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Philosophy of a Knife

Herstellungsland:Russland (2008)
Genre:Dokumentation, Drama, Krieg
Alternativtitel:Naifu no tetsugaku
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,27 (15 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

"Philosophy of a Knife" erzählt die wahre Geschichte welche sich hinter der Unit 731 verbirgt. Dabei beruft sich der Film auf zum Teils gestellten Szenen als auch Berichte von Zeitzeugen und lässt den Zuschauer somit genaue Einblicke auf die unmenschlichen Methoden werfen, welche damals unzählige Opfern forderte. ()

eine kritik von hudeley:

Philosophy Of A Knife

Als Reviewer extremer Filme über Philosophy Of A Knife zu schreiben ist naheliegend. Und doch schiebe ich es seit Ewigkeiten vor mir her. Denn der über einen Zeitraum von vier Jahren, vom russischen Regisseur Andrey Iskanov gedrehte Film, ist nicht umsonst einer der sperrigsten, unangenehmsten, grausamsten und anstrengendsten Filme, die es da draußen gibt. Man könnte es sich einfach machen und einfach schreiben, dass all jene, die ihre Schmerzgrenze in Bezug auf filmische Gewalt ausloten wollen und sich über 4 Stunden hinweg durch zelebrierten Sittenverfall abstumpfen lassen möchten, hier aufhören können zu lesen und sich direkt den Film zulegen sollen. Philosophy Of A Knife geht dermaßen an und über die Grenzen, verstört, demoralisiert und entsetzt, wie es nur ganz wenige Filme schaffen. Ob er dies verdient, aufrichtig oder mit Hintergedanken tut, ist dabei die wirkliche Herkulesaufgabe einer solchen Besprechung. Denn besonders die Einbettung in einen realen Kontext, ist das große Problem oder "Glück" dieses Streifens - es kommt nur auf die Betrachtung und die eigenen Moralvorstellungen an... 

Zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges eröffnete die Kwantung Armee, die Hauptarmee des japanischen Kaiserreiches, in der Mandschurei, einem Gebiet, welches heutzutage in den Regionen von China, Russland und der Mongolei liegt, mehrere militärische Forschungseinrichtungen. Die bekannteste davon ist die Einheit 731, geleitet von Generalleutnant Ishii Shiro, dessen nachträgliche Bezeichnung als "japanischer Dr. Mengele" nicht von ungefähr kommt. Die Einheit 731, die mehr als 3500 chinesischen wie koreanischen Zivilisten, sowie Kreigsgefangene der Sowjetunion das Leben kostete, war eine auf Menschenversuche ausgelegte Forschungseinheit. Unterkühlungs-, Radiations- und Druckkammerexperimente, Erschaffung bakteriell verseuchter Sprengsätze, Detonationsschadenstest am lebenden Subjekt, Implantationen von Granatsplittern, sowie Tests mit verschiedenen biologischen Kampfstoffen von Typhus bis zu Pestbakterien, waren alles Dinge, die die Einheit 731 an den von ihnen bezeichneten Marutas (japanisch für Holzklotz), den unfreiwilligen Probanten, ausprobiert haben. 

Die Verfilmung dieses geschichtsträchtigen und skandalösen Stoffes ist für den geneigten Real-Horrorfan im Grunde nichts Neues, da sich die vierteilige Reihe Men Behind The Sun genau damit schon Jahre zuvor beschäftigte: Den vierten Teil, The Nanking Massacre, der zwar ebenfalls japanische Kriegsgräuel schildert aber sich nicht um die beschriebene Einheit dreht, kann man daher inhaltlich außen vor lassen und Teil 3 aka A Narrow Escape, als Film über die Flucht der eingesetzten Soldaten nach der angeordneten Zerstörung des Experimentierungs-Lagers, nutzt die Thematik auch nur mehr am Rande. Men Behind The Sun und Men Behind The Sun 2 - The Laboratory Of The Devil (genau wie auch Teil 3 von Godfrey Ho inszeniert!) sind jedoch andere Kaliber. Könnte man Laboratory Of The Devil noch unterstellen, lediglich ein Remake des ersten Teils zu sein, geht besagter erste Teil in meinem Leben als einer der ganz wenigen Filme in die Geschichte ein, bei welchem mir ernsthaft ob der Gewalt schlecht wurde. Dies jedoch nur der Vollständigkeit halber, denn hier soll es nun endgültig um den 2008 veröffentlichten Philosophy Of A Knife gehen, auf den zum Zeitpunkt dessen Release wohl gar niemand vorbereitet gewesen sein dürfte:

