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24 Hours to Live

Herstellungsland:USA, China, Südafrika (2017)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Action, Science-Fiction, Thriller
Alternativtitel:24 Xiao Shi: Mo Lu Chong Sheng
Du lebst noch 24 Stunden
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,33 (9 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Eigentlich ist Profikiller Travis Conrad raus aus dem Geschäft. Bei einem letzten Job winkt allerdings eine Menge Geld und so lässt er sich auf die Mission ein. Mit fatalen Folgen. Etwas geht schief und auf einmal hat er nur noch 24 Stunden zu leben. Ihm bleiben also ein Tag und eine Nacht, um etliche Dinge zu klären und sich bei seinen Feinden zu rächen. Die Uhr tickt, genau wie der verdammt wütende Conrad. ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von cabal666:

"Noch 24 Stunden zu leben" - ist das ein weiterer Spielfilm-Ableger der Serie "24"? Falsch, hierbei handelt es sich um einen eigenständigen Actionfilm, der sich mit der Serie nur die Grundidee teilt. Diese amerikanisch-chinesisch-südafrikanische Coproduktion, welche international von der "Power Rangers"-Produktionsfirma Saban Films vertrieben wurde, reiht sich ein in die relativ junge Strömung eines zu großen Teilen wieder handgemachten Actionkinos mit schweigsamem Badass-Protagonisten, die durch "John Wick" losgetreten wurde. Wie in selbigem sitzt auch in "24 Hours To Live" mit Brian Smrz (ja, der Nachname wird wirklich so geschrieben!) ein Stunt-Koordinator und Second-Unit-Regisseur auf dem Regiestuhl. Smrz, der u.a. an Krachern wie "Face/Off", "Mission: Impossible 2", "Minority Report" und den "X-Men"-Filmen mitgewirkt und zuvor nur den Direct-to-DVD-Streifen "Hero Wanted" mit Cuba Gooding Jr. und Ray Liotta inszeniert hatte, zeigt hier, dass er definitiv ebenfalls zu den in Sachen Oldschool-Action fähigsten Filmemachern zählt.

In "24 Hours To Live" gibt es kaum nervige Wackelkamera, unnötige Computeranimationen und Stakkatoschnitte, stattdessen übersichtliche Schießereien, Verfolgungsjagden, Messerstechereien, Explosionen und Kämpfe Mann-gegen-Mann, die teilweise derart blutig gerieten, dass die deutsche FSK-16-Freigabe als doch ziemlich großzügig bemessen erscheint. Zumal die Inszenierung größtenteils ziemlich humorbefreit ist. Als Hauptdarsteller konnte man dabei den eher selten im Actiongenre anzutreffenden Ethan Hawke gewinnen, der hier ein wenig aus seinem sonstigen Rollenschema ausbricht.

Hawke verkörpert den ehemaligen Söldner und Auftragskiller Travis Conrad, der sich nach dem Tod seiner Familie zurückgezogen und dem Alkohol hingegeben hat. Sein alter Partner Jim Morrow ködert ihn jedoch mit einem letzten Auftrag, bei dem die Bezahlung unwiderstehlich erscheint: er soll die chinesische Interpol-Agentin Lin ausfindig machen und von ihr den Aufenthaltsort des unter ihrem Schutz stehenden Zeugen Keith in Erfahrung bringen, der gegen den Konzern Red Mountain, Travis' alten Arbeitgeber, aussagen soll. Dies gelingt Travis zwar auch, doch unmittelbar darauf tötet ihn Lin, die wehrhafter und klüger ist, als es den Anschein hat. Er bleibt aber nicht tot. Mittels eines neuartigen Verfahrens holt ihn eine Ärztin, die für Red Mountain arbeitet, wieder ins Leben zurück, damit er Jim seine Informationen mitteilen kann. Nachdem Travis das getan hat, eröffnet ihm Jim jedoch, dass er nun keinerlei Verwendung mehr für ihn habe und die Ärztin ihn anschließend endgültig ins Jenseits befördern werde. Travis kann sich zwar befreien, erfährt von der Ärztin aber, dass er so oder so nur noch 24 Stunden zu leben (wie es der Titel schon sagt) habe. Er begibt sich auf einen gnadenlosen Rachefeldzug gegen seinen ehemaligen Chef und Partner, bei dem ausgerechnet seine Mörderin Lin zu einer wertvollen Verbündeten wird.

