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Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft

Originaltitel: Hachiko: A Dog's Tale

Herstellungsland:Großbritannien, USA (2009)
Standard-Freigabe:FSK o.A.
Genre:Drama, Tierfilm
Alternativtitel:Hachi
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,38 (8 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Als Professor Parker (Richard Gere) eines Tages nach der Arbeit einen herrenlosen Hundewelpen am Bahnhof findet, ahnt er noch nicht, dass dies der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft ist. Während seine Frau (Joan Allen) den kleinen japanischen Akita-Hund sehr zögerlich aufnimmt, wird Parkers Herz von HACHIKO im Sturm erobert. Schon bald begleitet ihn der aufgeweckte HACHIKO jeden Tag zum Bahnhof und holt ihn am Abend wieder ab. Bis er eines Tages vergeblich auf die Rückkehr seines Herrchens wartet… (Prokino)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von punisher77:

                          HACHIKO - EINE WUNDERBARE FREUNDSCHAFT

Der Hund ist nicht nur des Menschen bester Freund, sondern auch ein gern im Film eingesetztes Tier, das in allen möglichen Genres seine Pfotenabdrücke hinterlassen hat. Vom Zeichentrickfilm (Susi Und Strolch, 1955) über Komödien wie Mein Partner Mit Der Kalten Schnauze (1989) und Ein Hund Namens Beethoven (1992) bis hin zum Horrorfilm Cujo (1983) sind die Vierbeiner nahezu überall vertreten, und wenn sie mal nicht die Hauptrolle übernehmen, fungieren sie – trotz mitunter geringer Screentime – als wichtige Handlungsträger wie z.B. in John Wick (2014), wo ein Hund der Auslöser für den bleihaltigen Rachefeldzug des Titelhelden war. Aber auch in Dramen spielen Hunde eine wichtige Rolle, wie Lasse Hallströms (Gottes Werk & Teufels Beitrag, 1999) auf wahren Begebenheiten basierender, 2009 entstandener Film zeigt.

In der in den USA (u.a. Bristol & Woonsrocket / Rhode Island) und (zu einem kleinen Teil) in Japan gedrehten 16-Millionen-Dollar-Produktion spielt Richard Gere (Pretty Woman, 1990) den Musikprofessor Parker Wilson, dem eines Tages ein Akita-Welpe an einer Bahnstation zuläuft. Das Tier ist in seinem Transportkäfig aus einem Wagen gefallen, dessen Zielort sich nicht mehr nachvollziehen lässt. Gegen den Widerstand seiner Frau Cate (Joan Allen – Death Race, 2008) nimmt Wilson den Welpen auf. Was als vorübergehende Lösung gedacht war, wird letztendlich zum Dauerzustand: langsam aber sicher wird Hachiko – so der Name des Hundes, der auf seinem Halsband steht – zum von allen geliebten Familienmitglied. Die engste Beziehung hat Hachiko natürlich zu Wilson, den er jeden Morgen zum Bahnhof begleitet und auch wieder abholt. Doch eines Tages kehrt der Professor nicht von der Universität zurück …

Lasse Hallströms Kooperation mit Richard Gere basiert auf Ereignissen, die sich im Tokio der 1920er Jahre zutrugen und die noch heute nachhallen. Hachiko wurde zum Gegenstand vieler Lieder und Kinderbücher, im Jahr 1934, also zu Hachikos Lebzeiten, errichtete man ihm zu Ehren eine Bronzestatue am Bahnhof Shibuya und wer den Vierbeiner heute noch bewundern will, kann das im National Science Museum in Tokio tun, wo er in ausgestopfer Form zu sehen ist. Selbstredend ist die Geschichte von Hachiko und seinem Herrchen bereits verfilmt worden, und zwar im Jahr 1987 unter dem Titel Hachiko Monogatari, so dass Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft ein Remake dieses Films, bzw. eine amerikanische Variante der damaligen Ereignisse darstellt.

Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft ist ein kleiner, wundervoller, zu Herzen gehender Film abseits des üblichen Hollywood-Blockbusterkinos, der auch Zuschauer begeistern dürfte, die keinen Hund ihr eigen nennen. Worauf man sich allerdings einstellen muss: Auch wenn Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft diesen Makel zum Großteil gekonnt umschifft – ohne eine gewisse Portion Kitsch und Schmalz geht es natürlich nicht. Der Streifen spielt in einem kleinen Mikrokosmos, den es in dieser Form wohl kaum geben dürfte. Am Bahnhof und dessen Umgebung, die den hauptsächlichen Hachiko-Schauplatz ausmachen, leben alle in einer derartigen Harmonie miteinander, dass es fast schon weh tut. Zugegeben, der von Jason Alexander (Pretty Woman, 1990) gespielte Bahnhofsvorsteher Carl wirkt im Schlussdrittel des Films aufgrund seiner Geltungssucht ein wenig zwiespältig, aber trotzdem ist er ein so guter Kerl, dass er einen ganzen Zug aufhält, damit sich Herr Professor gebührend von seinem Vierbeiner verabschieden kann – versucht das mal bei der Deutschen Bahn

Aber das ist nur eine Kleinigkeit, denn abgesehen davon ist Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft schönes Erzählkino, das daran erinnert, dass Hollywood nicht nur für (nicht immer, aber auch nicht selten) seelenlose Special Effects-Bombastspektakel steht, sondern auch für „kleine“, ergreifende Geschichten, die ohne Effekthascherei auskommen.

