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Sado - Stoß das Tor zur Hölle auf

Originaltitel: Buio Omega

Herstellungsland:Italien (1979)
Standard-Freigabe:SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Genre:Horror, Splatter
Alternativtitel:Beyond the Darkness
Blue Holocaust
Buried Alive
In quella casa... buio omega
Final Darkness, The
Blutiger Wahnsinn
Sado - Stoss das Tor zur Hölle auf
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,84 (72 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Frank ist ein junger, glücklicher Mann, er arbeitet als Tierpräparator und lebt zusammen mit seiner Freundin, die er über alles liebt. Doch als seine Verlobte eines Tages plötzlich verstirbt, bricht für ihn eine Welt zusammen. Der schmerzhafte Verlust führt bei Frank zu krankhaften Verhaltensstörungen und Wahnvorstellungen. Er beschließt, die Liebe seines Lebens aus dem Grab zu holen und für die Ewigkeit zu konservieren. Doch er muss schon bald feststellen, dass dies nur ein mangelhafter Ersatz für seine Gefühle und Triebe ist. So beginnt er, fremde Frauen zu verführen und sie mit brutalen Methoden zu ermorden, in der Hoffnung, seinen Schmerz damit ertränken zu können. So beginnt ein endloser Albtraum, ein Blutbad eines unaufhaltsamen Psychopathen. (XT Video DVD-Cover)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                                      SADO - STOß DAS TOR ZUR HÖLLE AUF

Aristide Massaccesi (1936-1999), besser bekannt als Joe D´ Amato, war einer der vielen italienischen Genrefilmregisseure, die gerade das drehten, was den größten Profit versprach. In seiner filmischen Vita finden sich Italowestern (Kopfgeld Für Einen Killer, 1972), Fantasystreifen (Ator – Herr Des Feuers, 1982) und vor allem Erotikfilme wie seine Black Emanuelle-Filme. Als Umberto Lenzi 1972 mit Mondo Cannibale äußerst erfolgreich das Zeitalter des Kannibalenfilms einläutete, folgte Joe D´ Amato dem Trend einige Zeit später mit Nackt Unter Kannibalen (1977)...aus rein kommerziellem Interesse, wie er freimütig erklärte. Damit fand sich der (S)Exploitation-Regisseur im Horrorfilm wieder, in dem es ihm gelang, mit Filmen wie dem berühmt-berüchtigten Man Eater – Der Menschenfresser (1980) Kritiker und Jugendschützer auf die Barrikaden zu treiben. Doch während es vor allem dieser (vermeintliche) Skandalfilm ist, mit dem man D´ Amato auch heute noch immer wieder in Verbindung bringt, wird dabei gern übersehen, dass dieser Schmutzfink des italienischen Genrekinos noch einen weitaus provokanteren, auch heute noch bundesweit beschlagnahmten Film auf die Menschheit losließ: Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle Auf.

Hinter diesem genial-bescheuerten Filmtitel, der natürlich nichts mit dem Originaltitel Buio Omega zu tun hat, verbirgt sich ein in zwei Wochen gedrehter Horrorstreifen, bei dem D´ Amato – wie so oft – auch die Kameraführung übernahm, was er hier unter seinem bürgerlichen Namen tat. Zur Besetzung des Streifens gehören Kiran Canter (Liebes Lager, 1976), Cinzia Monreale (Über Dem Jendseits, 1981) und Franca Stoppi (1946 – 2011 / Das Süße Leben Der Nonne Von Monza (1980). Für die Musik war die Band Goblin zuständig, die für ihre Zusammenarbeit mit Dario Argento (Profondo Rosso, 1975) berühmt war.

Frank (Kiran Canter) lebt auf dem Landsitz seiner verstorbenen Eltern, die ihm ein kleines Vermögen hinterlassen haben, und arbeitet als Präparator. Als seine Freundin Anna (Cinzia Monreale) verstirbt, kann Frank ihren Tod nicht überwinden. Er stiehlt Annas Leiche, präpariert sie und legt sie in sein Bett. Bevor Annas Leichnam jedoch in Franks Bett landet, muss er eine Anhalterin ermorden, die er mitgenommen hat und Zeuge von Annas Präparation wird.

Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle Auf (Auch bekannt als Blutiger Wahnsinn...) wurde nicht nur in Deutschland beschlagnahmt, sondern kam selbst im liberalen Italien nicht ungekürzt in die Kinos, was man auch erst mal schaffen musste. Und in der Tat bietet D´ Amatos 1979er Horrorstreifen durchaus starken Tobak. Die Thematik des Films – das Aufbewahren der Leiche der Freundin sowie das ungesunde Verhältnis zwischen Frank und seiner Haushälterin Iris (Franca Stoppi) – ist auch ohne Gewaltszenen ziemlich morbide und verleiht dem Streifen eine dementsprechende Atmosphäre. Aber da Joe D´ Amato (laut eigener Aussage) kein Experte darin war, Suspense zu erzeugen, setzte er stattdessen lieber auf unverblümte Gewalt, was in Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle auf auch deutlich wird. Das Herausrupfen der Fingernägel eines weiblichen Opfers mit einer Zange und die Zerstückelung einer Leiche, die seinerzeit in Italien gekürzt wurde, sind zwei Szenen, die auch heute noch für ein flaues Gefühl in der Magengegend sorgen können, zumal D´ Amato hier keinen überzogenen Hyper-Splatter präsentiert, sondern das Ganze eher realistisch zeigt. Gleiches gilt, und auch hier wurde in Bella Italia zur Schere gegriffen, für Annas Einbalsamierung, bei der u.a. Tierinnereien und das Herz eines Schafs zum Einsatz kamen. Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle Auf bietet jedenfalls eine unangenehmere Atmosphäre als der oft genannte Man Eater – Der Menschenfresser und in puncto Gewalt ist der Sado-Streifen dem Menschenfresser auch um eine Nasenlänge voraus, zumal einige der Effekte wirklich derbe sind … angeblich soll man D´ Amato vorgeworfen haben, für die Einbalsamierung eine echte Leiche verwendet zu haben, was man indirekt als „Kompliment“ für die Special Effects-Abteilung sehen kann. Ob Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle Auf wohl jemals mit einem „Keine Jugendfreigabe“-Siegel das Licht des freien Verkaufs erblicken wird? Wohl kaum … allerdings hat man das auch über so „böse“ Filme wie Last House On The Left (1972), Blutgericht In Texas (1974) und Maniac (1980) gesagt. Wir werden sehen …

Abgesehen von seinen Tabus, seinen Splattereffekten und einer Szene, in der es D´ Amato tatsächlich gelungen ist, etwas Suspense aufzubauen (Die Szene, in der Frank die Anhalterin und seine morbide Fracht kutschiert…), hat Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle Zu Bieten allerdings kaum etwas zu bieten, so dass der Streifen letztendlich im Mittelmaß versackt.

So gelingt es Joe D´ Amato, trotz der (im positiven Sinn) unangenehmen Atmosphäre des Streifens und einiger krasser Gewaltszenen nicht, seinen Geschmackstorpedo durchgehend spannend zu gestalten. Der anderthalbstündige Streifen weist deutliche Längen auf, da D´ Amatos eher lahme Inszenierung nicht gerade dazu prädestiniert ist, den Zuschauer vor lauter Spannung in den heimischen Fernsehsessel zu drücken. Auch in puncto Kameraführung hat der früh verstorbene Genreregisseur, der auf diesem Sektor durchaus bewandert war, eher solide als überragende Arbeit abgeliefert.

Aber nicht nur in puncto Inszenierung und Kameraführung bleibt D´ Amatos Nekrophilie-Streifen eher hinter den Erwartungen zurück, die man an einen deftigen, unterhaltsamen Exploitation-Kracher italienischer (B-Movie-)Machart knüpft. So wirkt D´ Amatos 1979er Streifen – auch aufgrund seiner wenig beeindruckenden Schauplätze und Kulissen – wie die in kürzester Zeit heruntergekurbelte Low Budget-Produktion, die sie auch ist. Und auch unter den Darstellern befindet sich – abgesehen von Franca Stoppi, die als Haushälterin durch eine eiskalte „Böse Stiefmutter“-Ausstrahlung besticht und ihr Scherflein zur kranken Atmosphäre des Films beiträgt – niemand, der durch seine darstellerische Leistung punkten kann, im Gegenteil. Die meisten Mitglieder der Besetzung wirken hölzern und manchmal geradezu laienhaft.

