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Cyclops

Originaltitel: Kikuropusu

Herstellungsland:Japan (1987)
Genre:Horror
Alternativtitel:Unborn, The
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,33 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Die hochschwangere Schwester von Tooru Takamori liegt im Krankenhaus, ihr Bruder ist dort als Arzt tätig. Zu Hause verbringt Tooru Zeit mit seiner anderen Schwester, Miyuki. Die Gehilfen von einer Gruppe von Wissenschaftlern entführen deren Freundin. Es stellt sich allerdings heraus, dass diese es eigentlich auf Miyuki abgesehen hatten. Tooru und der gefährlichste Helfershelfer der Wissenschaftler, ein durch Mutationen veränderter Mann namens Michio Sonezaki, wissen, warum das so ist. Michio verfolgt Miyuki und spricht sie auf ihre Schwester an, eine Katastrophe bahnt sich an. ()

eine kritik von cecil b:

 

Unser Fan von japanischen Untergrundfilmen, CRITTER, bereicherte mein Wissen per Review zu GUZOO schon mal um eine nützliche Anregung. Eine seiner weiteren Empfehlungen, CYCLOPS, zu dem der Herr bereits eine schöne Review veröffentlicht hat, wurde am 15.09.21 erstmalig mit einer deutschen Synchronisation auf Blu-ray und DVD veröffentlicht. Es ist davon auszugehen, dass dieser bisher beschlagnahmte Film neu geprüft wird, mit einer weiteren Beschlagnahme ist nicht zu rechnen. 

Da es nur wenigen Lesern etwas bringt, wenn ich den Namen des Regisseurs, der Cyclops aka The Unborn alias 'Kikuropusu', gedreht hatmit japanischen Schriftzeichen präsentiere, nenne ich diesen Künstler Jôji Iida. Der schrieb bisher vor allem Drehbücher für TV-Serien und -Filme, von denen er auch manche Episoden oder Spielfilme drehte. Iida war an dem Drehbuch der ersten Verfilmung von Kôji Suzukis Roman RINGU (The Ring) beteiligt, und drehte die Fortsetzung RING: SPIRAL. Seine Manga -Verfilmung DORAGON HEDDO, die 2 Auszeichnungen und Nominierungen für diese erhielt, wird in Japan vermutlich auch Teil des Fernsehprogramms sein können, so wie Iidas ANOTHER HEAVEN, dessen Mix aus Horror, Romantik, schwarzer Komödie und Krimi dem deutschen Publikum etwas zu unentschieden war. CYLCLOPS wird bestimmt nicht im Fernsehen oder in einem durchschnittlichen Kino laufen. Deswegen interessierte ich mich besonders für Iidas circa 52 minütiges Regiedebüt. Was dieser Schriftsteller, Manga -Autor und Anime -Kreateur da wohl hervorgebracht hat? 

Grimassen, Ohrfeigen für verdutze Kidnapper, ein Comic-haft tobsüchtiger Oberbösewicht, eine Frau, die sich weinend so auf einem Bett windet, dass sie in einem Bettuch eingewickelt auf den Boden fällt, gaben mir den Eindruck eine Splatter -Komödie vor mir zu haben. Diese Er­war­tungs­hal­tung wurde aber nicht erfüllt. Äußerst unangenehme Veränderungen von menschlichen Körpern sind das Ziel, Body Horror.

Am Anfang erklären Schriftzeichen was es mit den Zyklopen auf sich hat, und inwiefern die Wissenschaft ihren Teil dazu beiträgt. Die Kritik an der Wissenschaft, die keinen Halt davor macht mit Menschen zu experimentieren, gehört selbst im dreckigsten Schleim- und Blut -Film zum guten Ton, und fast immer, wenn nicht immer, wird dadurch lediglich eine Brücke zur Kurzweil und bzw. oder Effekt -Besudelung gebaut. CYCLOPS macht da keine Ausnahme. Und die dargestellte Realität ist auch nur ein peripherischer Ausgangspunkt einer durch und durch eigenen Welt, den Bodyhorror. Also, das Hauptaugenmerk sollte auf diese Entität gerichtet werden. Aber, die Story beinhaltet zusätzlich einen ungewöhnlichen interessanten Konflikt. Der rettet das Drehbuch vor dem absoluten Stumpfsinn, der durch diverse Ungereimtheiten besteht. Ich verrate nicht, was das für ein Konflikt ist.

