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Keine Zeit zu sterben

Originaltitel: No Time to Die

Herstellungsland:Großbritannien, USA (2021)
Standard-Freigabe:FSK 12
Genre:Abenteuer, Action, Thriller
Alternativtitel:Bond 25
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,48 (41 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

James Bond (Daniel Craig) hat seine Lizenz zum Töten im Auftrag des britischen Geheimdienstes abgegeben und genießt seinen Ruhestand in Jamaika. Die friedliche Zeit nimmt ein unerwartetes Ende, als sein alter CIA-Kollege Felix Leiter (Jeffrey Wright) auftaucht und ihn um Hilfe bittet. Ein bedeutender Wissenschaftler ist entführt worden und muss so schnell wie möglich gefunden werden. Was als simple Rettungsmission beginnt, erreicht bald einen bedrohlichen Wendepunkt, denn Bond kommt einem geheimnisvollen Gegenspieler auf die Spur, der im Besitz einer brandgefährlichen neuen Technologie ist. (Universal Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von rullep:

 

Keine Zeit zu sterben...oder doch?

 

Der Begriff >Zäsur< kommt mir unweigerlich in den Sinn, wenn ich an diesen 25. Film des Franchise um den britischen Agenten James Bond denke. Gleichzeitig ist es der fünfte und letzte Auftritt Daniel Craigs, der über alle Filme hinweg eine sehr spezielle Art hatte: Eine Mischung aus Bulldogge und Rausschmeißer ohne besonders viel Charme und noch weniger Humor. Müsste ich all seine Missionen nach der SB-Skala bewerten, so käme er bei mir wahrscheinlich auf 4 von 10 Punkten. Klingt nach wenig, doch gemessen an seinen immerhin fünf Auftritten überzeugten mich lediglich "Casino Royale" und "Skyfall" nachhaltig. Soll heißen: Diese beiden Werke sollte meiner Meinung nach jeder Bond-Fan gesehen haben.

Die ursprüngliche Idee, nach den immer ausufernderen "Gadget"-Bonds mit Brosnan frischen Wind zu versprühen war ja grundsätzlich eine Gute. Allerdings haben sich die Macher selbst ausgetrickst, denn auf lange Sicht vergaßen sie bei ihren Plänen völlig, daß Bond-Filme auch eine Handlung haben müssen, die weder kompliziert noch anstrengend ist. Vor allem aber war es in meinen Augen ein mehr als großer Fehler, die Vesper-Lynd-Story über sämtliche Craig-Filme aufzublasen und grandiose Bösewichte (u.a. Le Chiffre) rückwirkend zu Marionetten eines völlig blassen Blofelds zu machen (sorry Christoph!)   

Nach "Skyfall" dachte ich: Ja, Bond ist im 21. Jahrhundert angekommen und sich dennoch treu geblieben. Tja, obwohl ich nie ein großer Fan von Craigs Darstellung war, so war das drumherum grundsätzlich erfrischend neu verpackt worden: Ein junger Tüftler namens Q, der männliche M-Nachfolger, neue und liebgewonnene Autos im Fuhrpark. Daneben gesellten sich wieder Einsatzorte mit Flair und Exotik. Wackelkameras wie die aus der Obergurke "Ein Quantum Trost" wurden weitestgehend eingemottet und schon allein der Titelsong von Adele war ein Qualitätssiegel erster Güte.
  
Wäre es bei diesen drei Filmen geblieben, so hätte Craigs Bond am Ende mehr Steine im Brett, doch leider kamen dann noch zwei Werke welche die guten Ansätze zunichte machten. "Spectre" war abermals unterhaltsam, doch der Twist mit der Einführung Blofelds war genauso ärgerlich wie die "große Liebe", welche Bond über den Weg lief und auch den Nachfolger mitbestimmen sollte...

