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Fable III

Herstellungsland:Großbritannien (2010)
Standard-Freigabe:USK 16
Alternativtitel:Fable 3
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Fable III ist der nächste bahnbrechende Teil der hochgelobten Fable-Reihe. Führt die Revolution an, um die Herrschaft über Albion zu übernehmen. Kämpft an der Seite Eures Volkes. Erlebt Liebe und Verlust, während Ihr Euch darauf vorbereitet, das Königreich gegen ein drohendes Unheil zu verteidigen. Eure Entscheidungen als Herrscher führen zu Konsequenzen, die im ganzen Land zu spüren sind. (xbox.com)

eine kritik von dicker hund:

Zwei Jahre nach "Fable 2" wurde die Sagenwelt in die dritte und bislang letzte Runde geschickt, welche im Testbetrieb auf der XBOX 360 nachvollzogen wurde. Eine bittersüße Intro-Sequenz mit einem Huhn lässt gleich in die gewünschte Atmosphäre eintauchen, welche der Nachwuchs des Protagonisten aus dem Vorgänger in der zwischenzeitlich eingetretenen Epoche der Industrialisierung verspürt. Der skrupellose Reaver darf als Fabrikbetreiber wiederentdeckt werden, während der Bruder des Alter Egos anfangs noch auf dem Thron sitzt. Einmal mehr heißt es, von einer goldfarbenen Glitzerspur gelenkt Verstärkung im Kampf gegen die Macht um sich zu scharen. Los geht's!

"Die Geschichte beginnt."

Mit am Start sind verstärkte Probleme der Technik. Das Laufwerk ächzt und stöhnt, während die Software das System an ihre Grenzen führt - und darüber hinaus. Ob nun gelegentlich die Bildrate stottert, häufig via Draw-in die Landschaften im Salami-Prinzip aufgebaut werden oder selten gleich noch einige Bewohner Albions wegen Clipping-Fehlern ineinanderstecken, die Überforderung der Prozessoren ist nicht zu übersehen. Wer einmal versucht hat, "Half-Life" auf der Playstation 2 zu spielen, dürfte eine ungefähre Vorstellung haben, wobei die Geräuschkulisse eines altersschwachen Trabanten wie aus diesem Extremvergleich nicht ganz erreicht wird. Der Spielfluss bleibt meistens gewahrt, und das Programm läuft verlässlich weiter, selbst wenn es einmal auf die Bremse treten muss. Eine werthaltige Entschädigung für die nicht ganz optimalen Äußerlichkeiten bietet der inhaltliche Einstieg, weil hier erstmalig auf nervig-verniedlichten Kindheits-Kitsch verzichtet worden ist. Mit dem liebgewonnenen Bello an der Seite findet man sich als verwöhnt-adoleszenter Prinz im Schloss wieder, von wo aus zu Abenteuern aufgebrochen wird, noch ehe man sich versieht. 

Dort beeindruckt ein optimiertes Kampfmodell, das die Wechsel zwischen den drei Disziplinen "Nah", "Fern" und "Magie" ebenso belohnt wie das Umschalten von leichten zu schweren Angriffen oder den Einsatz eines taktischen Rückzuges. Keine Balken am linken oberen Bildrand irritieren hier mehr; sogar der Exitus kostet lediglich Erfahrungspunkte, ohne zum Neustart einer Mission zu zwingen. Derlei Vereinfachungen finden sich vielerorts: Interaktionen mit anderen folgen einer festen Vorauswahl, übersinnliche Attacken sind auch ohne Upgrades schon recht effektiv, weil eine Art "Bullet Time" ebenso wie die Beschwörung von Kreaturen inzwischen gesonderten Tränken vorbehalten sind - und die wenigen Erwerbstätigkeiten sehen alle wie ein simples "Guitar Hero" aus. Auf letztere kommt es kaum noch an, da mit Silberschlüsseln oder dem Graben nach Schätzen genug Moneten gefunden werden können. Bei der Kommunikation ist der schräge Humor (6/10) erhalten geblieben, der beispielsweise das Anfurzen von Verkäufern gestattet. Hinzu treten Gags wie ein abstruses Hühnerkostüm, eine "Brettspiel"-Einlage oder die rotzigen Bemerkungen der unverschämten Gartenzwerge, die an die Stelle der Gargoyles treten, um die Welt mit ihren bizarren Sprüchen unsicher zu machen.

"Wenn ich einen Freund wie euch hätte, könnte ich ihm Geheimnisse erzählen - und ihn dann anzünden!"