Innerhalb einer spärlich eingerichteten Wohnung, eines Krankenhauses, und von Hinterhöfen, Gassen, sowie Industriegebieten sind die akzeptabel bis gut gut gespielten Figuren unterhaltend unterwegs, Smalltalk ist rar, wodurch keine Langeweile aufkommt. Die Besetzung mit hübschen jungen Frauen wie Mayumi Hasegawa (Kurosagi, TV-Serie: Ude ni oboe ari) als Miyuki Takamori schadet der Optik nicht. Miyukis Freundin zeigt viel Haut, erweist sich daraufhin lobenswerterweise als wehrhaft, entgeht aber nicht ganz einer Opfer-Püppchen-Figur. Hasegawa ist daran gehalten ein Kulleraugen-Mädchen zu spielen, eine Fingerübung für die Akteurin. Die Frauen sind Spielbälle der Männer, die allesamt kritisch zu betrachten sind. Kazuhiro Sano (Autor, Akteur: Kanjuku Seigi: Uzuku, Regisseur: Batto onrî rabu) muss und kann seiner Figur deutlich mehr Charakter geben. Diese trägt Leid mit sich, die Gewissheit erdrückt sie förmlich. Michio hat ein ähnliches Schicksal, geht jedoch ganz anders damit um. Er steht allen kraftvoll und mit einem Grinsen gegenüber. Die Coolness und Präsenz von Kai Atô († 2015, Notwehr) ist eine wahre Freude. Jôji Iida hatte ein gutes Auge für das Talent dieses Akteurs, der sein Schauspieldebüt in SASORI -JAILHOUSE 41, die erste Fortsetzung des Klassikers SASORI -SCORPION, hatte, und in LADY SNOWBLOOD mitspielte, eine der wichtigsten Inspirationsquellen von Quentin Tarantino für KILL BILL. Der amerikanische Regisseur wird CYCLOPS im Regal haben. 

Das Ergebnis der Regie ist nicht das Produkt eines Stümpers. Und Toshihiko Uryu, der für seine Co-Regie bei dem Dokumentarfilm YIELD sowie seine Kameraarbeit in GONDOLA ausgezeichnet wurde, verstand sein Handwerk auch schon, seine Kameraführung ist solide. Dazu sind die ausgezeichnete Beleuchtung und die triste Farbgebung stimmig. Aufnahmen von Menschenmassen in der Stadt haben hin und wieder annähernd das Zeug zu einem Kinofilm, manchmal könnten sie aber auch aus einer Reportage stammen. Möglicherweise handelt es sich um Ausschnitte aus den Nachrichten oder Ähnliches, ein Doku-Touch als Beigabe. Die Arbeit von Cutter Kenichi Takashima (Tokarefu, Merry Christmas Mr. Lawrence) schließt sich den guten Szenen qualitativ an, die erwähnten kleinen Ausnahmen wurden geschickt überbrückt. 

Iidas Inszenierung ist einfallsreich und variabel, seine Manga - und Anime -Erfahrung findet sich darin wieder. Nahaufnahmen von verzerrten Gesichtern und Schieflagen sowie andere abnormale Perspektiven die kuriose Überzeichnungen erschaffen visualisieren die erwähnte Komik. Die blassen Farben verbreiten die sterile Atmosphäre eines Krankenhauses in alle Bereiche. Auch simple Abläufe sind oft kreativ gestaltet. Zum Beispiel durch eine Szene in der viele Sequenzen mit schnellen Schnitten und unterschiedlichen Abständen zum Zentrum des Bildes die Aufmerksamkeit aktivieren. Eine bedrohliche Stimmung kommt schnell ins Spiel, und sie wird nicht durch die anfängliche komische Wirkung eingedämmt. Temporeiche Wechsel von Szenen zwischen Heiterkeit und Bedrohung funktionieren in dieser Hinsicht gut, und die von Unio Mystica komponierte Musik hebt das dramaturgische Spiel mit humorvollen und dramatischen Komponenten ebenfalls hervor. Synthiepop hämmert mit einem Augenzwinkern auf das Trommelfell, kurze Zeit später beleben Piano -Melodien gekonnt eine düster melancholische Atmosphäre. 

