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Rambo: 2. Teil - Der Auftrag

Originaltitel: First Blood: Part II

Herstellungsland:USA (1985)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Abenteuer, Action, Krieg
Alternativtitel:Rambo: 2. Teil
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Rambo 2 - Der Auftrag
Rambo II
Rambo II - Der Auftrag
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,19 (190 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der Vietnamkrieg ist vorbei. Der ehemalige Green Beret Rambo schmort in einem Gefängnis. Colonel Trautman holt ihn dort heraus, denn er braucht für eine hochgefährliche, geheime Mission seinen besten Mann. Rambo soll im vietnamesischen Dschungel nach amerikanischen Kriegsgefangenen suchen und sie befreien. Doch seine Überlebensfähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt: Weil er den Befehlen nicht gehorcht, stufen ihn die eigenen Leute als "entbehrlich" ein. Ab sofort ist Rambo auf sich allein gestellt. Nur mit einem Messer sowie mit Pfeil und Bogen bewaffnet, tritt er den mit modernsten Waffen ausgerüsteten Feinden entgegen... (Kinowelt)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                                         RAMBO II - DER AUFTRAG

Im Jahr 1984 stand Action – Megastar Sylvester Stallone mal wieder am Scheideweg. Da hatte sich der „Italian Stallion“ nach einigen Flops mit Rocky III – Das Auge Des Tigers und Rambo (beide 1982) gerade wieder rehabilitiert, da erlitt er mit der Komödie Der Senkrechtstarter (1984) wieder kommerziellen Schiffbruch. Es war überdeutlich: das Publikum akzeptierte Stallone offenbar ausschließlich als Rocky Balboa und neuerdings als John Rambo. Also gab er der Masse, was sie haben wollte und entschied sich für ein Rambo – Sequel. Die Rambo – Produzenten Mario Kassar und Andrew Vajna riefen ihn ohnehin fast täglich an, um Stallone zu einer Fortsetzung zu überreden. Sie brauchten einen weiteren Hit, um Carolco dauerhaft zu etablieren. Was lag da näher als Rambo II, zumal sie das Budget für diesen Film mühelos auftreiben konnten. Also erklärte sich Sylvester Stallone bereit, Rambo II – Der Auftrag zu drehen.

Das auf einer Story von Kevin Jarre (1954 – 2011 / Tombstone, 1993) basierende Drehbuch wurde von dem aufstrebenden Regisseur James Cameron (Terminator, 1984) geschrieben und war deutlich schwermütiger als der fertige Film – in Camerons Drehbuch saß John Rambo in der geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie, bis zur ersten Actionszene verging viel Zeit und Rambo hätte einen männlichen Partner gehabt, für den angeblich John Travolta (Pulp Fiction, 1994) vorgesehen war. Sylvester Stallone überarbeitete das Drehbuch und gestaltete es derart patriotisch, dass sich Cameron bis heute von Rambo II – Der Auftrag distanziert...vor allem das Ende des Films missfiel ihm.

Die Regie des Films übernahm George P. Cosmatos (1941-2005 / Massacre In Rome, 1973), der in den USA eher unbekannt war und von daher gar nicht in der Lage war, um z.B. gegen die Wünsche seines einflussreichen Hauptdarstellers und Drehbuchautors aufzumucken, so dass Cosmatos eher ein Erfüllungsgehilfe Stallones war. Mit einem Budget von 25 Millionen Dollar entstand Rambo II – Der Auftrag mit Darstellern wie Richard Crenna (Rambo, 1982), Charles Napier (1936 – 2011 / Tödliche Umarmung, 1979), Steven Berkoff (James Bond 007: Octopussy, 1983), Julia Nickson (Noble House, 1988) und Martin Kove (Karate Kid, 1984) in Mexiko und Thailand. Überschattet wurden die Dreharbeiten vom Unfalltod von Special Effects-Mann Clifford P. Wenger, der einer der Explosionen des Films zum Opfer fiel.