Selbst in die Ladebildschirme sind Witzchen eingebaut, etwa das Poster mit der Aufschrift "Feed your brat a rat". Weniger lustig sind einige Nickeligkeiten, an die man sich erst gewöhnen muss. So ist es auf einmal nicht mehr möglich, bestimmte Kategorien von Lebensmitteln gleichzeitig mitzuführen. Warum nicht Möhren und Fleisch ins Gepäck dürfen, bleibt ein Rätsel der Programmierer. Ebenso unbeantwortet steht die Frage im Raum, warum die kleinen Fieslinge mit den roten Mützen während bestimmter Ereignisse nicht mitgenommen werden können, obwohl sie einem direkt vor der Nase hocken. Größter Nerv-Faktor ist allerdings die Zeitlupe, die eigentlich besonders gelungene Treffer des ferngesteuerten Helden feiern soll, tatsächlich aber eine Strafe für dieselben darstellt. Denn meistens zoomt die Kamera hierfür auf den getroffenen Angreifer, während seine Kameraden unbehelligt offscreen auf den armen Königssohn eindreschen. Zum Glück lässt sich selbst dieser Marotte dank des moderaten Schwierigkeitsgrades ohne allzu große Frustfolgen begegnen. 

Lust dagegen bereitet das Wiederbetreten schon erkundeter Gebiete, gleich ob infolge eines konkreten Auftrages oder auf eigene Faust. Die Welt ändert sich aufgrund der getätigten Aktionen - oder weil einfach mal der Winter einbricht und überall Schnee liegen lässt. Zugleich sind nicht alle Goodies sofort verfügbar oder alle Wege frei. Spiegelbildlich ist es spürbar, ob ein Bereich vor kurzem aufgesucht worden ist. Denn Feinde respawnen nicht einfach unendlich, sondern werden nur sporadisch einmal ergänzt oder nach einem gewissen Fortschreiten des Plots durch stärkere Wesen ersetzt. Die Balverine bleiben gruselig, vor allem in einem finsteren Wald. Später gibt es noch neuartige Schattengestalten zu entdecken, deren Anführer ziemlich kranke Botschaften ins Mikrofon raunt, während ein virtueller Begleiter mit einer Fackel den Weg aus einer Höhle zu leuchten versucht (Horror 4/10). In Sachen Gewalt (3/10) befindet man sich hingegen ungefähr auf dem Niveau von Teil 2, so dass dessen parallele USK 16 hier nachvollziehbarerweise ebenfalls gilt.

Daneben findet sich einiges an altbewährten Versatzstücken: Was wäre eine "Fable" ohne Arenakämpfe? Würde man einen Auftragsmord im Namen einer unheiligen Macht nicht vermissen? Und wer wünscht sich nicht den unsichtbaren Sex (2/10), für den geheiratet werden darf, ohne dass deswegen die Darstellung eines Bordells ein wenig Erotik spendiert erhalten würde? Doch bevor sich Ermüdung breit macht, spielt der Titel seinen größten Trumpf aus, indem er in einem genialen Abschnitt majestätische Entscheidungen abverlangt, welche die Last der Verantwortung spürbar machen. Sich hier mit allen Konsequenzen für Albion und seine Moralparameter festlegen zu müssen, gehört zu den coolsten Ideen der Videospielgeschichte. Entsprechend motiviert sieht man gerne zu, wie sich Berge von Gold im begehbaren Pausebildschirm türmen. Ein Bereich namens "Unterschlupfladen" versorgt hier flink mit allem, was nötig ist, einschließlich der vielleicht besten Übersichtskarte, die in der Serie bisher genutzt werden konnte.

Nach alledem hält "Fable III" als eigenständiges Werk innerhalb des Franchises qualitativ mit. Das Original war ein wenig härter und "nerdiger", die erste Fortsetzung handwerklich am beeindruckendsten. Das vorliegende Finale besticht dagegen vor allem mit dem Geist von Revolution, die womöglich ihre Kinder frisst, und der anschließend gefragten staatsmännischen Haltung. Dadurch liegen letztlich jeweils große Spieleperlen (8/10 Punkten) vor, die alle ihre individuellen Stärken und Schwächen haben, von welchen erstere klar überwiegen. 

 

 

8/10
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Kommentare

28.11.2021 13:09 Uhr - tp_industries
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Und BÄM!
Damit sind die Reviews zu dieser Trilogie perfekt.

"Fable" hat mich auch immer gereizt. Als reiner Playstation Spieler bin ich allerdings nie in den Genuss dieser Spielreihe gekommen. Aber wer weiß, vielleicht wird es ja noch portiert. "Alan Wake" habe ich auch schon abgeschrieben. Und siehe da, letzten Monat kam es als Remastered Version auch für die Sonykonsolen raus. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Dein technischer Vergleich zu der PS2 Version von "Half Life" finde ich übrigens klasse. Ich kann mich da auch noch dunkel an die bescheidene Umsetzung erinnern.

Ansonsten hast du die Reihe unterhaltsam und informativ dargestellt. Vielen Dank für die Fleißarbeit!

28.11.2021 14:13 Uhr - dicker Hund
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Danke tp! Mir geht es wie Dir mit "The Last of us". Die dürften gerne mal auf Microsofts Konsolen erscheinen...

28.11.2021 14:38 Uhr - tp_industries
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Jup. Obwohl ich "The Last of Us" nicht so geil finde. "Days Gone" finde ich aber richtig stark. Könnte auch dir gefallen. Aber eben alles Geschmackssache. :)

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