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Bullitt

Herstellungsland:USA (1968)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,19 (16 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der Polizist Frank Bullitt muss einen wichtigen Zeugen beschützen, der gegen das organisierte Verbrechen aussagen soll. Als der Mann dennoch bei einem Mordanschlag getötet wird, hält Bullitt seinen Tod geheim, um Zeit für seine Ermittlungen zu gewinnen. (Warner DVD-Cover)

eine kritik von velvetk:

Ich habe Bullitt vor etwa einem Jahr das erste Mal bewusst gesehen. Damals hätte ich dem Film wohl keine besonders hohe Note gegeben. Ja, die dialogfreie, virtuos choreografierte und knapp zehn Minuten andauernde Verfolgungsjagd hat wenig von ihrer pulsierenden und treibenden Faszination verloren, auch wenn ein und der selbe grüne VW-Käfer viele Male als Spaß im Bild erscheint. Ja, Steve McQueen spielt grandios den stoischen und einzig wahren King of Cool, doch rundherum empfand ich Peter Yates' leise hypnotischen Film zuerst zäh, beinahe fad und zuweilen langweilig. Doch mit den Monaten ging mir der Film, mit seinem fantastischen Score und den Bildern an sich, nicht aus dem Kopf, einzelne Momente und Impulse flackerten immer wieder in meinen Gedanken auf. Der Grund dafür war nicht leicht zu greifen, doch nun, mit bester Aufmerksamkeit im Rücken, offenbarten sich mir die vielen Qualitäten, abseitigen Stärken und die detailverliebte, durchdachte Ästhetik des körnigen Brockens von Kriminalfilm. Der Erzählton und das Tempo von Bullitt sind getragen, keine Frage, doch damit bildet sich eine verschleierte, rätselhafte Atmosphäre, die schon ziemlich stark geraten ist. Man muss halt ohne Ablenkung bei der Sache bleiben und ein sonderbares Faible für wenig reißerische Krimis ohne Umwege und eine für sich stehende Begeisterung für Schnitt, Verve und Kameraführung mitbringen, alles ein wenig von Vorgestern halt. Mir schwebte immer so etwas wie Dirty Harry vor, eben nur mit McQueen in der Hauptrolle. Doch an dieser knallig überzeichneten Messlatte musste ich wohl zunächst erst einmal scheitern, denn Bullitt ist in seinem Metier mitnichten wie ein gewisser Inspektor Callahan unterwegs, auch wenn einige Parallelen und Knoten unübersehbar sind. Bullitt ist gewiss ein markiger Vorreiter, ein Film, der sich einfach alle Zeit der Welt nimmt, nicht zu tief in seine Charaktere schaut.

Das Skript von Bullitt behält vieles für sich, führt sich oft nur über die audiovisuelle Ebene aus, hält sich im ausgesprochenen Wort mitunter stark zurück, wo spätere Nachahmer häufig kantige Befindlichkeiten und legere Scherzhaftigkeit zelebrieren, was im Falle von Dirty Harry und den dessen ikonischen Sequels ja nichts schlechtes sein musste. Yates inszenierte Bullitt ziemlich auf dem Boden fußend, marternd und lähmend, eher realistisch behutsam und in zig Details sorgsam beobachtend, ebenso, wie echte Ermittlungen wohl zumeist auch sind. Ironie und Zynismus sind nur in Ansätzen da und werden auch nie zur ermutigenden Belustigung des Publikums ausformuliert. Steve McQueen gibt sich in Gegenwart seiner Vorgesetzten nie wie Clint Eastwood oder andere raubeinige Epigonen, mimt nie den unterbezahlten, genervten Haudegen oder den abgeklärten Sprücheklopfer. Dieser Mann war die pure Fassung, die bewundernswerte Selbstsicherheit in aller Stille, zumindest so lange die Kameras liefen. Frank Bullitt, großartig verkörpert von Steve McQueen, ist schon einmalig, auch einer, der sich tatsächlich für den Kern von Recht und Ordnung einzusetzen vermag und das Gesetz eher günstig biegt, als um aller Eigengunst bricht. Bullitts Methoden und Möglichkeiten scheren nie zu weit aus, seine Konter gegen vermeintliche Autoritäten sind nie Jux und Tollerei der schnippischen Provokation wegen, alles dient der Sachlichkeit und dem Gemeinsinn, niemals egoistischen Tendenzen. Frank Bullitt meidet die stichelnde Überspitzung und geht der Macht von oben cool wie kein anderer aus dem Weg. Er nimmt einen lästigen Befehl lieber stillschweigend und ohne sichtbare Emotionen zur Kenntnis, sagt entschuldigen Sie mich bitte, und geht unhörig wie lässig seiner Wege. Das ist ziemlich effektiv und absolut köstlich mitanzusehen, vor allem durch Steve McQueen hindurch, dessen Präsenz wohl auf alle Zeiten nicht zu kopieren ist.

