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Die Nacht der lebenden Toten

Originaltitel: Night of the Living Dead

Herstellungsland:USA (1968)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,74 (113 Stimmen) Details
inhalt:
„Barbra - sie kommen und holen dich!“ - Dieser Satz, den Johnny seiner Schwester im Scherz auf dem Friedhof zuruft, soll schon Sekunden später grausame Wirklichkeit werden. Ein mysteriöser Fremder greift sie an und Barbra kann in letzter Sekunde fliehen. In der kleinen Stadt sind alle tot, überall liegen Leichen. Mit einigen weiteren Überlebenden verschanzt sie sich in einem Haus. Starre Totenhände kratzen an der Tür - die Leichen sind aus ihren Gräbern gekrochen und haben einen unbändigen Hunger auf Menschenfleisch. Für die kleine Schar Überlebender gibt es keine Hoffnung...
eine kritik von dissection78:
„Barbra - sie kommen und holen dich!“ - Dieser Satz, den Johnny seiner Schwester im Scherz auf dem Friedhof zuruft, soll schon Sekunden später grausame Wirklichkeit werden. Ein mysteriöser Fremder greift sie an und Barbra kann in letzter Sekunde fliehen. In der kleinen Stadt sind alle tot, überall liegen Leichen. Mit einigen weiteren Überlebenden verschanzt sie sich in einem Haus. Starre Totenhände kratzen an der Tür - die Leichen sind aus ihren Gräbern gekrochen und haben einen unbändigen Hunger auf Menschenfleisch. Für die kleine Schar Überlebender gibt es keine Hoffnung... (Quelle: KSM).

Zombiefilme gab es schon Jahrzehnte vor George A. Romeros ‘68er-Meisterwerk. 1932 kam der klassische Zombiestreifen „White Zombie“ („Im Bann des Weißen Zombies“) von Victor Halperin heraus. 1936 drehte Halperin „Revolt of the Zombies“. Danach erschienen „King of the Zombies“ (1941) von Henry Victor, der Klassiker „I Walked with a Zombie“ („Ich folgte einem Zombie“, 1943) von Jacques Tourneur sowie viele andere mehr oder weniger gute Werke mit Wiedergängern. Bis 1968 waren diese meist im Ursprung in den Mythen des karibischen Voodoo-Glaubens verankert und hatten nichts bzw. nicht viel mit den „Zombies“ der 70er und 80er-Jahre zu tun.

„Die Nacht der lebenden Toten“ hat wiederum nichts mit Voodoo am Hut. Seine Zombies dienen eher zur Darstellung moderner Ängste. Es wird nie hundertprozentig klar, warum die Leichen wiederkehren (auch wenn es innerhalb der Filmhandlung eine Andeutung hinsichtlich außerirdischer Strahlung gibt), aber wenn man die zahllosen Theorien, die er und seine Nachahmer sich für das Wüten der lebenden Toten zurechtgelegt haben, in Betracht zieht, sind es entweder Pflanzengifte oder radioaktive Verseuchung, vielleicht auch die geheimnisvollen Kräfte eines Meteoriten oder gar ein versehentlich offenstehendes Tor zur Hölle gewesen, was die Verstorbenen in ihrer ewigen Ruhe gestört hat.

Romero selbst nahm sich besonders zwei Werke der 60er zu Vorbild für seinen wegweisenden Kultklassiker: „Tanz der toten Seelen“ (1962, „Carnival of Souls“) von Herk Harvey und „Nächte des Grauens“ (1966, „The Plague of the Zombies“) von John Gilling.
„Die Nacht der lebenden Toten“ markierte außerdem den kommerziellen Durchbruch der Splatterfilme als radikales Subgenre im Horrorfilm. Splatterfilme gab es damals schon seit einigen Jahren (wie beispielweise die Werke von Herschell Gordon Lewis, die allerdings fast aussließlich im Underground beheimatet sind), doch erst mit Romeros späterem Kultfilm finden die Billigproduktionen ein breiteres Publikum. Nach diesem Erfolg kommt es zu einer anhaltenden Massenherstellung mit vielen Subgenres von unterschiedlicher Brutalität. Gemäßigter finden Stilmittel des Splatterfilms bald Eingang in das konventionelle Kino.

Der folgende Text enthält SPOILER!

