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Kill Bill: Vol. 2

Herstellungsland:USA (2004)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Krimi, Thriller
Alternativtitel:Kill Bill: Volume 2
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,18 (112 Stimmen) Details
inhalt:
Nach dem furiosen, atemberaubenden Auftakt mit Kill Bill Volume 1 führt Quentin Tarantino, coolster Regisseur Hollywoods (PULP FICTION), seine härteste, spannendste und kompromissloseste Actionsaga fort.

Die blutdürstige Rache der Braut (UMA THURMAN) ist noch nicht gestillt: Drei Namen stehen noch auf der Liste der kalten Schönen, die am Tag ihrer Hochzeit ins Jenseits befördert werden sollte und jetzt Jagd auf die macht, die ihren Tod verlangten. Nach Verdita Green und O-Ren Ishii (LUCY LIU) sind nun der heruntergekommene Budd (MICHAEL MADSEN) und die durchtriebene Elle Driver (DARYL HANNAH) an der Reihe, bevor die Braut in Mexiko schließlich ihrem einstigen Chef und Liebhaber Bill (DAVID CARRADINE) gegenübersteht - und ihrer totgeglaubten Tochter...
Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von rullep:

 

T H E   W H O L E   B L O O D Y   A F F A I R   

 

Wenn ich die Quintessenz des Quentin-Tarantino-Stils beschreiben müsste, würde ich wahrscheinlich Kill Bill als bestes Beispiel auswählen. Auch wenn ich mit der “Whole Bloody Affair“ die für mich ultimative Version gefunden habe, besteht dieses Racheepos eigentlich aus zwei Teilen. Da beide Filme für mich aber ohnehin zusammengehören und eine Höchstwertung erhalten würden, fasse ich (fauler Sack) in dieser Review beide zusammen.

 

KILL BILL:

Die Braut hat eine Rechnung offen. Blut wird fließen, Körperteile vermisst werden... doch am Ende wird die Freude siegen... Zugegeben, etwas sehr grob umschrieben, doch Inhaltsangaben sind hier nicht nötig.

 

I N T E R V I E W:

 

Warum liebst du Kill Bill?

Weil es in meinen Augen der beste Tarantino ist. Speziell und bestimmt nicht jedermans Sache, doch Einzigartig in seiner Kunst, die verschiedensten Stile des modernen Kinos zu einem schmackhaften Cocktail zu vermengen. Hier eine Prise Western, dort etwas Eastern und auch für Freunde von Anime gibt es eine wunderbare Sequenz. Garniert wird das Ganze mit unterhaltsamen Dialogen, grotesk überspitzer Gewalt und einem Musikreigen der so einiges beherbergt.

 

Besser als “Pulp Fiction“?

Man soll Äpfel nicht mit Birnen vergleichen! Ich mag beides aber KB ist ein Racheepos, welches in überzeichneter Weise die wildesten Fantasien seines Verfassers auf die Leinwand bringt. “Pulp Fiction“ ist ebenso ein 10er-Kandidat , wobei dieser für mich eher die “klassische“ Gangsterballade darstellt.

 

Wer ist dein Lieblingscharakter?

Pai Mei, du Schafskopf!

 

Ist der Film nicht zu berechnend?

Mal im Ernst: sind das nicht eigentlich die meisten Filme? Klar, er ist bunt, schrill und läßt seinen Gefühlen freien Lauf. Popkultur am Anfang des Milleniums. Kurzum: Tarantino zeigt jederzeit seine Handschrift, doch zum Glück ist die Story, wenn auch simpel, eigenständig. Hier wird (noch) keine echte Geschichte verdreht sondern eher das Gesetz der Schwerkraft: "Flagen nach Weiße Lotus!"😉

 

Schauspielkunst?

Gute Frage! Wenn ich ehrlich bin, hat Quentin hier zwar grandiose Darsteller zusammengetrommelt, doch von Thurman, Carradine und Madsen mal abgesehen, sprechen eigentlich die Bilder mehr als tausend Worte. Der Film lebt vor allem durch Kamera, Schnitt, Kulissen und Musik. Kiddo erzählt die Geschichte und gewährt Einblick in das Leben der Todeskandidaten. Etwas Tiefe gibt es vor allem dann, wenn Kiddo und Bill Dialoge austauschen: ob nun am Lagerfeuer, vor der Kapelle oder später in seiner Suite. Wäre ich gemein könnte ich behaupten, das KB genauso funktioniert wie die meisten Filme von Michael Bay. Der Unterschied besteht aber in wesentlich besseren Dialogen und sparsameren Schnitten! Vielleicht kann man sich darauf einigen, das in KB mehr die Inszenierung im Vordergrund steht, wogegen es bei "Pulp Fiction" die Dialoge der Figuren sind.

 

Musik?

Ja, hat er!

 

Wie bitte?

