschenbild sein, aber zur Interpretation komme ich später.

Jetzt zur letzten und kontroversesten Episode: Spuckt der Film bis dato schon auf christliche Werte, tritt er jetzt direkt in die Magengrube und geht das Heiligste der Christenheit an: Jesus.
Erst wird ein wahrscheinlich als Jesus verkleideter Mann bettelnd vor einer Kirche gezeigt, während die gesamte Umgebung ihn ignoriert, die Autos rauschen teilnahmslos an ihm vorbei. "Liebe deinen nächsten wie dich selbst" sollte sich die Menschheit mal näher zu Herzen nehmen.
Dann jedoch wird "Jesus" von mehreren Frauen angegriffen. Genauere Beschreibungen spare ich mir jetzt, aber "Dies ist mein Fleisch, dies ist mein Blut" wird mal wieder wörtlich und sehr krank genommen. Und noch üblere Szenen folgen. So geht die Erlösung der Menschen im Rausch ihrer Gelüste dahin. Stören tut sich daran niemand.

Jeder der diese Zusammenfassung jetzt gelesen hat, dürfte den Film, eine Macher und wahrscheinlich auch mich, da ich ihn trotzdem gut bewertet habe, in die Hölle wünschen.

Ja, warum habe ich als Christ diesen, zugegeben, sehr kranken, abstoßenden, und auf jegliche Konventionen oder religiöse Werte spuckenden Film, gut bewertet ?
Weil die Menschheit auch kranke, abstoßende Seiten hat, auf Konventionen und religiöse Werte spuckt. Was der Film in einer sehr krassen Bildsprache aussagt, ist im Grunde richtig. Die Menschheit beutet den Planeten aus, schert sich oft nicht um ungeborenes Leben, „richtige“ Werte oder die zukünftigen Generationen. Sondern nur für die eigenen Bedürfnisse und Gelüste, für Befriedigung. Natürlich hat die Menschheit auch verdammt gute Seiten, die man bewahren und auf die man stolz sein kann. Aber dieser Film ist ein Schlag in die hässliche Fratze der Menschheit. Wenn der Film den Zuschauer an den empfindlichsten Stellen packt, auf gut Deutsch an den Eiern, dann spürt man vielleicht auch was. Die Menschheit muss sich aufraffen und etwas ändern, dann geht unsere Erlösung nicht auf grausame Weise den Bach runter. Top aktuelle Themen, aus einem Film aus dem Jahr 2000.

Natürlich ist das viel Interpretation. Aber ich mag es gerne, wenn ein Film mir nicht alles auf dem Silbertablet serviert, und ich gar nichts mehr Denken muss. Das praktizieren Marvel und Co zur Genüge. Und sowas wollte ich auch nicht sehen, als ich mich entschloss, „Subconscious Cruelty“ anzusehen.

Handwerklich ist das Ganze jedenfalls hervorragend umgesetzt, mit einem sehr künstlerischen, surrealem Touch. Viele Farbfilter werden verwendet, besonders gerne Blau-Rot Filter, wodurch man immer mehr das Gefühl bekommt, entweder in einem kranken Alptraum oder LSD- Rausch zu sein. Auf Dialoge wird fast komplett verzichtet, manchmal erzählt ein Off- Sprecher etwas meist Philosophisches zur jeweils passenden Szene. Der Rest des Films ist mit Musik unterlegt, die das Gefühl des Alptraums noch verstärken. Würde Lucifer Valentine im Drogenrausch kurz vergessen, dass er einen Kotzfetisch hat und spontan einen Film drehen, könnte das Endprodukt ähnlich wie „Subconscious Cruelty“ aussehen. Oder David Lynch hat eine starke Medikamenten- Überdosis.

Für die hartgesottenen und extremer Kunst aufgeschlossenen Genrefreunden ein echter Geheimtipp, der Rest sollte einen großen Bogen machen !