„They’re coming to get you, Barbara!“ war Teil einer Dialogsequenz, die Horrorfilmgeschichte schrieb. Ein unschuldiges Mädchen schlachtet ihre eigenen Eltern ab, deren vorbildliche Mittelstandsehe sich als Psychodrama entpuppt. Ein sympathisches Teenager-Liebespaar, bereit eine Generation neuer amerikanischer Helden zu zeugen, wird in einem explodierenden Lastwagen gebraten und von den lebenden Toten aus der Nachbarschaft verspeist. Und der einzige Überlebende dieses Massakers, ein Afroamerikaner, wird von einem Haufen wildgewordener Rednecks erschossen.
Auf dem Höhepunkt des Vietnam-Dramas im Jahre 1968, kam „Die Nacht der lebenden Toten“ (O-Titel: „Night of the Living Dead“) in die Kinos. Das fantastische Märchen, in kontrastreichem schwarzweiß gedreht, berichtet von dem Tag, an dem die Hölle auf die Erde kommt, und war eine echte Büchse der Pandora filmischer Pioniertaten. Ein Team von zehn Leuten, die sich „Image Ten“ nannte, pulverisierte in neunzig Minuten den amerikanischen Traum so nachhaltig, dass sie sich im Nachhinein ängstlich dahinter versteckten, ihre Absicht sei ja nur gewesen, einen unterhaltsamen Streifen zu produzieren, der ihnen Geld einbrachte. Eingespielt hat der Film bis heute weltweit über 50 Millionen US-Dollar, eine ganze Menge für ein Zelluloidwerk, das nach Angaben der Macher 114.000 Dollar gekostet hat. Einnahmen, von denen wie so oft die einzelnen Mitglieder von „Image Ten“ den geringsten Teil gesehen haben.
Die Idee zu dem Werk, das das traditionelle Horrorkino aus den Angeln hob und heute zu den absoluten Klassikern des modernen Horrorfilms zählt, entstand beim Essen. Nach dreimonatiger Vorbereitungszeit war es schließlich soweit, dass in 30 Tagen harter Arbeit mit minimalen Budget und lokalem Sponsoring (einer der Geldgeber war z.B. Besitzer einer Kette von Fleischermärkten und versorgte das Team mit Innereien von Lämmern, die für ihren Filmeinsatz eigenhändig gesäubert werden mussten) der Film inszeniert werden konnte. Durch die geringen finanziellen Mittel, die es nicht erlaubten aufwendige Spezialeffekte zu kreieren, war man gezwungen einen Film zu schaffen, der hart an der Realität existierte. Andererseits musste der Stoff aber auch wieder so weit weg von ihr sein, dass er seinem Genre gerecht werden konnte. Schließlich wollte man auch Ähnlichkeiten mit den extrem blutigen Werken eines Herschell Gordon Lewis („Blood Feast", 1963; „2000 Maniacs“, 1964) vermeiden, dessen Splatterepen niemand bei „Image Ten“ so recht mochte. Aus diesen Zwängen entstand schließlich jene faszinierende Mischung aus Psychothriller und Horrorfilm, mit einem Schuss Science-Fiction, durch den die Auferstehung der Toten „erklärt“ wird. Aus heutiger Sicht wirkt diese fadenscheinige Erklärung (radioaktive Strahlen einer heimgekehrten und abgestürzten Venus-Sonde) fast wie gewollte Ironie, ein Eingeständnis der Hilflosigkeit der verantwortlichen Stellen. Sie war damals eine durchaus ernstgemeinte Konzession an das Bedürfnis der Zuschauer, eine, wenn auch noch so weit hergeholte, Begründung für das Grauen auf der Leinwand geliefert zu bekommen. Der ursprüngliche Plan, auch diese Sehgewohnheit der Zuschauer zu durchbrechen und mehrere, sich widersprechende Erläuterungen zu geben, wurde schließlich fallengelassen. Die kühle, emotionsarme Art eines Reporters vor Ort, diese Neuigkeiten zu übermitteln, ist dabei eines von vielen gelungenen Details des Films. Für die Person des Sprechers verpflichtete Romero die Pittsburgher Lokalgröße Bill „Chilly Billy“ Cardille. Dieser führte nämlich seit 1963 durch eine Samstagnacht-Horrorfilm-Show namens „Chiller Theatre“ im Fernsehen. 1985 schloss seine Tochter Lori Cardille den Kreis, denn sie spielte im dritten Teil von Romeros Reihe („Day of the Dead“) die weibliche Hauptrolle.

