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Gottes Werk & Teufels Beitrag

Originaltitel: The Cider House Rules

Herstellungsland:USA (1999)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Drama, Liebe/Romantik
Alternativtitel:Gottes Werk und Teufels Beitrag
Bewertung unserer Besucher:
Note: 9,00 (5 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

USA in den 30er Jahren. Der warmherzige Dr. Wilbur Larch (Michael Caine) leitet in St. Cloud's ein Waisenhaus. Zu dem Waisenkind Homer Wells (Tobey Maguire) entwickelt der kinderlose Arzt allmählich eine tiefgehende Vater-Sohn-Beziehung. Larch bringt ihm alles Wissenswerte über die Medizin bei. Doch die ausgeprägte Persönlichkeit des Arztes stellt hohe Ansprüche an den Jungen. Und nun, da er erwachsen wird, zweifelt er langsam an Larchs Methoden. Und so beschließt Homer fortzugehen, um die Bahnen seines Lebens selbst zu bestimmen. (Kinowelt DVD-Cover)

eine kritik von schwachkopf79:

Als Teenager mitte der 90er war ich eine große Leseratte und verschlang all die Bücher von Stephen King und Wolfgang Hohlbein. Dann entdeckte ich Herr der Ringe und Dune und fing an mich für richtige Literatur zu interessieren. Mit 17 fiel mir mein erstes John Irving Buch in die Hände und da war es um mich geschehen. Bis heute ist er mein absoluter Lieblingsautor, von dem ich absolut alles gelesen habe. Und obwohl es nicht mein Lieblingsbuch von ihm ist, war ich von "Gottes Werk und Teufels Beitrag" doch schwer beeindruckt. 
1999 erfuhr ich dann, dass eben jenes Buch nun verfilmt werden soll. Da war ich doch eher skepitsch. Nur ein Jahr zuvor wurde mein Lieblingsbuch von ihm (Owen Meany) furchtbar schlecht inszeniert (als Simon Birch, weil Irving sich von dem Film distanzierte und auf Änderung des Titels klagte). Auch die anderen Irving-Verfilmungen (Garp und wie er die Welt sah, Das Hotel New Hampshire) fand ich eher misslungen. Daher konnte man bei mir damals nicht von großer Vorfreude sprechen. Letztlich ging ich dann Anfang 2000 doch ins Kino... und das ist der Grund warum ich das hier jetzt schreibe:

"Gute Nacht ihr Prinzen von Maine, ihr Könige von Neuengland!"

Der Film startete direkt mit einer Panoramaansicht vom verschneiten New England. Eine Dampflock fährt ein, John Irving höchstselbst wartet als Bahnhofswärter auf. Dazu die ersten Klänge vom Klavierintro des Hauptthemas von Rachel Portman. Ich war sofort emotional gebannt.

Kurz zum Inhalt: Der Film handelt von einem Waisenhaus in den 30er und 40er Jahren in New England. Es wird vom zynischen Arzt Dr. Larch geführt. Der führt nebenbei verbotene Abtreibungen durch, weil er der Meinung ist, dass Frauen diese Entscheidung selbst treffen sollten. Eines der Kinder, die er selbst auf die Welt gebracht hat und er seit dem unter die Fittiche genommen hat, ist Homer Wells. Da dessen Adoptionsversuche alle mit Misshandlungen endeten, behält er ihn und bildet ihn zu einem Gynäkologen aus. Homer macht den Job, weigert sich aber Abtreibungen durchzuführen, weil ihm als Waisenkind nur zu bewusst ist, dass er selbst auch im Verbrennungsofen hätte landen können. Diese Unterschiedlichen Ansichten zum Thema Abtreibung ist der zentrale rote Faden des Films. 
Dann kommt ein junges Paar zur Abtreibung und Homer verliebt sich die Dame. Und als die beiden ihm anbieten als Apfelpflücker auf ihrer Plantage zu arbeiten, nimmt er das Angebot an und bricht mit seinem Mentor. 

"Es tut dir leid? Mir tut nichts leid! Es tut mir nichtmal leid dass ich dich liebe!"

Doch was macht diesen Film nun besser als die anderen Verfilmungen von ihm? Der Autor hat das Drehbuch selbst verfasst. Und er kürzte den kompletten parallelen Handlungsstranges des Buch (den mit Melony) weg und straffte die Handlung indem er sie von über zehn Jahre auf ein Jahr reduziert. Und das tut dem Film gut. Er ist damit eine der wenigen Verfilmungen, die ich besser als das Buch finde. Belohnt wurde er mit dem Oscar.
Dann muss man hier den Score benennen. Rachel Portman erhielt zwei Jahre zuvor den Oscar für die Filmmusik von "Emma", aber hier lieferte sie ihr Meisterstück ab. Das Hauptthema wird immer mit dem Klavier begonnen und wird dann vom Orchester überstrahlt. Neben "To kill a mockingbird" ist dies mein Lieblingssoundtrack.
Regie übernahm der Schwede Lasse Hallström, den man vor allem durch seine "Die Kinder von Bullerbü"-Filmen kennt, der aber später auch noch den fantastischen "Lachsfischen in Jemen" inszenierte. Er schafft es wunderbar die großartige Schauspielerriege in Szene zu setzen. Allen voran Michael Caine als Dr. Larch. Wenn er als knurriger alter Mann den Kindern abends aus Dickens vorliest aber dann wie ein Löwe um deren Wohl kämpft, kann man sich keinen besseren für diese Rolle vorstellen. Völlig zurecht erhielt er dafür auch den Oscar.
Homer Wells wird von Tobey Maguire gespielt. Den kannte man zu diesem Zeitpunkt durch die kurz zuvor erschienenen "Der Eissturm" und "Pleasentville". Er spielt den gutmütigen und naiven Homer großartig. Die innere Zerrissenheit ist jederzeit zu spüren und zu sehen.
Zudem sind auch die Nebenrollen mit Charlize Theron (Oscar für Monster) und JK Simmon (Oscar für Whiplash) stark besetzt.

Was letztlich auch in die Benotung einfließen muss ist, dass der Film auf mehreren Ebenen wichtig ist und funktioniert. 
In erster Linie ist es natürlich ein blühendes Plädoyer für die Selbstbestimmung der Frauen über ihren Körper. Trotzdem wird die gegenteilige Ansicht zu diesem Thema nicht verteufelt, sondern offen dargestellt. 
Der Film funktioniert natürlich auch als "coming of age"-Film über die erste große (und unglückliche) Liebe. 
Letztlich wird auch Segregation der Schwarzen zu dieser Zeit thematisiert, die in das "Cider House" gesperrt werden und sich an die "Cider House Rules" halten sollen. So lautet auch der englische Orginaltitel des Films. 

Über die Irving-übliche Inzestthematik lasse ich mich mal nicht aus, weil die hier ja eher zum Thema "Abtreibung" zurückführt. 

Für mich eine 10... alleine schon für die Darbietung von Michael Caine.

10/10
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Kommentare

22.09.2021 10:18 Uhr - Kaiser Soze
1x
DB-Co-Admin
User-Level von Kaiser Soze 24
Erfahrungspunkte von Kaiser Soze 13.910
Interessante Vorstellung eines wirklich sehr guten Films mit vielen persönlichen Anekdoten, Informationen und Ausführungen! Ich selbst mag Gottes Werk und Teufels Beitrag ebenfalls, kenne den Roman aber nicht und somit sind deine Erläuterungen, wie das was verändert / verkürzt / gestrafft wurde, sehr gut zur Einordnung. Zudem gute gewählte Zitate.

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