 

NO TIME TO DIE:

Musik: gut (bis auf den Titelsong!)
Szenerie: gut 
Kamera: befriedigend bis gut
Darsteller: befriedigend bis gut (vom schauspielerischen her)
Charakterzeichnung: ungenügend
Story: ungenügend

Man sieht´s: gerade die letzten Punkte sind (für mich) ein wesentlicher Faktor bei einem Film und hier kackt der Jubiläumsbond gnadenlos ab: 007 ist nicht mehr die Figur, die man über all die Jahre liebgewonnen hat sondern nur noch ein austauschbarer 08/15 Agent, dessen Gefühlsduselei inzwischen alles in Frage stellt, was dieses Franchise so groß werden ließ. Angefangen bei der nervigen Querverbindung zu "Casino Royale" ("Oh liebste Vesper") über die hanebüchene DNA-Story, Felix Leiters plötzliches Ableben bis hin zum völlig verkorksten Finale...

Die Höchststrafe ist jedoch, das mich am Ende fast alle Figuren (einschließlich Bond) kalt ließen und mich lediglich das Ableben von Leiter verstört hat. Egal ob 007, Madeleine Swann oder ihre Tochter...alles in allem ein merkwürdiges und überlanges Rührstück vom Familienbond, welcher Morgens brav das Frühstück zubereitet, ehe er einige Zeit später vor dem blassen Rami Malek auf die Knie sinkt und um "Gnade" fleht. Waltz hat sich mit seiner Beteiligung ebenfalls keinen Gefallen getan, denn auch wenn ich ihn für einen tollen Mimen halte, so scheinen seine Figuren stets die gleichen Macken wie Hans Landa oder Dr. King Schultz inne zu haben. Ein positiver Lichtblick war allenfalls Ana de Armas: Als Agentin Paloma brachte sie einen Hauch Charme und Atmosphäre mit, der einen an bessere Tage der Reihe denken ließ...  

 

F A Z I T:
   

Es mag sein, daß ich aufgrund meiner Liebe zu dieser Reihe immer gewisse Probleme mit Craigs-Bonddarstellung hatte, doch das dieser durchaus überzeugen konnte, bewiesen "Casino Royale" und "Skyfall". Nein, es sind viel mehr die Macher, welche (in bester "Star Wars"-Tradition) vieles zerstören, was den Zauber einer Filmreihe ausmacht(e). Wir leben im Jahr 2021 und auch wenn sich die Welt seit Connery und Moore weitergedreht hat, so haben gerade jene Darsteller diese Marke geprägt. Denkt man heute an diese Filme, so sieht man daß, was Bond ausmacht: Ob nun beim skrupellosen Sexappeal eines Connery oder der humorigen Ironie von Moore. Dalton wie auch Brosnan haben danach ebenfalls gut gespielt und der Filmfigur nichts von ihrer Aura nehmen können. 

Mit Craig kam dann der große Umbruch: Moderner, realistischer und...weniger Charme. Hier offenbart sich aber ein ziemlich gedankenloser Wechsel von einem der Grundrezepte einer Figur wie Bond. Wenn ich ehrlich bin, dann schaue ich mir inzwischen lieber einen neuen Teil der "Mission: Impossible"-Reihe an, denn diese hat sich über die überschaubare Zeit von 25 Jahren zum besseren Franchise entwickelt. Natürlich sind diese Filme auch fern vom Realismus angesiedelt, doch unterhalten sie mit ihrer ungestümen Art allemal besser als die inzwischen mehr als kruden Bond-Premieren. Bei 007 hat man leider immer mehr den Eindruck das der Drops gelutscht ist und den Machern die Storys Schnuppe sind. Craig steht für diese traurige Entwicklung: Nicht nur, das er anscheinend ein gewisses Mitspracherecht genießt (Produktion), Nein, es erscheint fast so, als mutiere Bond immer mehr zu Craig und alles was in den Filmen mit seiner Beteiligung passiert wird ständig weitergesponnen, ohne das es völlig neue Rahmenhandlungen geben dürfe. 

Bei einem Ranking der Craig-Ära würde dessen letzter Auftritt bei mir den vorletzten Platz einnehmen, denn auch wenn viele der Actionszenen launig umgesetzt wurden, so krankt dieser Film an einer völlig verkorksten Handlung und Charakteren, die (mich) nicht berühren konnten. Ich gebe ihm trotz des ärgerlichen Endes (...) 4 von 10 Punkten...und bete, das es vielleicht der Beginn zu etwas Neuem aber Vertrauten (!) ist. Ansonsten möchte ich die Produzenten darum bitten, dieses Franchise für immer ruhen zu lassen!