In Rambo II – Der Auftrag verbüßt John Rambo eine fünfjährige Haftstrafe und muss im Steinbruch schuften, weil er eine halbe Kleinstadt in Schutt und Asche gelegt hat. Eines Tages taucht sein ehemaliger Ausbilder Colonel Trautman (Richard Crenna) auf und macht ihm ein Angebot. Man will ihn begnadigen, wenn Rambo nach Vietnam zurückkehrt und nach amerikanischen Kriegsgefangenen sucht, die dort immer noch festgehalten werden sollen. Rambo willigt ein und findet tatsächlich gefangene Gis im Dschungel Vietnams. Anstatt deren Existenz mit Fotos zu belegen, wie es ihm Einsatzleiter Murdock (Charles Napier) befohlen hat, nimmt Rambo einen Gefangenen mit, worauf er vom Vietcong verfolgt wird. Als der rettende Hubschrauber schon über ihm kreist, bricht Murdock die Mission ab und überlässt Rambo seinem Schicksal. Seine Kontaktperson, die Agentin Co Bao (Julia Nickson) kann Rambo zwar retten, wird aber auf der Flucht erschossen. Zu allem entschlossen kehrt Rambo in das Gefangenenlager zurück, um ihren Tod zu rächen und die Amerikaner zu befreien …

Rambo II – Der Auftrag schlug wie eine Bombe in der damaligen Filmlandschaft ein. Einerseits erhielt der Film erhielt einige der schlechtesten Kritiken aller Zeiten: Rambo II – Der Auftrag, so der schwerste Vorwurf, versuche die amerikanische Geschichte neu zu schreiben, indem er eine Dolchstoßlegende konstruiere, nach der die USA den Vietnamkrieg hätten gewinnen können, wenn Politiker und Bürokraten sie nur gelassen hätten. Außerdem wurde Rambo II – Der Auftrag zum Inbegriff von propagandistischer Gewalt – und Kriegsverherrlichung, womit er die kritische Botschaft des Originals mit Füßen trete. Andererseits konnten diese Kontroversen den zweiten Rambo-Streifen nicht stoppen, im Gegenteil: weltweit spielte der Streifen über 300 Millionen Dollar ein – 150 Millionen in den USA, wo Rambo II – Der Auftrag von einer Merchandise-Welle begleitet wurde, wie man sie sonst nur von den Star Wars-Filmen her kannte.

Aber wie ist Rambo II – Der Auftrag zu beurteilen? Handelt es sich bei der Fortsetzung tatsächlich um einen als Actionfilm getarnten Propagandastreifen und wie weit ist das Sequel vom durchaus kritischen, mehrdimensionalem Original entfernt?

Es gibt in der Tat nur wenige Fortsetzungen, die sich so stark von ihrem Vorgänger unterscheiden wie Rambo II – Der Auftrag (1982), was nicht nur daran liegt, dass der von Richard Crenna gespielte Colonel Trautman die einzige Figur ist, die es vom ersten in den zweiten Teil geschafft hat. Der Hauptunterschied liegt in der inhaltlichen Ausrichtung des Streifens, die perfekt den damaligen amerikanischen Zeitgeist und Sylvester Stallones Riecher für den Geschmack des Publikums widerspiegelt, der ihm mit Rambo III (1988) abhanden kam und zum vorläufigen Ende der Rambo-Saga führte. Während Rambo, trotz seines exorbitanten Actionanteils, auch als kritisches Drama funktionierte, dessen Geist durchaus dem des New Hollywood entsprach, das Klassiker wie Taxi Driver (1976) oder Die Durch Die Hölle Gehen (1978) hervorbrachte, die sich mit dem Vietnamkrieg und dessen Folgen auseinandersetzten, zeigt Rambo II – Der Auftrag, wie sich das Blatt gewendet hat. Ronald Reagan hatte das Selbstbewusstsein der USA gestärkt und 1984 erfolgreich für eine zweite Amtszeit kandidiert und dem trägt der zweite Rambo-Streifen Rechnung: In Rambo II – Der Auftrag ist jegliches, in Rambo so unvergesslich dargestellte Trauma wie weggewischt. Hinzu kommt, dass Stallone – um als Ein-Mann-Armee noch glaubwürdiger zu wirken – nochmal durch zuvor absolviertes monatelanges Training mehr Muskelmasse zugelegt hat und deshalb als Ein-Mann-Armee noch „glaubwürdiger“ gilt als im ersten Teil. Aber trotzdem gestattet sich Rambo II – Der Auftrag (kleine) Zwischentöne, die vielleicht etwas untergehen. Obwohl Rambos Rede zum Schluss des Films vor Patriotismus nur so trieft („Hassen? Ich würde dafür sterben!“ erwidert Rambo auf Trautmans Einwand, er dürfe sein Vaterland nicht hassen), hat ihm die Befreiungsaktion persönlich – von der Befreiung einiger Kameraden – nichts gebracht und er bleibt – wie in Rambo – allein, ungeliebt und geht nur mit der Kleidung am Leib einer ungewissen Zukunft entgegen, was Rambo II – Der Auftrag dann doch etwas von dem zuvor gestarteten Missing In Action (1984), der sich deutlich einseitiger und rassistischer zeigt als der Stallone-Streifen. Rambo ist und bleibt ein ungeliebter Außenseiter – wie im ersten Teil.