Besser schneidet dagegen der Soundtrack der Band Goblin ab, die auch schon mal bessere Arbeit abgeliefert hat und deren Beitrag zum Film auch nicht unumstritten ist, aber dennoch sorgen Goblin für eine weitgehend ordentliche musikalische Untermalung, die Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle Auf ebenfalls vor dem Totalabsturz bewahrt.

Sado – Stoß Das Tor Zur Hölle Auf hat abgesehen von den kontroversen Komponenten, die für seine Beschlagnahmung sorgten, wenig zu bieten. Sicher, das Thema des Streifens, die unangenehme Atmosphäre des Streifens und ein paar Splatterszenen, die es durchaus in sich haben, sollten für Freunde des „abseitigen“ Films Grund genug sein, hier ein Auge zu riskieren, falls es ihnen möglich ist. Auch das musikalische Rahmenprogramm ist nicht von schlechten Eltern. Allerdings versagt D´ Amatos Sado-Streifen in ebenfalls essenziellen Disziplinen wie Spannung, darstellerische Leistungen und erinnerungswürdige Schauplätze. Somit bleibt ein mittelmäßiger Horrorstreifen, der es mit keinem der jüngst in Freiheit entlassenen §131-Streifen aufnehmen kann.

4-5/10

5/10
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Kommentare

26.08.2021 02:18 Uhr - Nick Toxic
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Die Mucke ist erschreckenderweise von Goblin muss man wohl eher sagen und die hatten wohl auch keine Lust.
Deine Rezension deckt sich aber auch mit meinem Eindruck, allerdings bekäme diese langweilige D'Amato Käseplatte ne Drei bis Vier von mir.
Joe D'Amato war in meinen Augen auch echt talentfrei und hat irgendwie keinen wirklich guten Film zustande bekommen.

26.08.2021 06:49 Uhr - dicker Hund
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Vielleicht D'Amatos bester Film. Dennoch hat er auch bei mir nicht sehr viel besser abgeschnitten. Zielführende Kritik mit angemessener Differenzierung.

26.08.2021 07:01 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure Kommentare.
Schließe mich Nick an ...ein wirklich überzeugender D´ Amato-Film fällt mir tatsächlich auch nicht ein.

26.08.2021 14:40 Uhr - TheRealAsh
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Ich mag den total gerne, aber von der Wertung bin ich gleichauf, differenziert vorgestellt :-)

26.08.2021 20:34 Uhr - CHOLLO
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Im Vergleich zu D'Amatos Schlaftablette "Absurd" halte ich diesen für eine Offenbarung. Talent dürfte dein Schmutzfink wahrlich nicht zu viel besessen haben, aber sympathisch soll er ja wie die Sau gewesen sein. Schöne Besprechung im übrigen:)

26.08.2021 21:27 Uhr - cecil b
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Joe D´ Amato bleibt für mich auch weiterhin ein Geheimnis. ;) Porno Holocaust hat mich gesättigt. ;)

Punisher77: Du hast nicht nachgelassen. :)

27.08.2021 12:48 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure netten Worte.

"Absurd" ist neben "Man-Eater", "In Der Gewalt Der Zombies" und "Sado" der einzige D´ Amato-Film, den ich kenne. DEn fand ich damals noch recht solide, aber keinesdalls überragend.

Dass D´ Amato ein witziger, beliebter Typ gewesen sein soll, hab ich auch schon öfter gehört, bzw. gelesen.

27.08.2021 20:09 Uhr - Intofilms
1x
26.08.2021 06:49 Uhr schrieb dicker Hund
Vielleicht D'Amatos bester Film.

Das vermute ich auch. Allerdings muss ich einräumen, dass meine letzte Sichtung schon ziemlich weit zurückliegt. Größter Pluspunkt für mich war immer die von dir mehrfach angesprochene schauerlich-morbide Grundstimmung/Atmosphäre. Deine Kritikpunkte kann ich aber sehr gut nachvollziehen. Eine Neusichtung meinerseits wird es wohl so schnell nicht geben. Lieber klammere ich mich an die angenehmen Erinnerungen. Äußerst lesenswerte Kritik! ;)

27.08.2021 22:04 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank!
Ich glaube, es ist in diesem Fall tatsächlich besser, sich an die angenehme Erinnerung zu halten.

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