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Knock Off - Der entscheidende Schlag

Originaltitel: Knock Off

Herstellungsland:USA, Hongkong (1998)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Action, Martial Arts, Komödie, Thriller
Alternativtitel:Jing Tau Tung Gik
K.O. Lei Ting Yi Ji
K.O. Leoi Ting Jat Gik
Kontraband
Ying Tou Tong Ji
Bewertung unserer Besucher:
Note: 5,94 (27 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Hongkong 1997, kurz vor der Übergabe an China. Textilwarenvertreter Marcus Ray sieht seinen Markt durch eine plötzliche Flut von Markenjeans-Imitaten überschwemmt. In die Billighosen wurden Mikrobomben eingenäht, mit denen die Russenmafia versucht, die Welt zu unterwerfen. Als Marcus dann auch noch beschuldigt wird, bei dem illegalen Geschäft mitzumischen, gerät er zwischen die Fronten chinesischer Gangster, russischer Mafiosi, britischer Kolonialpolizei und korrupter CIA-Agenten... (Kinowelt)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

Ein Film, der zu seiner Entstehungszeit völlig an mir vorbeigegangen ist (schließlich war ich noch viel zu jung dafür), den ich erst kürzlich durch eine Neuauflage entdeckte und der bei Sichtung dennoch angenehme Nostalgiegefühle an die Zeit der Actionfilme aus den 90er Jahren weckte. Einer der letzten großen Kinofilme mit "The Muscles from Brussels" Jean-Claude Van Damme in der Hauptrolle. Und eine absolut wahnwitzige Verquickung von Hollywood- und Hongkong-Kino. All das ist "Knock Off" aus dem Jahr 1998.

Die Handlung spielt kurz vor und während der Feierlichkeiten zur Übergabe der Kronkolonie Hongkong an die Volksrepublik China am 1. Juli 1997. Rückblickend hinterlässt der naive Optimismus, mit dem dieses historische Datum im Film in Szene gesetzt wird, einen bitteren Beigeschmack, denn wie wir heute wissen, hat sich die Lage für die Zivilbevölkerung Hongkongs, vor allem in Hinblick auf ihre Menschenrechte, zum Negativen gewandelt. Damals herrschte dahingehend wohl noch Leichtgläubigkeit vor. Wie dem auch sei, letztlich dient dies auch nur als Kulisse für die abgedrehte Geschichte. Hauptfiguren sind die beiden Markenfälscher Marcus Ray und Tommy Hendricks, welche Imitate einer bekannten Jeansmarke in die USA exportieren. Während eines Rikscharennens, an dem beide teilnehmen, wird Marcus Zeuge, wie sein Adoptivbruder Eddie vorgeblich entführt wird, kann dessen Ermordung aber nicht verhindern. Wie sich herausstellt, wurde jedoch nur ein Double getötet. Das Rennen verlieren die beiden natürlich und weil Tommy im Eifer des Gefechts eine Polizistin ausknockte, die er fälschlicherweise für einen Gangster hielt, werden sie auch noch von der Hongkonger Polizei verhaftet, allerdings auch schnell wieder laufen gelassen. Dafür bereitet ihnen die Konzernvertreterin Karen Probleme, welche ihren Fälschungsaktivitäten auf die Spur kam und verlangt, dass sie den Verantwortlichen ausfindig machen, wenn sie straffrei davonkommen wollen. Marcus hat Eddie im Verdacht, muss jedoch recht schnell feststellen, dass auch Tommy nicht ganz ehrlich zu ihm ist. Wie sich herausstellt, ist dieser ein verdeckter CIA-Ermittler, welcher russischen Gangstern auf der Spur ist, die Marcus' Business als Verschleierung für ihre eigenen Machenschaften benutzten. Nun kommen Marcus und Tommy einer weitreichenden Verschwörung auf die Spur, bei der in Mikrochips implantierte Nanobomben, die in die gefälschten Jeans und andere nach Übersee verschiffte Artikel eingebaut wurden, eine maßgebliche Rolle spielen...

Das alles ist natürlich Schwachfug hoch 10, aber bei einem derartigen Werk ist die Handlung ohnehin zweitrangig. Dass für das Drehbuch der angesehene Autor Steven E. de Souza zuständig war, der für die Actionhighlights "Nur 48 Stunden", "Phantom-Kommando" und die ersten beiden "Stirb Langsam"-Filme verantwortlich zeichnete, mag dennoch überraschen. Andererseits stammten von ihm auch die Skripte zu den ähnlich sinnfreien "Judge Dredd" und "Street Fighter". Von daher braucht man sich eigentlich auch nicht zu wundern, dass hier vieles keinen Sinn ergibt. Wichtig sind ohnehin in erster Linie Action und Spezialeffekte und in beiden Hinsichten wird man voll bedient.

