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Bloodline

Herstellungsland:USA (2018)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,47 (17 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Evan (Seann William Scott), introvertierter Ehemann und frischgebackener, hingebungsvoller Vater, liebt seine Familie über alles. Aber Evan hat auch eine dunkle Seite. Er arbeitet als Vertrauenslehrer an einer High School und mutiert zum brutalen Serienkiller, der es auf alle Erwachsenen abgesehen hat, die Kinder missbrauchen. (Lighthouse Home Entertainment)

eine kritik von themoviestar:

Als Sympathisant von Serienkillerfilmen wie Psycho 1-4 (1969-1990), Maniac (1980) oder auch Henry - Portrait of a Serial Killer (1986) wurde ich im Oktober 2020 durch den verheißungsvollen Trailer, durch die interessante Inhaltsangabe und nicht zuletzt durch die zahlreichen wohlwollenden Kritiken hellhörig und habe den Psycho Horrorfilm Bloodline (2018) zu meiner Watchlist hinzugefügt. Nach aktuell erfolgter Sichtung kann ich die Vorschusslorbeeren nur bestätigen, denn der neueste Streifen der Low-Budget Horrorfilmschmiede Blumhaus Produktions (Paranormal Activity; Insidious; The Purg; Split; Happy Death Day) hat es wirklich in sich und bietet mit seinem offenen Umgang bezüglich des hoch diskutablen, moralischen Hintergrunds sowie der gelungenen Mischung aus Psychogramm und Slasherfilm konsequente und verstörende Thriller Unterhaltung, auch wenn die thematische Auseinandersetzung mit der Ursachenforschung phasenweise etwas oberflächlich und schablonenhaft wirkt.

Bloodline wurde am 22. September 2018 auf dem Fantastic Filmfest in Texas uraufgeführt. Den Regieposten übernahm Henry Jacobson, der gemeinsam mit Avra-Fox Lerne und Will Honley das Drehbuch schrieb. Bemerkenswert neben dem Tabuthema "Selbstjustiz gegenüber Kinderschändern" ist, dass Comedian Seann William Scott, der bisher nur in  familienfreundlichen Komödien wie American Pie (2000, 2001, 2003, 2013), Ey Mann - Wo ist mein Auto? (2000) oder Road Trip (2000) zu sehen war, den manischen, zwiegespaltenen und persönlichkeitsgestörten Mörder spielt und das, dass darf ich vorwegnehmen, sogar ziemlich beeindruckend. Evan (Seann William Scott), Vertrauenslehrer an der High School, frischgebackener, fürsorglicher Vater und Ehemann führt ein mysteriöses Doppelleben: Während er tagsüber vorbildlich seinen familären und beruflichen Pflichten nachgeht, verwandelt er sich nachts zum eiskalten Killer, der das Recht in die eigene Hand nimmt und Kindesmissbrauch schonungslos sanktioniert. Sene Frau  Lauren Cole (Mariela Garriga) ahnt nichts bis zu dem Tag, an dem ein Polizei Dedektive (Kevin Carroll) durch Zufall auf die schlimm zugerichteten, vergrabenen Leichen stoßt und die Luft für Evan dünner wird...

Vermeindlich lasche und auf den ersten Blick unverhältnismäßige Strafen gegenüber schlimmsten Gewaltverbrechern sowie ein offensichtlich knallhartes, staatliches Durchgreifen bei Betrugs- bzw. Steuervergehen lassen das Vertrauen im Volke bezüglich eines funktionierenden und gerechten Strafverfolgungssystem schwinden. Begriffe wie Kuscheljustiz und Paradies für Schwerverbrecher geistern durch die sozialen Medien und nicht wenige wünschen sich hier ein drakonischeres und konsequenteres Vorgehen der Regierung. Henry Jacobson zeigt mit seiner ruhigen und unaufgeregten Inszenierung wie aus einem braven und pflichtbewußten Durchschnittsbürger eine gewissenlose Mordmaschine werden kann, da persönliche traumatische Kindheitserlebnisse und alltägliche Leidbekundungen der jugendlichen Opfer die eigene Psyche überfordern. Recht und Unrecht werden falsch interpretiert und Evan steigert sich in seinen Wahn, er müsse seine Schüler gewaltsam von ihren Tyrannen befreien.

Gleichzeitig schiebt Bloodline aber auch das gängige Klischee der schweren Kindheit als Erklärungsversuch für die blutige Selbstjustiz vor, was Kritiker zwar bemängeln dürften, letzten Endes aber auch in der Realität ein nicht zu verleugnender Aspekt bei psychisch labilen Personen darstellt. Man könnte Jacobson jetzt einen Strick daraus drehen, dass Bloodline die Blutrache nicht oder nur unzureichend kritisiert und als gebilligte Form der Notwehr glorifiziert. Den erhobenen Zeigefinger sucht der Zuschauer hier vergebens, da nicht nur unser Protagonist diesen Weg geht und das Evans Opfer alle selbst krank im Kopf sind, wird bestenfalls nur beiläufig erwähnt. Der Streifen fühlt sich jedenfalls deutlich zum klassischen Slasher hingezogen und sorgt für ein paar geschickt eingestreute, überraschende Plottwists, die Bloodline gemeinsam mit dem unverhofft bösen Finale klar über den Genredurchschnitt hieven und ihn nie langweilig werden lassen, so dass die knapp 85 Minuten wie im Fluge vergehen.

