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Meine teuflischen Nachbarn

Originaltitel: The 'Burbs

Herstellungsland:USA (1989)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Komödie, Mystery
Alternativtitel:Life in the Burbs
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,80 (52 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine Straße in Aufruhr: Manfield Place ist seit dem Einzug der Familie Klopek nicht mehr die ruhige Vorortstraße, die sie einmal war, sondern ein Affenkäfig voller Irrer. Seltsames geht vor im Klopek-Haus, keiner weiß was, aber alle wissen: der Teufel ist los. Als eines Tages ein älterer Nachbar spurlos verschwindet und nur noch sein Toupé gefunden wird, steht fest: die Klopeks haben ihn gekidnappt und zerstückelt - oder sonstwas Übles mit ihm angestellt. Da kann man nicht länger tatenlos zusehen. Todesmutig stürzen sich Ray (Tom Hanks), Art (Rick Ducommun) und Ronsfield (Bruce Dern) ins Getümmel. Und wenn sie auf Klopek-Pirsch gehen, bleibt kein Auge trocken... (Universal Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von ivan_danko:

Ich bin kein großer Komödienfan. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten für mich einfach zu flach, überzogen, hysterisch und eben nicht wirklich witzig sind. Manche würden sich bei meinen Bewertungen zu sogenannten Hits des Genres an den Kopf greifen und sich die Haare raufen, aber dazu stehe ich. Natürlich gibt es auch für mich Ausnahmen (Murmeltier, Dogma etc.), eine davon ist sogar einer meiner absoluten Lieblingsfilme:

 

MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN - OT: THE BURBS (1989)

 

Amerikanische Vorstädte: Synonym für schöne Gärten und Rasen, Nachbarschaftshilfe mit gutmütigem Konkurrenzkampf, Ordnung und dem Klischee des Spießertums. Tausend Mal in diversen Filmen und Serien gesehen, wird fast immer ein Bild der Harmonie gezeichnet und manchmal auch gehörig demontiert. Genauso passiert es auch in diesem Fall, denn was tun, wenn eine mysteriöse neue Famile namens Klopek einzieht und plötzlich fast gleichzeitig ein alteingesessener Nachbar verschwindet. Klarer Fall von Mordverdacht, die anderen Einwohner machen sich mit allen Mitteln daran, den Fall zu lösen, und das Chaos nimmt seinen Lauf. Eine genauere Inhaltsangabe spare ich mir an dieser Stelle, denn hier liegt im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel in den Details.

Regisseur Joe Dante ("Die Reise Ins Ich"), ohnehin fest im Genre verwurzelt, konnte bereits 1984 mit "Gremlins" einen veritablen Hit landen (Fortsetzung folgte 1990) und war somit prädestiniert für die uns hier vorliegende nächste Horror-Comedy. Besser hätte die Wahl kaum getroffen werden können, unglaublich, wie viel Sarkasmus, Dialogwitz und funktionierender Slapstick dem Drehbuch von Dana Olsen ("Jagd Auf Einen Unsichtbaren") entlockt werden konnte. Garniert wurde die ohnehin schon runde Sache mit diversen Seitenhieben auf das bereits vorher  erwähnte Spießertum und einigen Huldigungen an so manche Filmklassiker, und sei es auch nur, wenn diese als "Film im Film" im Fernseher zum Schlafengehen laufen. Und vor allem, hier funktioniert alles nahezu vollkommen ohne Fremdschämfaktor, Obszönitäten oder Hysterie. Glücklicherweise konnten auch die haargenau richtigen Darsteller für die Charaktere im Film gewonnen werden.

Tom Hanks ("Forrest Gump") war damals noch weit entfernt von seinem heutigen Ruf als Charakterdarsteller, konnte sich aber schon zuvor mit "Geschenkt Ist Noch Zu Teuer", "Dragnet" und "Big" einen Namen im Comedy-Genre machen. Seine Rolle als leicht gelangweilter Bürger im Urlaub, der sich von seinem Kumpel Art (Rick Ducommun) gehörig aufstacheln lässt, war ihm zur damaligen Zeit wie auf den Leib geschneidert. Als sich die verdächtigten Nachbarn auch noch als verschrobene Eigenbrötlerfamilie entpuppt, kennt sein zuvor noch zurückhaltender Ray keine Grenzen mehr und verstrickt sich bald immer mehr in blankem Fanatismus, um die "Entführer oder sogar Mörder" eigenhändig zu entlarven. Seine Frau (Carrie Fisher aus "Star Wars") und sein Sohn bleiben dadurch nicht die einzigen Leidtragenden...

Nahezu sensationell ist allerdings die Darbietung von Hollywood-Veteran Bruce Dern (2-fach Oscar-nominiert für "Nebraska" und "Coming Home") als "General" Rumsfield, einem patriotischen und tollpatschigen Ex-Soldaten, den die Langeweile offensichtlich mindestens genauso plagt wie Hanks' Ray Peterson. Dern zieht hier förmlich alle Register seines Könnens, neben zahllosen gelungenen One-Linern ist er sich auch nicht für Slapstick-Einlagen par Excellance zu schade, fast jeder Gag ein Volltreffer ins Schwarze. Ob er mit geladenem Sturmgewehr beim Wacheschieben vom Vordach abmarschiert oder einfach nur über einen Gartenschlauch stolpert, köstlich köstlich.

Eine weitere Rolle spielt Corey Feldman ("Stand By Me") als Teenager Ricky, der die Hexenjagd der anderen zur Party macht. Auch hier stark gecastet, sein schmieriges Lachen und die Schadenfreude über die "Unfälle" der anderen Nachbarn bleiben dauerhaft in Erinnerung. Weiters zu erwähnen sind Henry Gibson, Theodore Gottlieb und Courtney Gains als Familie Klopek, die alle zusammen verantwortlich für herrlichen Dialogwitz und streckenweise grenzenlose Situationskomik sind. "Eine Sardine?" Das vermeintliche Opfer Walter Seznick, eigentlich gar nicht mal so beliebt in der Nachbarschaft, wird von Gale Gordon in einer seiner letzten Rollen kurz aber prägnant verkörpert.

