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American Guinea Pig 2: Bloodshock

Originaltitel: American Guinea Pig: Bloodshock

Herstellungsland:USA (2015)
Genre:Horror, Splatter
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,43 (7 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein namenloser Mann findet sich gefangen und an einen Stuhl gefesselt wieder. Schnell macht er die Bekanntschaft eines Arztes, der ihn von nun an einer brutalen Folter aussetzt. Die Qualen, die der Gefolterte dabei erleiden muss, werden von Mal zu Mal schlimmer und lassen ihn ein völlig neues Level an Schmerz empfinden. Sein einziger Trost ist eine ebenso namenlose Frau, die wie er in dieser Hölle aus Schmerz gefangen ist... (Extreme-cinema.nl)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von jichi:

American Guinea Pig 2: Bloodshock

„American Guinea Pig: Bloodshock“ aus dem Jahre 2015 ist der zweite Teil der „American Guinea Pig“ Reihe, Regie führte dieses Mal Marcus Koch, welcher beim ersten Teil, „Bouquet of Guts and Gore“, für die Effekte zuständig war. Der Film stammt aus der Extrem Schmiede „Unearthed Films“ von Stephen Biro, welcher hier auch als Produzent fungierte und das Drehbuch schrieb. Nahm sich der Vorgänger noch „Flowers of Flesh and Blood“ als Vorbild, gibt es hier keine filmische Vorlage der Original-Reihe, und man wollte das Ganze deutlich experimenteller und surrealer gestalten.

Es geht um einen Arzt (Andy Winton), welcher einen unbekannten Mann (Dan Ellis) und eine unbekannte Frau (Lillian McKinney) foltert, da dadurch der Adrenalinspiegel in ihrem Blut steigt und er dieses Blut als Droge verwenden kann, um sich daran zu berauschen. Durch diese Qualen nähern sich der Mann und die Frau, welche über Zettel durch ein Loch in der Zellenwand kommunizieren, immer mehr an und der ganze Film beginnt sich zu drehen….

Das markanteste Merkmal von „Bloodshock“ ist, dass er bis auf eine Szene (dazu später mehr), in schwarz-weiß gedreht wurde, und man kann Koch wirklich das Talent nicht absprechen, ein gutes Auge für Bildkomposition und deren Wirkungen zu haben. Der Film bekommt dadurch durchaus einen künstlerischen Anstrich und gerade daraus zieht er seinen Surrealismus und baut darauf eine starke Atmosphäre auf. „Bloodshock“ wirkt wie ein Alptraum, bei dem der Zuschauer nur stumm zusehen kann. Dazu trägt auch das Fehlen von fast jeglichen Dialogen bei, nur der Arzt murmelt hin und wieder einen Satz, die beiden Protagonisten ertragen ihre Tortur in völliger Stille, arbeiten aber umso stärker mit ihrer Mimik. Fast wirkt „Bloodshock“ wie ein alter Stummfilm aus der schwarz-weiß Zeit, nur mit einem sehr krassen Thema. Die Schauspieler schaffen es wirklich sehr gut, ihren Figuren ein Profil zu verleihen, und mit ihrer Mimik und ihrer Körpersprache dem Zuschauer ihre Gefühle zu vermitteln, meistens Schmerzen. Anstelle von Dialogen tritt der unheimliche, verstörende Soundtrack, der sich nach einer gewissen Zeit in das Ohr frisst und zur beklemmenden Atmosphäre beiträgt.

Bestand „Bouquet of Guts and Gore“ noch nur aus seinen realistischen und bestialischen Gore- und Splattereffekten, welche meiner Meinung nach auch unter Kunst fallen, werden sie hier in die Handlung eingebaut, wirken aber eher wie eine Nebensache, da ja auch die schwarz-weiß Optik dem nach Blut leckenden Gorehound einen Strich durch die Rechnung macht. Versteht mich nicht falsch, die Effekte von Marcus Koch sehen wieder grandios realistisch aus, aber der Fokus des Films liegt auf den zwei Protagonisten und ihren wandelnden Geisteszustand während der fortschreitenden Handlung.

Leider ist hier das größte Manko des Films zu finden, denn der Film ist mit 86 Minuten deutlich zu lang geraten. Die Folterungen werden zu schnell zu monoton, und da man auch nicht die Möglichkeit hat, sich an guten Effekten zu erfreuen, oder der Film besonders spannend ist, driften die Gedanken des Zuschauers irgendwann ab. Hier hätte man sich eher an der Originalfilmreihe orientieren sollen und die Laufzeit auf etwa 60 Minuten begrenzen.

Der größte Pluspunkt ist jedoch das Ende, welches den ganzen Film umwirft und ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Am Ende schaffen es die Protagonisten, den Arzt zu verletzten und sich in einer Zelle zu verbarrikadieren. Dort berühren sie sich zum ersten Mal auch körperlich. In einer Art Liebesaktszene öffnen sie gegenseitig ihre Wunden, bis sie verbluten.

