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Her Name Was Christa

Herstellungsland:USA (2020)
Genre:Horror, Drama, Liebe/Romantik, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,00 (2 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der in einer Telefonagentur arbeitente Stephen ist ein in mittlerem Alter stehender Mann, sozial unauffällig und verzweifelt einsam. Auf den Hinweis eines Kollegen, er solle sich nachts eine "Prostituierte" suchen, um seine Einsamkeit zu bekämpfen, trifft er auf Christa, ein "Call Girl", die erst aufgrund des großzügigem Honorars von Stephen profitiert, sich aber aufgrund der regelmäßigen Treffen nach und nach in diesen verliebt. Was zunächst als eine Geschäftsbeziehung zwischen Stephen und Christa beginnt, endet zunächst in echter Liebe. Als Christa dann einen lebensbedrohlichen Fehler begeht, verwischen sich für den liebenstrunkenen Stephen immer mehr die Realität mit echtem Wahnsinn... ()

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von dr. kinski:

Love conquers all… sometimes even death…

Bei diesem Untertitel lässt sich schon erahnen, wohin die Reise gehen soll... Da es sich ohnehin nicht um einen Titel handelt, der mal ebenso im örtlichen Elektronikmarkt eingesteckt wird und die Leute, die sich diesen Film zulegen, ganz genau wissen, worauf sie sich einlassen, werde ich auch gar nicht versuchen viel herumzureden und das Ende der Tragödie spoilern. Die Warnung ist gegeben und an alle, die jetzt wieder raus sind. Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal.

Wer noch immer da ist, dem möchte ich nun, ohne um den hier schon kalten Brei herumzureden, Christa und Stephen vorstellen. 

James L. Edwards, der mit Her Name was Christa im Jahr 2020 seinen Einstand als Regisseur feierte und auch direkt die Hauptrolle übernahm, erzählt die traurige Geschichte von Stephen, der, nachdem seine Frau bei einem Unfall gestorben ist, ein sehr einsames Leben führt. Stephen hat keine nennenswerten Freunde und sehnt sich danach wieder eine Frau zu finden, die er bedingungslos lieben kann. Da er sehr schüchtern ist und optisch auch nicht viel her macht, fällt es ihm aber sehr schwer Frauen überhaupt nur anzusprechen. Da er auch auf den Dating-Plattformen gemieden wird, hat er sich eigentlich schon mit seiner Einsamkeit abgefunden, bis ein Arbeitskollege ihm rät, nachdem es mit einer Prostituierten auch nicht wirklich funktioniert hat, sich eine Prostituierte für ein sogenanntes „girlfriend-experience“ zu mieten. Dabei verbringen die beiden, gegen Bezahlung, ganz einfach die Zeit miteinander und verhalten sich, als ob sie eine Beziehung führen würden. Tatsächlich findet er die attraktive Prostituierte Christa (Shianne Daye) , die bereit ist beim „girlfriend-experience“ mitzumachen. Die beiden verlieben sich nach einer Zeit und verbringen ihr Leben glücklich miteinander, bis das der Tod sie scheidet…

ENDE

Oder doch nicht, denn der Tod hat es dieses Mal ganz schön eilig und so segnet Christa bald das zeitliche, was Stephen wiederum so gar nicht akzeptieren möchte…    