Das Mutanten -Spektakel lässt lange Zeit auf sich warten, aber dafür dauert es lange an. Realitätsnähe ist besonders dann uninteressant, Monster gewinnen die Oberhand, Menschen sind Träger der Ungeheuer und einer dramatischen wie witzigen Situationskomik. Angriffe von deformierten Wesenheiten kommen ohne das Tamtam eines hohen Budgets aus, rasante Kamerafahrten, verschwommene Bilder und 'schöne' Mutationen reichen völlig aus. Mit Freude kann ich mitteilen, dass der Bodyhorror nicht mit Detailaufnahmen geizt, durch Schatten das bedeckt bleibt, was dem Horror nicht stehen würde, und somit die sehenswerten Effekte genügend zur Geltung kommen. Applaus für die Effekt-Spezialisten Shûichi Kokumai (Episoden der Kamen Raidâ -Serie) und Yûichi Matsui (sein Effekt -Debüt!), der das Make up in Takashi Miikes großartigen Filmen ICHI THE KILLER und AUDITION aufgetragen hat, sowie für Special -Effekte in KILL BILL zuständig war! 

Ein toll inszenierter, getrickster und brauchbar gespielter Bodyhorror. Dass die Story nicht im geringsten wirklichkeitsnah ist, kann man verzeihen. Wie hieß es damals noch? Video rein, Alltag raus. Oder so ähnlich. 

 

6/10
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Kommentare

19.09.2021 17:47 Uhr - sonyericssohn
1x
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HAH ! Du lässt auch nix aus ! 😆
Cyclops kenn ich bisher nur von den X- Men oder aus Odysseus Reisen... Bei dem Vertreter hier bin ich...wen wunderts...noch eher skeptisch.
Aber danke für die "widerliche" Vorstellung ! 😉

19.09.2021 18:05 Uhr - cecil b
1x
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"Aber danke für die "widerliche" Vorstellung!" Bist du gemein!

Spaß beiseite. Gern geschehen. :)

Na ja, einiges lasse ich aus. Zum Beispiel American Pie finde ich persönlich 'ekliger' , als diesen schleimigen Film, der wirklich gut inszeniert ist. ;)

Der ist natürlich nicht ohne, aber ich finde den echt harmlos, im Vergleich zu manch anderen Untergrund-Metzeleien.

19.09.2021 18:13 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Hm, na schön. Dann park ich den mal auf meiner Liste.

19.09.2021 20:59 Uhr - tp_industries
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Filmen aus dem asiatischen Raum kann ich oftmals viel abgewinnen.
So zählen Streifen wie "I saw the Devil", "Oldboy" oder "The World of Kanako" zu meinen All Time Favorites.

Der von dir hier vorgestellte Film liest sich für meinen Geschmack aber eine Nummer zu abgespaced.
Habe es da lieber etwas geerdeter.

Dennoch danke für die Vorstellung! :)

19.09.2021 21:23 Uhr - The Machinist
3x
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Da ich mittlerweile zum zweiten Mal hier davon lese und an sich ja eh für japanische Schmoddereien zu haben bin, muss ich mir den wohl echt mal geben. Tolle Kritik mit einer ganzen Menge an Querverweisen. ''Dragonhead'' sowie ''Another Heaven'' kenne ich bereits, aber der Name Joji Iida war mir bislang z.B. überhaupt nicht präsent.

@tp_industries: Wenn du ''World of Kanako'' schon so gut findest, dann gönn dir mal ''Memories of Matsuko'' & ''Confessions'' vom gleichen Regisseur.

19.09.2021 21:49 Uhr - tp_industries
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@The Machinist
Danke für die Tipps! Ist vermerkt! :)

19.09.2021 22:41 Uhr - cecil b
2x
DB-Co-Admin
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Danke, freut mich, dass sie euch gefällt. :)

Ich mag ja auch weniger abgespacte 'Japaner'. ;)

Hab einige von Takeshi Kitano aber auch Kurosawa und ähnliche Filme besprochen. :)

Asiaten: Habe auch ein paar Südkoreanische Filme besprochen, die kann ich lieben. :)

Hong Kong nicht zu vergessen, oder auch Kirgisistan. :)

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