Der in der Stadt Chabarowsk lebende, russische Regisseur Andrey Iskanov, 2003 erstmalig filmisch durch Nails, einem Amateursplatter angehauchten Arthouse Film mit gewollt forciertem Lynch-Einschlag, sowie thematischer Anspielung an Amanda Feilding und ihrer kontroversen, aufgrund Nachahmungsgefahr nur einmalig aufgeführten Dokumentation A Heartbeat In The Brain, in Erscheinung getreten, brachte er drei Jahre später Visions Of Suffering heraus. Ein unfassbar vertraktes, langatmiges und unverständliches Machwerk, dessen vor einigen Jahren neu erschienener Directors Cut sich zwar quasi als komplett neuer Film darstellt, aber bei mir einen ähnlich einschläfernden und verständnislosen Effekt erzielte. So gestaltet sich Philosophy Of A Knife grundlegend vergleichbar: in schwarz weiß gedreht, abgeschmeckt mit etwas Lynchoptik (vorzugsweise Eraserhead) und wenn man als Zuschauer nicht in der Stimmung ist, gesellt sich noch eine gute Schippe Selbstverliebtheit und Prätentiosität hinzu. Zumindest auf den ersten Blick.

Der Film war ein Herzensprojekt Iskanovs, nicht zuletzt deshalb, da in seiner Heimatstadt im Jahre 1949 die Kriegsverbrecherprozesse der 12 Angeklagten der Einheit 731 stattfanden und er nur wenige Kilometer entfernt des Lagers aufwuchs. Wie sehr Iskanov dem Ganzen gerecht werden wollte, merkt man nicht nur an der Laufzeit von über 4 Stunden, die ihn dazu veranlassten, den Film, vergleichbar mit Nyphomaniac, in zwei konsekutive Teile zu untergliedern, sondern auch an dem dokumentarischen Anspruch, den er wählte. Der komplette Film wird von (in Farbe gedrehten) Interviews eines russischen Zeitzeugen unterbrochen, deren Einbindung in den Film nicht nur brauchbare Informationen liefern, sondern auch eine notwendige Entspannung für den Zuschauer darstellen. Ob die Interviewsequenzen objektiv gesehen vielleicht nicht doch den Filmfluss stören, sie besser eingebunden hätten werden können oder ob es nicht ratsam gewesen wäre, einfach "nur" eine reine Dokumentation abzuliefern, mag diskutabel sein. 

Diskutabel deshalb, weil Andrey Iskanov alleine schon im filmischen Aufbau, der Laufzeit und auf Seiten der Cinematographie, sowie des Filmschnitts, oder der Soundkulisse dazu tendiert, alles hineinzupacken. Was hier stattfindet, ist eine komplette Überforderung des Zuschauer auf allen Fronten. Interviews, unfassbar lange, teils repetetive Aufnahmen von Gebäuden, Gesichtern, oder Archivaufnahmen (Letztere teils ausgeliehen aus anderen Ekelfilmen wie beispielsweise Engineering Red, sowie Ausschnitte aus Iskanovs eigener Shockumentary A Glimpse Into Hell, bestehend aus Aufnahmen einer Pathologie), sowie Anflüge von Musikvideo Schnittmassakern, gerade dann, wenn in Nahfaufnahmen medizinische Geräte gezeigt werden und Schnitt auf Schnitt auf Schnitt folgt. Die Voice-Over Stimme von Schauspielerin Manoush, dem Genrefan aus La Petite Mort, Seed 2, Necronos oder Marian Doras Cannibal geläufig, die die Gedanken einer Krankenschwester darstellt, trägt dem collageartigen Guerilla-Filmemachens von Iskanov genausoviel bei, wie eine plötzlich, zwischen all der ausufernden Gewalt eingestreute und aus dem Nichts kommende Liebesszene. So braucht man sich auch nicht groß wundern, wenn während der Zerteilung einer Leiche im Vordergrund eine Krankenschwester Maultrommel spielt. Und weil all dies vielleicht nicht ausreichend genug war, kommt obendrauf der Soundtrack von Alexander Shevchenko. Irgendwo zwischen klassisch angehaucht und in Ambient-Noise verfallend, hat dieser Komponist ein ernsthaftes Meisterwerk abgeliefert. Die in Italien erschienene LP (mit einem unglaublich hübschen Frontcover) hat er sich mit seiner musikalischen Darbietung redlich verdient.

