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Mu zan e

Originaltitel: Muzan-e: AV gal satsujin video ha sonzai shita!

Herstellungsland:Japan (1999)
Genre:Amateurfilm, Horror, Erotik/Sex
Alternativtitel:Muzan-e: AV gal satsujin video wa sonzai shita!
Muzan-e: AV gyaru satsujin bideo wa sonzai shita!
Tragic Picture: AV The Murder Video Exists!
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (2 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eine Reporterin untersucht mit ihrer Crew das verschwinden von Mai Tsurumi, einer AV Schauspielerin und Star aus vielen Menstruations Fetisch Videos. Sie teibt sich in verschiedenen Videotheken rum und stößt bei ihren Nachforschungen auf einen Snuff Film, der das Schicksal der Schauspielerin offenbaren kann. ()

eine kritik von hudeley:

Mu Zan E


Blicken wir heute auf einen durchaus kultigen Geheimtipp. Mu Zan E, die Schreibweise variiert bei Sprachunkundigen, wie beispielsweise mir, je nach Laune, bedeutet frei übersetzt soviel wie "blutige Abdrücke". In Bezugnahme auf die sehr grafischen, japanischen Holzschnittdrucke des 17. bis 19. Jahrhunderts, schlägt der Film mit seiner Snufffilmthematik inhaltlich einen modernen Bogen zu den durchaus verstörenden Kunstwerken dieser Zeit. Mu Zan E dreht sich nämlich um eine Reporterin, die das Verschwinden einer bekannten Adult-Video Darstellerin aus dem Bereich des Menstruations-/ Blutfetisches untersucht. Die Reporterin interviewt Käufer und Kenner solcher Filme, besucht Sets besagter Pornoproduktionen um bei den ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern der Schauspielerin Hinweise auf ihr Verschwinden zu finden. Doch schnell gerät die Situation außer Kontrolle, als sich Hinweise verdichten, die Darstellerin sei Opfer eines Snufffilmdrehs geworden. Einer sagenumwobenen Filmgattung, bei welcher echte Menschen vor laufender Kamera bestiatlisch gequält und ermordet werden.

Klassisches Ausgangsmaterial also. Aus Amerika grüßt der großartige 8mm sowie Schundfilmkollegen der nachgestellten Snuffkategorie á la August Underground, aus Spanien der Geheimtipp Tesis und aus Asien Guinea Pig, Niku Daruma und das gesamte Pinky Violence Genre. Vor allem Niku Daruma, auch bekannt als Tumbling Doll Of Flesh, könnte mit etwas Wohlwollen als Sequel oder Vorlage herbeigezogen werden, zeigt doch dieser den Fake-Snuff Mord an einer Pornodarstellerin. Niku Daruma, dessen "Fortsetzung" Osore-zan: kôrei fakku aus dem Jahre 2002 ich mangels Untertitel bis heute nicht verstanden habe, wurde ein Jahr zuvor gedreht und natürlich haben die Filme schätzungsweise nichts miteinander zu tun, doch sie entstammen aus demselben Brackwasser: 

Die Japaner waren wahrlich immer ganz vorne mit dabei, wenn es um wirklich sleazig-blutige Niedertracht ging. Deren Output und Vielfalt an erotischer, pornografischer Erwachsenenunterhaltung war in den 90ern derart facettenreich, dass die Grenzen sich ganz schnell auflösten. Von einer reinen Porno VHS über zu einer brutalen SM Filmchen, bishin zu sexuell einschlägigen Folterfilmen wie diesem hier, entstanden zu jener Zeit wohl die interessantesten Vertreter des - der Einfachkeit halber - als Extremfilm bezeichneten Genres. Darin agierende Regisseure waren schnell im Drehen und filmten querbeet, was die Auftragslage so forderte. So ist es nicht verwunderlich, dass unter Extremhorrorfans bekannte Regisseure wie Tamakichi Anaru, Noboru Iguchi oder Naoyuki Tomomatsu oftmals zwischen Porno, Fetisch und Horror hin und herschwankten. Es ist wirklich ein unüberblickbares Konglomerat aus Regisseuren, Filmen, Labels samt Tochtervertrieben, etc. und es gibt sicher geeignetere Leute als mich, all dies zu entwirren. Fakt ist jedoch eines: die schwimmenden Grenzen dieser Genres haben einige unfassbar harte, kuriose, wie auch bodenlos ins Unmenschliche abstürzende Werke hervorgebracht. Die durch die in deutschen Landen herausgebrachten Veröffentlichungen halbwegs bekannter Filme wie Eat The Schoolgirl und A Garden Without Birds gehören zusammen mit Niku Daruma, Women's Flesh - My Red Guts, Suicide Dolls, Sadi Scream 1-5, Dead A Go! Go!, Red Room 1+2, Blood Sisters oder Kyoko Vs. Yuki wohl zu den am ehesten geläufigen Vertretern dieser Großgattung, wenn man sie denn so nennen möchte.