Ein wichtiger Faktor, der „Die Nacht der lebenden Toten“ zu einem Klassiker werden ließ, ist die Realitätsnähe des Fantastischen. Nur dadurch entstand ehrlicher, kompromissloser Horror, der dem Zuschauer durchaus eigene Möglichkeiten der Interpretation eröffnete. Angesichts der mordlüsternen Männer des Sheriffs erhalten die fleischfressenden Monster von nebenan, die ja lediglich auf Nahrungssuche sind, schon fast wieder menschliche Züge. Die brutale, kaltblütige und oftmals enthemmte Vorgehensweise der Menschen gegen die hilflos und tollpatschig wirkenden Untoten führte dazu, dass sich so mancher Zuschauer fragte, wer hier die wirklichen Monster waren.
Psychologisch recht einfühlsam schildert der Film den klaustrophobischen Zustand in dem Farmhaus, in dem die Akteure nicht nur um ihr Überleben, sondern auch um ihre sinnlos gewordene Weltanschauung kämpfen, während draußen die Welt ins Chaos stürzt. Ein ziemlich neuer Ansatz war auch die Vorwegnahme der Apokalypse durch den depressiven und radikalen Schluss. Der Sieg des „Guten“ blieb aus, vielleicht auch deshalb, weil es keine „Guten“ mehr gab?

SPOILER Ende!

Die Kritik war Ende der 60er von einem solchen Filmereignis natürlich nicht sonderlich angetan. So wetterte der bekannte Filmkritiker Roger Ebert gegen den Streifen als Beispiel für die „perfide und korrumpierende Natur der Horrorfilme“ schlechthin und benutzte die gleichen Diffamierungen, mit denen einige Jahre zuvor gegen die „EC-Horror-Comics“ propagiert wurde, um zu „beweisen“ wie ungesund sich der Film angeblich auf die Psyche von Kindern auswirkt.
In Deutschland wurde „Die Nacht der lebenden Toten“ als „primitiver und billiger Horrorfilm, ohne irgendwelchen materiellen oder künstlerischen Aufwand“ und als „unappetitlich und brutal“ bezeichnet („Filmbeobachter“). Klar, dass auch die „Katholische Filmkritik“ hetzen musste.
Erst viel später drehte sich das Blatt: Man erkannte, dass der Film auf geradezu subtile Art und Weise das Unbehagen wiedergab, das zum Zeitpunkt seines Entstehens in den USA vorherrschte. Allein die Tatsache, dass Romero seine Zombies als simple, tote Amerikaner auftreten ließ, statt aus ihnen irgendwelche dämonischen Kreaturen zu machen, dass also keinesfalls wieder die üblichen „Untermenschen“-Typen dafür herhalten mussten, um das Chaos heraufzubeschwören, sondern bis dahin brave Bürger, erzielte einen nachdenklich machenden Effekt (logischerweise nur für diejenigen, die auch tatsächlich nachdenken und die in dem Film nicht nur den üblichen Horror-„Schmutz & Schund“ sehen wollten).
Mittlerweile befindet sich eine Kopie von „Die Nacht der lebenden Toten“ im New Yorker Museum of Modern Art, und die Regisseure des Genres fühlen sich bis heute verpflichtet, den Film als großes Vorbild anzugeben.

Weitere Teile der Zombie-Reihe von Romero sind „Dawn of the Dead“ (1978, „Zombie“); „Day of the Dead“ (1985, „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“); „Land of the Dead“ (2004); „Diary of the Dead“ (2007); “Survival of the Dead” (2009).

Tom Savini drehte 1990 sein Remake “Die Rückkehr der Untoten”, welches in Deutschland beschlagnahmt ist. 2006 und 2012 verbrach Regisseur Jeff Broadstreet seine lausigen Remakes “Night of the Living Dead 3-D” und “Night of the Living Dead 3-D: Re-Animation”.
Eine nachkolorierte Version des schwarz-weißen Originals mit neuer deutscher Synchronisation ist ebenso erhältlich wie eine “30th Anniversary“-Version, die eine neu gefilmte Rahmenhandlung zur Urfassung hinzufügt, wobei Szenen aus der Urfassung entfernt wurden. Das Endergebnis ist grauenhaft.
Und schließlich kam 1991 in den USA eine auf lustig getrimmte, neu synchronisierte Alternativassung von „Die Nacht der lebenden Toten“ unter dem Titel „Night of the Day of the Dawn of the Son of the Bride of the Return of the Terror“ heraus, dessen Alternativtitel interessanterweise „Night of the Day of the Dawn of the Son of the Bride of the Return of the Revenge of the Terror of the Attack of the Evil, Mutant, Alien, Flesh Eating, Hellbound, Zombified Living Dead Part 2: In Shocking 2-D“ lautet. Nunja…