Das vergleichsweise subtile und manchmal auch wirr aufgefädelte, weil sehr gedehnte Geschehen, die langsamen Schritte in der Ermittlung, die zahlreichen, aber eher lauen Nebenfiguren, nun, das muss man schon hinnehmen, denn auch wenn Bullitt in seinen Auftritten eine karge und unkonventionelle Erscheinung ist, bleibt er als Hauptfigur letztlich doch nur schwer zu durchschauen - was gebe ich um ein Prequel, welches die innerlichen Abgründe dieser Figur nachzeichnet, ohne zu entmystifizieren. Unter der Oberfläche ist in diesem Film eigentlich nicht viel zu finden, weil Frank Bullitt einer Mauer gleich ist. Nur in Spitzen scheint etwas Zerbrechlichkeit durch, ein Wohlwollen gegenüber seinen Mitmenschen, privat wie dienstlich.

Nun denn, da mag die unverschämt ausgedehnte, geniale, akustisch phänomenal unterlegte und klasse getimte Verfolgungsjagd in der Mitte des Film noch so grandios sein, drum herum ist's eben nur solide Kost. Sämtliche Charaktere im Hintergrund, die Antagonisten und Freunde, die Liebschaften und Kollegen, taugen abseits ihrer grob markanten Gesichtszüge wenig. Aus filmhistorischer Sicht sollte man diesen Film schon mal gesehen haben, gerade wenn man das mag, was in den Sechzigern und Siebzigern unter diesem Banner lief. Bullitt hat eine starke, manchmal lyrische Atmosphäre, die immer noch sehenswerte Verfolgungsjagd ist ein Markstein des Kinos, McQueen ist cool wie kaum ein zweiter Schauspieler und außerdem enthält die Blu-Ray, die technisch leider nur in Ordnung geht und speziell beim Bild nicht begeistern kann, zwei sehenswerte Dokumentationen. Einmal über McQueen selbst und eine über den Filmschnitt im Allgemeinen. Die Doku über McQueen bildet einen sehenswerten und emotional stark gerundeten Überblick über sein vergleichsweise kurz glühendes Leben, seine Karriere. Die Doku über den Filmschnitt macht anhand vieler prominenter Filmbeispiele klar, was für ein wichtiger Faktor das richtige Timing ist. Im Gesamtpaket unbedingt sehenswert, wenn auch mit Abstrichen beim Hauptfilm.

7/10
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Kommentare

29.07.2021 09:02 Uhr - Stoi
Schön beschrieben und dein Review ist mal wieder ein Anreiz, den Film aus dem Regal zu holen.
Ewig nicht mehr gesehen. BULLIT ist bei mir auch so ein 7-8/10-Kandidat.
Ich mag einfach die Crime- und Verschwörungsthriller aus dieser Zeit.
Und über den grünen VW Käfer kann man durchaus hinwegsehen. ;)

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