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Old

Herstellungsland:USA (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Fantasy, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Decrepit
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,00 (1 Stimme) Details

Inhaltsangabe:

Als sich ein Elternpaar (Gael García Bernal, Vicky Krieps) mit seinen beiden Kindern an einem paradiesischen Strand erholen will, geraten sie in den Bann eines schockierenden Phänomens: Sie werden rasend schnell alt. Am Ende eines Tages wartet auf sie der Tod. Überleben können sie und die anderen Besucher nur, wenn sie das unheilvolle Rätsel dieses Ortes lösen… (Universal Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Trotz aller Unzulänglichkeiten, die viele Werke von M. Night Shyamalan in sich tragen, kann ich das Schaffen dieses Filmemachers gut leiden. Seine hochbudgetierten Totalausfälle haben zwar keinen Wert bei mir, doch nach diesen künstlerisch unglücklichen Bauchlandungen, konnte mich Shyamalan stets überzeugen. Ich war seit The Visit bei jedem seiner Filme im Lichtspielhaus und kam jedes Mal mit dem Gefühl hinaus, etwas Originäres durchlebt zu haben. Nicht ohne Unzulänglichkeiten, wie gesagt, darüber hinaus oft schräg und albern, am Ende meist zu märchenhaft, doch immer einmalig und so frisch im Angesicht andrer Filme. So auch Old, von dem ich mir bewusst keinen Trailer oder dergleichen gab. Man sollte wirklich jeden Trailer zu diesem Film meiden, denn egal wie sehr man auch der Logik und Vernunft fern bleiben muss, um Old auf eine verschrobene Weise zu genießen, zieht der Film aus dem Unwissen seines Publikums noch den meisten Schwung. Der fast drei Minuten lange Trailer, den ich mir danach mal angesehen hab, verrät schlicht zu viel vom Spaß!

Deshalb werde ich auch nichts weiter zur Handlung sagen. Es sind eben ein paar Urlauber an einem Strand. Einem Strand auf einer Insel, mit dem etwas nicht stimmt und von dem man nicht wieder loszukommen scheint. Vielleicht sollte an dieser Stelle auch gar nicht weitergelesen werden, möchte man den guten Film gerne sehen, denn ich kann es nicht vermeiden, wenigstens auf die Wirkung seiner Konsequenzen und des Endes milde einzugehen, was ja schon Verderb genug sein kann. Es ist ein typischer Film des Regisseurs und wer das nicht als Einladung beziehungsweise Mahnung genug verstanden weiß, der ist selber schuld.

M. Night Shyamalan darf gerne so weiter machen. Seine Filme sind die letzten Jahre immer sehenswert gewesen und auch für ihn dürfte die Rechnung immer aufgegangen sein, künstlerisch wie finanziell. Keiner der letzten Langfilme kostete mehr als 20 Millionen Dollar und spielte sich immer mindestens in eine respektable Gewinnzone. Und trotz aller aktuellen gesellschaftlichen Umstände ist Old ebenfalls auf einem guten Weg, zumindest finanziell gesehen. Kritiker und Publikum sind sich herrlich uneins. Ich hatte gestern, nach dem Filmgenuss, noch viel Freude mit den zig negativen Verrissen und kann da schon mitfühlen. Dafür, dass ich den Film nun einmal gesehen habe, fielen mir bereits zahlreiche Ungereimtheiten auf. Logik- und Anschlussbrüche sind wirklich unübersehbar. Auch das Drehbuch ist auf der Dialogebene wechselhaft bis schlecht geraten. Je nach Familie und Konstellation, schwanken die Gespräche oft zwischen Belanglosigkeiten, hysterischer Ratlosigkeit und offensichtlichen Stichen, welche nur die Handlung vorantreiben sollen. Erst am Ende gibt es zwischen ein paar Personen rührende und wahrhaftige Momente. Shyamalan ist auf dieser Ebene, zumindest bei diesem Film, eher endorientierter Handwerker, denn feinfühlender Großmeister mit Mut zu starken Pausen und imposanter Wirkung. Das hatte er schon besser drauf. Die erste halbe Stunde ist gar relativ anstrengend und auf die Familien projiziert trübe geraten. Doch Shyamalan lässt bekannte Trademarks immer wiederkommen und wirft gute Köder aus, die am Ende für ein gewisses Staunen sorgen, wenn auch nicht jeder Fang frisch sein mag. Ist der sonnige und etwas leidige Befindlichkeitsprolog einmal überstanden, wanken die Unterhaltungen leider weiter – bis die Figuren begreifen und verinnerlichen, was los ist, suhlt sich Shyamalan in einer Blindheit zwischen innerer Dramatik und seinem Publikum, die zuweilen mutlos scheint. Außerdem bemüht er den Erklärbären zu häufig einer springenden Schallplatte gleich. Von den Mutmaßungen der Strandgefangenen, hab ich den Satz; Irgendwas stimmt mit diesem Strand nicht., gefühlt fünfundzwanzig Mal ertragen müssen. Shyamalan zieht hier seinen Stoff unnötig in die Länge oder füllt ihn nicht sinnvoll mit Lebendigkeit im Angesicht des nahenden Endes, da hätte es die Hälfte an kreischender Verwunderung auch getan. Das kann aber auch der Comic-Vorlage geschuldet sein, die ich nicht kenne. In jedem Fall hätte er da nachverhandeln müssen.

