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Pelikanblut - Aus Liebe zu meiner Tochter

Originaltitel: Pelikanblut

Herstellungsland:Deutschland, Bulgarien (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Alternativtitel:Pelican Blood
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Wiebke (45) lebt zusammen mit ihrer Adoptivtochter Nikolina (9) auf einem idyllischen Reiterhof. Nach vielen Jahren des Wartens, bekommt sie nun die Chance ein weiteres Mädchen, Raya (5), aus Bulgarien zu adoptieren. Nikolina freut sich sehr über das lang-ersehnte Geschwisterchen. Die ersten gemeinsamen Wochen als Familie verlaufen harmonisch und die frischgebackenen Geschwister verstehen sich prächtig. Aber schon bald merkt Wiebke, dass die – anfänglich charmante Raya – etwas verbirgt. Sie wird immer aggressiver und stellt eine zunehmende Gefahr für sich und andere dar. Vor allem Nikolina leidet unter ihren Übergriffen, aber auch Wiebkes Beziehungen und Freundschaften werden auf die Probe gestellt. Um ihre Familie zu retten, muss Wiebke schließlich über Grenzen gehen und eine extreme Entscheidung treffen. (DCM Filmdistribution)

eine kritik von ghostfacelooker:

Was dem deutschen Film in vielen seiner facettenreichen Produktionen fehlt, kann man hier an der von Katrin Gebbe erschaffenen Figur der Wiebke (Nina Hoss), einer Besitzerin eines Pferdegestüts sehen, die sich als Pferdeflüsterer für Arme präsentiert, obwohl ihr die gesamte Ausstrahlung von Robert Redford, sowie Kenntnis oder Fähigkeit zur Ausübung ihrer Tätigkeit zu fehlen scheint, denn das was sie dort auf ihrem Hof zelebriert, ist für mich keine Besonderheit.

Diesen Aspekt scheint die Leiterin der Polizeireiterstaffel, Bibi (Daniela Holtz) ähnlich, die aus ihrer Abneigung gegenüber der alleinerziehenden Mutter keinen Hehl macht und das obwohl sie mit ihren Polizisten eigentlich „Gast“ bei der Pferdetrainerin ist und jene zusätzlich dafür zu sorgen hat, daß die manchmal temperamentvollen Tiere besonders in Gefahrensituationen einer Demonstration mit all ihren physischen inkludierten Aggressionspotential und brennbaren Materialien, die Ruhe und besonders ihren Reiter auf dem Rücken behalten sollten.

Basierend darauf würde ich mir, die immer wiederkehrende Aufmüpfigkeit der Polizistin auf meinem eigenen Gehöft zumindest nicht wortlos gefallen lassen.

Da aber es keiner der Schauspieler, nehmen wir mal Adelia-Constance Giovanni Ocleppo, alias Nikolina und Katerina Lipovska, als Raya aus, schafft seiner Figur emotional oder Charaktertiefe zu verleihen oder auch nur ansatzweise Sympathie und insofern Zuneigung zu erzeugen, als das man wirklich mit deren Schicksal mitfiebern will, wundert mich Wiebkes Reaktion auf ihr Umfeld kaum, was diesen Film besonders schwermütig und langatmig für mich als Zuschauer macht, weil ich konstant mit ihrer Figur konfrontiert bin, deren Lebenswandel mir von Minute zu Minute nicht nur lächerlicher sondern auch gleichgültiger wird.

Dieses passive Verhalten zeigt sich zusätzlich in den Erziehungsmethoden Wiebkes gegenüber der schwierigen Raya (Katerina Lipovska), welche, wäre sie in meiner Kindheit groß geworden, durchaus mal die ein oder andere Handfläche auf ihrem kleinen trotzigen Hintern gespürt hätte, insbesondere wenn man der Meinung wie sie ist, das gesamte Bad speziell verschönern oder mit Feuer spielen zu wollen.

Dies bringt mich direkt zu der Figur des „bulgarischen Satansbraten“ welcher zu emotionalen spontanen Wutausbrüchen a la Suppenkasper neigt, was aber wie wir später erfahren werden pathologische Gründe zu haben scheint.