Diese Szene ist als einzige im Film in Farbe gehalten, was optisch wirklich verdammt beeindruckend aussieht, die Kombination aus Blut in einem weißen Raum erinnert stark an eine Szene aus „ReGoregitated Sacrifice“, doch hier erreicht die Szene eine viel stärkere Wirkung. Denn sie wirft den Film komplett um, „Bloodshock“ ist kein Folterfilm, wie er es erst vorgibt. Es geht viel mehr um die Beziehung zweier Menschen, welche durch ihr gemeinsames Martyrium eine Art Liebe zueinander empfinden, obwohl sie sich noch nie gesehen haben und nur über Zettel kommunizieren konnten. In diesem Moment empfinden die Beiden dann auch wieder ein anderes Gefühl als den Schmerz, und deswegen weicht die traurige, triste schwarz-weiß Optik der Farbe. In diesem Moment fühlen sich der Mann und die Frau wieder lebendig. Und dieses Gefühl wollen sie sich für immer behalten, deswegen auch der Selbstmord. Das erklärt auch, warum die Effekte in den Folterszenen nicht der Fokus des Filmes sind. Sie sind nur Mittel zum Zweck, um schließlich auf diese Entwicklung der Protagonisten hinzuarbeiten. Ähnlich ging schon der grandiose „Martyrs“ vor, und auch wenn hier nicht diese krasse Wirkung erreicht wird, dieser Twist ist wirklich unglaublich, besonders wenn man bedenkt, dass wir hier einen „American Guinea Pig“ Film vorliegen haben.

Insgesamt geht „Bloodshock“ in eine ganz andere Richtung als der Vorgänger, schraubt den Härtegrad massiv zurück und legt seinen Fokus mehr auf die Entwicklung seiner Figuren, auf seine Atmosphäre und seinen Surrealismus. Er dürfte der wohl zugänglichste Film der Reihe sein, und bietet dank des Endes enormes Interpretationspotenzial. Nur die Laufzeit hätte verkürzt werden müssen, so kommt zu schnell Langeweile auf, besonders, da man das grandiose Ende nicht vorhersehen kann. Dennoch ein durchaus sehenswertes Exemplar aus der „American Guinea Pig“ Reihe, welches ich Fans des Extremkinos und Leuten mit Interesse am Surrealismus empfehlen kann.

 

7.5/10

8/10
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Kommentare

08.08.2021 15:43 Uhr - Dr. Kinski
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Wieder eine gute Review, der ich mich im wesentlichen anschließen würde. Interessant ist auch, dass der Film ja ursprünglich in Farbe gedreht wurde und man sich erst hinterher für die schwarz-weiß Fassung entschieden hat. Die Wirkung des Finales wäre durch eine Farbfassung natürlich ein Stück weit verloren gegangen, aber dann wäre die Zeit bis dahin nicht ganz so lang :D Ein Mediabook mit beiden Fassungen, wie bei human centipede 2 wäre was gewesen!

09.08.2021 05:52 Uhr - hudeley
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Schließe mich Herrn Kinski an, wie immer eine tolle, ausführliche Review! Bloodshock ist mit Abstand der beste der neuen Guinea Pigs und auch als Film, losgelöst von der Reihe, mehr als sehenswert. Einer der wenigen Extrem-Filme, die ich bei Gelegenheit auch schon Freunden & Bekannten gezeigt habe, die mit solchen Werken wenig anzufangen wissen. Einfach deshalb, weil Bloodshock auch als Film an sich funktioniert.
Ich würde Die dahingehend widersprechen, als dass ich ihn nicht zu lang finde. Sich an der Laufzeit der originalen Reihe zu orientieren wäre zwar passend gewesen, aber Bloodshock braucht seine circa 90 Minuten, um das Martyrium und die wiederkehrende Gewalt regelrecht in den Kopf des Zuschauers hineinzuhämmern. Deshalb funktioniert er auch so gut, denn aus all den ruhigen Szenen, kurz an der Grenze zur Langatmigkeit, der abartigen Folter und der aus dem Gesamtkontext heraus entstehenden Monotonie zieht er seine Wirkung.
Was dann am Ende passiert ist auf seine Art und Weise einfach nur großartig.

... Weiter so, Jichi!

09.08.2021 13:26 Uhr - Jichi
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Erfahrungspunkte von Jichi 261
Vielen Dank an euch beide für das Lob und das Lesen meiner Review, meine Mitstreiter des kontroversen Kinos ;)

@Dr. Kinski: Stimmt, eine Farbfassung wäre auch mal interessant. Den Gorehound würde es freuen, aber dafür würde wohl die Atmosphäre an Wirkung verlieren, mit ging es jedenfalls so bei "The Human Centipede 2". Ansehen würde ich mir die Farbfassung natürlich dennoch, die Idee sollte man vielleicht mal an Unearthed Films weiterleiten, Lables nutzen ja jede Gelegenheit, Geld zu verdienen.

@hudeley: Mir gefallen "Bouquet of Guts and Gore" und "Sacrifice" besser, letzterer ist sogar mein Lieblingsteil der neuen Reihe, Teil 4 kenne ich noch nicht.
Aber "Bloodshock" ist ein guter Film, ohne Frage ! Klar braucht es die Laufzeit auch, um das Martyrium der Protagonisten zu etablieren, aber mit wären eventuell noch etwas Hintergrund (wie bei "Martyrs") lieber gewesen, denn so hätte man die Bindung des Zuschauers an die Figuren noch verstärken können. Das Ende ist aber der Hammer, da hast du völlig recht !
Und keine Sorge, von mir werden noch einige Reviews kommen ;)

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