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Maniac

Herstellungsland:USA (1980)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Thriller
Alternativtitel:Meeting with Frank
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,24 (162 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ein Mann mittleren Alters namens Frank leidet unter seiner psychischen Krankheit. Er hat ein gefährlich gestörtes Verhältnis zu Frauen.Frank arbeitet als Restaurator für eine Modellagentur und lebt in einer kleinen Wohnung mitten in der Großstadt. Aber er lebt trotzdem vollkommen mit sich und seiner Krankheit allein. Er ermordet Frauen, und skalpiert sie. ()

eine kritik von dicker hund:

William Lustigs "Maniac" ist ein Thriller mit Slasher- und TrueCrime-Versatzstücken, was im Jahr 1980 etwas Rares, wenn nicht gar Einzigartiges war. Mit dem Titel konnte der Regisseur warm werden, nutzte er ihn doch noch für seine "Maniac Cop"-Trilogie. Eine ursprünglich geplante Fortsetzung kam letztlich nicht zustande, auch wenn der Trittbrettfahrer mit gewichtigen Parallelen in der Besetzungsliste "Love to Kill" so vermarktet wurde. Dafür gab es durch das Remake mit Elijah Wood noch einen Popularitätsschub, im Zuge dessen Beschlagnahme und Indizierung des hier besprochenen Vorbildes letztlich überwunden werden konnten, weil die erhöhte Nachfrage die vielzitierten Kräfte des Marktes für eine Finanzierung der Prozesskosten zu mobilisieren vermochte. Es dauerte aber noch bis 2019, bis die Voraussetzungen für die aktuelle Erwachsenenfreigabe der FSK erfüllt waren.

Dennoch bleibt Joe Spinell ("Cruising") in der Rolle des Triebtäters Frank, der sichtlich selbst unter seiner geistigen Verfassung leidet, eine Besonderheit. Bereits die schmierige Begegnung mit einer Prostituierten (Rita Montone) lässt die innere Verkrampfung des Wahnsinnigen unangenehm nachfühlbar werden, peinliches Erleben von Impotenz eingeschlossen (Sex 3/10). Die Behausung des gestörten Protagonisten hinterlässt mit ihrer verspielten Dekoration noch immer den Eindruck von unbehaglicher Authentizität. Das Sahnehäubchen für den wirkungsvollen Horror (6/10) stellen schließlich die entrückten Selbstgespräche des Psychopathen dar, bei deren Klang sich auch in der deutschen Synchro die Nackenhaare sträuben.

"Die wissen nie, wann sie aufhören müssen. Deshalb muss man es ihnen beibringen."

Bricht die verwirrte Gedankenwelt ins Körperliche aus, steht Handwerksmeister Tom Savini über seine gut gelaunt eingebrachte Nebenrolle hinaus parat. Seine Illusion von blutiger Gewalt (7/10) setzt er effekttechnisch exzellent um, insbesondere in der gelungenen Skalpierungsszene. Dieser plakative Haarverlust hat leider noch eine weniger betörende Schwester, die im problematischen Mittelteil ihr fades Unwesen treibt.

Richtig langweilig wird es dort zwar nicht. Allerdings bremst die dialoglastige Begegnung mit der Fotografin Anna (Caroline Munro, "Faceless") das Pacing gehörig aus, während vereinzelte Schockmomente nicht mehr die Wucht der furiosen ersten halben Stunde zu erreichen vermögen. Stellenweise entsteht in dieser Phase sogar bei der Kameraführung eine Aura der Unbeholfenheit, wenn etwa die temporeiche Dynamik auf einem Friedhof so fotografiert ist, dass weder der Schauplatz, noch die Darsteller auch nur ansatzweise so zielführend zur Geltung kommen, wie das in dem vorherigen Abschnitt im U-Bahn-Schacht der Fall war. Zum Glück wird die Stimmung nicht auch noch durch Humor (1/10) verwässert.

"Du hast mich verraten!"

Das spektakuläre Finale entschädigt für die zwischenzeitlich auszuhaltende Durststrecke. Hierbei erhält der bis dahin recht konsequente Realismus eine Fußnote, die an mancher Stelle als Stilbruch empfunden wird, sich aber bei wohlwollender Betrachtung durchaus in die Erzählstruktur einfügt. Ihren Alterungsprozess hat diese große Filmperle (8/10 Punkten) derweil erstaunlich gut überstanden. In Sachen Schauspielkunst, Sicko-Sleaze-Atmosphäre und Latexkapazitäten setzt sie nach wie vor Maßstäbe. Über die vorübergehende Trägheit der Erzählung kann da hinweggesehen werden.