Inszeniert wurde "Knock Off" vom in Hongkong extrem einflussreichen Regisseur und Produzenten Tsui Hark, der zuvor bahnbrechende Werke des Wuxia- oder Heroic-Bloodshed-Subgenres schuf, entweder in unterstützender Form (u.a. bei John Woos "A Better Tomorrow", dessen Sequel und "The Killer" sowie Ching Siu-Tungs "A Chinese Ghost Story" und dessen Fortsetzungen) oder auf dem Regiestuhl (bei "Once Upon A Time In China" I + II) - von denen ich übrigens, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, noch kein einziges gesehen habe. Mit Van Damme in der Hauptrolle hatte er zuvor "Double Team" inszeniert, wandte sich nach diesem zweiten Werk jedoch enttäuscht von Hollywood ab. Dabei wirkt "Knock Off" nicht so, als hätten hier viele künstlerische Kompromisse eingegangen werden müssen. Der absolute Wahnwitz in der visuellen Gestaltung von "Knock Off" sucht wirklich seinesgleichen. Eine rastlose Kamera, die aus vielen ungewöhnlichen Einstellungen filmt, bestimmt das Geschehen. Bei dem Rikscharennen zu Beginn gibt es beispielsweise wilde Zooms auf die Schuhsohlen (!) Van Dammes, um anschließend per Computeranimation deren Innenleben zu zeigen, kurz bevor sie platzen. Origineller wurde wohl noch nie sportliches Scheitern in Szene gesetzt. Selbst gewöhnliche Dialogszenen und Innenaufnahmen machen Hark und sein Kameramann Arthur Wong (der auch bei einigen der zuvor erwähnten Filme zuständig war) so zu etwas besonderem, da diese meist aus der Oberperspektive gefilmt wurden, um ihnen eine majestätischere Anmutung zu geben. Hinzu kommt noch ein rasanter Schnitt (vorgenommen von Marco Mak, mit dem Hark ebenfalls schon häufig zusammenarbeitete), der einem kaum Zeit zum Verschnaufen lässt.

Leider macht dies die Actionszenen auch unübersichtlich. Meistens hat man ziemliche Probleme, dem Geschehen zu folgen, da oft erst auf den zweiten Blick erkennbar ist, wer wo was macht. In der zweiten Hälfte scheint sich Hark dafür etwas gezügelt zu haben und speziell der Showdown, bei dem Van Dammes Marcus Ray zur Rettung seiner zwischenzeitlich in Gefangenschaft geratenen Freunde eilt und auf einem Frachtschiff einen Gegner nach dem anderen mit akrobatischen Einlagen oder Kugeln erledigt, bis ihn später Tommy und die nur scheinbar zierliche Karen unterstützen, macht richtig Laune. Kritisch kann man natürlich auch die visuellen Effekte sehen, denn bei den Explosionen der Nanobomben, aus denen grüne Flammen hervorschießen, wurde offensichtlich mit CGI nachgeholfen. Dafür spart "Knock Off" nicht mit Härten. Bei den Shootouts und Prügeleien spritzt schon mal ordentlich Kunstblut rum. Und einen splattrigen Höhepunkt bekommt man in der Mitte geboten, wenn Van Damme einen Bad Guy gegen ein Stahlrohr tritt, von welchem er aufgespießt wird. Diese und andere Szenen brachten "Knock Off" eine Freigabe ab 18 Jahren ein, an der sich bis heute nichts geändert hat, obwohl ich meinen würde, dass das blaue Siegel aufgrund des eher humorvollen Grundtons besser zum Film passt.