Der Star des Films ist natürlich Hachiko, der im ersten Filmdrittel von einem Shiba-Hund gespielt wird, der dank Hallströms kompetente Regie bereits zu Beginn des Films so in Szene gesetzt wird, dass er die Herzen der Zuschauer zum Schmelzen bringt und es dürfte wahrscheinlich nicht wenige geben, die sich während, bzw. nach der Sichtung des Films solch einen Hund an ihrer Seite wünschen. Aber auch im Erwachsenenalter, in dem Hachiko von den drei Akita-Hunden Chico, Layla und Forrest gespielt wird, verliert der Titelheld nichts von seiner Anziehungskraft, aber auch wenn die vierbeinigen Darsteller natürlich die Hauptattraktion des Films ausmachen, wäre Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft ohne seine menschliche Besetzung durchaus weniger wert.

So bietet Richard Gere eine zwar zurückhaltende, aber trotzdem glänzende schauspielerische Leistung und die Art und Weise, wie er mit den Hachiko-Darstellern agiert, lässt darauf schließen, dass Gere seine(n) tierischen Filmpartner wirklich ins Herz geschlossen hat. Neben Gere sind es auch einige Nebendarsteller, die Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft sehenswert machen.

So überrascht Cary-Hiroyuki Tagawa, den Actionfans hauptsächlich als grausamen Yakuza-Boss in dem Lundgren/Lee-Actioner Showdown In Little Tokyo (1991) kennen dürften, in einer kleinen, aber feinen Nebenrolle als Wilsons/Geres weiser und besonnener Professorenkumpel und bei Erick Avari (Die Mumie, 1999) würde ich mir jeden Tag `nen Hotdog kaufen.

Abseits der Geschichte und der Besetzung des Films punktet Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft durch seine Inszenierung. Regisseur Lasse Hallström erzählt seine Geschichte in einem angenehm ruhigen, aber nicht langweiligem Tempo, streut immer wieder POV-Shots ein, um das Geschehen auch aus der Perspektive des Hundes zu zeigen, und überdehnt den Stoff mit einer Spieldauer von anderthalb Stunden auch nicht, da Hachikos Geschichte nicht der Stoff ist, aus dem 195minütige Epen geschnitzt sind.

Allerdings soll nicht verschwiegen werden, dass Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft kein reines Feel Good-Movie ist, da er etwa ab der zweiten Hälfte durchaus tieftraurig wird und man vielleicht doch ein Päckchen Taschentücher parat haben sollte. Hallströms Streifen entlässt den Zuschauer zwar nicht mit einem schlechten Gefühl, aber trotzdem ist Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft eine zum Teil tieftraurige Angelegenheit, da er ja immer noch ein Drama und eben keine oberflächliche Komödie ist.

Hachiko – Eine Wunderbare Freundschaft ist ein wunderbarer, im besten Sinne des Wortes kleiner Hollywoodstreifen, der sich nicht auf ein dreistelliges Millionenbudgets verlassen muss , da er nicht auf bombastische Effekte angewiesen ist, um das Publikum zu fesseln, sondern stattdessen eine herzerwärmende, nur selten kitschige Geschichte erzählt, die keine Langeweile aufkommen lässt und nach angenehmen anderthalb Stunden zu einem Ende kommt.

8-9/10

9/10
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Kommentare

19.10.2021 17:43 Uhr - cecil b
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Ich kann mir nicht unbedingt vorstellen, dass ich mich auf diesen Film einlassen kann. Allerdings bist du nicht der Erste, der den empfiehlt. Im richtigen Moment wird das vermutlich auch für mich ein guter Film sein, der mir auch gefällt.

Deine Reviews gefallen mir immer, das weist du.

Ein ...."schönes Erzählkino, das daran erinnert, dass Hollywood nicht nur für (nicht immer, aber auch nicht selten) seelenlose Special Effects-Bombastspektakel steht, sondern auch für „kleine“, ergreifende Geschichten, die ohne Effekthascherei auskommen."

Damit sprichst du mich an. THE BREAKFAST CLUB gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Gutes Hollywood, für mich. :)
"

20.10.2021 11:10 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Deinen netten, ausführlichen Kommentar, und wer weiß - vielleicht gefällt Dir der Film sogar, wenn Du ihn mal guckst.

20.10.2021 20:14 Uhr - cecil b
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Danke für die wie immer tolle Review. :)

Mir fällt da eine Frau ein, mit der ich diesen Film gerne gucken wollen würde. Ich hoffe, dass das was wird. ;) Dann würde ich ,Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft, vermutlich lieben. ;)

Das weiß nicht jeder, warum auch, aber ich bin ganz vernarrt in viele Arten von Tieren.

20.10.2021 22:57 Uhr - TheRealAsh
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Absolut richtig, ein wunderbarer Film, sehr schön vorgestellt. Würde mir mehr von sowas wünschen, mit tierischen Helden für's Herz. "Marley und ich" finde ich auch ganz großartig:-)

22.10.2021 15:45 Uhr - Punisher77
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Vielen Dank für Eure Rückmeldungen.

@Ash:
Danke für den Filmtipp.

20.01.2022 20:37 Uhr - Argamae
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Nach "Bob, der Streuner" wird wohl auch "Hachiko" Pflichtprogramm für mich. Den möchte ich wirklich gern sehen, auch wenn mir die ganze Hintergrundgeschichte schon gut bekannt ist. Danke für dein schönes Review, dass mir an vielen Stellen aus dem Herzen spricht.

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