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Die Neunte

Originaltitel: Devyataya

Herstellungsland:Russland (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Thriller
Alternativtitel:Девятая
The Ninth
Das neunte Opfer
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,50 (2 Stimmen) Details
inhalt:
Sankt Petersburg im 19. Jahrhundert. Hier geschieht eine Reihe von Ritualmorden – acht junge Damen sind bereits zum Opfer gefallen. Die Ermittlung in diesem Fall hat der Colonel Rostov gemeinsam mit einer jungen Hellseherin Olivia Reed aus Großbritannien übernommen, die für das Gastspiele nach Sankt Petersburg gekommen ist – ihr öffentliche spiritistische Séance sind sehr populär. Ihr Vater – Jack Reed – ist der Autor einer spannenden Gruselgeschichte über ein amerikanischen Serienmörder, der vor kurzem verhaftet wurde. Nach der Analyse der Fallakten sind die Experten zu der Schlussfolgerung gekommen, dass der russische Serienmörder den amerikanischen nachahmt. Es wird einen weiteren Mord geben! Für die Rolle des neunten Opfers wird von dem Mörder Olivia ausgesucht.
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von shharry2:

Das neunte Opfer“ (AT: „Die Neunte“ oder auch „The Ninth“) ist ein im Jahre 2019 entstandener Okkult-Krimi (Horror trifft es eher weniger nach meiner Erstsichtung), welcher primär in Russland, mit russischer Crew und russischen Schauspielern realisiert wurde. Die einzigen englischsprachigen Darsteller sind Daisy Head (Tochter von Anthony Stewart Head, dem Giles aus „Buffy“) in der Rolle der Protagonistin Olivia Reed sowie Jonathan Salway als deren Ehemann im Prolog, von dem ich dachte, ich hätte ihn in einem anderen Film zuvor schon einmal gesehen (muss mich aber getäuscht haben, seine Filmografie sagt mir Null).

Inhalt: Die verwitwete Engländerin Olivia, die als Medium bei Seancen und dergleichen die russische Oberschicht beeindruckt, weilt just zur selben Zeit im Sankt Petersburg des Jahres 1899, als dort eine grausige Mordserie an jungen Frauen stattfindet. Der ermittelnde Inspektor/Kommissar Rostov und sein Assistent Ganin stoßen bei ihren Ermittlungen auf seltsame Symbole und sind schließlich auch Gast bei einer der Seancen von Olivia. Nach anfänglicher Skepsis und Startschwierigkeiten machen sich der Kommissar und das Medium gemeinsam daran, die Mordserie und deren Hintergründe zu Entschlüsseln und zu stoppen, denn Olivia hat erkannt, dass sie vom Mörder als neuntes Opfer auserkoren wurde…

Mhhh, ja, nach der gestrigen Sichtung bin ich von „Das neunte Opfer“ jetzt nicht sonderlich aus den Socken gehauen worden sag ich mal. Doch fangen wir mal mit dem positiven an: Das Sankt Petersburg kurz vor 1900 sieht – trotz erkennbarem CGI – sehr gelungen und auch weitläufig aus, die Sets selbst (Oper der Seance, schmierige Kneipen, das Arbeitszimmer von Golitsyn) sind detailreich und stimmig eingerichtet, und die Kostüme können sich ebenfalls sehen lassen. Auch schauspielerisch macht der Streifen Vieles richtig, allen voran die leading woman ist mit Daisy Head passend besetzt worden. Lediglich ihr erster Auftritt mit ihrem Ehemann irgendwo in der Wüste ist ein klein wenig gewöhnungsbedürftig. Auch Evgeniy Tsyganov als Kommissar / Inspektor Rostov ist sympathisch und intelligent genug, um auch mal Fehler eingestehen zu können. Vervollständigt wird der Hauptcast noch durch Yuri Kolnokolikov in der Rolle des vom Okkulten faszinierten Golitsyn sowie Dmitriy Lysenkov als Assistent Ganin, der dank einiger, flapsiger Sprüche und Bemerkungen für beinahe so etwas wie Comic relief sorgt. Wie gesagt, beinahe.

Der Rest ist reine Staffage und bleibt blass, leider auch der schon erwähnte Jonathan Salway als James Reed, der einfach zu wenig Screentime hat, um Akzente setzen zu können. Von den russischen Schauspielern kenn ich niemanden, und Daisy Head eigentlich auch nur aufgrund ihrer Verwandtschaft zu Rupert Giles (=Rolle ihres Vaters in „Buffy“). Die Story selbst wirkt auf mich wie ne Art „From Hell“-light und etwas von „Vidocq“, wenn den jemand kennt. Die Mörderjagd ist gar nicht mal so unspannend umgesetzt worden, aber irgendwann merkt man, dass der/die Autor/en das Ganze nicht mehr so recht zu einem stimmigen Finale führen konnten. In den letzten 15 Minuten zerfällt das Konstrukt dann auch regelrecht in sich zusammen: Ohne jegliche Information findet Rostov einfach so den Unterschlupf des Mörders, welchen Ganin ungefähr 2 Stunden zuvor anhand guter, altmodischer Detektivarbeit erschnüffelt hatte.