Das Thema Nekrophilie ist schon länger ein beliebtes Thema im härteren Horror-Bereich, um die Zuschauer mit meist kurzen Szenen zu schockieren. Filme, die sich dieser Thematik im vollen Umfang widmen, sind aber vergleichsweise selten. Das mag auch daran liegen, dass ein solcher Film höhere Anforderungen an die Filmemacher stellt als ein X-beliebiger Amateur-Splatter. Gewissermaßen wird eine Art Liebes-Drama erzählt, wobei es selten actionreich zugeht. Die Schauspieler müssen ihre Rollen glaubhaft verkörpern und natürlich fallen bei so einer Handlung auch Musik, Kameraführung, Schnitt und Effekte deutlich mehr ins Gewicht. Künstlerisches Talent ist also gefragt, um Atmosphäre zu erzeugen und den Film glaubhaft zu realisieren. Genau da hakt es dann auch schon bei vielen Produktionen und spätestens, wenn Filmemacher anfangen ein Halloween-Kostüm mit Maden zu bewerfen, geht es schnell bergab. Der Film überzeugt nicht, wird langweilig und ist im schlimmsten Fall irgendwann nur noch peinlich. An diesen Anforderungen ist schon so mancher Regisseur gescheitert. Buttgereit’s Filme bilden da natürlich eine Ausnahme und stehen wohl bis heute an der Spitze von einigen wenigen Langfilmen, obgleich Dora’s Verlangen der Maria D. auch ganz stark umgesetzt wurde und hier aus meiner Sicht durchaus Konkurrenz bietet.

Im Bereich des Kurzfilms haben verschiedene Filmemacher im Laufe der Zeit schon einiges mehr auf die Beine gestellt. Der düstere und gleichwohl verstörende Aftermath dürfte der Mehrheit ein Begriff sein und bei genauerem Hinsehen lassen sich noch andere Filme, wie Love Dump oder Flesh meets doll(s) finden, die im Bereich der grenzüberschreitenden Gewalt zwar noch eine Schippe drauflegen und dort punkten, mit der Qualität eines Aftermath, in Bezug auf Atmosphäre und Inszenierung aber bei weitem nicht mithalten können.

James L. Edwards hat hier also ein kontroverses und ebenso schwieriges Thema für seinen Film gewählt.

Grundsätzlich muss ich sagen, dass er es geschafft hat, einen doch recht hochwertigen Film zu produzieren. Der Film wirkt wertiger, als das Budget erahnen lassen würde und die beiden Schauspieler sind nicht schlecht. James L. Edwards, der hier den trostlosen Stephen gleich selbst verkörpert, nehme ich seine Rolle ab, was neben der Schauspielerei auch seiner Optik geschuldet ist. Der füllige Mann mit Halbglatze gibt schon ein teilweise bemitleidenswertes Persönchen ab. Auch Shianne Daye als Christa spielt ganz passabel. Die beiden lernen sich kennen und verbringen viel Zeit miteinander… Sehr viel Zeit…

Genauer gesagt fast 60 Minuten zuzüglich der Vorgeschichte, bis Christa überhaupt mal auf den Plan tritt. Dementsprechend haben wir es hier mit etwa 80 Minuten Liebesgeschichte, fern von jeglichem Horror, zu tun. Das frische Pärchen verbringt die Abende miteinander, nebenbei dudelt ein langsamer Soundtrack, der zwar gut zu einer romantischen Liebesgeschichte passt, aber nicht gerade Tempo verspricht und der Zuschauer braucht so schon einen langen Atem, um nicht die Geduld zu verlieren. Natürlich ist es notwendig, die Charaktere ausführlich einzuführen und so kann man als Zuschauer, den Schmerz und die Trauer, die Stephen nach Christas Ableben empfindet gut nachvollziehen. Der arme Mann tut einem Leid, aber schneller hätte es trotzdem gehen können. Spätestens nach 60 Minuten erwarte ich, jedenfalls bei Horrorfilmen, etwas Horror, ansonsten packt mich meist die Ungeduld.