Die oben genannten Kritikpunkte mögen ihre Richtigkeit haben, aber dennoch ist Rambo II – Der Auftrag (1985) ein hervorragender, Maßstäbe setzender Actionfilme, der auch fast vierzig Jahre nach seiner Entstehung nichts von seiner Faszination und seinem Unterhaltungswert – ob freiwillig oder unfreiwillig – eingebüßt hat. Denn bei all der Kritik an Rambo II – Der Auftrag darf nicht übersehen werden, dass es sich bei George P. Cosmatos´ Rambo-Sequel um einen Actionreißer handelt, der Maßstäbe gesetzt hat, und ohne den zahlreiche andere Achtziger-Actionfilme nicht möglich gewesen wären - allen Unkenrufen zum Trotz gehört Rambo II – Der Auftrag zu den größten, spektakulärsten und unterhaltsamsten Actionfilmen der Achtzigerjahre.

Dies liegt nicht nur daran, dass sich Sylvester Stallone in Rambo II – Der Auftrag körperlich in Topform befand, sondern dass er mit George P. Cosmatos auch einen hervorragenden Regisseur, mit Jerry Goldsmith (1929 – 2004 / Das Omen, 1976) einen brillanten Filmmusikkomponisten, mit dem leider verstorbenen Jack Cardiff einen hochkarätigen Kameramann und mit Mark Goldblatt (Terminator 2 – Tag Der Abrechnung, 1991) und Mark Helfrich (Predator, 1987) äußerst fähige Cutter mit an Bord hatte, die Rambo II – Der Auftrag zu dem Klassiker machten, der er heute ist.

Denn auch wenn sich die hauptsächliche Action in der zweiten Filmhälfte abspielt, punktet der Streifen auch in der ersten Hälfte dank Cosmatos´ straffer Inszenierung und Cardiffs Kameraführung – die auch den Dschungel optisch perfekt einfängt - mit Spannung und Atmosphäre, während in der zweiten Filmhälfte von Cosmatos und allen Beteiligten ein Actiondauerfeuerwerk der Superlative abgefeuert wird. Selten wurden bis dahin packende Schießereien, harte Kampfszenen und gewaltige Explosionen – die deutlich härter als in Rambo ausgefallen sind und und einen deutlich höheren Bodycount aufweisen - so effektiv und spektakulär aneinandergereiht wie hier. Wenn Rambo mit einem Helikopter das Gefangenenlager in Schutt und Asche legt, drückt es den Zuschauer nur so in den Sessel, man wird völlig mitgerissen. Auch die Verfolgungsjagd mit zwei Helikoptern zum Finale hat Maßstäbe gesetzt, was auch für die Musik von Jerry Goldsmith gilt. Dessen epischer Score untermalt nicht nur die Feuerbälle und Kugelhagel, sondern untermalt auch die Dschungelatmosphäre des Streifens, die den Zuschauer anderthalb Stunden lang gefangen nimmt.