Richtig blöde wird es mit der Enthüllung des Täters (wobei dessen Identität allerspätestens, nachdem Golitsyn – wiederum dank echter Kriminalarbeit – vollständig entlastet wurde, jedem Zuschauer klar sein müßte), welcher sich als der totgeglaubte James Reed entpuppt. Das wirft nicht nur die Frage auf, wie er seinem praktisch sicheren Tod im Prolog entkommen konnte, denn dort war er unter einem mehr als nur tonnenschweren Felsbrocken eingeklemmt, während über im ne halbe Stadt einstürzte, sondern auch, warum er nun überhaupt diese Mordserie mit Ritualen und insgesamt 9 Opfern durchführte. Zur weiteren Erklärung zu diesem Punkt: Sein Ziel war es zu Beginn des Films, seine tote Tochter mittels eines alten Buches (so ne Art Necronomicon wohl, mehr wird aber im Film selbst nie dazu gesagt) wiederzuerwecken. Dazu hatte er geplant, seine Frau zu opfern, also deren Leben im Tausch gegen das seiner Tochter. Seltsamerweise mußte er dort offenbar keine 8 anderen Frauen im Vorfeld töten, um das zu erreichen. Warum ist also die ganze Mordserie plötzlich nötig, wenn er in Sankt Petersburg ist? Hätte es nicht gereicht, einfach nochmal Olivia zu entführen und das Ritual vom Anfang des Films durchzuführen? Ja, ist klar, dann wäre der Film ziemlich kurz geraten, aber wirklich Sinn ergibt das nicht. Noch abstruser wird es kurz vor Schluß. Rostov schießt auf James, der Olivia verbrennen wollte und nun selbst abfackelt. Zeitgleich erwacht plötzlich ein offensichtlich totes Mädchen in einer Badewanne im Unterschlupf von James, der kurz zuvor von Rostov und mehreren Polizisten untersucht wurde.

Erste Frage: Wenn die Polizisten kurz zuvor dort waren und das tote Mädchen gesehen haben, wieso hat es niemand aus der Wanne genommen bzw., wieso ist da weder ein Bulle, noch Leichenbeschauer oder sonst wer im Haus?

Zweite Frage: Wenn das tote Mädchen Olivias Tochter Audrey sein soll – wovon man ausgehen muss, alles andere ergibt keinerlei Sinn -, wieso sieht sie dann aus, als ob sie gestern erst verstorben wäre? Es wird zwar nie genau gesagt, wann der Prolog vor der Haupthandlung stattfand und wann vor dem Prolog Audrey gestorben ist, aber man kann ohne Weiteres von mehreren Monaten, wenn nicht gar wenigen Jahren ausgehen. Und bereits nach mehreren Monaten ist eine Leiche nicht mehr so taufrisch, wie hier. Ob das Wiederbeleben von Audrey eine Art Fortsetzung bedeuten könnte oder soll, weiß ich nicht.

Etwas arg aufgesetzt wirkt auch die Liebesgeschichte zwischen Olivia und Rostov. Es ist von Beginn an klar, dass die beiden sich verlieben, aber die Umsetzung wirkt halt schon sehr gezwungen und gestellt.

Fazit: Wie oben bereits erwähnt ist „Das neunte Opfer“ nun nicht gerade ein unbekannter Geheimtipp voller nägelkauender Spannungskurven. Der Film ist okay, hat recht gute Schauspieler und Ausstattung zu bieten, aber eine Handlung, welche bei genauerer Betrachtung wenig Sinn ergibt und vor allem zum Finale hin regelrecht auseinanderfällt, worunter logischerweise auch die Spannung leidet. Man kann ihn sich mal anschauen, wenn man grade keinen anderen Film zur Hand hat, aber einmal reicht dann auch.

5,5 von 10 russischen Matroschkas.

5/10
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Kommentare

18.05.2021 17:31 Uhr - beebop251
2x
Schöne Review. Ich hatte den Film schon vor einiger Zeit gesehen und mir gefiel er ganz gut. Setting und Ausstattung sind die Pluspunkte. Die Schauspieler fand ich solide und die Story annehmbar. Auf Logik habe ich eher weniger geachtet. Probleme für mich waren jedoch die deutsche Synchro und leider auch die russisch/englisch Tonspur auf der Blu-ray. Das Klang so sehr nach Studio, dass dahingehend doch viel von der Atmosphäre flöten ging. Ganz knappe 6/10 würde ich dem Film geben. Einmal anschauen kann man sich den aber ruhig.

19.05.2021 11:48 Uhr - cecil b
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Du gibst wirklich einen deutlichen Eindruck vom Film, danke dafür! :)

Okkultismus ist in Filmen meistens unfreiwillig komisch, aber ich möchte den dort nicht missen. ;)

19.05.2021 14:30 Uhr - shharry2
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Erfahrungspunkte von shharry2 196
@beebop251

Freut mich, wenn dir das Review zugesagt hat. Ich hab den Film auf VoD gesehen, die dt. Synchro hörte sich eigentlich okay an.

@cecil b

In "Die neun Pforten" (wieder die Zahl Neun ;-) ) hat man den Okkultismus schon ziemlich gut in die Story eingewoben wie ich finde, der Film gefällt mir eh sehr gut.

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