Die Frage, wann zuviel einfach zuviel ist, wäre an der Stelle angebracht. Und auch ich hab mich dies des Öfteren in Bezug auf diesen Film gefragt und musste schlussendlich, nachdem ich nicht behaupten kann 2008 sonderlich gut auf Philosophy Of A Knife zu sprechen gewesen zu sein, eines zugeben: bei aller berechtigter Kritik, bei aller Anstrengung die man aufbringen muss, um auch nur eine Stunde dieses Filme zu überstehen, bei allem Ekel, allen moralischen Bedenken, ob solch wahre Ereignisse auf diese Art und Weise als Kunstfilm verpackt, in der Deutlichkeit dargestellt werden müssen und bei aller Verwirrtheit, die in einem Filmfluss begründet liegt, der sich so selbst in sich verliert und gar keinen Fokus finden mag, macht Philosophy Of A Knife die eine Sache richtig, die er richtig machen wollte: 

Er funktioniert. Nicht als Spielfilm, nicht als Dokumentation, aber als Acid-induzierter Fiebertraum. Die Kameraperspektiven, die Nahaufnahmen der Gesichter, der von behäbig bis völlig wirr agierende Schnitt mit all den oben erwähnten Elementen, allem voran der Geräuschkulisse, erzeugen eine unbeschreibliche Intensität. Der Film, durchzogen von deprimierender, russischer Schwermütigkeit, entsetzlicher Tristesse, wirkt wie ein regelrechtes Abbild der Hölle. Und all die Kanten, all die objektiven Fehler in der Inszenierung, die teilweise deutliche Beschränktheit der Mittel auf Seiten der Spezial Effekte, tragen genau dazu bei. Philosophy Of A Knife ist beengend, verstörend, mitreißend, aber keineswegs auf positive Art und Weise. Wer wie ich die Wirkung honoriert und zu schätzen weiß (von gefallen kann und darf hier aus vielerlei Gründen nicht die Rede sein), muss sich eine filmisch-masochistische Veranlagung attestieren lassen und dies nicht nur aufgrund der über jeden Sinn und Verstand hinausschießenden Brutalität, sondern auch aufgrund der völlig sperrigen Inszenierung, so weit ab jedweder Konvention. Der Film liefert und ist zelebrierte Folter - auch am Zuschauer.

Achja, Folter. Sehr gutes Stichwort. Als ob es nicht reichen würde, einer Frau einen Zahn zu ziehen, werden einfach alle gezogen. Sichtbar aus den Unterkieferknochen brechend, wird jeder einzelne davon stolz von der Linse festgehalten und die panisch schreiende Frau minutenlang traktiert. Kakerlaken fressen sich durch Genitalien in den Körper, es wird geköpft, in Halsarterien geschossen, Leute zerhackt, Schädel abgekocht. Es gibt Kälteexperimente, Amputationen, Füße die längs zwischen den Fußzehen in Richtung Ferse aufgesägt werden, durch Lötkolben und Starkstromstöße verbrannt Rücken, bei welchen die Wirbelsäule freigelegt wird, es werden Pulsadern über den kompletten Arm bis in die Beuge hinein geöffnet um das Spritzmuster des austretenden Blutes Messen zu können, mit Phosphorstücken werden Gesichter verbrannt, mit Stromstößen gefoltert, Fleischstücke aus einer Vagina geschnitten und herausgerissen, ganze Körper geöffnet um einen Fötus zu entnehmen und all dies, während die stets lebenden Opfer vor Schmerzen schreien und die Kamera alles, aber auch wirklich restlos alles mitfilmt. 

