SCHNITTBERICHTE | # | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z
Titel suchen:
Grand Theft Auto V · Neu · ab 42,99 € bei gameware Horizon Forbidden West · Eine postapokalyptische Welt · ab 74,99 € bei gameware

4x4

Herstellungsland:Argentinien, Spanien (2019)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Krimi, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 7,67 (3 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Ciro spaziert durch ein gehobenes Viertel in Buenos Aires, als er einen SUV sieht, der sein Interesse weckt. Er bricht ihn auf und baut die Stereo-anlage aus. Doch der Diebstahl geht gründlich schief. Denn Ciro stellt fest, dass sich nun die Türen und Fenster nicht mehr öffnen lassen und es praktisch keinen Ausweg für ihn aus dem Fahrzeug gibt. Nachdem er sich bei dem Versuch, sich den Weg freizuschießen, dummerweise selbst schwer am Bein verletzt hat, erhält Ciro einen Anruf vom Besitzer. Die ruhige Stimme erklärt ihm, dass er Opfer zu vieler Straftaten war, und nun beschlossen hat, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb hat er sich diese Falle ausgedacht und seinen Wagen in eine sich selbst verriegelnde, kugelsichere Festung umgebaut. – Niemand kann Ciro nun sehen oder seine Hilfeschreie hören. Er blutet stark... und er hat weder Wasser noch Essen... (Shock Entertainment)

Diese Kritik enthält Informationen über den späteren Handlungsverlauf der Geschichte.
eine kritik von sonyericssohn:

Diesem SUV gilt seine ganze Aufmerksamkeit. Mit routinierten Bewegungen verschafft er sich Zugang ins Innere des eleganten Wagens und macht sich an den elektronischen Feinheiten zu schaffen. Flink baut er das aus was wohl viel Geld bringen mag und verstaut alles in seinem Rucksack. Nachdem er noch etwas Unfug angestellt hat heißt es nichts wie weg. Doch so einfach wie der Einbruch gestaltet sich der Ausstieg keineswegs, denn plötzlich ist die Karre verriegelt ! Und das soll nur der Anfang sein…

4x4

Ein Thriller aus Argentinien… Ich kann mich nicht erinnern schon jemals mit Werken aus diesem Land in Berührung gekommen zu sein. Aber gut, warum denn nicht ? Wenn die Story stimmt… Jedenfalls möchte Regisseur Mariano Cohn (dessen bisherige Filme mir ebenso unbekannt sind) in der Riege der feinen Thriller ganz oben mitspielen. Und das hätte sogar klappen können, wären da nicht diverse Dinge.

Peter Lanzani, auch den kenn ich nicht, durfte den bedauernswerten Autodieb Ciro spielen. Ein junger Mann der sich seiner Sache wohl stets sicher und seiner Fähigkeiten durchaus bewusst ist. In dem Wagen in den er aber jetzt einsteigt hat er seinen Meister gefunden. 

Wie ? Das war's schon ? Keine weiteren Akteure ? Jein. Erst später gesellt sich ein gewisser Enrique (Dady Brieva) hinzu. Dazu aber...na eben später. 

"Lass mich raus hier du Arschloch !"

Na also was ist denn das für ein Ton ? Ich komm schon noch dazu. Zuerst ein Wort zu Filmen die ähnlich gelagert sind. Filme die an ein und demselben Ort spielen können funktionieren, müssen sie aber nicht. Bestes Beispiel der grandiose -The Boat- der mich beinahe ausflippen ließ. Weniger gut gelungen war dann hingegen der eher lahme -The Glass Coffin-, welcher mehr wollte als er konnte. Es ist aber auch schwer bei dieser Art Gegebenheiten entsprechend Spannung aufzubauen oder für Überraschungen zu sorgen damit der Zuschauer bei der Stange gehalten werden kann. Nun aber versucht vorliegender Streifen dem Konsumenten gewaltig einzuheizen ! Und zu Beginn sieht es tatsächlich so aus als würde er es ernst meinen ! Der Vorspann erscheint wie eine Anklage gegen den Staat und seiner offensichtlichen Überwachung von alles und jedem. Hohe Mauern, Stacheldraht und an jeder Ecke Kameras lassen die Umgebung wirken wie ein gigantisches Gefängnis. Ich kenn mich mit den politischen Strukturen des Landes nicht aus, evtl. sollen diese Bilder etwas darüber aussagen, aber ich möchte mich in keinerlei Spekulationen verlieren. 