Weil aber jene Hyperaktivität und gestörtes Verhaltensmuster allein, besonders in einem deutschen Film mit all den bestehenden Defiziten der schauspielerischen Leistung aller Figuren, sowie ihren angedachten Dialogen nicht reicht, und man lediglich den fulminanten Systemsprenger, schlecht kopiert hätte, ließ sich Regisseurin, Katrin Gebbe-, welche gänzlich auf etwaig wichtig Hintergrundinformationen ihrer Hauptfigur verzichtet-, noch einen mythologischen Kniff einfallen.

Dieser wird indes lediglich wie Wiebkes eventuell schicksalsträchtige Vergangenheit, kinderlos geblieben zu sein, angedeutet. Zeitgleich wird sie seltsamerweise aufgrund fürsorglich mütterlichen Situationen Raya ihre Babyphase erneut mit Liebe erleben zu lassen, mit einer ordentlichen Galaktorrhoe, also dem außerhalb der Schwangerschaft liegendem Milcheinschuß, deutlich visuell segnet, welcher sinnbildlich natürlich für die fehlenden Eigengeburten und der dazugehörenden Mutterrolle steht und die unerfüllten Wünsche Wiebkes symbolisieren soll, während man die okkult oder mystischen Aspekte, die man einstreut, ausgeblendet lässt.

Aufgrund dieser ärmer an visueller Ausdrucksform bestehenden Tatsache der Handlung, nimmt sich dann der eigentliche Höhepunkt und Kern von Rayas Verhalten aus, welcher ja durch eine Präsenz angedeutet sich über den gesamten Film als vermeintlich roter Faden ausgibt, wesentlich schlimmer aus, und wird, für mich rigoros und ohne großes Aufheben oder wie schon erwähnt, sichtbarer Auswirkung ob des spannungsgeladenen Ausmaßes, welches man hier wie in Hereditary als unerwarteten Schockmoment hätte nutzen können, gekappt.

Die überschwänglich wohlformuliert und durchaus lesenswerte Kritik vom hier lieb gegrüßten Kollegen The Maschinist, welche mich überhaupt dazu animierte den Film als ambivalenter Genießer deutscher Produktionen sehen zu wollen, kann ich aufgrund meines eigenen Empfindens nicht teilen.

Andererseits wäre ich seiner Meinung, daß es möglicherweise für Liebhaber diverser Nischenfilme und jenen die Filme mit ihrer eigenen Interpretation aufwerten, weil sie darin ein von ihnen selbst in dem Film suggeriert höheres Niveau erkennen, welches die Handlung selbst aber mit keiner Szene wirklich anzudeuten oder auszudrücken vermag, ein sehenswerter Beitrag wäre.

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Kommentare

30.05.2021 18:49 Uhr - The Machinist
1x
User-Level von The Machinist 8
Erfahrungspunkte von The Machinist 861
Danke für die Nennung meiner Wenigkeit.
Und wie so oft (oder fast immer?) geht unser beider Filmgeschmack kilometerweit auseinander, mal wieder solide veranschaulicht an diesem mMn interessanten Genre-Kleinod, bei dem nur die mich nicht ganz zufriedenstellende letzte halbe Stunde davon abgehalten hat, noch höhere Wertungsgefilde zu erreichen. Ich will garnicht erst wissen was bei rauskommt, falls DU Cronenbergs ''Possessor'' sichtest... naja, eigentlich ja schon. ;-)

30.05.2021 23:28 Uhr - Ghostfacelooker
User-Level von Ghostfacelooker 19
Erfahrungspunkte von Ghostfacelooker 7.662
30.05.2021 18:49 Uhr schrieb The MachinistDanke für die Nennung meiner Wenigkeit.
Und wie so oft (oder fast immer?) geht unser beider Filmgeschmack kilometerweit auseinander, mal wieder solide veranschaulicht an diesem mMn interessanten Genre-Kleinod, bei dem nur die mich nicht ganz zufriedenstellende letzte halbe Stunde davon abgehalten hat, noch höhere Wertungsgefilde zu erreichen. Ich will garnicht erst wissen was bei rauskommt, falls DU Cronenbergs ''Possessor'' sichtest... naja, eigentlich ja schon. ;-)

Gern. Wie gesagt ohne dich hätte ich diesen Film links liegen lassen und ich werde es dich wissen lassen (bestimmt über ein Reviews^^^) was ich von dem Film halte, wenn ich ihn sichte

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