Alternativ- und Arbeitstitel: “The Flesh Eaters”, “George A. Romero's Night of the Living Dead”, “Monster Flick”, “Night of Anubis”, “Night of the Flesh Eaters”.

Fazit:
Mag sein, dass heute einige Szenen angestaubt wirken, doch: Weder die Familie, noch das Militär, noch Gott, die Regierung und das Vaterland, auch nicht einzelne Heldentaten können uns retten. George A. Romero räumte 1968 mit den, besonders im damaligen Horrorfilm nur zu gern untermauerten, Moralvorstellungen gründlich auf. Klassiker!
10 Punkte

*:
Anbei möchte ich mal 'nen kleinen Text aus dem Jahr 2009 zitieren, der nicht unbedingt als Teil des eigentlichen Reviews angesehen werden muss, der jedoch einen interessanten Einblick in so manche schizophrene Indizierungs- und Beschlagnahmeaktion gibt (Quelle: Blade41):

„Die Indizierung von "Night of the Living Dead" im Dezember 2009 war eine der großen Überraschungen im allmonatlichen Bundesanzeiger. So setzte die Bundesprüfstelle den Klassiker von George A. Romero auf Liste B und attestierte ihm somit eine potentielle strafrechtliche Relevanz.
Auf Anfrage von uns bei der BPjM gab man einen Fehler, aufgrund einer Verwechslung mit dem tatsächlich beschlagnahmten Remake von Tom Savini, zu und stellte die Streichung vom Index Ende Januar in Aussicht.

Dies wird allerdings nicht passieren. Nach weiterem E-Mail-Verkehr erklärte man, dass das Original von "Night of the Living Dead" tatsächlich beschlagnahmt wurde. Am 09.05.2000 erließ das AG Tiergarten einen Beschluss (Az.: 349 Gs 1913/00) zur bundesweiten Beschlagnahme des Films. Betroffen davon war die US-DVD von Anchor Bay. Aus den Daten zum Film geht auch hervor, dass die Anchor Bay-DVD vom '68er Original ist.
Begründet wurde die Beschlagnahmung damit, dass der Film bereits in mehreren Auflagen indiziert und beschlagnahmt wurde. Fälschlicherweise ging das AG Tiergarten hier vom bereits erwähnten Remake aus, welches am 28.03.1996 erstmalig auf Laserdisc einkassiert wurde.
In dem Beschluss hat das AG Tiergarten eine Inhaltsgleichheit zwischen George Romeros Film und dem Savini-Remake festgestellt. Die Bundesprüfstelle ist verpflichtet, Medien in die Liste für jugendgefährdende Medien aufzunehmen, wenn von einem Gericht rechtswirksam ein Verstoß gegen das StGB festgestellt wurde.
Dies ist bei der indizierten MIB-DVD von "Night of the Living Dead" der Fall, da diese inhaltsgleich mit der vom AG Tiergarten beschlagnahmten Anchor Bay-DVD ist.
Der Film wurde mitsamt der Indizierungsentscheidung an die zuständige Staatsanwaltschaft geschickt. Hier soll geprüft werden, ob die der BPjM vorgelegte Fassung mit dem bundesweit beschlagnahmten Film inhaltsgleich ist. Erst bei einem negativen Urteil kann eine Listenstreichung erfolgen.
Bis dahin wird "Night of the Living Dead" weiterhin auf Liste B der jugendgefährdenden Medien bleiben.“

„Night of the Living Dead“
Anchor Bay Entertinment (Anschrift unbekannt)
AG Tiergarten, Beschlagnahmebeschluss vom 09.05.2000,
Az.: 349 Gs 1913/00

und

Indizierung:
"Night of the Living Dead"
30th Anniversary Edition – Doppel DVD in 1 Box,
DVD, (Special Millenium Collection), Medienvertrieb in Buchholz (M.I.B.), Buchholz/Aller
Liste B
10/10
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