Mu Zan E wurde von Daisuke Yamanouchi gedreht, dem in der Horrorszene wahrscheinlich bekanntesten Regisseur dieser Sparte. Der Film erzählt seine einfache Handlung in Form einer Mockumentary, also einer inszenierten Dokumentation. Und ja, es funktioniert. Der Look, die Darsteller, sowie der gesamte Aufbau geben in den meisten Momenten den glaubhaften Ablauf einer Filmrecherche wieder und sorgen für eine glaubhafte, recht dichte Atmosphäre. Man muss hierbei auch im Zeitkontext auf den Film schauen, da man in den Jahren nach Paranormal Activity sich nun wirklich an jedweder Form des (umgangssprachlich Wackelkamerafilms genannten) Subgenres sattgesehen hat. Mu Zan E entstand Ende der Neunziger, im selben Jahr wie Blair Witch Project und selbst Vorläufer dieser Art des Films wie The Last Broadcast, Mc Pherson Tape oder Mann Beisst Hund waren dem hier besprochenen Film lediglich einige Jahre voraus. Somit ist dessen Aufbau im zeitlichen Kontext eingereiht durchaus bemerkenswert und als frisch zu erachten. 

Mit seiner Laufzeit von circa einer Stunde hat man hier auch die richtige Länge erreicht. Da der Film sein Augenmerk schon eher in Richtung Schaulust legt, ist der Ablauf der reinen Handlung, oder die Charakterisierung der Protagonistin mehr zweckmäßig als wirkliches Alleinstellungsmerkmal. Mu Zan E hält den Zuschauer, selbst in der nachforschungslastigen ersten Dreiviertelstunde, ordentlich wenn auch nicht herausragend an der Stange und langweilt nicht. Man mag zwar ahnen wohin die Reise geht und das grundlegende Schicksal der Pornodarstellerin absehen können, aber bei der Art von Film geht es weniger um das Was, als um das Wie. 

Letzteres kommt dann als Tageslicht, als das Snufftape gezeigt wird. Der Machetenhieb und das Ausweiden sind durchaus explizit in Szene gesetzt, doch Mu Zan E macht sich eines recht cleveren Kniffes zu Nutze: Die Verpixelung der Geschlechtsteile, Fogging  oder in Japan bokashi genannt, ist in Japan verpflichtend, weswegen auch hier Genitalbereiche und sogar Brustwarzen unkenntlich gemacht worden sind. Zusätzlich - und hier bitte im Blick halten, dass sich die Mockumentary als seriöse Dokumentation verstanden haben möchte - wurden auch die Verletzungen teils mit einem Filter überlegt. Jetzt mag der Gorebauer angenervt auf den Fliesentisch schlagen, doch der Glaubhaftigkeit und des Realismus wegen, ist dies nicht die blödeste Idee gewesen. Man sieht genug um Mu Zan E guten Gewissens in den Giftschrank zu stellen, doch eben auch nur exakt soviel, wie gezeigt werden muss um dem Zuschauer verstehen zu geben, um was für Aufnahmen es sich handelt. Sollte die Verpixelung der Gewaltszenen wirklich einer reinen Zensur der damaligen VHS Veröffentlichung von JVD zugrunde liegen, nehme ich Letzteres gerne zurück. Weiterhin wurde auch der Snufffilm an sich im Film nur sporadisch gezeigt, da dieser stark zusammengekürzt wurde und nur ausschnittsweise präsentiert wird. 