Man kann Iskanov definitiv vorwerfen, hier jede Moral über Bord geworfen zu haben. Man kann ihm vorwerfen die realen Geschehnisse zu Gunsten eines amateurhaft angehauchten Splatterfilms zu benutzen. Und man darf sich fragen, ob KZ-Folterfilme mit Josef Mengele, Sigmund Rascher oder Aribert Heim hierzulande ebenso ungeschoren davonkommen würden, wie Philosophy Of A Knife. Berechtigte Fragen, von denen hier hoffentlich niemand eine Antwort von mir verlangt. Wer Interesse an diesem monochromen Mammutwerk jenseits aller Schmerztoleranz hat, darf entweder der vergriffenen DVD von Unearthed Films aus den Staaten hinterherjagen oder dank der Labels Last Exit Entertainment beziehungsweise Spasmo Video fündig werden. Oder man wartet noch ein paar Monate, bis die deutsche Veröffentlichung kommt, deren Rechte bei - kein Witz - Oliver Krekel liegen. Das Mediabook mit den Covern A-K kann man sich dann schön zwischen Robin Hood 3D und Moontrap ins Regal stellen, vielleicht gibts zur HD Hochrechnung des DV-Materials sogar noch eine handbemalte Vagina Büste mit heraushängendem Fötus dazu. 

Philosophy Of A Knife ist nicht zu Unrecht einer der härtesten Filme da draußen. Die Warnung ist ernst: Wer gedanklich Zugang zu diesem Film findet, obgleich die Zielgruppe eine äußerst kleine sein dürfte, erlebt sein blaues Wunder. Ich nehme es der BPJM wenig übel, dem Film strafrechtliche Relevanz zugeschrieben zu haben. Denn ja, Philosophy Of A Knife hat soviel mit Unterhaltung zu tun, wie eine vollgeschissene Unterhose mit einem schönen Abend. Und doch mag zwischen all der unverfrorenen Inszenierung des Regisseurs, zwischen all dem Überforderungs-Bombast, der überzogenen Einbettung in einen künstlerischen Kontext sich zwischenzeitlich eine eigensinnige Stimmung hindurchfressen. Eine Stimmung, wie sie filmisch gesehen einzigartig ist. Ob dies lediglich ein Glückstreffer Iskanovs war und es hierbei auf den Zuschauer ankommt, ist dabei die große Frage. Der Film wurde in der Vergangenheit zu Recht kontrovers diskutiert und ich werde gegen Niemanden argumentieren, der darin einfach nur pseudo intellektuellen Scheiß sieht. Für mich steht jedoch eines fest:

Nach über 4 Stunden Philosophy Of A Knife in einer einzigen Sitzung ist der Tag komplett gelaufen. Man möchte sich unter Leute begeben, man möchte sich mit seiner Partnerin auf die Couch legen, um sich krampfhaft in Erinnerung zu rufen, dass das Leben so nicht ist. Doch schnell drängt sich der Gedanke auf, dass dies hier auf realen Ereignissen basiert und man verfängt sich einer merkwürdigen Stimmungslage. Wer damit klar kommt, gelegentlich seine Gedanken um den Abgrund tanzen zu lassen, wer Erkenntnisse daraus ziehen kann und sich in depressiv angehauchter Melancholie verfangen kann ohne abzurutschen, hat hier einen Endgegner gefunden. Jeder andere, den an der Stelle auch nur die geringsten Zweifel aufsuchen, sollte wirklich die Finger davon lassen. Hört euch stattdessen durch die Filmmusik von Alexander Shevchenko, allem voran dem Song Sorrow. Das stimmt zumindest ein.

9/10

9/10
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Kommentare

18.08.2021 02:50 Uhr - cecil b
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Eine beeindruckende Review, Hudeley. :)

Seeeeehr informativ und interessant, formidabel und mit Herzblut geschrieben.