Schnitt und Filmmusik sind überdurchschnittlich gut gelungen, besonders sollte aber die Kameraarbeit von Robert M. Stevens ("Made Of Steel - Hart Wie Stahl") erwähnt werden, sie überzeugt durch gut getimte Nahaufnahmen und so manche schräge Einstellung.

Durch und durch ein herrlicher Film mit Kultstatus. Vorstadtbürger, ihre Klischees und die negativen Auswirkungen resultierend aus Neugier und Bespitzelung werden perfekt auf die Schippe genommen und trotz des "Happy-Ends" bleibt schlussendlich doch ein kleiner Anflug von fehlender Moral im Raum stehen. Zusätzlich noch gut aufgelegte Darsteller, eine bestechende Regiearbeit und professionelle Umsetzung, so soll es sein. Viele Gründe dafür, dass "Meine Teuflischen Nachbarn" eine der wenigen Komödien mit der Höchstwertung für mich ist. Die FSK bedachte den Film mit einer völlig überzogenenen FSK16 Einstufung, von Zensur blieb der Streifen meines Wissens nach verschont. Nur der Vollständigkeit halber, 2014 (England) bzw. 2020 (Deutschland) wurde ein Workprint veröffentlicht, eine frühe Schnittfassung mit einigen geänderten und alternativen Szenen, die allerdings keine großen Auswirkungen auf den fertigen Film haben. 

Wer den Film noch nicht kennt, reißt Euch eine Büchse Sardinen auf und genießt diese herrlich intelligente Parodie aufs Spießbürgertum und obendrein noch Hommage an Gruselfilme aller Art. Uneingeschränkte Empfehlung von mir. "Rumsfield mein Name! Hab deinen nicht richtig gehört, Söhnchen." --- "Hans" --- "Aaah, ein feiner christlicher Name, Hans Christian Andersen".

10/10
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Kommentare

24.05.2021 22:42 Uhr - Intofilms
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Genau wie „Murmeltier“ einer meiner Lieblingsfilme. Alles, was du sagst, kann ich nur unterstreichen. Brillante Kritik. Wunderbar! ;)

24.05.2021 22:45 Uhr - Kaiser Soze
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Na, wen haben wir denn da^^ willkommen zurück!
Es ist immer schön, wenn jemand einen seiner Lieblingsfilmen rezensiert und dann solch ein gelungenes Review dabei rauskommt! Gut beschrieben, ordentlich strukturiert & ausführliche Bewerbung.

Ps: ist Red Heat nicht auch eine (Action-)Komödie? ;-)

24.05.2021 23:14 Uhr - Ivan_Danko
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Hallo Leute, muss mal wieder aus der Versenkung.

@ Intofilms: Freut mich wenns gefällt, dankeschön!

@ Kaiser Soze: Auch Dir natürlich danke. Hast natürlich recht, ich sagte ja auch nicht alle ;-) Kann nur mit vielen Comedys der letzten Jahre nicht viel anfangen, Sandler, Stiller, das meiste von denen ist eben nur noch peinlich und zum fremdschämen. Hat mit intelligentem Witz einfach nicht mehr viel zu tun, nur noch peinliches Overacting. Fand aber auch zB diesen "Why Him" überbewertet, nicht wegen dem Cranston, sondern wegen der Franco-Rolle... Vielleicht bin ich einfach schon zu alt für die Art von Humor.

25.05.2021 11:29 Uhr - McGuinness
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Schon ewig nicht mehr gesehen, aber als durchweg positiv in Erinnerung, mit angemessenem Gruselfaktor.
Müsste ich mir nach deiner tollen Vorstellung hier, bei der mir besonders auch die Einleitung gefällt, eigentlich mal wieder ansehen 😉

25.05.2021 17:37 Uhr - Dissection78
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Klasse, Ivan! Das ist auch einer meiner Lieblinge im Bereich Horrorkomödie. Wollte ich tatsächlich gestern nach dem Dienst schauen, war letztendlich jedoch zu müde. Schon länger nicht mehr gesehen, obwohl er eigentlich jedes Jahr mindestens einmal in meinem Player landet. Nächstes Wochenende vielleicht. Einfach eine geile, locker-flockige Komödie mit tollen Sprüchen / Szenen / Schauspielern, leichten satirischen Untertönen und mildem, schrägem Horror. 9/10 meinerseits. Danko für die Vorstellung! ;)

25.05.2021 18:12 Uhr - CheesyAK47
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Was für ein toller Film, da stimmt einfach alles, genau wie bei deiner Kritik. Beides 10/10. Schau dir doch mal „The Meyerovitz Story“ mit Sandler und Stiller an, köstlich. Gabs mal beim grossen Streaming Anbieter mit N. :)

25.05.2021 22:36 Uhr - cecil b
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Sehr schöne Review, zu einem Film, den ich aus jungen Jahren in bester Erinnerung habe! :)

26.05.2021 09:51 Uhr - Ivan_Danko
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Danke euch allen für die netten Kommentare.

@ CheesyAK47: Danke für den Tipp, werde ich auf alle Fälle mal nachholen, vielleicht überzeugt mich der ja wieder pro Stiller/Sandler.

@ cecil: War auch einer meiner Jugendklassiker. Mindestens 20 mal gesehen damals und einige Male in den letzten Jahren. Immer wieder eine Freude und die Gags zünden heute noch.

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