Hawke gibt, wie im Antikriegsfilm "Good Kill", einen verbitterten Veteranen, der sich nach außen hin knallhart und abgeklärt gibt, in Wirklichkeit aber von starken Selbstzweifeln geplagt wird. Durch sein zurückhaltendes Schauspiel bleibt die Figur dabei immer glaubhaft, wobei man ihm den zielstrebigen Rächer, in den er sich ab der Hälfte verwandelt, aber genauso abnimmt. Die restliche Besetzung zeigt ebenfalls für einen Film aus dem Actiongenre überdurchschnittliche Leistungen. Xu Qing, die man zuvor in "Looper" als Ehefrau von Bruce Willis bzw. dem gealterten Joseph Gordon Levitt sah, verkörpert als Agentin Lin eine ähnliche Rolle, da diese zwar eine unbeugsame Kämpferin, aber gleichzeitig auch eine fürsorgliche Mutter ist. Qing macht sowohl in den Actionszenen eine gute Figur als auch in den emotionalen Momenten, in denen sie sehr überzeugend agiert. Der talentierte Paul Anderson (u.a. "Peaky Blinders", "The Revenant") als verräterischer ehemaliger Freund und Hauptgegner des Protagonisten stellt hier ebenfalls einen überraschend vielschichtigen Charakter dar, denn sein Jim Morrow verspürt durchaus Gewissensbisse aufgrund seines Handelns und folgt nicht widerspruchslos den Befehlen seines Chefs. Als selbiger, der rücksichtslose Konzernchef Wetzler, wird der vielbeschäftigte Liam Cunningham (dürfte den meisten als Davos Seaworth aus "Game Of Thrones" bekannt sein) eher ziemlich verschwendet. Cunningham tritt zwar mit viel Charisma auf, seine Rolle ist jedoch sehr eindimensional. Einen eher kleinen Part bekam schließlich noch der großartige Rutger Hauer in einer seiner letzten Rollen als Travis' schlitzohriger Schwiegervater. Zwar ist seine Figur eher unbedeutend für die Handlung, aber immerhin kann er zum Schluss nochmal zeigen, dass auch er in seinen späten Jahren als Actionheld noch lange nicht zum alten Eisen zählte.

Auch in handwerklicher Hinsicht wurde von den Beteiligten bei "24 Hours To Live" überdurchschnittliche Arbeit geleistet. Ben Nott, der zuvor bei zwei anderen Actionstreifen mit Ethan Hawke, nämlich "Daybreakers" und "Predestination" von den Spierig-Brüdern, für die Kamera zuständig war, fängt, wie schon erwähnt, die Action wuchtig und immer übersichtlich ein. Zudem gelingen ihm auch einige schöne Aufnahmen der Natur und Städte Südafrikas, wo die Handlung hauptsächlich stattfindet. Besonders erwähnenswert ist eine heftige Schießerei in einem Township im Mittelteil. Cutter Elliot Greenberg (u.a. "Chronicle", "Escape Plan", "Crawl") sorgt für den passenden Rhythmus. Und Komponist Tyler Bates, der auch die Filme der "John Wick"-Reihe vertonte (eine weitere Parallele zu diesen) unterlegt alles mit einem treibenden elektronischen Score, der aber leider nicht allzu lange im Gedächtnis bleibt. Dafür tut es der Abspannsong, bei dem es sich um Marilyn Mansons ungeheuer atmosphärisches Cover des amerikanischen Volkslieds "God's Gonna Cut You Down" handelt, das zuvor schon von Johnny Cash in einer seiner letzten Aufnahmen wieder einem jüngeren Publikum ins Gedächtnis gerufen wurde. Da kriegt man wirklich Gänsehaut.

Eine Schwachstelle des Films ist dafür das Drehbuch von Zach Dean (u.a. "Cold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade"), Ron Mita und Jim McClain ("S.W.A.T. - Die Spezialeinheit"). Zum Einen sind Handlung und Dialoge kaum originell, zum Anderen dauert es nach der ersten Schießerei zu Beginn ziemlich lange, bis der Film in die Gänge kommt, da erst mal in unnötig ausgewalzten Dialogen und langgezogenen Rückblenden die Exposition vermittelt werden muss. Die Travis an seinem Unterarm implantierte Uhr, welche ihm wie in "In Time" (einem Film von Andrew Niccol, in dem er nicht auftrat) seine ihm noch verbliebene Lebenszeit anzeigt, war ein auch eher unnötiges Science-Fiction-Element.

SPOILER: Und was richtig nervt, ist das absolut unnötige offene Ende, das unweigerlich auf eine Fortsetzung hinarbeitet. Obwohl zum Schluss eigentlich schon alles auserzählt ist.

Immerhin gibt es zwischendurch aber auch ein paar amüsante humorvolle Momente. Beispielsweise wenn Travis und Jim mit den Codewörtern für ihre elektronisch versiegelten Koffer ihre Abneigung für erfolgreiche Footballteams kundtun.

Travis Conrad: "Die Yankees sind scheiße!"

Jim Morrow: "Die Red Sox sind scheiße!"

Oder wenn im Showdown Wetzler seinen Mitarbeitern verkündet, dass der Mann, welcher Travis Conrad ausschaltet, von ihm eine Million Dollar bekommt. Da auch weibliche Söldner in der Szene auftreten, dachte ich mir nur: und was ist mit den Frauen? Und warum sagt keine von denen dazu was? Hätte doch eine ziemlich gute Steilvorlage gegeben. ^^

Wie dem auch sei, "24 Hours To Live" ist zwar bei weitem kein Meisterwerk in seinem Genre, aber er zeigt brachiale Action und gute Schauspieler in einem unverbrauchten Setting und hält damit gute 90 Minuten bei Laune. Eigentlich schade, dass er in den USA nur einen limitierten Kinorelease bekam und in den meisten anderen Ländern gleich auf DVD oder über einen Streamingdienst erschien. Verdient gehabt hätte er es schon, bei uns im Kino zu laufen.

7/10
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