Ich erinnere mich noch gut an deine Anfänge hier, und wie wir uns öffentlich über die Besprechung von Filmen ausgetauscht haben. Die Entwicklung von Reviewern über Jahre zu erleben, es ist meistens sehr erfreulich. In deinem Fall steht das schon lange außer Frage. :)

Manoush: Du ahnst, vom wem ich diesen Namen kenne? Goersch.

"Archivaufnahmen (Letztere teils ausgeliehen aus anderen Ekelfilmen wie beispielsweise Engineering Red, sowie Ausschnitte aus Iskanovs eigener Shockumentary A Glimpse Into Hell, bestehend aus Aufnahmen einer Pathologie), sowie..."

Für mich ein echtes Manko, muss ich sagen.

Wenn ich mal wieder einen Filme gucken möchte, um mich mit Gleichgesinnten verstört darüber zu unterhalten, habe ich jetzt einen guten Tipp. Danke dafür! :)

Aber bitte keine anderen Seiten in Reviews angeben. Kommentatoren werden danach fragen, wo sie so einen Film herbekommen, sie können selber suchen, und was ihr per PM macht, das weiß ich nicht. ;)


18.08.2021 04:32 Uhr - hudeley
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@cecil b
Hui, da haben wir also noch so jemanden, der sich zu unchristlichen Uhrzeiten durch Foren treibt ;)

Na herzlichen Dank Dir für die lobenden Worte! Liest man immer wieder gerne! Und ja, wir haben schon einiges über die Jahre hier oder auf sonstigem Wege ausgetauscht, da gebe ich Dir völlig recht. Und stets hat es Laune bereitet :)
Die Entwicklung einiger hier ist echt interessant und lobenswert. Bin zwar inzwischen nicht mehr der fleißigste Leser von Reviews, aber schaue doch gerne das ein oder andere Mal rein und freue mich über die Bandbreite der vorgestellten Filme - wenn schon ich mich nicht wirklich aus meiner Nische hinausbewege.
Und klar entwickelt man sich hier zum Positiven, man hat ja auch ein geduldiges Lesepublikum vor sich und bekommt auch Rückmeldungen. So muss das!

Ja, die Shockumentary Aufnahmen... verstehe jeden, der sich mit so etwas nicht auseinandersetzen möchte. Sind im Falle von Philosophy aber wirklich nur Einblendungen im Sekunden Bereich, die, wenn man die Vorlagen nicht kennt, noch nicht einmal als echt auffallen würden. Aber ich schreibe solche Dinge auch stets mit Absicht in meine Reviews; als Warnung für all jene, die solche Dinge weder absichtlich noch versehentlich anschauen können/ wollen.

Den Absatz mit den VÖs habe ich ein wenig entschärft. Das waren nur die Label Namen und keine Verkaufsauflistungen, daher habe ichs zur Sicherheit deutlich gemacht.

18.08.2021 08:37 Uhr - dicker Hund
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Die "Men Behind the Sun"-Filme werde ich mittelfristig auch noch besprechen. Den hier vorgestellten Russen kenne ich nur aus Besprechungen. Ich glaube aber nicht, dass das dauerhaft so bleiben wird. "Schuld" daran ist nicht zuletzt diese epische Kritik.

18.08.2021 09:08 Uhr - Jichi
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Was ein tolles Review, ich unterschreibe Alles was du sagst, nur, dass ich wahrscheinlich sogar 10 Punkte geben würde. So dumm das in diesem Zusammenhang klingt, aber ich würde "Philosophy of a Knife" als einen meiner Lieblingsfilme bezeichnen.
Ich halte solche Filme für extrem (hehe) wichtig, da sie an die Verbrechen der Japaner im Zweiten Weltkrieg erinnern, welche stark in Vergessenheit geraten sind. Niemand kennt mehr die Einheit 731 und ihre Geschichte, und ich finde das fatal.
Der Krieg war unglaublich brutal und menschenverachtend, der Film muss es auch sein, denn sonst wäre es sogar eine Verharmlosung von Kriegsverbrechen. "Philosophy of a Knife" schafft das perfekt, gleitet durch den Dokumentationsstil aber nie in den Voyeurismus ab.