Das Geschehen verlagert sich nun in eine kleine Nebenstraße durch die Ciro fröhlich spaziert. Was er vorhat bedarf keiner Erklärung. Mit einfachsten Mitteln sind die Türen des gewaltigen Wagens geöffnet und es präsentiert sich das Paradies für jeden Autoknacker. Wie schon kurz angesprochen weiß der Typ ganz genau was er wann wo zu tun hat um an die begehrten Stücke (Navi) zu kommen. Er macht das ja ned zum ersten Mal. Rein war kein großer Akt, das Raus aber schon, denn die Türen sind plötzlich verriegelt. Wow, jetzt gibt der Film mit einem Mal Vollgas ! Lanzanis erste Irritationen und die immer größer werdende Panik wirkt kaum gespielt ! Vollkommener Irrsinn macht sich nun breit während er mit aller Macht versucht sich aus seinem teuren Gefängnis zu befreien. Aber der Karren entpuppt sich mehr als edler Panzer denn Geländewagen. Nicht einmal die Scheiben können dazu überredet werden zu bersten und halten sogar dem Beschuss einer 9mm Beretta stand...deren Querschläger sucht sich ein anderes Ziel *aua* Doch damit nicht genug. Mit der Zeit kündigt sich nicht nur Durst sondern auch Hunger an. Aber auch bei mir als Zuschauer machte sich etwas breit, nämlich ein Gefühl der Ratlosigkeit und eine Frage stellte ich mir. Wenn all diese Dinge bereits in den ersten gut 20 Minuten stattfinden, wie kann dieses mörderische Tempo in der restlichen Zeit aufrecht erhalten werden ? Genau, nämlich gar nicht. War das Intro angereichert mit üblen und frechen Dingen verabschiedet sich der Film leider in Richtung Belanglosigkeit. Zwar ist die Angst und Panik Ciros stets allgegenwärtig, aber drumherum herrscht eher gähnende Leere. Die (filmischen) Stunden vergehen, außerhalb des Wagens geschieht einiges, aber das lässt einen irgendwie kalt. Daß die Polizei dem Wagen schließlich noch nen Strafzettel verpasst kommt eher als Witz daher anstatt die Dramatik zu befeuern. In jedem Fall beobachtet man Ciro in quälend langen Einstellungen (starke Kamera eines Kiko de la Rica) wie dieser mit stetig wachsendem Irrsinns versucht aus seinem selbst ausgesuchten Knast zu entfleuchen. Moment ! Warum befindet er sich eigentlich in dieser misslichen Lage ? Ein unbekannter Anrufer möchte nun mit Ciro per Touchscreen im Armaturenbrett sprechen. Dieser Typ, der offenbar einer ärztlichen Tätigkeit nachgeht, erklärt ihm seine Situation, seine Möglichkeiten und gibt nicht nur dem Autoknacker sondern auch dem Zuschauer immer mehr Rätsel auf. Leider häufen sich ab dem Zeitpunkt die Absurditäten die sich um die laufend dünner werdende Geschichte winden. Das Gequassel Enriques (aaaah, da war doch was !) wird zur Zerreißprobe für die Nerven. In bester Big Brother Manier übernimmt er die Kontrolle über den Wagen und somit über den Passagier. Seine Ausführungen über seine Erlebnisse scheinen keinerlei Sinn zu haben. Doch langsam kapiert man worauf er hinaus will. So mausert sich der Film vom originellen Thriller zum ordinären und öden Revengefilm ohne Rape. Ein Mann sieht rot ohne Bronson. Da hilft es auch ned viel daß Cohn versuchte mit ein paar Spielereien (Zwiegespräch mit einer Grille, Traumsequenz) den Zuschauer bei Laune zu halten. Leider ertappte ich mich immer wieder wie ich stets aufs neue zur Uhr blickte, in der Hoffnung der Film würde entweder enden oder Schwung aufnehmen. Doch nichts von beiden geschah. Zumindest nix was MICH überzeugen konnte. Manche sehen das evtl. mit anderen Augen. Gegen Ende war dann für mich endgültig Hopfen und Malz verloren. Das Finale passt irgendwie so gar nicht zum Rest des Streifens und wirkt lieblos hineingerotzt (sorry) ! Von Spannung zudem keine Spur, vielmehr regiert lächerliches agieren von mittlerweile lustbefreiten Darstellern. Wäre es Regisseur Cohn gelungen das irre Tempo des Anfangs beizubehalten und die Spannung konsequent aufrecht zu erhalten, dann hätte der Film die Schallmauer durchbrochen ! So aber verirrt man sich in Unzulänglichkeiten und braucht zu lange um zum Punkt zu kommen.