4/10
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Kommentare

22.10.2021 15:08 Uhr - Stoi
1x
Interessant, sehe ich aber überhaupt nicht so.
SKYFALL ist für ich der beste Bond ever und ich empfinde alle Craig-Bonds sehr erfrischend und notwendig modernisiert. Eigentlich sind die Craig-Bonds eh ein Reboot. Sagt M in CASINO ROYALE nicht irgendwann was, davon, dass er gerade seine 00-Lizenz erhalten hat?
Es ist schon klar, dass die Craig-Bonds an den alten Grundrezepten des Franchise kratzt und das ist in meinen Augen auch notwendig. Ich sehe in NO TIME TO DIE weder eine verkorkste Handlung noch uninteressante Figuren. Die Handlungsstränge waren in der Tat etwas komplexer als für eine Bond typisch und die Figuren realistischer - was alle Craig Bonds betrifft und ich auch für eine positive Entwicklung halte.
Betrachtet man die alten Bonds, findet man aus dramaturgischer Sicht eigentlich nur Schablonen, die Guten (Bond, M, Leiter, Monypenney etc.) die Bösen (Ultraschurke + 1 wichtigen Ober-Handlanger) und die Witzfigur (z.B. der Sherrif in LIVE AND LET DIE). Heute sind alle Figuren ambivalenter. Ich vermisse weder obercoole Oneliner noch das chauvinistsche Abhaken irgendwelcher Bondgirls, da fand ich Roger Moor schon in den 80ern zum Fremdschämen.
Nein, NO TIME TO DIE ist nicht der beste Craig-Bond aber qualitativ in der oberen Hälfte aller Bonds.
Auch den Schluss fand ich interessant und mutig. Keine Ahnung, wie die sich da rauswinden wollen, denn im Abspann stand ja zum Schluss: James Bond will return. :)

22.10.2021 20:41 Uhr - cecil b
2x
Moderator
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Ich kann beide Perspektiven verstehen.

Ich bin kein Bond- Fan, in jungen Jahren war ich es, mehr oder weniger.

Aus heutiger Sicht entwickele ich wieder Interesse an Bond, weil dieser aktuelle Film neue Wege geht.

So oder so, gute Review, Rullep. :)

22.10.2021 23:50 Uhr - Thodde
1x
NO TIME TO DIE ist nach SKYFALL der zweite Craig-Bond, der mich maßlos enttäuscht hat. Ich fand den Film einfach nur fade, belanglos, an den Haaren herbeigezogen und vor allem komplett langweilig. Ich will den alten Bond der Vor-Craig-Ära wiederhaben. Egal, wer ihn spielen wird, aber Bond soll wieder launiges Actionkino mit einem coolen Macho als Helden, trockenem Humor, verrückten Gadgets und einem Hauch Science Fiction sein. Nicht diese überambitionierte, aber leider kläglich gescheiterte Psycho-Wichse der letzten 15 Jahre.

23.10.2021 12:24 Uhr - Schwachkopf79
2x
Ich bin jetzt kein sonderlich großer Bondfan, aber habe zumindest alle Filme mal gesehen. Ich fand Casino Royale irre gut und spannend...aber danach ließ die Reihe stetig nach und dieser Film hier ist mit 4/10 völlig richtig bewertet.