Das lange Warten lohnt sich dann aber doch, denn der Effektkünstler (Alan Tuskes) hat sich hier ordentlich Mühe gegeben. Erst sieht Christa noch relativ ansehnlich aus und der Zersetzungsprozess beginnt mit typischen Leichenflecken. Der Zeitraum, in dem die Leiche so daliegt, erstreckt sich aber wohl über mehrere Wochen, in dem es häufiger zu Zusammenkünften kommt und es bald unschön wird. Spätestens, wenn Stephen die Reste von Christas Gesicht ableckt und dabei Leichensekret und geronnenes Blut, nur so an ihm heruntertropft, könnte es passieren, dass sensible Zuschauer vorzeitig wieder mit ihrem Abendessen konfrontiert werden. Der Soundtrack ist noch immer ruhig und romantisch, aber schon etwas düsterer und untermalt auf diese Weise die Situation sehr schön. Interessant ist hier neben der Effektarbeit aber noch die Kameraführung, denn da Stephen offenbar seinen Verstand verloren hat, realisiert er nicht wirklich, dass Christa verstorben ist und so ist ein Splitscreen zu sehen, welcher einmal das Bild zeigt, wie Stephen es sich vorstellt und die bittere Realität. Eigentlich ist er ja überhaupt kein Nekrophiler, er will eben einfach nur geliebt werden.

Insgesamt also ein gutes Regiedebüt, welches durchaus handwerkliches Talent in vielen Bereichen erkennen lässt, was aber leider viel zu lange braucht, um in Fahrt zu kommen. 120 Minuten sind für so ein Werk wirklich zu lang und so kommt leider nie wirkliche Spannung auf. Es liegt also an jedem selbst zu entscheiden, ob 40 Minuten Nekro-Wahnsinn für 80 Minuten belanglose Romanze entschädigen.

Für einen Geheimtipp reicht es an dieser Stelle also nicht, aber für eine schwierige und gleichwohl schmierige Thematik, die ganz solide inszeniert wurde, sowie großartige Effektarbeit bekommt Christa 6,5 hungrige Maden von mir.

7/10
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Kommentare

30.11.2021 09:50 Uhr - Man Behind The Sun
2x
User-Level von Man Behind The Sun 6
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Ich finds super, wie du den Film vergleichst und auch das positive raus ziehst.

Ich hab selbt eine Kritik damals zu dem Streifen verfasst und war nur semi-begeistert. Bin selbst Fan von Nekromantik, aber der schafft es, wie Aftermath, die ganze Laufzeit über zu fesseln und zu überzeugen. Das schafft Her Name was Christa im ersten Drittel nur bedingt.

wenn man das aber "überstanden" hat, geht natürlich echt in die Vollen. Vielleicht sollte ich ihn mir doch nochmal ansehen.

Danke für deine Kritik, und weiter so!

30.11.2021 21:15 Uhr - Dr. Kinski
1x
User-Level von Dr. Kinski 3
Erfahrungspunkte von Dr. Kinski 111
Vielen Dank für dein Lob!

Ich muss dir zustimmen. Zu Beginn fesselt der Film nicht wirklich und bei einer Zweitsichtung wird es mit Sicherheit auch nicht interessanter. Das liegt aber m.E. daran, dass der Film einfach keine bedrohliche Atmosphäre oder ähnliches aufbaut. Man versucht es zwar mit diesen kleinen Interviews von Stephen aus der Psychiatrie, aber irgendwie funktioniert das nicht so richtig und 80 Minuten dümpelt der Film halt so vor sich hin. "Nekromantik" und "Aftermath" haben das viel besser hinbekommen, dort merkt man wie der Film immer weiter auf den Abgrund zusteuert bzw. die Atmosphäre einfach passt. In dieser Hinsicht könnte "Her Name was Christa" noch einiges lernen, da er ansonsten wirklich gar nicht schlecht gemacht ist. Eigentlich passt ja vieles, nur die belanglose und quälend lange Vorgeschichte macht alles etwas madig :)

01.12.2021 20:53 Uhr - cecil b
1x
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Tolle Vorstellung!

Den kenne ich noch nicht

NEKROMANTIK finde ich großartig, und wer so einer Thematik etwas abgewinnen kann, dem empfehle ich auch diesen Film: https://www.schnittberichte.com/review.php?ID=10964

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