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Free Guy

Herstellungsland:USA, Kanada (2021)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Fantasy, Komödie,
Science-Fiction
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,15 (13 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Nach etlichen Jahren der Routine und der Einöde aber auch Sicherheit stellt ein Bankkassierer fest, dass er in Wirklichkeit nur eine unbedeutende Figur in einem Videospiel ist. Doch damit möchte er sich nicht abfinden und möchte seine Geschichte neu schreiben - mit ihm als Helden, der seine Welt rettet. Mithilfe eines Avatars versucht er, den Spieleentwickler von der spektakulären Änderung im Drehbuch zu überzeugen. (20th Century Studios)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von velvetk:

Free Guy ist nicht nur schlecht im Lichte seiner paar prominenten Vorbilder, nein, der Film von Shawn Levy steht auch ganz für sich ziemlich anstrengend wie kitschig, oberflächlich und ohne tiefere Eingebung da. Von manch prominenten Gesichtern und dem dankbaren Publikum wird der Film ja durchaus gefeiert und für seine in der Popkultur kraulenden Reflexionen gelobt, die Wertungen allerorts fallen positiv aus und ab und an schichten sich Lob und Querverweise in nicht zu glaubende Höhen. Für den leidenschaftlichen Kinogänger dieser Tage, der lange genug hungern musste, ist Free Guy ein letztlich eher mäßiges Stück Fleisch geworden, bei dem lediglich die im rechten Lichte präsentierte Marinade ein bisschen Pomp verspricht. Doch so kann es gehen mit den äußeren Reizen, so kann es täuschen, knurrt der Ranzen in langer Dürre. Da ist einfach jeder Happen ein vermeintlicher Festschmaus. Nun, ich empfand den Film selbst mit einem zugedrückten Auge und vollem Magen eher zeitfüllend, denn erhellend. Levy und die Autoren Liebermann und Penn grasen zwar den Standard populärer Online-Spiele ausreichend ab und bedienen sich augenscheinlich geschickt bei Filmen wie Die Truman Show, Sie Leben! und Ralph reichts, doch so richtig zu zünden vermag der turbulent bunte Mix nicht wirklich, welcher obendrein noch bei Filmen vom Schlag von ...und täglich grüßt das Murmeltier abgreift. Dass Free Guy scheitert, liegt allerdings nicht an dem ziemlich fitten und buchstäblich stahlenden Ryan Reynolds, der halt seine Deadpool-Masche gestreichelt und grinsend, gerüscht und gekämmt um eine beliebige Note aus seinem Reportoire ohne Anstieg erweitert. Nein, Reynolds passt mit seiner eindimensionalen, perfekt gekünstelten Darbietung vom eigenen Reißbrett perfekt in die Rolle des NPC Guy. Er strahlt einen nutzlose Energie ins Leere, als wäre es ein Werbespot wegen gar nichts - das ist zuweilen fast gruselig und spiegelnd amüsant, Tiefgang ausgeschlossen. Free Guy scheitert schlicht daran, dass die Vorbilder allesamt besser und geschickter sind.

Hochfahren, Spiel starten und los geht's. Immer wieder von vorne.

Die Geschichte von Free Guy ist an sich gar nicht schlecht, packt ideologische Knackpunkte an, wirft ein paar ungefährliche Splitterscherben in Sicherheitsabstand auf den Boden und stellt dem Publikum und sich selbst ein paar Alibifragen. Die Antworten darauf taugen so viel wie die Fragen selbst, sind abgekupfert und der Zugewinn gegenüber Filmen wie Sie leben! und Die Truman Show, hält sich am Ende nicht arg nur in Grenzen, sondern versandet im vorhandenen Potential, zumal dem Prinzip der Wiederholung einem Rouge Like gleich keine gescheiten Facetten abgerungen werden. Die Zutaten sind gut, keine Frage, doch die Vermengung ist halt nur durchschnittlich gefällig. Geschmunzelt und auch mal gelacht habe ich, dessen schäme ich mich nicht, doch viele der lauten Gags und mageren Situationskalauer laufen eher den Bach hinunter, wirken nie aus einem Guss oder sicher. Schade, schade. Da stecken viele Möglichkeiten und dementsprechend Spaß drinne, doch wer ein gewisses Maß an ähnlichen Filmen und die genannten Referenzen kennt und mag, der nickt eben höchstens verlegen mit, als das da applaudiert wird – ohne das Lichtspielhaus rundum, wäre der Effekt wohl noch schwacher ausgefallen. Dabei sage ich mir jedes Mal, wenn ich den starken Sie Leben! sehe, wie gut dem Film eine zeitgemäße Neuauflage tun würde, welche noch mehr in Schatten und Untiefen gräbt. Chance total vertan.

Free Guy klaubt sich von den geistigen Verwandten nur flüchtig schimmernde Versatzstücke zusammen und die eh dünne meta-Botschaft verendet spätestens dann, wird wieder einmal komplett auf die Liebe gesetzt, hier auch noch gänzlich ohne Chemie zwischen den beiden endlich Vereinten. Das überragt sogar ein Ryan Reynolds mit seiner Darbietung, was nichts anderes, als ein dramaturgisches Armutszeugnis ist. Das ist schon ein Schluss- und Tiefpunkt, den man erstmal abdrehen muss. Die mir bisher unbekannten Nebendarsteller taugen on- wie offline, um das nicht total lächerlich aussehen zu lassen. Vor allem Jodie Comer, die mich irgendwie an Jessica Rothe erinnert, macht wirklich das Beste aus der nachlässigen Charakterzeichnung. Tja, und der Kredit, den Taika Waititi bisher bei mir hatte, schlägt hier das erste Mal unschön leck. Sein verquatschter Antagonist macht wenig her und die Rolle lebt nur durch sein verbissenes Auftreten. Manche Aktionen sind amüsant, zum Beispiel dann, wenn er mitten unter seinen Untergebenen im Schneidersitz auf den Boden sinkt und ohne Vorwarnung meditiert, um Stress zu verwandeln, doch ganzheitlich nervt Waititi ziemlich deftig und kaum ein Witz zündelt. Das gilt wie gesagt für den gesamten Film. Ein paar Mal hat das Kinopublikum richtig schön gefeiert, doch irgendwie musste ich stets nur verhalten mitschmunzeln, vor allem weil mir der Gedanke nicht aus dem Kopf ging, welch guten Film ich stattdessen hätte sehen können.

Zusätzlich trägt der PG-13-Effekt deutlich ab. Free Guy ist ein Film für die ganze Familie, auch wenn eine herrlich gebrochene Nase und ein formschönes Loch in einem Körper mehr Randale und Wahnsinn versprechen. Doch nach diesen beiden frühen Schauwerten, konzentriert sich Levys Film auf grellen und weich gerenderten Standardbums. Das unterhält begrenzt, doch Akzente zum Thema Gaming setzt der Film nicht. Auch der oft hervorgehobene Umgang mit künstlicher Intelligenz punktet nicht. Die KI ist ja einfach da und punkt. Ein Denkmal für Videospielfans, zu denen ich mich zählen möchte, ist Free Guy nicht geworden, nicht mal ein richtig guter Film. Weder Fisch noch Fleisch, ganz dem Erfolg an der Kasse verschrieben, gehen die zwei Stunden herum, ohne dass ich das noch einmal sehen wollte. Der Film pendelt zwischen drei und fünf Zählern herum und selbst die kurz zu sehende XB360-Hülle des Spiels Dark Souls erweicht mich leider nicht. Auf Saints Row hab ich aber wieder Bock. Immerhin.

4/10
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