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Old

Herstellungsland:USA (2021)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Horror, Fantasy, Thriller, Mystery
Alternativtitel:Decrepit
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,35 (17 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Als sich ein Elternpaar (Gael García Bernal, Vicky Krieps) mit seinen beiden Kindern an einem paradiesischen Strand erholen will, geraten sie in den Bann eines schockierenden Phänomens: Sie werden rasend schnell alt. Am Ende eines Tages wartet auf sie der Tod. Überleben können sie und die anderen Besucher nur, wenn sie das unheilvolle Rätsel dieses Ortes lösen… (Universal Pictures)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Ein wunderbarer Urlaub steht der kleinen Familie bevor. Prisca, Guy ihre beiden Kinder Maddox und Trent wollen einfach nur die Seele baumeln lassen. Doch so heil wie es scheint ist das Familienidyll aber nicht. Zwischen Prisca und Guy kriselt es, wollen das aber gegenüber ihren Kindern so geheim wie möglich halten. Um der aufkommenden Langeweile zu entfliehen nehmen sie ein besonderes Angebot des Hotelmanagers an. Er bietet der Familie an sie an einen geheimen Strand zu bringen den außer ihm niemand kennt. Zusammen mit einer anderen Familie und einer älteren Dame lassen sie sich dorthin bringen und betreten ein Paradies ! Doch die Begeisterung hält nicht lange an, denn es geht eine furchtbare Veränderung vor !

OLD

Einen gewissen Fleiß kann man dem in Indien geborenen Regisseur M. Night Shyamalan mit Sicherheit nicht absprechen. In schöner Regelmäßigkeit wirft er einen Mysterythriller nach dem anderen auf den Markt und sorgt mit Werken wie -Signs-, -The Village-, -The Happening- oder dem kürzlich erschienenen -Glass- nicht selten für allerlei Fragen. Manchmal weiß man nicht was er einem (also mir) mit seinen Filmen sagen will. So einfach sie erscheinen wollen umso kryptischer wirken sie auf mich. Ob's am mangelnden Zugang liegt ? Oder kapier ich ihn wirklich nicht ? Und sieht das mit seinem aktuellen / vorliegenden Werk genauso aus ? Mal sehen…

Vicky Krieps (Das Boot - Serie, Wer ist Hanna ?) und Gael Garcia Bernal (Desierto) sind als Prisca und Guy zu sehen. Sie versuchen nach außen hin Harmonie und Zuneigung zu zeigen um zu verschleiern daß hinter der heilen Fassade bereits alles am bröckeln ist. Man überwirft sich mit Vorwürfen, beschuldigt sich gegenseitig und denkt die Kinder bekommen nix mit…

...doch die 11- jährige Maddox (Alexa Swinton) und der 6- jährige, geistig überaktive Trent (Nolan River) merken natürlich daß es bei den Eltern immer wieder zum Streit kommt. Oder sind dabei ohne daß das Ehepaar dies mitbekommt. Und das ausgerechnet im Urlaub…

Na zum Glück kommt der Hotelmanager (Gustaf Hammarsten) mit dem Tip um die Ecke ! 

Nun gesellt sich noch das ungleiche Pärchen Charles (Rufus Sewell; u.a. Gods of Egypt, The Tourist, Ritter aus Leidenschaft) und Chrystal (als verwöhnte Tussi Abbey Lee; Lux AEterna, Elizabeth Harvest, The Neon Demon) samt Tochter Kara (Mikaya Fisher) hinzu. Auch Charles Mutter Agnes (Kathleen Chalfant; Hereditary) und ihr geliebter Hund lässt es sich nicht nehmen ebenfalls den Strand aufzusuchen.

Dort trifft die Gruppe auf Sedan (Aaron Pierre) der offenbar schon länger hier ist und die Leute erstmal aus der Ferne beobachtet. Warum so vorsichtig ? 

