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Steve Jobs

Herstellungsland:USA, Großbritannien (2015)
Standard-Freigabe:FSK 6
Genre:Biographie, Drama
Alternativtitel:Jobs
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,67 (6 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Seine Vision veränderte die Welt und trieb ihn fast in der Ruin: der Entwurf und Bau eines Computers für jedermann.
Über die ersten Anfänge, die Entwicklung des legendären, alles revolutionierenden Macintosh, bis hin zum Neuanfang mit dem iMac im Jahr 1998, nimmt uns Steve Jobs mit in Epizentrum der digitalen Revolution und zeichnet zugleich das vielschichtige Portrait eine ihrer brillantesten Köpfe. (Universal Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Ein schlanker, grau melierter Mann,
seine markante Brille und diese Turnschuhe,
die blässliche Jeans und dieser Rollkragenpullover.

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht weiß, von wem hier die Rede ist. Steve Jobs. Gehört hat wohl sicher ein jeder von ihm und seinen Schöpfungen. Jetzt fehlt nur noch der abwertende Einbahnstraßen-Standardkalauer, dass man ja nichts weiter mit Apple zu tun haben will und auch nie was von seinem eigenen Geld in eine Schaffung dieser Firma gesteckt habe, was letztlich nur untermauert, dass man vielleicht nicht viel Dunst vom iPhone, vom MacBook und den ganzen anderen Produktlösungen hat, die an für sich nur untereinander harmonieren. Doch diese allgegenwärtige Zwickmühle, diese für mich noch nicht greifbare Magie und die wenige echte Produkterfahrung meinerseits machen keinen Unterschied, schaut man sich diesen eindrucksvollen Film von Regisseur Danny Boyle und Autor Aaron Sorkin an, der in seinem Treiben universeller ist, als man zunächst annehmen mag.

Das Allerbeste: Boyles Film geht hiermit keinen eingefahrenen Pfad ohne jede Umleitung und würdigt somit mehr als unterbewusst den kantigen Geist und die kompromisslose Herangehensweise von Steve Jobs. Hier geht es nicht um jeden einzelnen Lebensschnipsel dieses Mannes, zäh und vorhersehbar von Anfang bis Ende durchgekaut. Steve Jobs ist keiner dieser oft genug verfilmten Wikipedia-Artikel und erzählt sich so ungewöhnlich, frisch und vertrackt, wortreich und faszinierend, dass es eine Schande ist, dass Aaron Sorkin und die Leute am Schneidetisch dafür keinen Preisregen erfahren haben. Vielleicht lag's ja daran, dass Jobs, der hier grandios von Michael Fassbender gemimt wird, nicht gerade ein Pfund an menschlicher Einfühlsamkeit und Zugänglichkeit war. Sorkin und Boyle, die sich an einer offiziellen Biographie orientierten, erheben Steve Jobs nicht zur gesamtheitlich unfehlbaren Gottheit. Vielleicht ist das sogar das Allerbeste an diesem Film, auch wenn sich vielleicht nicht alles so zugetragen haben mag. Sorkins Skript ist eine sprachgewaltige, fintenreiche Wucht und es vergeht kein einziger Moment, in dem man nicht gespannt diesen bestechenden, schichtenden Wortwechseln beiwohnt – es wäre zu viel Müh, Beispiele zu zitieren, denn der ganze Film ist viel zu gut in Wort und Tat gefasst, um einzelne Spitzen zu filtern. Ob all der voranschreitenden Genialität möchte man mit Auszeichnungen um sich werfen. Das ist ein Film geworden, bei dem es völlig egal ist, um was es geht, wenn es nur so geil vorgetragen wird wie es hier der Fall ist. In dieser Hinsicht ist Steve Jobs ein durchweg zitierfähiges Meisterstück, welches von der Regie kongenial umgesetzt worden ist. In jeder Szene stecken Sätze und Details, die sich der neugierigen Eigeninitiative und Nachforschung zuneigen – das ist wirklich ein beachtlicher Pfeiler in Sachen gut arrangierter Substanz und somit beschäftigt diese Erfahrung weit über den Film hinaus. Gut auch, dass die Blu-Ray zwei informative Audiokommentare und ein gutes Making Of beinhalten, die den Enthusiasmus der Macher unterstreichen.

Steve Jobs ist einem Theaterstück gleich in drei Akte unterteilt und spielt in den Jahren 1984, 1988 und 1998, jeweils kurz vor einer Präsentation eines neuen Apple-Meilensteins. Dabei konzentriert man sich auf wenige, sehr wichtige Personen und eben jene drei Hauptschauplätze hinter dem Vorhang. Beinahe alles spielt sich abseits der oft gefeierten Bühne ab und die menschlichen Mahlsteine zwischen allen Fortschritten stehen absolut im Vordergrund. Das soll nicht heißen, dass man die technischen Innovationen und jene stur durchgezogene Inkompatibilität zu anderer Hard- und Software, aber auch die Misserfolge und Knicke der Vergangenheit ausspart – ganz im Gegenteil wird viel, mal durch die Blume, mal beiläufig und mal am Rande, miterzählt. Nur das bekannte Zelebrieren, das man über die Jahre hinreichend bestaunen durfte (oder musste), fehlt hier. Dieser rhetorisch genüsslich geistreiche Film macht deutlich, dass Jobs und seine engsten Wegbegleiter einen einfacheren und damit kurzfristig lukrativeren Pfad miteinander hätten begehen können, letztlich aber als ganz große Sieger in eigener Sache gelten dürfen, da sie an gewissen Punkten unabdingbar festhielten, was mit Sicherheit Jobs und seinem Verhalten anzurechnen ist. Das ist in gleichen Teilen bewundernswert, nicht immer sympathisch und herausfordernd in Bild und Ton gefasst. Jobs, der als klar verorteter Regent an seinen Visionen und Ideen festhielt und alle anderen nur als mal mehr und mal weniger begabte Instrumentenspieler abstempelte, mag überaus strittig bleiben, doch sein oftmals rigoroser Wille hat was vereinnahmendes. Sorkin veredelt hier viele Metaphern perfekt für das Wirken dieses Mannes und alle drei Akte haben ihre mehrfachen Highlights. Immer mal wieder hatte ich Gänsehaut und irgendwann gab ich auf, die von mir gesammelten Zitate in Anführungszeichen zu setzen, da der Text am Ende wohl nur daraus bestanden hätte – unfassbar gutes Textmaterial!

