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Murder-Set-Pieces

Herstellungsland:USA (2004)
Genre:Horror, Splatter, Thriller
Alternativtitel:Murder Set Pieces
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,17 (28 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Murder set pieces erzählt die Geschichte eines deutschstämmigen Fotogarfen in Las Vegas, der durch seine dunkle Vergangenheit gequält wird und nur ein Ventil für seine Probleme findet: Mord.
Gezielt tötet er junge Prostituierte in der Spielerstadt und verrennt sich durch seine Taten immer mehr in der Ausübung brutaler Gewalt. (NSM Records DVD-Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von jichi:

Beschäftigt man sich mit extremen Filmen, so wird man sicher irgendwann auf „Murder Set Pieces“ stoßen, gedreht von Nick Palumbo im Jahre 2004. Orientieren tut sich dieser Underground-Slasher am stärksten an den Kultfilmen „Maniac“ (1980) und „Nightmare in a Damage Brain“ (1981). „Murder Set Pieces“ geht jedoch noch einen Schritt weiter als seine Vorbilder und sorgte schon im Vorhinein für Schlagzeilen, da ihm in Großbritannien jegliche Freigabe verweigert wurde und er dort somit nicht verkauft werden darf, der Regisseur wurde bei einer Aufführung von einem wütenden Zuschauer verprügelt und in den USA hagelte es das NC-17 Rating. Selbst „Maniac“ Regisseur William Lustig distanzierte sich nach gewissen Szenen von dem Film, das FBI stürmte mehrmals das Set und niemand wollte die Negative kopieren, geschweige denn den Film schneiden. Beste Voraussetzungen für kontroverses Slasherkino also.

 

Ein Killer und Aktfotograf (Sven Garrett) hatte als Mutter eine Prostituierte, welche ihn wohl mehrfach missbrauchte, und er so schwere psychische Schäden davonträgt. Er hat ständig Alpträume und Visionen, in denen er hilflos von Frauen misshandelt wird. Des Weiteren ist er noch bekennender Nazi, und somit ist es für ihn natürlich eine Schande, nicht „von reinem Blut zu sein“. Also ermordet und foltert er Prostituierte, um die Welt von dieser „Seuche“ zu befreien, doch sein Blutrausch greift auch manchmal auf andere Menschen über...

 

Diese Story ist natürlich ein grober Abklatsch von „Maniac“, und ist letztendlich nur ein schlechter Versuch, sehr selbstzweckhafte Gewalt- und Sexszenen zu rechtfertigen und weniger selbstzweckhaft wirken zu lassen. Hat weniger gut funktioniert, denn auf was die Macher wirklich setzen, wird sehr schnell klar. Aber immerhin gibt sie dem Film ein gewissen Grundgerüst, und wie sagt man so schön: „Wer es versucht dem wird es angerechnet ?“. Andere Konsorten aus dem Genre wie „August Underground“ (2001) versuchen es gar nicht erst.

 

Schauspielerisch finde ich „Murder Set Pieces“ aber sogar durchaus gelungen, auch wenn das vermutlich keine Absicht war. Was es noch erstaunlicher macht, ist, dass „Murder Set Pieces“ tatsächlich mit bekannten Namen aufwarten kann ! Der geneigte Liebhaber des Genres erkennt Gunnar Hansen (Texas Chainsaw Massacre), Tony Todd (Candyman) und Cerina Vincent (Cabin Fever).

Hauptdarsteller Sven Garret passt von seiner Figur her sehr gut in die Rolle und auch das etwas hölzerne Schauspiel fügt sich gut ein. Der Rest des Cast bringt natürlich keine oscarreifen Leistungen, aber wir sind immer noch in einem Underground- Horrorfilm, hier habe ich schon viel Schlechteres gesehen. Bis auf den Killer gibt es auch nicht viele entscheidende Figuren, das Schicksal, irgendwann unserem blutrünstigen Nazi-Killer zum Opfer zu fallen, holt alle früher oder später ein.

 

Ein Aspekt überstrahlt aber klar alle Anderen: Die Gewalt.

„Murder Set Pieces“ ist wirklich verdammt brutal, und für mich sogar der brutalste Slasher, den ich kenne. Denn hier kennt der Film keine Tabus. Perverser Höhepunkt bleibt für mich der Mord an einem vielleicht 10-Jährigem Mädchen, welche auf der Toilette auf dem Spielplatz regelrecht abgeschlachtet wird, während ihr Vater unwissend wenige Meter entfernt steht. Hier entlarven die Macher dann auch ihr wahres Gesicht, und mir wird der Selbstzweck irgendwann einfach zu viel.