 Aber selbst die spektakulärste Action bleibt nicht dauerhaft in Erinnerung, wenn in ihr nicht erinnerungswürdige Darsteller agieren und auch hier kann Rambo II – Der Auftrag punkten, denn neben Stallone verfügt das Rambo-Sequel über eine Schar fähiger Schauspieler, ohne die der Film nicht der selbe wäre. So überzeugt Richard Crenna – auch wenn er (wie im ersten Teil) an keiner Actionszene des Films beteiligt ist- erneut als Rambos Mentor. Gleiches gilt für Charles Napier als Widersacher, der hier eine seiner denkwürdigsten Rollen spielt. Auf der Gegenseite überzeugt Steven Berkoff als russischer Bösewicht, der hier noch bösartiger als in seinen vorangegangenen Hollywood-Streifen (James Bond 007 – Octopussy, 1983 / Beverly Hills Cop, 1984) wirkt. In den Fängen seines Generals Podovsky will man definitiv nicht landen; vor allem dann nicht, wenn ein passend emotionsloser Fleischklops wie Vojislav Govedarica (Winnetou Und Old Shatterhand Im Tal Der Toten, 1968) die Voltzahl bestimmt.

Mit Julia Nickson verfügt Rambo II – Der Auftrag verfügt der zweite Teil der Action-Saga, die unter Kritikern nicht den besten Ruf hat, über eine wichtige weibliche Nebenfigur. Wie ist Nicksons Agentin Co Bao aus heutiger Sicht zu sehen?

Interessant ist, dass Rambo einen männlichen Partner haben sollte, wogegen Stallone sein Veto einlegte, so dass der Weg frei für eine starke Frauenfigur war. Und auch wenn diese – von Julia Nickson jederzeit glaubwürdig dargestellte – Figur ermordet wird und dadurch (neben der Befreiung der Kriegsgefangenen) die blutige Rachetour der Hauptfigur legitimiert, wird Rambos Partnerin als prägnante Frauenfigur mit Träumen und Hoffnungen präsentiert.  Julia Nicksons Co Bao ist bis heute die einzig wirklich  relevante Frauenfigur der Rambo-Reihe.

Rambo II – Der Auftrag fehlt die Tiefe des Originals, weshalb er auch dessen Klasse verfehlt. Trotzdem ist das Rambo-Sequel ein hervorragender, unbedingt sehenswerter Achtzigerjahre-Actionklassiker.

9/10
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Kommentare

07.08.2021 12:21 Uhr - TheMovieStar
1x
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Saubere und schön verfasste Kritik mit vielen Hintergrundinfos Puni zu einem Klassiker des 80er Jahre Actionkinos, der einer meiner persönlichen Lieblingsfilme ist und dem ich sogar noch einen Punkt mehr geben würde. Zusätzlich interessant zu wissen ist, dass die im Film behandelte Thematik mit der Suche nach Kriegsgefangenen in der Reagan Ära tatsächlich eine Rolle gespielt hat, auch wenn Rambo II das ganze natürlich vom Patriotismus her auf die Spitze treibt.


07.08.2021 12:58 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank! Schön, dass Dir das Review gefällt :-).

07.08.2021 14:03 Uhr - Schwachkopf79
1x
Danke für die Hintergrundinfos. Da war für mich einiges neu. Für mich der beste Teil der Reihe.

08.08.2021 10:56 Uhr - ActionJackson77
1x
Um einen Krieg zu Überleben, muss man selbst zum Krieg werden! Rockiges Review zu einem rockigen Film! Würde auch 9 bis 10/10 zücken

08.08.2021 16:23 Uhr - McGuinness
1x
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Mit viel Leidenschaft und Engagement verfasste Review, angereichert mit zahlreichen Informationen drum herum und inhaltlich genau auf den Punkt gebracht... formidable 😚👌🏻

Für mich nicht nur einer der besten Actionfilme der 80er - Jahre, sondern auch heute noch einer der großartigsten und von mir meist gesehenen Titel überhaupt.
Der oftmals angeprangerte Patriotismus stört mich in keinster Weise, im Gegenteil sogar, dieser fügt sich meines Erachtens nach wunderbar in die Geschichte ein, entspricht dem damaligen Zeitgeist, und passt einfach wie die Faust aufs Auge 😉... Volle 10 Punkte !!!

08.08.2021 18:28 Uhr - Punisher77
1x
DB-Helfer
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Hallo Leute, vielen Dank für Eure lobenden Worte zu meinem Review.
Schließe mich McGuiness an: Der Patriotismus in "Rambo II" ist - ebenfalls wie der in "Rocky IV" - ein Spiegelbild des damaligen Zeitgeistes und auch unter dem Gesichtspunkt schaue ich mir Filme wie diese gern an.

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