Für mich ein Meisterwerk.

Ich werde ganz sicher auch noch etwas zu diesem Film schreiben, du hast die Latte jetzt ja ganz schön hoch gelegt :)

PS: "Men behind the Sun" war auch bei mir einer der wenigen Filme, wo mir danach ernsthaft schlecht war.

18.08.2021 11:41 Uhr - McGuinness
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DB-Co-Admin
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Herausragende Review, welche ich für mich persönlich allerdings als eindeutige Warnung auffassen werde... Das ist nun wirklich nichts für mich, schon gar nicht über einen solch langen Zeitraum von geschlagenen 4 Stunden !

18.08.2021 14:24 Uhr - Cinema(rkus)
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hudeley, lass`mich bitte untreu werden.
Irgendwann schrieb ich auf dieser (Review-)Seite, ich werde nichts mehr kommentieren, Du bsit DIE AUSNAHME.

Mann, welcher Text ? Wahnsinn, was Dir aus den Fingern fließt.
Kann ein Film pervers genug sein ? Ich sage nein, weil der MENSCH schon davor das Gezeigte, irgendwann und irgendwo, praktizierte. Ja, hudeley, so einfach ist das. Egal. welche perversen Szenen in Filmen dargestellt werden, das menschliche- und vor allem REALE !!!! - Hirn war bereits schneller in der Umsetzung.

Ich kann es nicht oft genug tippen. Die von Dir vorgestellten Filme, gepaart mit Deinen lyrischen Fähigkeiten, sind der Hammer. Wie ein Kerl , solche Texte herbeizaubern kann, wird mir immer ein Geheimnis bleiben. Alle Hochachtung vor Dir.

Auch ein hier vertretener "Jichi" füllt diese Ecke so dermaßen supergut aus, dass ich eigentlich Euch BEIDEN - hudely, Du gestattest ? - Applaus spenden möchte, weil ihr 2wei Typen seid, die zwar andere Filme als ich bevorzugen, aber trotzdem mitten in der KINOLEIDENSCHAFT verankert seid. Weiter so, mich freut es.

hudeley (auch "Jichi") bringt weiterhin unbequeme Filme in mein Wohnzimmer, vor allem bitte dann, wenn die Vorstellung soooo exquisit formuliert ist.
Was die Japaner im 2. Weltkrieg leisteten, ist wahrlich ein negatives Paradestück der Grausamkeiten, die ein Mensch zu verüben vermag. Umso wichtiger Filme, die DIESES zeigen. Plakativ ? Nein, ich sage NEIN , WEIL ES WAR DAMALS EBEN SO und ist auch heute noch so (siehe aktuell Afghanistan) , es bildet die REALE PERVERSITÄT des menschlichen Geistes ab.
Nochmals: KEIN FILM KANN PERVERSER SEIN, als die REALITÄT. Ob ich das als Konsument sehen muss, o.K., das steht auf einem anderem Blatt. Ich persönlich ziehe diesbezüglich meine Grenzen, Hochachtung trotzdem vor Filmfans, die sich die Bandbreite des Film-Universums einverleiben.

Ehrlich ?
Ich mag Euch (Hudely & Jichi) , weil ihr anders seid; und das ist gut so.

Nochmals auf Dich, hudeley, bezogen:
Eine meisterhafte Review (die so in jeder profesionellen Zeitschrift stehen könnte) und ein Statement, was ein starkes Licht auf Liebhaber der "besonderen" Filmkunst wirft....
Gruß
C.M.

18.08.2021 14:24 Uhr - sonyericssohn
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Moderator
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Sprachlich wie gewohnt ganz weit vorne ! Aber das hier ist mir dann doch zu viel an Film. Ich mags zwar auch gern mal heftiger, aber in so nem Fall steig ich aus 😉

18.08.2021 14:38 Uhr - SierreHenry82
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@hudeley

Vielen Dank für diese und eigentlich alle deiner Reviews.

