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The Reckoning

Herstellungsland:Großbritannien (2020)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Historie
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,67 (3 Stimmen) Details
inhalt:
Es ist das Jahr 1665 und die Pest wütet in England: Nachdem ihr Mann dem Schwarzen Tod zum Opfer gefallen ist, ist die junge Mutter Grace ganz auf sich allein gestellt. Als ein schmieriger Gutsherr versucht, sich der vermeintlich hilflosen Witwe aufzuzwingen, weist sie ihn mit Gewalt zurück. Rasend vor Wut verbreitet er im Ort finstere Gerüchte über sie. Die Dorfbewohner sind schnell davon überzeugt, dass die junge Frau eine Hexe ist. Bei Nacht zieht eine Schar von ihnen zu ihrem Hof, nimmt Grace in ihre Gewalt und führt die Unschuldige dem sadistischen Inquisitor Moorcroft vor. In einem erbarmungslosen Prozess mit schier endloser Folter muss Grace entsetzliche Qualen erleiden. Ihr einziger Ausweg ist ein Pakt mit dem Teufel...
eine kritik von randolph carter:

Da ist er nun also. Der neue Film von Neil Marshall. Nach dem „Hellboy“ Desaster war es spannend zu sehen, wie es mit Regisseur nun weitergehen würde. Würde er sich von seinem missglückten Ausflug nach Hollywood wieder erholen? Marshall ist diesbezüglich aber kein Einzelfall. So kam es schon oft vor, das talentierte, europäische Regisseure ein Angebot aus Amerika erhalten, um dort einen Big Budget Film zu drehen und dann grandios scheitern. Oftmals spielen dann auch, wie im Falle von Marshall auch schwierige Produktionsumstände eine Rolle. So wurde Olver Hirschbiegel z.b. während der Produktion seines ersten Hollywoodblockbusters „Invasion“ gefeuert. Sein französischer Kollege Pitof, welcher in Frankreich mit dem Film „Vidocq“ einen Hit landen konnte, lieferte danach den Superflop „Catwoman“ ab. Auch sein Landsmann Xavier Gens erntete für seinen ersten Hollywoodfilm „Hitman“ fast durchgängig negative Kritiken.

Neil Marshall hatte es wohl, was man alles so lesen kann, auch nicht gerade leicht bei der Produktion von „Hellboy“. So sollen sich die Produzenten immer wieder eingemischt haben, Hauptdarsteller David Harbour war davon wohl so genervt, dass er immer wieder das Set verlassen hat und da sich Marschall auch nicht die Rechte an dem End Schnitt zusichern ließ, bastelten die Produzenten am Ende ihren eigenen Film zusammen. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Regisseur den Film selbst als schlecht bezeichne und sich von ihm distanziert. Ebenfalls nicht verwunderlich, dass er danach wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt und wieder die volle Kontrolle über seinen Film haben wollte. So hatte er zwar ein kleineres Budget zur Verfügung, aber als Produzent, Drehbuchautor, Cutter und Regisseur das Ruder bei „The Reckoning“ wieder komplett in der eigenen Hand.

Die Geschichte dreht sich um Grace (Charlotte Kirk, auch Co-Autorin), welche mit ihrer kleinen Tochter und Ehemann Joseph (Joe Anderson) ein beschauliches Leben auf einem kleinen Hof führt. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Die Pest geht um, ihr Mann erkrankt an der Seuche und nimmt sich daraufhin das Leben. Und wäre das nicht schon schlimm genug, setzt sie auch noch der schmierige Gutsherr Pendleton (Steven Waddington) unter Druck und will die Pacht mit recht unmoralischen Mitteln eintreiben. Als Grace ihn abweist, will er das nicht auf sich sitzen lassen und bezichtigt sie der Hexerei. Sie wird eingesperrt und schon bald wird ihr der Prozess gemacht, bei dem der gefürchtete Inquisitor Moorcroft (Sean Pertwee) das Amt des Richters übernimmt…

Ich mag Filme, welche im Mittelalter spielen. Wenn dann noch Themen wie die Hexenverfolgung und die Pest behandelt werden, sind das schonmal gute Voraussetzungen für eine düsteres, spannendes Filmerlebnis. Allerdings schafft es Marschall leider nicht diesbezüglich eine wirkliche Atmosphäre aufzubauen. Es wird viel von der Pest geredet, viel zu sehen ist davon aber nicht. Man sieht ein paar Opfer der Seuche, aber das Ausmaß der Bedrohung durch die Pest wird selten wirklich spürbar. Dafür spielt der Film auch an viel zu begrenzten und kargen Schauplätzen und der Regisseur versäumt es, hier eine richtige, schmutzig, düstere Atmosphäre aufzubauen. Dafür wirken die Bilder auch einfach zu hell und sauber und generell zu sehr auf Hochglanz getrimmt. Gedreht wurde im Hochsommer in Ungarn. Und dementsprechend sommerlich sieht es auch meistens aus. So ertappt man sich des Öfteren dabei, sich an der der schönen, blühenden Natur zu erfreuen, anstatt in eine finstere Zeit einzutauchen. Ursprünglich war auch ein eher verregnetes, düsteres Setting geplant. Wohl aber aus Budgetgründen hat man die Produktion dann nach Osteuropa verlegt. Wo dann nun leider gerade wunderbares Urlaubswetter herrschte. Für die Crew bestimmt ganz angenehm, für die Atmosphäre eher nicht dienlich.