Die meisten Figuren bleiben gemäß dem Genre weitgehend blass und bringen durch ihr Auftreten auch eher den Plot in die Gänge, doch sympathische und immer wieder gern gesehene Schauspieler wie Rufus Sewell, Embeth Davidtz, Ken Leung und Gael García Bernal spielen ihre flachen Rollen mit ausreichend Leben aus. Vicky Krieps und Thomasin McKenzie spielen wunderbar. Letztlich zweischneidig, da dem Film und den Figuren auch nicht viel Zeit bleibt, und zwar in jeder Hinsicht.

Shyamalan ist hier also weder ein fantastischer Konfliktdramatiker, noch einer, der starke Dialogqualitäten ausspielt. Dafür trifft er mit punktuell sehr außergewöhnlichen Einfällen und einigen zuwenigst interessanten Metaebenen, mit preschenden Einzelszenen und unterhaltsamem Gaga. Warum dieser Strand? Warum altern die Personen dort so rasend schnell? Und warum bringt man jemanden wissentlich dorthin? Und in welchem Film traten denn nun Marlon Brando und Jack Nicholson zusammen auf? Zur letzten Frage: Ich war der einzige in unserer Runde, der das spontan wusste, wofür ich nur genervt flüsterndes Stöhnen erntete.

Aus der wertvollen und zuspielenden Ungewissheit macht der Filmemacher reichlich diskutables und auch der rasante Alterungsprozess wird bis auf ein paar Schnitzer ziemlich eindrucksvoll vermittelt – das Leben ist kurz, verdammt kurz. Obacht, jeder Tag könnte der letzte sein, was wohl die wichtigste Botschaft des Film ist. Make Up und Effekte passen, der Gastauftritt vom Regisseur höchstselbst hat was. In Old gibt's wirklich ein paar schön makabere, groteske und wahnsinnig stimmige Sequenzen zu bestaunen, auch wenn diese manchmal an der angestrebten PG-13-Freigabe leiden. Meine Augen standen ein paar Mal ziemlich offen unter meinen Stirnfalten. Natürlich gibt es wie bei diesem Regisseur wie üblich eine Art Dreher am Ende, zumindest eine Offenbarung, welche die ganze Situation (leider) komplett durch erklärt. Hier treibt es der Autor und Regisseur ein Quäntchen zu weit, meint es viel zu gut mit seinen Figuren und überlässt kaum etwas dem Zauber und der Mystik aus der Mitte des Films. Die am Ende im Raum stehende moralische Komponente, nun, die hätte Shyamalan auch besser der bitteren Realität überlassen. Am Ende ist's halt wieder schöne Märchenstund, statt arg und finster vor den Kopf stoßende Ansage. Dennoch bleibt ein greller Film, ein bisschen doof und wild, nicht besonders eloquent, solide abgefilmt, doch in seinem Treiben herrlich effektiv und über den Abspann hinaus haftender, als der meiste Filmausschuss dieser Tage.

7/10
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Kommentare

12.08.2021 10:48 Uhr - Stoi
7/10 klingt ja schon mal ganz gut.
Sonst hab ich nichts gelesen, den will ich völlig unvorbereitet schauen. ;)

12.08.2021 10:55 Uhr - Schwachkopf79
1x
Mit deiner Einschätzung kann ich gut leben, da sie sich mit meiner eigenen deckt.

Aber dem Regisseur kein gutes Händchen für Dialogdramatik zu unterstellen, will ich hier klar entgegentreten. Die Autoszene bei "The sixth sense" ist Kinomagie pur. Einfach nur perfekt inszeniert und von den beiden Darstellern fantastisch umgesetzt. Dazu noch die Szene bei "Signs" wo Mel Gibson den Dachboden zunagelt und dabei den Kindern erzählt wie sie geboren wurden. Da hat er unglaublich fiel Gespür für Dramatik und Gefühl durch Dialoge bewiesen. Bei OLD hat das maximal zum Schluss beim Bau der Sandburgen geklappt. Die mussten aber gebaut werden, weil die Graphic Novel ja "Sandcastles" heisst. :D

12.08.2021 12:28 Uhr - VelvetK
2x
User-Level von VelvetK 7
Erfahrungspunkte von VelvetK 701
@Stoi

Gut so. Das machst du vollkommen richtig.

@Schwachkopf79

Ich freue mich, dass du mit meiner Einschätzung gut leben kannst.

Aber dem Regisseur kein gutes Händchen für Dialogdramatik zu unterstellen, will ich hier klar entgegentreten.


Den eigenen Text nochmal nachgelesen, diese Zeile von mir gefunden, vor wenigen Stunden verfasst.

Shyamalan ist hier also weder ein fantastischer Konfliktdramatiker, noch einer, der starke Dialogqualitäten ausspielt.


Ähm, ja. Natürlich habe ich > hier < weitgehend Old besprochen, meinen Text rund um diese absolut eindeutige Zeile aber noch ein wenig erweitert. Ich denke sogar, The Sixth Sense und Unbreakable sind herausragende Musterbeispiele dafür, wie man Figuren, Dialoge und auch Schweigen mitreißend und mitfühlend inszeniert, das steht für mich ganz außer Frage. Dazu später vielleicht einmal mehr. Auch Split, The Visit und vor allem der grandiose Glass (mit seinem überragenden Jahrundertscore) haben ein Gespür für die Empathie der Figuren, die mir immer wieder Freude macht. Tja, das fehlt halt leider in Old, dafür gibt's andre Vorzüge.

12.08.2021 23:00 Uhr - Schwachkopf79
Dann sind wir uns ja einig :)

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