 

„Irgendwann sterben wir alle.“

9/10
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Kommentare

14.05.2021 17:33 Uhr - dicker Hund
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Liebevolle Zuwendung an einen wütenden Bastard von Extremfilm, der für abgründig Interessierte in der Tat die Entdeckung lohnt. Wertungsmäßig klar im oberen Drittel, müsste ich ihn für eine veröffentlichungsfähige Punktlandung erst noch einmal sehen.

14.05.2021 18:07 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Eieiei.....an den hab ich mich noch nicht rangetraut. Einerseits sehr interessiert, auf der anderen Seite irgendwie Schiss...
Starke Vorstellung, aber ich zweifle noch.

14.05.2021 19:40 Uhr - The Machinist
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Au ja, der hat was. Allem voran sehr viel psychotropen Ekelkram.
Dennoch oder gerade deswegen schätze ich den Film für seinen Stilwillen und den Mut zur Andersartigkeit, auch wenn ich eine 9 doch arg hochgegriffen finde und mich so aus der Erinnerung heraus mit 7 Punkten begnüge.
Gelungene Vorstellung.

15.05.2021 10:43 Uhr - Jichi
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Danke für euer aller Lob, freut mich sehr dass euch meine Kritik gefällt, macht den ganzen Aufwand mehr als wert.

15.05.2021 10:58 Uhr - cecil b
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Tolle, interessante Vorstellung! :)

15.05.2021 11:09 Uhr - Jichi
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Danke !

16.05.2021 02:42 Uhr - Dissection78
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Ja, interessante Vorstellung. Ich bin transgressivem Kino dann und wann nicht abgeneigt und finde "Subconscious Cruelty" ebenfalls ziemlich gut (auch wenn es jetzt Jahre her ist, dass ich ihn zuletzt sah). Jedenfalls gehört er auf der Liste modernerer 'Tabubrecher' zu den besseren Werken. Punkte verteile ich heuer mal nicht, da die letzte Sichtung zu lange her ist, aber Du hast den Streifen gut getroffen, denke ich :)

Karim Hussain war übrigens auch der DP von "Hobo with a Shotgun" und Brandon Cronenbergs "Possessor".

16.05.2021 11:23 Uhr - Jichi
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@Dissection78: Auch dir vielen Dank !
Du bist der Einzige hier der eine Review zu "ReGoregitated Sacrifice" rausgehauen hat, von dem her muss ja etwas Liebe für das Extremkino vorhanden sein😉
Cool, dass Hussain auch an "Hobo with a Shotgun" und "Possessor" mitgewirkt hat, wusste ich noch gar nicht. Der Mann scheint bei einigen Produktion seine Finger im Spiel zu haben.....

16.05.2021 12:25 Uhr - Man Behind The Sun
1x
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Trotz meiner Vorliebe für Surrealismus war mir dieser etwas zu plump. Man merkt dem film aber die gehobene Qualität an, die man in manchen Filmen solcher Machart vermisst.

Die Kritik ist sehr schön verfasst! Bist du wirklich extrem christlich und gläubig bzw. hat der Film dann bei dir irgednwas bewirkt?

16.05.2021 12:39 Uhr - Jichi
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Extrem christlich bzw. gläubig ? Nein, kommt das irgendwo zur Geltung ? Wenn ja, sorry, dumm formuliert.
Also ich bin zwar Christ, aber als extrem gläubig würde ich mich auf gar keinen Fall bezeichnen. Habe das in erster Linie erwähnt dass nicht irgend jemand kommt und mich steinigt von wegen Hass auf Christen oder die Kirche oder so. Die Darstellungen im Film sind zwar sehr krass und grenzwertig, aber es ist nur ein Film. Und ein ein wirklich weises Hemd hat die Kirche ja nun wirklich nicht, da gehen solche Filme für mich schon in Ordnung, ist eine krassere Form von zurecht angebrachter Kritik. Und danke für das Lob🙂

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