24.10.2021 18:31 Uhr - Draven273
1x
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Zuerst mal zu deiner Review... die ist super und wie immer gut geschrieben. Zudem bekommt man einen guten Eindruck vom Film selbst. Passt doch. Hierfür schon mal vielen Dank lieber Rullep.
Ansonsten haben wir hier wohl einen Bond oder eine Bond Ära über die man sich sicher stundenlang austauschen oder streiten kann. Mir persönlich gefallen die neueren Craig Bonds alle gut, sind nicht alle perfekt, nein, aber trotzdem völlig in Ordnung für das wie ich gerne Bond mag. Und da komme ich auch schon zu dem Punkt der mir am meisten auffällt. Früher mochte ich auch wirklich die anderen Bond Filmchen. Meine Favoriten waren sogar eher die Moore oder Dalton Bonds. Um den guten Dalton tat es mir sogar echt leid, meiner Meinung nach ein unterschätzter Bond. Aber sei es drum. Vor kurzem hat irgendein Sender einen Haufen alter Bondfilme gezeigt- und ich muss sagen- das war schon fast fremdschämen. Meine Fresse, wie der Connery da einen auf dicke Hose bei den Frauen macht oder wie albern doch einige Sachen wirklich geworden sind. Naja, komme ich auf jeden Fall nicht mehr so klar mit, mit der Zeit ändert sich der eigene Geschmack dann doch. Ne Handvoll gute alte Bondfilme gibt es sicher immer noch, ohne Frage, aber für mich ist das meiste davon doch schon echter Murks. Und warum man sich hier das Maul zerreißt wie es einem Bond einfallen kann sich zu verlieben, warum es nun ausgerechnet die Olle sein muss oder warum ist der so eine Muschi- tja dem sei gesagt weil dieses Bild eben doch mehr der Realität entspricht, als die alten Teile. Kann man mögen, muss man aber nicht. Ändert aber alles nichts an deiner guten Arbeit. Vielen Dank Rullep

25.10.2021 16:50 Uhr - Rullep
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@Stoi, cecil b. Thodde, Schwachkopf79
Danke fürs Feedback:-)

@Draven273
Auch dir ein herzliches Danke für die Rückmeldung! Was Timothy Dalton angeht, so haben wir anscheinend eine ähnliche Meinung über "seinen" Bond: Wenn auch nicht gerade ein Womenizer wie Connery, so hat doch gerade Dalton eine schauspielerisch tolle Vorstellung geboten. Sein Schauspiel war durchzogen von eiskalter Abgeklärtheit und Verletzlichkeit. Allein die Szene, in welcher er Leiters ermordete Frau (LTK) findet und sehr betroffen reagiert ist für mich das beste Beispiel...

Und ja, du hast schon recht! Wenn man sich vor allem die 70er-Bonds mit Moore ansieht, so wirken manche Witze etwas abgestanden und antiquiert. Andererseits ist das bei allen Jahrzehnten auch dem Zeitgeist geschuldet. Das was mich an den Craig-Bonds stört ist vielmehr, daß die Identität der Figur James Bond verloren ging. Er sollte von nun an ein humorloser Pitbull sein, der bestenfalls einen trockenen Oneliner zum besten gibt und ansonsten all die Leichtigkeit vermissen lassen, welche James Bond nun mal AUCH hat! Fehlender Gadget-Firlefanz ist für mich kein Problem, aber für meinen Geschmack wurde hier zum ersten Mal ganz bewusst versucht, die Hauptfigur zu verändern. Gerade im Bezug auf Craigs humorlose und trockene Vorstellungen wirkt es dann geradezu lächerlich, wenn diesem harten Knochen dann auf einmal das Herz in die Hose rutscht...

Bei "Star Wars" erging es mir ähnlich, wobei ich dort noch schockierter vom Resultat war ("Die letzten Jedi"). Gewisse Filmreihen sind nicht zuletzt aufgrund gewisser Wesenszüge der Hauptfiguren so erfolgreich geworden und wenn man eines Tages viele dieser Elemente auf den Kopf stellt, ist es für mich, höflich ausgedrückt, nicht die beste Idee.

Die eigentliche Frage lautet wohl: Braucht man Bond noch oder ist das Franchise inzwischen zu ausgelutscht? Ich möchte mir die Illusion nicht nehmen lassen, das Bond wirklich nochmal in altbekannter Form zurückkehrt, doch "NTTD" macht nicht gerade Appetit auf mehr...

25.10.2021 23:19 Uhr - Ned Flanders
Als einzelner Film macht dieser nicht so wirklich Sinn, bzw ist er irgendwie merkwürdig, man muss halt alle Teile mit Graig als einen sehen.

27.10.2021 11:21 Uhr - Stoi
25.10.2021 23:19 Uhr schrieb Ned Flanders
Als einzelner Film macht dieser nicht so wirklich Sinn...

Als einzelner Film ergibt NO TIME TO DIE schon Sinn aber du hast recht, die Craig-Bonds sind inhaltlich sehr viel stärker untereinander verknüpft, als die älteren Filme.
CASINO ROYALE und QUANTUM TROST sind für mich eigentlich ein Film.

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