Ok, der Soundtrack ist typisch Tarantino. Eine bunte Mischung von wiederkehrenden Jingles “Ironside“, dem kultigen “Battle Without Honour Or Humanity“  (Tomoyasu Hotei) über die James-Last-Komposition “The Lonely Shepard“, vorbei an Nancy Sinatras “Bang Bang“ hin zu 70er-Disco mit Santa Esmeraldas “Don't Let Me Be Mizunderstood“ oder dem herrlichen “Goodnight Moon“ von Shivaree. Daneben ein Verweis auf Ennio Morricone und RZA, Mitglied des Wu-Tang-Clans brachte auch noch frischen Wind hinein.

 

Allgemeines zum Film?

Das schöne an KB ist, das trotz der visuellen Bombardierung die Figuren nicht zu Statisten verkommen. Selbst O-Ren Ishii (Lucy Liu) hat trotz ihrer Boshaftigkeit eine bewegte Geschichte hinter sich, die mir bei ihrer Skalpierung zwar kein Mitleid abringen konnte, doch es zeugt vom Talent Tarantinos, das selbst die bösen Buben in diesem Meisterwerk bisweilen sympathisch erscheinen.

Paradebeispiel wäre für mich Budd, herrlich versoffen dargestellt von Michael Madsen. Ohne Frage, ein fieser Drecksack mag er sein, man denke nur an das Massaker von Two Pines. Dennoch liebe ich z.B. die Szene im Büro, wenn er (mit “diesem verdammten Hut“) über den Sinn und Zweck seiner Anwesenheit fachsimpelt: Zum schreien komisch😂

Vernity Green ist aufgrund ihrer kleinen Tochter Nikki ebenfalls ambivalent. Man denkt sich, das sie ihre Tochter über alles liebt und ihr altes Leben hinter sich lassen will, doch dann steht plötzlich Kiddo vor der Tür...

Elle Driver, diese “verräterische Hündin“ ist mir mit ihrem "knochigen Arsch" allerdings von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen. Brillant gespielt von Daryl Hannah gibt sie durchweg die miese Schlampe: Fies, verlogen, brutal und heimtückisch (Pai Mei😢). Man kann sich bestimmt vorstellen, das ich kalt wie ein Eisblock blieb, als Kiddo ihr das verbliebene Auge stibbitzte😂

Mit Gogo (Chiaki Kuriyama) bringt Quentin eine mörderische Lolita ins Spiel, die als O-Rens Bodyguard ihren Wahnsinn zelebriert. Ein relativ kurzer Auftritt, der allerdings jede Menge Klasse hat.

Die Frau, die angezogen ist wie die bösen aus Star Trek muß ziemlich viel wegstecken: Sofie Fatale (Julie Dreyfus) ist quasi die rechte Hand O-Rens, und macht sich die schönen Finger nicht gerne schmutzig. Dafür (Nein, aus anderen Gründen😂) verliert sie später beide Arme...

Bevor ich zu Bill komme, noch ein Abstecher zu Earl McGraw, den liebgewonnenen Texas Ranger aus dem Rodriguez/Tarantino-Universum. Er ist mal wieder der trockene Analytiker: Köstlich siziert er das Blutbad vor seinem Sohn Nr.1 und muß am Ende feststellen, das die Braut nicht tot ist. Daneben spielt Michael Parks (R.I.P.) im weiteren Verlauf Bills Mentor, Esteban Vihaio. Hier in einer völlig anderen Person Mensch. Eine tolle Kostprobe seines Könnens.

BILL. Ja, da ist er: David Carradine. Wenn ich ehrlich bin, dann verband ich mit ihm lediglich die Serie “Kung Fu“ (erdacht von Bruce Lee!), seinen Auftritt als “reizender“ Justine La Motte in “Fackeln im Sturm“, sowie die Rolle als Chuck Norris' Widersacher in “McQuade“. In Tarantinos Epos stellt er über weite Teile den großen Unbekannten dar. Sobald er dann jedoch hinter seiner Flöte auftaucht ist man begeistert: Er spielt so dermaßen cool und seine Dialoge geizen selten mit Sarkasmus und bitterböser Ironie. Ein Volltreffer für einen bis dahin in Vergessenheit geratenen Schauspieler (siehe auch: Pam Grier, Robert Forster). Schade das er im Jahr 2009 seine letzten fünf Schritte getan hat, doch mit dieser Vorstellung, hat er wahrlich gezeigt was in ihm steckte.

KIDDO (Uma Thurman) ist die zentrale Figur. "Die Braut" hat all das, was man sich von einer Superheldin wünscht: Sie besitzt Verletzlichkeit, ist witzig, kann über sich hinauswachsen und genau aus diesen Gründen muß man sich insgeheim nur wenig Sorgen um sie machen. Von Anfang an zeichnet Tarantino ein überlebensgroßes Bild einer Kriegerin, welche sich aus den brenzligsten Situationen befreien kann. Sehr sympathisch aber gar nicht mal so interessant... 