"Irgendwas stimmt mit diesem Strand nicht…"

Mein Problem mit Shyamalans Werken war eigentlich stets das gleiche. Ich hatte das Gefühl daß er viel Kraft und Aussage unterbringen wollte aber dies nur wenig bis gar nicht funktioniert hat. Natürlich spreche ich nur für mich, andere sehen das mit Sicherheit anders. Doch neugierig wie ich nunmal bin hab ich meist tapfer durchgehalten...auch wenn ich nicht alle Filme von ihm sah. Ein Faktor allerdings scheint sich wie ein roter Faden durch seine Streifen zu ziehen. Einsamkeit und Isolation. In -The Village- war es die Tiefe eines Waldes, in -The Happening- wurde fast das ganze Land zu einem Gefängnis...wenn auch ein sehr weitläufiges. In -Signs- wurde ein Farmhaus quasi zur Zelle. Und jetzt soll ein harmloser Strand in dieselbe Kerbe schlagen ? Wenn man so will, ja. 

Und dabei beginnt alles so beschaulich und friedlich. Die Cappas (Prisca & Guy) reisen mit ihren Kindern in einem Kleinbus an. Natürlich dauert es den Kiddies ein wenig zu lange und nörgeln genüsslich. Na zumindest Maddox übt sich in Gesang was ihre Mutter sichtlich erfreut. Trent allerdings scheint etwas in sich gekehrt und wenn er spricht dann auf eine seltsam frühreife (?) Art. Des weiteren besitzt er eine gewisse Neugier an die man sich gewöhnen muss. Oder wie sonst soll man sich erklären warum er wildfremde Menschen mit "Hallo ich bin Trent, wie heißen sie und was machen sie beruflich ?" anspricht ? Also jedenfalls gestaltet sich die Ankunft in der schnuckeligen Hotelanlage äußerst harmonisch. Der Hotelmanager ist die Freundlichkeit in Person, seine Angestellte Madrid (Francesca Eastwood; The Safe, Art of Revenge) serviert sogleich Getränke. Alles auf die Gäste zugeschnitten. Wie nett und fürsorglich man doch ist… Es dauert dann auch ned lange bis der Zuschauer erkennt daß was faul ist in der Familie Cappa. Die Eltern bewerfen sich mit Vorwürfen, sprechen von Vergangenheit und möglicher Zukunft und von etwas nicht heilbaren. Der Groschen fällt etwas früh was das betrifft und dabei muss man auch kein Hellseher sein um zu erkennen worum es sich dabei handelt. Somit ist gleich zu Beginn klar welche Last das Paar mit sich trägt. Doch sollte die Befürchtung aufkommen es würde keine Charakterentwicklung stattfinden...keine Sorge. Entwicklungen gibt's noch genug !!!

Zusätzlich erlebt man Paar Nummer zwei bei ihrer ganz eigenen Art Urlaub zu genießen. Angestellte herumscheuchen scheint Chrystals Lieblingssport zu sein. Sie selbst achtet scheinbar sehr auf ihr Äußeres (ein sehr knöchriges Äußeres samt tonnenweise Schminke), achtet auf ihre kleine Tochter daß sie auch aufrecht zu Tisch sitzt...der Haltung wegen und der Haltung der Mutter… Währenddessen kümmert sich Charles darum daß alles gut aussieht. Macho ! Auch hier gibt's noch recht wenig charakterliche Entwicklung, aber wie ich schon sagte… 