8/10
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Kommentare

16.12.2021 08:59 Uhr - tp_industries
2x
DB-Co-Admin
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Super Kritik!
Unsere Kritikpunkte unterscheiden sich zwar in einigen Bereichen ( was ja in Ordnung ist ), bei der Punktzahl liegen wir aber gleichauf.
Faire Review. Gut gemacht! :)

16.12.2021 10:58 Uhr - cecil b
1x
Moderator
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Stimmt. ^^^^ ;)

16.12.2021 11:12 Uhr - Horace Pinker
1x
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Klasse Besprechung, sprachlich Top und inhaltlich nachvollziehbar wie gewohnt gute Arbeit dicker Hund! Maniac empfinde ich ähnlich gut, auch wenn mir das Remake insgesamt sogar noch ein Stück besser gefallen hat (nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen First Person Perspektive). Kleine Nebeninfo am Rande: Laut Tom Savini wurde für den berüchtigten Kopfschuss eine echte Schrotflinte verwendet, ohne eine Genehmigung einzuholen weshalb alle Beteiligten nach dem Ende der Szene schnell abgehauen sind um keinen Ärger mit der Polizei zu bekommen.

16.12.2021 14:19 Uhr - dicker Hund
3x
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Danke Ihr Drei! "Maniac" und sein Remake haben hier schon viele gelungene Kritiken erhalten. Allerdings hat noch kein Autor die vermeintliche Fortsetzung einbezogen, zu der es bislang nur die (für sich genommen ergiebige) Einzelbesprechung des Kollegen Nubret gibt. Dieser und der Neuverfilmung werde ich mich in den nächsten Tagen annehmen.
:-)

16.12.2021 14:56 Uhr - Fratze
1x
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16.12.2021 14:19 Uhr schrieb dicker Hund
Danke Ihr Drei! "Maniac" und sein Remake haben hier schon viele gelungene Kritiken erhalten. Allerdings hat noch kein Autor die vermeintliche Fortsetzung einbezogen, zu der es bislang nur die (für sich genommen ergiebige) Einzelbesprechung des Kollegen Nubret gibt. Dieser und der Neuverfilmung werde ich mich in den nächsten Tagen annehmen.
:-)


Cool, da hat die Leseratte nach dieser wie üblich kompakt-brilliant-eloquenten Kritik ja was zum sich drauf freuen ^^

Bei der Wertung gehe ich mit, würde allerdings auch dem Remake ein (bis zwei?) Pünktchen mehr gewähren. Nichtsdestotrotz aber ein sehr guter Genre-Beitrag, der wie so viele andere Werke lange Zeit völlig verkannt wurde.

16.12.2021 20:28 Uhr - dicker Hund
1x
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Wenn im Dungeon mitgelesen wird, läuft der Tag.
:-))

17.12.2021 07:06 Uhr - Intofilms
1x
Sehr guter Film, ein Triumph für Joe Spinell. Immer wieder sehenswert. Brillante Vorstellung!

17.12.2021 19:23 Uhr - CHOLLO
1x
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Super Film, Super Kritik :)
Immer noch einer meiner Top 5 überhaupt. Joe Spinell ist einfach eine Kapazität in diesem Psychogramm.

17.12.2021 22:31 Uhr - dicker Hund
1x
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Auch Euch beiden herzlichen Dank!

Möge Joe Spinell in Frieden ruhen...

19.12.2021 09:18 Uhr - leichenwurm
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Klassiker, der in Sachen Atmosphäre immernoch reinhaut wie kein zweiter. Und Joe Spinell gibt dem Wahnsinn ein ausdruckstarkes Gesicht. Etwas zähere Passagen im Mittelteil sind vorhanden, passen aber fast schon wie die Faust aufs Auge zum Inhalt. Wenn Frank Zito versucht seine Psychose zu unterdrücken, um sich der Fotografin zwischenmenschlich zu nähern, dann zeigt sich seine Unsicherheit auch in der verwendeten Bildsprache bzw. der allg. Inszenierung. Das die "Stalk'n Slash"-Szenarien auffallend versierter inszeniert sind, unterstreicht wie sehr sein psychotischer Trieb zu töten die Kontrolle über sein Leben hat... (zumindest interpretiere ich das da rein... ;-))) !
Sehr schöner Text, dicker Hund !

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