 

Auch die Ermordung einer Mutter von den Augen ihres schreienden Babys war absolut unnötig und übrigens auch der Grund, warum William Lustig dem Film seinen Segen verweigerte. Von den ganzen anderen Morden und Vergewaltigungen ganz zu Schweigen.Nichts gegen Tabubrüche, aber man sollte sie sinnvoll einsetzten, in die Handlung einbauen und auch eine gewisse Tiefe einbauen, zum Beispiel in Form von Sozialkritik. „Murder Set Pieces“ fährt den Gore-Regler auf 180, fährt dann aber stumpf gegen den Baum in der Kurve.

Handwerklich gibt es jedoch nichts zu meckern. Für sehr gelungene Goreeffekte sorgte Tom Savini Schüler Fred Vogel, welcher auch mit der berüchtigen „August Underground“ Trilogie von sich Reden machte. Auch die Locations sind gut gewählt, Nick Palumbo kann man ein gewisses Talent für‘s Filme drehen nicht absprechen. In Kombination mit guten Kamerafahrten und gekonnten Schnitten entstehen einige „schöne“ Aufnahmen, was vielen anderen Underground-Produktionen abhanden kommt, die berühmt-berüchtigte Wackelkamera bleibt dem Zuschauer dankbarer Weise erspart.

 

Eingefügt werden auch immer wieder Aufnahmen von den Terroranschlägen am 11.September auf das World Trade Center, die brennenden Twin Towers erscheinen als zentrales Motiv in den Visionen und Träumen des Killers. Interessant ist, dass der Film in Las Vegas spielt, also in einer Stadt, in der extremer Konsum groß geschrieben wird. Hat sich hier etwa ein kleiner bisschen Sozialkritik in den Film geschlichen. „Tod für Amerika !“, was sich in den Anschlägen widerspiegelte, als Antwort auf Konsum, Kapitalismus und viel nackte Haut in Las Vegas ? Tod gibt es in diesem Film genug. Könnte der Killer ein sehr kritisches Symbol für Amerika sein ? Der Killer ist Opfer und Täter gleichzeitig. War das Amerika nicht auch durch nicht enden wollenden Konsum ?

Wahrscheinlich hat Palumbo keinen einzigen Gedanken daran verschwendet. Oder etwa doch ? Oder spielte ihm nur der Zufall in die Hände ?

 

Nach all diesen meistens negativen Argumenten ist man jetzt geneigt, den Film als schlecht ab zu stempeln und ihn in den imaginären Papierkorb zu verbannen, und ich kann auch jeden verstehen, der das tut. Aber für mich wirft sich noch ein sehr schwerwiegendes Argument in die Waagschale, das für mich die Wahl zu Gunsten von „Murder Set Pieces“ kippen lässt.

Denn der Film hat einfach einen riesengroßen, nostalgischen 80er Horrorfilm Touch, welcher ihn für mich rettet. In den 80er waren „Political Correctness“ und viele Normen einfach so egal. Egaler könnte sie auch „Murder Set Pieces“ nicht sein und er wirkt wie ein Spross dieser Zeit, und auch wenn Palumbo sich im Selbstzweck verlieren mag und die Handlung grob kopiert hat, der Charme ist für mich nicht zu verleugnen. Auch verneigt sich der Film immer wieder vor den alten Klassikern dieser Zeit, was viele heutige Remakes sich mal zu Herzen nehmen sollten. Anspielungen an „Maniac“, „Nightmare in a Damaged Brain“ und, besonders stark, „Halloween“, sind nicht zu übersehen. Argentos und D‘Amatos Einflüsse sind auch klar erkennbar. Solche kleinen Hinwendungen sind einfach schön, zeugen von Respekt für das Genre, erleuchten das Horrorfilm- Herz und zeigen, dass ein echter Fan als Regisseur am Werk war. Richtig schön.

Abschließend bleibt also zu sagen, dass „Murder Set Pieces“ für mich einfach ein „Guilty Pleasure“ ist. Der Film hat große Probleme, glänzt fast nirgends wirklich und verliert sich zu schnell in der Gewaltorgie. Aber oft sind dennoch positive Ansätze und ein guter Wille zu erkennen. Der Charme trägt den entscheidenden Rest dazu bei, und „Murder Set Pieces“ kommt bei mir auf wohlwollende 6 Punkte. Ich kann nicht verneinen, unterhalten worden zu sein, jedoch auf sehr fragwürdige Art und Weise, ich gebe es zu.

Ich sollte noch erwähnen, dass ich den „Director‘s Cut mit 91 Minuten Laufzeit gesehen habe, die verstümmelte R-Rated Fassung hat eine Laufzeit von 83 Minuten, basiert jedoch auf einem Festival Cut, welcher 105 Minuten aufwies, jedoch nie veröffentlicht wurde. Somit sind in der R-Rated jedoch ein paar Szenen enthalten, die im Director‘s Cut fehlen. Der Director‘s Cut bleibt dennoch die einzig sinnvolle Fassung.

