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Hexen bis aufs Blut gequält

Herstellungsland:Deutschland (1970)
Standard-Freigabe:FSK keine Jugendfreigabe
Genre:Horror, Drama, Thriller, Historie
Alternativtitel:Mark of the Devil
Brenn, Hexe, brenn
Hexen
Austria 1700
Burn, Witch, Burn
Satan
Witches Are Tortured to Death
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,14 (50 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Zur Zeit der Hexenverfolgung: Graf Cumberland übernimmt das Regiment im Fürstentum und löst damit den brutalen Hexenjäger Albino ab, für den Folter und Verbrennung zur Tagesordnung gehören. Doch auch der Graf versteht es als seine heilige Pflicht, die vermeintlichen Dienerinnen Satans zu jagen und unschädlich zu machen. Diese Kunst will Cumberland an seinen Schüler Christian weitergeben, doch der verliebt sich in Vanessa, eine Verdächtige... (Turbine/NSM DVD-Cover)

eine kritik von dicker hund:

Früher, vor langer, langer Zeit, gab es ihn einmal: Den deutschen Nicht-Amateur-Exploitationfilm! "Hexen bis aufs Blut gequält" von 1969 erinnert in seinen Startminuten voller Folter und Hinrichtungen an die japanischen "Tokugawa"-Filme, die (unter anderem) spiegelbildlich zum vorliegenden Werk die Christenverfolgung unter den Shogunaten zum Anlass für allerlei vordergründige Schockeinlagen genommen haben. In "Mark of the Devil", wie er international heißt, geht es um die Schrecken der Inquisition. Zunächst Michael Armstrong und später Adrian Hoven hauchten einer simplen Geschichte um dieses Thema Leben ein.

Der Cast ist mehr als vorzeigbar. Als Richter über Leben und Tod schaut Herbert Lom ("The Sect") grimmig in die leicht stotterig geführte Kamera, wenn er zum Beispiel seinen Lehrling (Udo Kier, "BloodRayne") mit Weisheiten beglückt. Das höher in der kirchlichen Hierarchie stehende Duo macht dem bisher mit der Hexenjagd befassten Analphabeten Albino (Reggie Nalder, "Brennen muss Salem") seine Position streitig. Dieser versucht sich deshalb mit besonderer Härte zu beweisen, indem er seine Kettenhunde wie Jeff (Herbert Fux, "Jack the Ripper") nach tatsächlichen oder vermeintlichen Teufelsanbetter*innen schnüffeln lässt. Eine von ihnen ist die hübsche, aber vorlaute Wirtin Vanessa (Olivera Katarina, "Ich traf sogar glückliche Zigeuner"), die den Azubi des Klerikers mit ihren "Augen" (die weiter unten) verzaubert, was dem Nebenbuhler Albino ein Dorn im Auge ist. Als angebliche Hexe ist sie angesichts ihres frechen Mundwerks schnell in Bedrängnis.

"Auch an den Teufel würde ich nur glauben, wenn ich ihn sehe."

Derlei Blasphemie gilt es mit heftigen Quälereien zu begegnen, die zur Mitte hin einen kleinen Höhepunkt zum Stichwort "böse Zunge" bereithalten. Der gelegentlich enthaltene Splatter (Gewalt 6/10) verfehlt seine Wirkung nicht. Die Zensur ließ nicht lange auf sich warten, so dass kaum noch Fassungen mit vollständiger deutscher Originaltonspur zu finden sind. Von Beschlagnahme und Indizierung ist der Titel zwar zwischenzeitlich erlöst, gedauert hat das aber leider bis 2017 (!). Die Phase der B-Streifen, in denen Geklimper mit Singsang wie in den italienischen Kannibalenheulern läuft, ging in der Zwischenzeit gnadenlos an der weiteren inländischen Filmwirtschaft vorbei. Diese beugte sich weitgehend dem Druck der kunstfeindlichen Politik und überließ letztlich so ziemlich das ganze Genre der weltweit weniger behelligten Konkurrenz und dem semiprofessionellen Sektor.

Dabei ist diese kleine Filmperle (7/10 Punkten) doch so schön anzuschauen in dem von Schlossmauern umgebenen österreichischen Originalschauplatz, wo aufwändig kostümierte Statisten die Illusion vergangener Tage beleben. In der passend geschwollenen Sprache mit  ihren einfachen Wahrheiten kann stets ein autoritätskritischer Kontext mit historischem Bezug entdeckt werden, was als gewisses Grundniveau Anerkennung verdient. Die beteiligte Darstellerriege wertet ihre einfach gestrickten Rollen durch ein beneidenswertes Charisma auf. 

Doch am Ende blieb nur der Eindruck von unbarmherziger Peitschenschwingerei, eineinhalb Vergewaltigungen und ähnlichen Dingen, die für Zartbesaitete und Minderjährige damals sicher noch schwerer verdaulich waren als für die heute sehr medienerfahrene Gesellschaft (Horror 6/10). Auch mit der Erotik, die mal sleazig auf der Streckbank auf Kleidung verzichtet und mal zärtlich im Bereich der einvernehmlichen Näherungen unterwegs ist, hat "Mark of the Devil" genug Reizwerte (Sex 4/10), um noch immer bei engstirnigen Zuschauern Anstoß zu erregen. Das überdeckt seinen Verdienst, barrierearm einen kritischen Zugang zu vergangenem Kirchenunrecht herzustellen.

7/10
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6/10

Kommentare

07.01.2022 11:08 Uhr - sonyericssohn
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Auch heute noch ein ziemlich heftiges Werk ! Hat in meinen Augen nichts von seiner Wirkung verloren.

07.01.2022 16:34 Uhr - Roadie
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Wenn man die Umstände der Entstehung dieses Films sieht (Regisseur Armstrong wurde gefeuert und Adrian Hoven übernahm dann selbst inklusive eigene Rolle). Dann ist da echt eine kleine Filmperle entstanden. (8,5/10)

Ich selbst war vor ein paar Jahren noch in Mauterndorf am Original Drehort und natürlich auf Schloss Moosham.
Bei den täglichen Führungen dort kann man im Schloss auch den Folterkeller inklusive Streckbank, "Folterwerkzeug", Kutsche und das komplette Zimmer des Wirtshauses begutachten.

07.01.2022 16:52 Uhr - dicker Hund
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@Sony
Kann sein. Die damalige Wirkung war vor meiner Zeit.
;-)

@Roadie
Danke für die sinnvollen Anmerkungen; eine eurozentrierte Exploitation-Schlosstour wäre auch ganz nach meinem Geschmack...

07.01.2022 17:52 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Haha, das kommt davon wenn man sich ungeschickt ausdrückt ! :-D

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