Man könnte Shyamalan ja ankreiden daß er die Personen zu wenig vorgestellt hat und man sie dadurch nur schwer einordnen kann. Doch genau das ist es was den Zuschauer bereits nach kurzer Laufzeit zu fesseln vermag und nun keine Pausen mehr zulassen will ;-) Was auch sinnvoll ist, denn wenn man dem Film zu wenig Aufmerksamkeit schenkt könnte man oftmals auf dem Schlauch stehen ! Vom anheimelnden Hotel geht's nun Richtung Geheimstrand. Kein Wunder daß den sonst niemand kennt. Die Zufahrt durch ein Tor versperrt zu dem nur der Fahrer des Busses (Lé Directeur himself) nen Schlüssel hat. Und der Kerl hilft dann nicht mal mit Sonnenschirm und Co. zu tragen. Der Zugang selbst führt durch eine fast schon romantische, kleine Schlucht die am Ende den Blick auf den traumhaften Strand eröffnet. Klein, kuschelig und von hohen Felswänden gesäumt. Doch Augen für so viel Schönheit hat dieser Sedan ganz offensichtlich nicht. Er sitzt nur da auf seinem Felsen und beobachtet die Neuankömmlinge. Seltsamer Kerl. Besagte Schlucht spuckt sogleich ein drittes Paar aus. Die dunkelpigmentierte (man muss ja heutzutage aufpassen was man sagt) Patricia (Nikki Amuka-Bird; Jupiter Ascending) die wohl so ne Art Therapeutin (und Epileptikerin) ist und der freundliche Javin (Ken Leung). Jetzt muss man langsam echt aufpassen um nicht die Übersicht zu verlieren ! 

Kaum merklich ändert sich schließlich die komplette Stimmung nicht nur der Gruppen sondern auch die des Films. Klagt die betagte Agnes eben noch über einen Druck auf der Brust ist sie im nächsten Moment verstorben. Man ist versucht dies auf ihr Alter zu schieben. Oder ist es der Stress ? Oder die Tatsache daß Trent gerade eben die Leiche einer jungen Frau gefunden hat ? Ich hasse es ja echt wie die Pest wenn sich plötzlich die Ereignisse überschlagen und der rote Faden im Dickicht eines überladenen Drehbuchs verschwindet. Doch in dem Fall ist der Wust an Momenten und Vorfällen das Fleur de Sel des Films ! Bis gut zur Hälfte des Streifens weiß man als Konsument noch immer nicht genau was es mit dem Wahnsinn auf sich hat. Weshalb fragt Charles immer nach dem Titel eines Films ? Warum passt Trent plötzlich seine Badehose nicht mehr ? Und warum erschrickt Guy als er seine Tochter sieht ? Und warum zum Geier ist der Weg zurück nicht mehr möglich ? Es ist einfach schwer das alles jetzt in einen angemessen schriftlichen Rahmen zu packen ohne die gesetzt Spoilerwarnung ad absurdum zu führen. Ein wenig zu verraten lässt sich manchmal nicht vermeiden, deshalb die Warnung. Dann aber dennoch zu viel auszuplappern ist einfach nicht fair. Deshalb ab hier schweigen im Walde... pardon...am Strand. Was aber in meinen Augen unbedingt angesprochen werden sollte wäre die grandiose Arbeit eines Mike Goulakis (Glass, Split) dem es gelang seine Kamera wie ein Maler seinen Pinsel zu bewegen. Virtuos, verspielt, in gewisser Weise aufdringlich, dann wieder zurückhaltend, untersuchend. Faszinierend !

"Wir werden zurechtkommen."

Das Ende ging mir enorm an die Nieren. Ich hasse Abschiede ! Besonders in jener Form. Doch vielleicht war das ja auch die Intention des Regisseurs darüber nachzudenken wie man mit sich, seiner Umwelt und denen umgeht die einem nahestehen. Allerdings ist dies reine Spekulation meinerseits und trifft mit Sicherheit nicht auf alle anderen Zuschauer zu. In jedem Fall ist dies das erste Werk Shyamalans daß mich absolut begeisterte, fesselte und mich auch lange nach der Sichtung nicht losließ. Unfassbar !

 

ses

9/10
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Kommentare

03.12.2021 16:01 Uhr - TheMovieStar
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Ein wirklich lesenswertes Review Sony, danke für die Vorstellung. Die Thematik hört sich auf jeden Fall interessant an. Vor allem die beiden letzten Absätze machen neugierig und schrecken aber zu gleich auch gewaltig ab. Den Film habe ich noch nicht gesehen... Ich mag emotionale Filme...
LG MovieStar

03.12.2021 16:21 Uhr - tp_industries
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Shyamalan ist für mich immer eine Wundertüte. Auf grandiose Filme wie "The Sixth Sense" und "Signs", folgten durchschnittliche Vertreter wie "The Happening", sowie Komplettausfälle wie "Die Legende von Aang". Selbstredend ist das nur meine Meinung.