Nicht minder interessant dabei ist die cineastische Gestaltung dieses Überfilms. Kommt der erste Akt als ultrakörnige, aus der Zeit gefallene und sehr stimmige 16mm-Produktion daher, setzt man in der Mitte auf edlen 35mm-Film, um am Ende – der Zeit ein wenig voraus – voll digital aufgenommenes Bildmaterial zu präsentieren. Das klingt nach den typischen und manchmal auch anstrengenden Spielerein des Regisseurs, doch dieser hält sich hier vornehm in Schach und lässt seine Regie rastlos spannend auf Augenhöhe mit dem Drehbuch, den Darstellern und der Musik verweilen. Es erinnert in dieser Ausführung häufig an den Stil von David Fincher, bleibt aber dennoch im Großen Boyle. Schnitt und Kamera, Ausstattung und das jeweilige Make Up der drei Kapitel sind famos in Szene gesetzt und die Akteure glänzen bis in die kleinste Nebenrolle.

Kate Winslet, die mit Fassbender ein wahres Screwball-Gewitter anstimmt, Micheal Stuhlbarg, Katherine Waterston und Jeff Daniels sind super und fordern sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Ja, selbst ein Seth Rogen kann immerhin gut der Mimikry eifern, auch wenn diese Disziplin im Schauspiel nicht selten und meist zu Recht verachtet wird. Michael Fassbender sieht Jobs über weite Strecken des Films (und eigentlich auch nur am Ende des Films) lediglich im Entferntesten ähnlich, doch seine berauschende, geladene und maßlos gierende Leistung ist wirklich erstaunlich. Bale und DiCaprio sagten ja warum auch immer ab, was sicher auch interessant geworden wäre, doch Fassbender gibt eine tolle, aufgeladene und schön kratzige Vorstellung zum Besten, die einem den sicher schwierigen Steve Jobs und seinem Hang, alles unter Kontrolle zu behalten, nahe wie nie brachte. Da mag Ashton Kutcher in einer früheren Verfilmung optisch zwar eher überzeugen, zumindest solange sich in Jobs 2013 das Bild nicht bewegte, doch die starken Skills im Spiel hat klar Fassbender auf seiner Seite. Fassbender schafft es scheinbar mühelos, den ersten, trügerischen Eindruck hinter sich zu lassen und das eigentliche Antlitz von Steve Jobs fast völlig auszublenden und eine ganz eigene Note hochleben zu lassen. Ein würdiger Auftritt.

Steve Jobs ist ein Film geworden, der auf dem Papier nur drei, zeitlich winzig bemessene Abschnitte eines Lebens behandelt. Doch die Macher haben diese drei Teile bis zum Bersten vollgestopft mit außergewöhnlichem Inhalt und mit grandios in der Zeit spannenden Bögen, angereichert mit vielen Höhen und Tiefen, abgeschmeckt mit feinsinnigem Humor und dramatischen Momenten höchster Güte – am Ende gibt es ein paar kritische und kitschige Momente die etwas für sich stehen mögen, doch das ist Kitsch im besten, sentimentalen Sinne, den ich als solchen für mich zwar entlarvte, aber dennoch mitfieberte – der vortreffliche Score ist einfach zu nah dran. Selbst wenn das letzte Fünkchen sehr rührselig und der Person Jobs halber auch etwas ungelenk nebenher gestellt schallt, findet das durchweg schlagfertige Skript und der im richtigen Moment blinzelnde Schnitt hier einen perfekten Schlusspunkt, der zeigt, was Steve Jobs in seinem strebsamen und rätselhaften, dem Schalk und Scharlatan zwinkernden und nie zur Ruhe kommenden Inneren wohl auch irgendwie war: ein Mensch.

9/10
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Kommentare

10.06.2021 13:27 Uhr - Virginia Woolf
Wie gewohnt ne richtig starke Kritik von dir, VelvetK. Der Film ist tatsächlich spurlos an mir vorüber gezogen. Wahrscheinlich weil mich Apple im allgemeinen und Steve Jobs im speziellen nie wirklich interessiert haben. Aber ein Film von Danny Boyle mit Michael Fassbender UND Kate Winslet (eh eine der besten) und ich hab den nicht auf dem Schirm gehabt? Schande. Nun sei es drum: Der wird der ganz bald mal angeschaut. Vielen Dank dafür!

10.06.2021 18:33 Uhr - VelvetK
User-Level von VelvetK 7
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Vielen Dank und gern geschehen! Der Film ist auch an mir spurlos, und zwar für eine lange Zeit, vorbeigezogen. So ist das eben, hält man nach Filmen ausschau, die sich eher über ihre Erzählweise definieren, als über ihren Inhalt. Mich haben Apple und Jobs auch nicht sonderlich angehoben, doch wie der Film von Boyle das vermittelt, nun, das ist schon zu geil gemacht. Ich wünsche viel Freude und Energie beim Sehen des Films.

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