Ebenfalls zu sauber wirkt hier Grace, welche auch nach Tagen der Folter immer noch ganz hübsch aussieht und die Power besitzt, für reichlich Widerstand zu sorgen und gegen Ende hin auf einen ordentlichen Rachefeldzug zu gehen. Im Grunde könnte man den Film als eine Art „Rape & Revenge“ Movie im Mittelalter betrachten. Quasi eine Art „I Spit On Your Scheiterhaufen“ oder so. Okay, der Titel klingt blöd. Besser wäre da schon der Originaltitel des ´78 Streifens „Day Of the Woman“. Dieser würde wie die Faust aufs Auge passen, wenn die geschundene Grace ihren Peinigern zeigt, wo es langgeht und sich nicht den Willen der Männer beugt. Somit fügt sich der Film dahingehend gut in die Filmografie von Marschall ein, der ja gerne starke Frauenfiguren in den Vordergrund rückt. In eben diesen rückt er auch des Öfteren die optischen Vorzüge seiner Hauptdarstellerin, welche ebenfalls seine Verlobte ist. So geht es hin und wieder recht freizügig zur Sache, wenn sich Grace in ihren Träumen dem Teufel hingibt. Hier gibt es dann durchaus schöne Bilder zu sehen, welche in die „Gothic Erotik“ Schiene gehen. Sehr ästhetisch.

Auch die Effekte sehen gut aus, welche allerdings nicht wirklich zahlreich sind. Auf CGI wurde gänzlich verzichtet. Jedenfalls ist mir nichts in diese Richtung aufgefallen, die Masken und Splattereffekte sind schön handgemacht. Ja, es gibt hier auch einige blutige Ergüsse zu bewundern. Hier beweist Marshall Köpfchen. So wird einem armen Tropf das Haupt gleich mal mit einem gezielten Schwerthieb entfernt und einem anderen wird der Schädel von einer Kutsche zerquetscht. Die Folterszenen von Grace werden allerdings nicht explizit gezeigt. Die Folterinstrumente sprechen aber für sich und die Fantasie des Zuschauers kann sich dann den Rest ausmalen.

Mit dem Malen kann der Zuschauer dann auch gleich weitermachen, denn die Charaktere muss sich der Betrachter schönmalen, da die Figuren sehr klischeehaft daherkommen. Das Grace so stark ist liegt an ihrer Mutter, welche auch als Hexe verurteilt wurde, ihr aber vorher noch ein paar Weisheiten mit auf dem Weg gab. Und so erscheint sie ihr auch immer wieder in ihren Träumen, um ihr Mut zu machen. Pendleton ist dann der klassisch schmierige Bösewicht der ständig betrunken ist, die Frauen belästigt und sich an dem Leid von Grace erfreut. Etwas interessanter ist da schon der Inquisitor Moorcroft, was allerdings eher an Sean Pertwee liegt als an der Figur selbst.

Pertwee ist dann auch das Highlight des Films. Der Typ ist einfach genial, es macht Spaß ihm zuzuschauen. Zwar ist sein Spiel recht zurückhaltend, aber gerade daher irgendwie so gut. Sein Auftritt wird auch von einem tollen Theme begleitet, welches einem wirklich ein fettes Grinsen ins Gesicht zaubert. Überhaupt ist der Score von Christopher Drake überaus gelungen. Mal melancholisch schwermütig oder gegen Ende hin auch mal bisschen flotter. Aber immer passend und schön anzuhören. Würde ich mir sogar als CD zulegen.

Leider kommt der Film aber erst spät richtig in Fahrt und wirkt über weite Zeit etwas behäbig und selten wirklich fesselnd. Der letzte, wirklich fulminante Schlussakt entschädigt dafür zwar etwas, bis dahin muss der Zuschauer sich aber mit einer mäßig spannenden Handlung und abgedroschenen Schockmomenten zufriedengeben.

Fazit: „The Reckoning“ ist meiner Meinung nach nicht so grottig wie er des Öfteren gemacht wird, aber auch definitiv nicht der große Wurf. Der Film bietet wenig Horror, wenig Schrecken und ist eher die Geschichte einer zu Unrecht verurteilten Frau, welche sich den Weg zurück ins Leben kämpft. Ebenfalls kann man den Film auch als Kommentar zur heutigen „Cancel Culture“ welche ja auch eigentlich fast einer Hexenverfolgung gleicht.

6/10
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Kommentare

12.06.2021 06:46 Uhr - Phyliinx
User-Level von Phyliinx 5
Erfahrungspunkte von Phyliinx 414
Mit dem Malen kann der Zuschauer dann auch gleich weitermachen, denn die Charaktere muss sich der Betrachter die Charaktere, welche eher klischeehaft daherkommen.

Bitte was?

12.06.2021 08:01 Uhr - Randolph Carter
User-Level von Randolph Carter 3
Erfahrungspunkte von Randolph Carter 109
Oh, das klingt in der Tat etwas merkwürdig, keine Ahnung was da los war :-D Habs geändert, danke für den Hinweis.

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