Ein letzter Schwenk noch auf Gordon Liu: Wenn er nicht gerade als glatzköpfiger Anführer der "Crazy 88" auf Kiddo losgeht, treibt er sich als weiser aber “schwieriger“ Eremit an abgelegenen Orten herum: “Ladies & Gentlemen“ - Pai Mei! Ja, ich gebe zu das ich diesen liebenswerten Krieger des weißen Lotus von Beginn an ins Herz geschlossen habe. Unnachgiebig hart, fluchend wie ein Rohrspatz aber irgendwie auch warmherzig und immer gut für einen Lacher. Gerade im Hinblick auf Kiddos entsetztes Gesicht, als ihr Driver die Todesnachricht verkündet, kann man daraus schließen, das sie den weisen alten Mann trotz des Drills gern hatte.

 

Dein  F A Z I T ?

Nach einem langen Monolog über Figuren und Inszenierung möchte ich mich zum Abschluss kurz fassen.

 

Gott sei Dank!

Bitte?

 

Schon gut, bitte fahre fort!

Egal ob nun die tollen Bilder, die perfekten Schnitte Sally Menkes (R.I.P.) oder die Musik: KILL BILL, nicht "Pulp Fiction" steht auf Platz 1 meiner Tarantino-Hitliste. Beide Filme sind brillant, doch kaum ein anderes Werk hat mich in seiner ganzen Atmosphäre so sehr am Schopf gepackt wie dieses hier. Perfekt besetzt bis zur kleinsten Nebenrolle (Bo Svenson, Samuel L. Jackson), und angereichert mit kultigen Pfeiffmelodien oder Bucks "Pussy Wagon" zieht Quentin alle Register seines Könnens. Wie auch immer man zu Tarantino stehen mag, er hat die Filmwelt auf den Kopf gestellt und auch wenn mir seine letzten beiden Filme nicht besonders gefallen haben, so sehr hoffe ich, das der zehnte und (angeblich) letzte Film nochmal all die Klasse auf Zelluloid bannen kann wegen der ich den Regisseur so schätze.

Noch was?

 

Dieser verdammte Hut!

Ist ja schon gut. Ich mach mich vom Acker ;-)

10/10
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Kommentare

08.06.2021 14:58 Uhr - prince akim
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Das ist ja mal eine gelungene, für mich sehr schön "designte" Review, die eigentlich alle wichtigen Aspekte des Streifens abdeckt. Ich liebe dieses "Doppelpack" von Film ! Absolutes Musik-Highlight in meinen Augen ( oder Ohren ... ) ist aber "About her" von M. Mclaren, immer wieder landet die OST-CD im Player...und der/die Film(e) natürlich auch. Wie gesagt, spitzen Review !

08.06.2021 19:32 Uhr - dicker Hund
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Auch wenn ich "Pulp Fiction" eine Klasse für sich zugestehe und "Kill Bill" im Leben nicht höher einstufen würde als diesen, hat mir dieses innovativ gestaltete Review Freude gemacht. In die meisten Huldigungs-Strophen kann ich auch durchaus einstimmen.
:-))

08.06.2021 20:22 Uhr - Rullep
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08.06.2021 14:58 Uhr schrieb prince akim
Absolutes Musik-Highlight in meinen Augen ( oder Ohren ... ) ist aber "About her" von M. Mclaren, immer wieder landet die OST-CD im Player...und der/die Film(e) natürlich auch. Wie gesagt, spitzen Review !


Danke akim!
Gute Wahl und daneben gibt es ja noch etliche andere Highlights vom Soundtrack, wenn ich nur an “A Satisfied Mind“ von Mr. Cash denke.

08.06.2021 20:27 Uhr - Rullep
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08.06.2021 19:32 Uhr schrieb dicker Hund
Auch wenn ich "Pulp Fiction" eine Klasse für sich zugestehe und "Kill Bill" im Leben nicht höher einstufen würde als diesen, hat mir dieses innovativ gestaltete Review Freude gemacht. In die meisten Huldigungs-Strophen kann ich auch durchaus einstimmen.
:-))


Vielen Dank dicker Hund!
Klar, “Pulp Fiction“ ist ohne wenn und aber ebenfalls ein Meisterwerk, dem ich ebenfalls die Höchstwertung geben würde. Unter allen Tarantinos ist es letztlich der individuelle Geschmack, wegen dem ich “Kill Bill“ noch die Kirche auf die Sahnehaube setze ;-)

09.06.2021 11:48 Uhr - ActionJackson77
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Rockiges und sehr innovativ formatiertes Review. Habe ich gerne gelesen. Rullep rules!😉😊

09.06.2021 21:49 Uhr - kokoloko
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Unfassbar emotionales Schauspiel der Braut, Part II finde ich dem ersten überlegen, als Gesamtwerk in der Tat ganz großes Kino, dem dieser erfrischend verfasste Text recht gerecht wird!

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