Ich lese Sie und auch deine sonstigen "Sachen" sehr gern, da wir auch (zumindestens zum Teil) den gleichen Filmgeschmack/Interessen haben und ich sie informativ , ausfürhlich und super verständlich beschrieben finde.


Ich sammel und schaue gelegentlich "Sickos" und andere Filme der härteren Gangart "gerne mal" (? darf man das überhaupt so sagen , gerne ist glaub ich eher das falsche Wort, weil Ich bei den meisten eher froh bin wenn Sie vorbei sind ;-D ) ,


Auch Andrey Iskanov ist mir nicht fremd. Ich habe Nails als DVD im Schuber von Shock Entertainment, Visions Of Suffering vom selben Label, wo ich auch Philosophy Of A Knife habe : Last Exit Entertainment, aus Schweden.


Ich werde sehen, dass Ich es mal über 1-2 Anläufe schaffe mich da "durchzuquälen".
Ich fand Men Behind The Sun 1 damals schon recht derb. Es ist alleerdings auch schon n paar Jahre her als ich MbTS im Player hatte.

Freue mihcüber weiteren Schriftwechsel mit dir.

Peace
MfG
Henry

18.08.2021 17:19 Uhr - DriesVanHegen
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Die Scheibe von Last Exit Entertainment habe ich schon längere Zeit im Regal stehen, aber ich habe gefühlt eine noch längere Zeit gebraucht, den Film dann auch anzusehen.
Da ich von Iskanovs NAILS mehr als enttäuscht war (war einer meiner ersten Underground-Filme), hat mich also nicht nur die Laufzeit von POAK abgeschreckt. Ich habe die Sichtung dann auch tatsächlich auf zwei Tage ausgedehnt, pro Abend einen Teil.
Und das soll ich sagen: ich habe eben mehr Film erwartet, als es schlussendlich gibt. Kurzum: MBTS sagt mir thematisch und inszenatorisch mehr zu, auch wenn die auf diesem Gebiet schon ziemlich holprig sind.

Deshalb schließe ich mich deinem Fazit an, es handelt sich hier eher um einen Fiebertraum, denn Film im klassischen Sinne. Allerdings muss ich auch zugeben: bei deiner Aufzählung an Gräueltaten konnte ich gedanklich nur an das Zähne ziehen einen Haken setzen. Alles andere (und wie manches andere des Film auch noch) ist schlichtweg "Aus den Augen, aus dem Sinn". Zu repetitiv, zu ermüdend und noch dazu in den Effekten so offensichtlich beschränkt, dass mich die ganze Gewalt überraschend kalt gelassen hat. Das Zähne ziehen steht für mich ziemlich stellvertretend für schocken wollen, aber letztendlich langweilen.

Aber: dass Iskanov damit tatsächlich solch ein Herzensprojekt produziert hat und auch biografisch durchaus Bezüge aufzuweisen hat, wusste ich nicht und ist eine nette Randnotiz.

19.08.2021 00:52 Uhr - Punisher77
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DB-Helfer
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Erfahrungspunkte von Punisher77 3.789
Ich ziehe meinen Hut vor diesem grandiosen Review.
Von dem Film habe ich bereits gehört, doch erst Deine brillant verfasste, enorm vielseitige Kritik hat mir einen ersten Eindruck vom Film verschafft und ich schwanke zwischen "Bin interessiert" und "Nee, lieber nicht".
Trotzdem: ein ganz starkes Review!

20.08.2021 03:36 Uhr - hudeley
4x
User-Level von hudeley 8
Erfahrungspunkte von hudeley 986
Erstmal erneut ein herzliches Dankeschön an alle! Feedback jedweder Form ist immer gerne gesehen, so positives wie hier natürlich umso mehr ;)

@Jichi
Bin gespannt auf Deine Review zu diesem Filmchen hier! Wäre dann die dritte, äußerst positive Kritik zu Philosophy auf SB.com, was mich jedoch angesichts seines Inhalts und der Machart tatsächlich wundern würde. Aber wie gesagt: der Film ist absolute Geschmackssache.