Am Humor hat auch die Besetzung einen großen Anteil. Jean-Claude Van Damme als Marcus Ray spult natürlich nur sein übliches Knallharter-Actionheld-Programm ab, aber das ist hier auch vollkommen ausreichend. Bei einem solchen Film wird schließlich kein ausgefeiltes Mienenspiel verlangt. Dafür zeigt Van Damme vollen Körpereinsatz und machte tatsächlich alle seine Stunts selbst. Wie er hier Schläge, Schüsse und Tritte verteilt, ist eine wahre Freude. Adam Sandlers Kumpel Rob Schneider als sein tollpatschiger Partner Tommy gibt den obligatorischen Comic-Relief-Sidekick. Mit ihm hatten die meisten auf dieser und anderen Filmseiten ziemliche Probleme, ich fand ihn jedoch garnicht so nervig. Sein überdrehtes Schauspiel passt auf jeden Fall in den Film, da dieser sich ohnehin nicht so ernst nimmt. Aber hey, ich hatte auch noch nie Probleme mit Jar Jar Binks (steinigt mich!), anscheinend sind solche Figuren, die für andere Nervbolzen sind, für mich nun mal lustig. Empfindet eben jeder anders. Nur als CIA-Agent ist Schneider hier überhaupt nicht überzeugend, aber das kann man eigentlich auch vernachlässigen.

Schauspielveteran Paul Sorvino (u.a. "Goodfellas", "The Cooler") wird als undurchsichtiger Chef Schneiders zwar ziemlich unterfordert, bringt aber einiges an Charisma in den Film. Lela Rochon, die spätere Ehefrau von Antoine Fuqua, die sonst vor allem in Liebeskomödien wie "Boomerang" und "Warten auf Mr. Right" mitwirkte, wollte sich hier wohl mal im Actiongenre ausprobieren und macht ihren Part gar nicht mal schlecht. Ihre extrovertierte Karen ist anfangs zwar eher unsympathisch, zeigt später aber, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat. Allerdings erscheint es dadurch auch unlogisch, dass sie kurz vorm Showdown von den Bösewichten überwältigt und gefesselt wird (das übrigens auf eine ziemlich ausgefallene Weise), wenn sie diese später mühelos umnietet. Im Making-Of wird sie sogar mit den Worten charakterisiert: "sie kann alles, was die Männer auch können, nur besser". Nun ja. Andererseits zeigt Rochon mit ihren trockenen Sprüchen in den betreffenden Szenen auch komödiantisches Potenzial.

"Könnte ich bitte allein sterben!?"

Mit Michael Wong (u.a. "In The Line Of Duty 4", "Legacy Of Rage") als gewissenhafter Polizist, Carman Lee ("The Wicked City") als dessen Partnerin und dem Cantopop-Sänger Wyman Wong als zwielichtigem Eddie sind natürlich auch drei Stars aus Hongkong dabei, wenngleich deren Parts hier nicht allzu groß ausfallen. Schauspielerisch sind diese jedoch gelegentlich überzeugender als ihre westlichen Partner.

Insgesamt ist "Knock Off" ein überdrehter Hirn-Aus-Actionfilm mit dummen Sprüchen, nur teilweise ernsthaftem Schauspiel und vollkommen sinnloser Handlung. Die hauptsächlich handgemachte Action überzeugt aber, ebenso gefällt auch die Filmmusik von der vielseitigen Rockband Sparks, auch wenn sie kaum im Gedächtnis bleibt. Tsui Hark hätte sich zwar zwischendurch mal etwas bremsen und die Action übersichtlicher gestalten können, dafür kommt während der gesamten Laufzeit aufgrund des flotten Tempos kaum Langeweile auf. "Knock Off" ist jetzt vielleicht keines der wirklich herausragenden Werke mit Van Damme, aber für einen unterhaltsamen Filmabend taugt er allemal. Und schon allein aufgrund der irrsinnigen Inszenierung und der zwar bescheuerten, aber auch phantasievollen Prämisse ist er einen Blick wert. Filme in dem Stil werden heutzutage wirklich kaum noch gedreht.

7/10
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Kommentare

21.09.2021 14:16 Uhr - beebop251
1x
Gelungene Review. Kann ich alles so unterschreiben. Find den trotz der dümmlichen Story und dem teilweise nervigen Humor recht unterhaltsam. Die Action ist recht pfiffig inszeniert, auch wenn sie teilweise vielleicht etwas speziell aussieht. Double Team find ich ähnlich unterhaltsam.

27.09.2021 09:13 Uhr - Draven273
1x
User-Level von Draven273 4
Erfahrungspunkte von Draven273 241
Ach wie schön.... ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich den das erste Mal geschaut habe und mich danach fragte....was war das jetzt eigentlich??? :))) Ich muss zugeben, dass ich deine sehr gelungene Review besser finde als den Film, wobei der in den Jahren dann doch etwas mehr Glanz bekommen hat, als nach meiner ersten Sichtung. Den Humor muss man halt mögen, dass rasante war für mich aber ganz spaßig und die Action geht auch in Ordnung. Mal ein anderer Van Damme. Das waren noch Zeiten :)

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