Zum Ende gibt es dann sogar noch einen überraschenden Twist, der auf seine Art sogar als kleines Zitat verstanden werden kann. Somit Spoilerwarnung für den kommenden Abschnitt: 
Schlussendlich kommt es, wie es kommen muss. Die Verantwortlichen des Snufffilms, deren storytechnisch sogar ganz gut ausgedachten Beweggründe lasse ich an der Stelle einmal aus, bekommen die Reporterin in ihre Fänge und fesseln sie an einen Stuhl. Ihr wird von einem der Maskierten die Brustwarze äußerst blutig abgebissen, ehe die Kamera nach hinten fährt und der Film mit seiner Story bricht. Wir finden uns am regulären Set eines normalen Filmdrehs wieder und die Reporterin, als das angedachte, gefesselte Opfer eines Snuff-Drehs, entpuppt sich als zickige, provokative Schauspielerin. Eine neue Ebene für den Film also, der somit zum jetzigen Zeitpunkt dem Zuschauer gar nicht mehr gelaubhaft machen möchte, es handele sich um die Realität. Jedoch gehen die Provokationen der Darstellerin dermaßen weit, dass plötzlich der Regisseur ein Teppichmesser zieht und es ihr in den Hals rammt, nachdem er schon vorher auf sie losgehen wollte und von Crewmitgliedern zurückgehalten werden musste. Der Film Big Snuff aka American Cannibale aus den 70ern, der als einer der frühesten Einträge in das Fakesnuffgenre bekannte Exploiter mit einem vergleichbaren Ende, stand mit Sicherheit hier Pate. 

Somit ist Mu Zan E in einiger Hinsicht ein Kuriosum: eine frühe Mockumentary mit Snuffthematik, ein klassisches Filmzitat und ein durchaus selbstreferenzieller, mit dem Publikum spielender Bastard. Irgendwo zwischen Pornomillieu und Splatterhorror emporgekrochen ist dieses Werk mit Sicherheit kein Must See für den Horrorfan, aber ein von mir gerne gesichtetes Extremfilmchen aus asiatischen Landen. Guinea Pig wird von genug Personen geschätzt, all jene können - und sei es nur aufgrund reiner Neugier - hier einen Blick riskieren. Eines ist jedoch klar: die Verbindung aus Sex, Sleaze, Porno, Fetisch und blutiger Gewalt sind bei dieser Art von Filmen einzigartig. Es gibt nur wenig Vergleichbares aus anderen Ländern/ Kontinenten, dass so dermaßen nach Pornovideothek, Underground-Tapes und glaubhaft vermittelter, inszenierter Illegalität mieft, wie die Filme der späten Achtziger bzw. Neunziger aus diesen Ländereien. Es ist kein ultra spannender Schocker, kein Referenzwerk in Sachen Gewalt, storytechnisch alles nichts Neues, aber der Film ist ehrlich, auf seine Art wirkungsvoll, kurzweilig und will - trotz der Thematik - von Niemandem etwas. 

7/10

 

7/10
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Kommentare

22.07.2021 06:42 Uhr - Jichi
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Mal wieder eine sehr interessante Review zu diesem Asia-Sicko Klassiker, von dem ich zwar schon viel gehört, ihn aber noch nicht gesehen habe. Die "Guinea Pig" Reihe mag ich eigentlich ganz gerne, aber immer, wenn im asiatischen Sektor Porno mit eingebaut wird, bin ich etwas vorsichtig. "Tumbling Doll of Flesh" geht noch, "Genki Genki" ist zuviel des Guten. Man muss das gute alte Mittelmaß finden :)

Danke für die schöne Vorstellung, habe ich sehr gerne gelesen.
PS: Ich habe noch nie gehört, dass "Tumbling Doll of Flesh" echt eine Fortsetzung hat. Da muss ich mich gleich mal schlau machen.

22.07.2021 08:56 Uhr - Dr. Kinski
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Sehr schöne Vorstellung eines Filmes, dessen Name ich bereits gehört habe, aber noch nie gesehen habe. Besonders der asiatische Markt ist für mich doch immer sehr unübersichtlich und es ist ja auch einiges an Mist dabei. Daher vielen Dank für diese tolle Review. Werde den Film mal im Hinterkopf behalten ;)

23.07.2021 04:47 Uhr - Laughing Vampire
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Tolle und gut recherchierte Kritik, und mit der Beurteilung bin ich ebenfalls mit dir einer Meinung. Kurzweilig, ausreichend daneben und mit schön dämlichem "Twist". Einer der interessanteren Vertreter dieses Subgenres, dessen Wurzeln in Japan allerdings etwas länger zurückreichen, da bereits Anfang der 90er die Videotheken mit Mockumentarys (meist über Geistersichtungen) überschwemmt waren. Ich frage mich immer, wie viele dieser Billigwerke, die durchaus auch interessante mediale Zeitkapseln sind, heute bereits als "lost media" gelten dürften.

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