6/10
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Kommentare

15.07.2021 16:20 Uhr - dicker Hund
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Fein ausdifferenzierte Kritik zu diesem kontroversen Reißer, den ich als überdurchschnittlich in Erinnerung habe. Für Präziseres müsste ein Rewatch her. Dass die Szene mit dem Säugling viele empört, verwundert mich angesichts der Resonanz, die "A Serbian Film" und "Man Eater" schon ohne "echtes" Baby erhalten haben, nicht besonders...

15.07.2021 16:23 Uhr - Kaiser Soze
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Murder Set Pieces... ich musste bei dem irgendwie die ganze Zeit an American Psycho denken, aber dieses sich wiederholende Szenarien waren mitunter einfach nur eintönig; brutal, aber langweilig. Also ganz das Gegenteil von American Psycho :D Jedenfalls war die natürlich auch die Zeit, als harte Horrorkost viel Geld einbracht, Saw & Hosten noch Hochkonjunktur hatten und immer mehr, brutalere, Tabus brechende Werke erschienen. Qualitativ leider zu oft zu bescheiden. Ich habe Murder Set Pieces nur einmal gesehen, vor Jahren bei nem Kumpel, und würde dem aus der Erinnerung 2 bis 3 Punkte vergeben.

Frauen saugen den Männern das Blut aus - Tag für Tag. Und am Ende des Monats kommt alles wieder raus.

Schön jedenfalls, dass Dir der Film besser gefallen hat. Durch Dein Review konnte ich ein wenig in Erinnerungen schwelgen, gut geschrieben, in Deinem typischen Stil mit vernünftiger Struktur. Wie fandest Du die drei The Human Centipede-Filme?

15.07.2021 19:54 Uhr - cecil b
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Ein sehr guter Eindruck vom Film!


Ob der Selbstzweck nicht das darf, was 'gute' Filme dürfen? Vielleicht eine andere Sache. Wenn der Film an sich nicht überzeugt, und er nur durch die Darstellung extremer Gewalt versucht zu punkten, gelingt das selten.

Ich bin neugierig, denke aber, dass ich mir den nicht geben muss.

16.07.2021 13:02 Uhr - Jichi
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Danke an alle für das Lob, freut mich, dass die Review zu etwas taugt :)

@dicker Hund: "A Serbian Film" ist für mich das beste Beispiel, wie man Kontroversen und Tabubrüche sinnvoll, intelligent und gekonnt einsetzt, nämlich um umfassende Kritik an Politik und Gesellschaft zu üben. Aber ja, die Reaktionen bei "Murder Set Pieces" verwundern da tatsächlich wenig.

@Kaiser Soze: In Erinnerung schwelgen ist doch die schönste Sache der Welt, selbst wenn der Film schlecht war :)
Die "The Human Centipede" Trilogie mag ich ganz gerne, ich kann mit jedem Teil etwas anfangen und liebe Tom Six schwarzhumorige Art, und so mag ich den dritten Teil tatsächlich auch am liebsten ! Da kann ich immer herzhaft lachen, sowas ist genau mein Humor. Würde jedem Teil so 7-8 Punkte geben.

@cecil B: Für einen Nonsens Gore Abend ist der Film eine gute Wahl. Ansonsten....weniger..... :)

16.07.2021 13:09 Uhr - McGuinness
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Tolle und umfangreiche Besprechung, die mir sehr gut gefällt und einen prima Eindruck dessen bietet, was mich bei einer Sichtung erwarten würde... Prima gemacht 😉👍🏻

Der Schnittbericht hierzu ließ mich bereits erahnen, worauf ich mich da einlasse und ich würde mir diesen auch durchaus zu Gemüte führen, wobei ich das Ausbleiben der von mir gehassten Wackelkamera vorab als einen der größten Pluspunkte bewerte 😄

Mal ganz nebenbei bemerkt, was hälst du eigentlich von Ittenbachs " Dard Divorce " (2007) ?
Den habe ich erst kürzlich mal wieder gesehen und finde den immer noch gut 😁

16.07.2021 15:56 Uhr - Jichi
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@McGuiness: Vielen Dank !
Wackelkamera finde ich auch unsagbar furchtbar. Nimmt mir eigentlich immer viel Spaß am Film. Mit Found Footage kann ich somit echt wenig anfangen. Na ja, unterschiedliche Geschmäcker halt ;)
Aber "Murder Set Pieces" verschont uns hier glücklicherweise, auch wenn er einem alles Andere um die Ohren haut.

"Dark Divorce" kenne ich nicht, so wie alles von Ittenbach. Vielleicht schaue ich mal rein, zu viel Amateur schreckt mich immer eher ab....

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