Der von dir vorgestellte, aktuelle Vertreter klingt auf jeden Fall extrem stark und ich werde dem definitiv eine Chance geben.

Super vorgestellt, sony. Danke dafür!

03.12.2021 18:43 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Vielen Dank euch beiden !
@Movie
Wenn du auf Emotionen stehst bist du hier ganz gut bedient. ...wenn man sich in diesem etwas spezielleren Fall darauf einlassen kann.
@tp
Ich glaube daß du hier ebenfalls ganz gut aufgehoben bist ;-)

03.12.2021 20:13 Uhr - tp_industries
1x
DB-Co-Admin
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@sony

Verstehe! ;)

Noch was anderes:
Vor einiger Zeit hast du eine Kritik zu "Anonymous Animals" geschrieben. Und nach deiner toll geschriebenen Vorstellung ist der Streifen in meiner Watchlistpriorität ganz weit nach oben gewandert. Aus Zeitgründen konnte ich deinen Text damals leider nicht kommentieren. Und wie es immer mal so ist, ging es dann irgendwie unter. Deswegen möchte ich mich hiermit rückwirkend auch für diesen Tipp bedanken!

03.12.2021 20:20 Uhr - sonyericssohn
1x
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Oh, na dann sag ich rückwirkend noch gern geschehen ! ;-)

03.12.2021 20:53 Uhr - cecil b
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Mensch Meier. Da lässt du einen wieder an dem Film teilhaben, als ob du mit auf der Couch sitzt, und davon erzählst, was du gesehen hast, mit ein paar Screenshots zur Darbietung.

Meine und Deine Sichtweise auf diesen besonderen Regisseur scheint fast dieselbe zu sein! Sehr gelungen zusammengefasst, dessen Grundprinzipien.

Daher habe ich um so mehr den Eindruck, dass der Film hier mir gefallen könnte. Ein Fleur de Sel ganz nach meinem Geschmack sein könnte.

Bei seinen Filmen bin ich hin und her gerissen. Manchmal wunderte ich mich, wie gut die bei mir funktionierten, obwohl ich sie kitschig fand. Aber Lady im Wasser -hüstel- hat bei mir gar nicht funktioniert.




03.12.2021 21:07 Uhr - sonyericssohn
1x
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Dankeschön Cecil !
Hach ist das schön wenn man jemanden auf eine Reise mitnehmen kann, auch wenn diese nur aus Worten besteht. Freut mich !!!

03.12.2021 23:32 Uhr - cecil b
1x
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Sehe ich genauso. Beruht auf Gegenseitigkeit. :)

04.12.2021 08:17 Uhr - CheesyAK47
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Sehr sehr starke Review, locker 10 Punkte wert. Ich habe Old auch gesehen aber bin nicht ganz derselben Meinung wie du, macht natürlich nix.... für mich war der mangelnden Zugang zu den Charakteren der grösste Stolperstein. Mich hat da echt alles kalt gelassen und so kam auch keine Spannung und auch kaum Interesse auf, schade.

04.12.2021 10:16 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Trotzdem danke fürs lesen Cheesy !
Dann ging's dir hier so wie mir bei anderen Werken des Regisseurs. Es scheiden sich die Geister.

06.12.2021 15:58 Uhr - Processor
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Sehr Gut geschrieben ...Aber ... Ich Persönlich wurde komplett Enttäuscht .Ja es gab durchaus gute ansätze aber für mich persönlich war das ende doch zu naja .Ich spoiler nicht aber der war Absolut nicht mein fall. Allen anderen wünsche ich gute untherhaltung und viel spass .Im positiven Sinne ._. Der ein mag es der andere nicht Ich gehöre zu letztern .

06.12.2021 19:36 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Auch dir danke Processor.
Stellen wir uns mal vor, jeder mag jeden Film im gleichen Maße. Ein Alptraum ! :-D

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