@Cinema(rkus)
Na hey, grüß Dich! Ich weiß zwar nicht was Dich dazu bewogen hat, Dich von den Kommentaren fernzuhalten, aber unter meinen Reviews sind diese immer gerne gesehen!
Na klar gestatte ich, dass Jichi mit mir in einem Satz genannt wird :D Der (oder die?) Gute liefert mehr als lesenswerte Beiträge ab, die sich obendrauf noch mit meinem Filmgeschmack decken. Da ist ein Vergleich naheliegend. Und ich verspüre sicherlich keinen Konkurrenzdruck, wenn Leute sich auf einer Plattform über Filme austauschen, wieso denn auch ;)
Und es stimmt ebenfalls, dass Fiktion niemals so hässlich sein kann wie die Realität. Irgendwo müssen die ganzen (kranken) Ideen und Vorlagen für Filme ja herkommen, oder?

@SierreHenry82
Klar kann man Sickos "gerne" schauen ;) Ist ja nicht so, dass wir gezwungen werden. Ich denke, wichtig bleibt dabei nur, nie die Reflexion zu verlieren, besonders dann, wenn es wirklich abseitig wird.
Und trotzdem sind Sicko Filme meist nicht anders in ihren Absichten, als "reguläre" Filme. Ich bin seit Jahren in der Materie drin, habe in der Szene Freunde fürs Leben gefunden, treibe mich auf Börsen und Filmfestivals herum, stand an Filmsets entsprechend extremer Machwerke schon hinter wie auch vor der Kamera (mal angezogen, mal nicht, haha) und kenne viele Regie-Idole meinerseits persönlich. Mit dem "Underground" verbinde ich unfassbar schöne Momente, meist resultierend aus personellen Umgängen mit anderen, gemeinsamen Erlebnissen etc. und blicke mit einem weinenden Auge auf die aktuellen Entwicklungen der "neuen" Generation. Ich bin nun wirklich nicht sonderlich alt und qualifiziere mich daher nicht für Aussagen wie "die guten, alten Zeiten", aber doch war ich froh, noch zur richtigen Zeit (vor mehr als zehn Jahren) dort meinen Anschluss gefunden zu haben. Daher kann ich mit Sicherheit eines sagen: die Macher und die Beteiligten solcher Filme sind harmlos. Leute, die mit beiden Füßen im Leben stehen und harte Filme schlicht und ergreifend verkraften können. Da gibt es für mich keinen Anlass, sich für den persönlichen Genuss solcher Filme rechtfertigen zu müssen.
Wichtig ist wie gesagt nur, das Gesehene für sich gedanklich einzuordnen, etwas davon mitzunehmen und Leuten aus dem privaten Umfeld, die davon nichts wissen möchten, nicht damit auf den Nerv zu gehen oder sie damit zu belasten.

@DriesVanHegen
... da spricht Du tatsächlich einen sehr guten Punkt an. Ging mir ähnlich, dass ich viele Szenen so nicht mehr im Kopf hatte oder mich nicht mehr an sie erinnern konnte. Gut möglich, dass das gegen den Film spricht. Ich möchte aber auch nicht ausschließen, dass 4 Stunden nicht doch einfach nur "zu lange" sein können, als dass aufgrund der Quantität großartig etwas hängen bleibt. Keine Ahnung.
Nails ging zumindest für mich klar, was aber an den geringen Laufzeit gelegen haben könnte. Hab den damals zeitlich sogar erst nach Philosophy gesehen und war erstaunt, dass er von der Gewalt gar nicht so ausufernd war. Interessant fand ich die Einbindung des Themas der Trepanation... ganz kuriose "medizinische" Praktik, mit der ich mich (unabhängig von Nails) schon vorher etwas beschäftigt habe. Aus rein morbider Neugier versteht sich ;)

Aber ja, Men Behind The Sun ist sicherlich der besser inszenierte Film, obgleich für sich genommen auch nicht gerade "rund" im Filmfluss. Ist aber einer der Streifen, bei dem ich genau weiß, nichts groß dazu schreiben zu können, obgleich eine Besprechung sicher sinnvoll wäre. Daher setze ich auf @dicker Hund! Bin gespannt Deine Abhandlungen über die Reihe zu lesen, mein Lieber! :)

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