Es gibt wahrscheinlich nicht wenige Leute, die Seann Williams Scott so eine ernste Rolle auf Grund seines bisherigen Blödel Images nicht zugetraut hätten. Scott gelingt es beide Gesichter von Evans gespaltener Persönlichkeit glaubwürdig  zu verkörpern. Mit einer inneren Seelenruhe und Engelsgeduld unterstützt er seine Frau bei der Babybetreuung und behält auch in den emotional aufwühlenden Sitzungen mit seinen Problemschülern stets einen klaren Kopf. Gleichzeitig transportiert er diese beängstigende Sachlichkeit auch in die nächtlichen Foltersitzungen, wenn er seine gefesselten Opfer interviewt, was sie bei der Mißhandlung empfanden, ehe er sie in einem kurzen Ausbruch von völlig bestialischer, hysterischer Gewalt mit dutzenden Messerstichen blutig erledigt. Das Ritual wiederholt er jedes Mal aufs Neue immer wieder und immer wieder und der Zuschauer muss danach immer wieder in die leeren Augen des Psychopathen blicken, der Entspannung und Befriedigung erfahren will, der erhoffte Kick bleibt aber aus und nach seiner Tat fühlt er sich noch schlechter. Was Seann Williams Scott hier abliefert, ist ganz ganz großes Kino!

Neben Seann Williams Scott wissen auch die Nebencharaktere Dale Dickey als Evans zwiespältige Mutter Marie und Mariela Garriga als brave und im wahrsten Sinne des Wortes treue Ehefrau zu überzeugen, die mit ihren interessanten Rollendefinitionen und dem ansprechenden Schauspiel ihren Teil zum Gelingen von Bloodline beitragen. Die einzige Figur, die meines Erachtens nach ihr Soll nicht erfüllen kann, ist der im dunklen tappende Polizei Dedektive, welcher vom etwas blass bleibenden Kevin Carroll dargestellt wird. Seine propagierten Ermittlungsfortschritte wirken eher wie an den Haaren herbeigezogen als konsequent durchdacht, was geringfügige Schatten auf den ansonsten plausiblen und fesselnden Plot wirft.

Fazit: Gemeiner, unterhaltsamer, zielstrebiger und eiskalter Serienkiller Thriller mit überraschenden Wendungen, blutigen Tatsachen und starken Schauspielern.  Bloodline ist wie ein Schlag in die Magengegend, der die dunklen Fantasien von Hobby- bzw. Facebookjuristen bedient und das ausführt, was sich keiner zu sagen traut, um die zu Bestrafen, die es wirklich verdient haben, auch wenn Selbstjustiz natürlich keine erstrebenswerte Lösung ist und nichts wirklich besser macht. Die gelieferten Erklärungen und Motive sind zwar naheliegend,  sind aber am Ende des Tages etwas zu oberflächlich angerissen, um als Charakterstudie ernst genommen werden zu können, was wohl auch nicht Jacobsons Ziel war. Dieser wollte einfach nur einen psychisch spannenden Horrorfilm mit einer kontroversen und provokanten Message drehen. Mission geglückt! MovieStar Wertung: 8 von 10 Punkte.

8/10
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Kommentare

18.06.2021 22:50 Uhr - Kaiser Soze
2x
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Nabend Movie Star! Bloodline hat mich bei Ankündigung und durch den Trailer auch direkt angesprochen, aber das ist eher ein "nehme ich ausm TV auf, sofern unzensiert ". Bislang steht der daher noch auf meiner "irgendwann mal"-Liste ;-D läuft aber schließlich auch nicht weg. So konnte ich mir zumindest mal die Wartezeit mit Deiner umfangreichen Besprechung etwas vertreiben. Super verfasst in bester Movie Star-Manier. Schönes Wochenende und sofern Fuppesfan: Viel Spaß und Daumen drücken.

18.06.2021 23:56 Uhr - RetterDesUniversums
1x
Wie der Film das durch die FSK Geschafft hat?
Ein Brett von Film! Aber nicht jedermanns Sache!
Ich habe 2 Anläufe benötigt, dann ja verdammt fieser Film!
Tolle Kritik!
So ein Film wäre damals beschlagnahmt worden.

19.06.2021 14:59 Uhr - sonyericssohn
3x
Moderator
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Uih, der kommt bei dir ja tatsächlich besser weg. Sehr schön !👍😁

21.06.2021 14:08 Uhr - TheMovieStar
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@ All: Vielen lieben Dank fürs Lesen, für euer Lob und für eure positiven Rückmeldungen. Hat mich sehr gefreut 😊

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