"War es das wert ?"

Also für mich ned. Eine Menge vorhandenes Potential wurde in meinen Augen nicht mal ansatzweise genutzt. Peter Lanzani passt perfekt in die Rolle ! Seine Emotionen wirken zu keiner Zeit gespielt, man nimmt ihm ab was er präsentiert. Nur wurde genau dieser Tatsache durch zunehmend fehlende Ideen der Platz genommen und sein Spiel dadurch gebremst. Hinzu kommt die Story um Enrique welche zwar schlüssig eingebracht, aber zu schlampig weitergeführt wird. Vielleicht wäre eine kürzere Laufzeit besser gewesen um mehr Druck zu erzeugen. Oder etwas mehr Action (das Auto hätte ja auch mal ferngesteuert rumgurken können…) um dem Sekundenschlaf des Konsumenten vorzubeugen. Ich weiß es nicht. Wie gesagt sehen andere den Film etwas wertiger als ich, das muss jeder für sich entscheiden. Bei mir hat's nicht so geklappt und vergebe unten stehende Punkte.

 

ses

5/10
Weiter:
mehr reviews vom gleichen autor
Lamb
sonyericssohn
8/10
Gunpowder
sonyericssohn
8/10
die neuesten reviews
Fack
TheMovieStar
5/10
Blood
Insanity667
7/10
Sideling
Dr. Kinski
5/10
Orphan
TheMovieStar
6/10

Kommentare

28.12.2021 13:18 Uhr - cecil b
1x
Moderator
User-Level von cecil b 19
Erfahrungspunkte von cecil b 7.048
Ganz klar ein Film der Marke: Was hätte das werden können?

Zumindest scheint es mir so, aufrund deiner Review.

Die Idee finde ich nicht schlecht, auch den angedeuteten metaphorischen Bezug zu bestimmten gesellschaftlichen, politischen Umständen, und diese Tatsache: "... die immer größer werdende Panik wirkt kaum gespielt !..." gefällt mir sehr, aber die hast schlüssig angesprochen, warum die Erwartungen mehr oder weniger ins Lehre laufen.

Ich gucke mir den vielleicht mal an, aber definitiv kein Muss. ;)

28.12.2021 13:32 Uhr - sonyericssohn
Moderator
User-Level von sonyericssohn 21
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.552
Danke fürs lesen Cecil.
Wäre man anders vorgegangen als wie ein Skifahrer auf ner Buckelpiste... Aber der Film hat auch schon ne höhere Bewertung hier erhalten. Scheinbar kann der auch funktionieren ;-)

28.12.2021 15:21 Uhr - dicker Hund
1x
User-Level von dicker Hund 17
Erfahrungspunkte von dicker Hund 5.033
Unterhaltsame Kritik! Nur eins ließ mich stutzen: Revenge ohne Rape ist doch im Gegensatz zu "Ein Mann sieht rot" ohne Bronson kein Mangel? Vielleicht missverständlich formuliert?

Apropos: "I'll never die alone" ist argentinisch, Rape und Revenge in Einem...
;-))

28.12.2021 15:27 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 21
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.552
Oh, der Hund ist ein sehr aufmerksamer Leser ;-)
Ich wollte auf keinen Mangel hinaus. Mir fiel nur kein anderes Beispiel ein :-D Nur die Rache als Fakt an sich. Vielleicht bau ich das noch um.

28.12.2021 20:41 Uhr - McGuinness
1x
DB-Co-Admin
User-Level von McGuinness 9
Erfahrungspunkte von McGuinness 1.183
Spontan würde mir jetzt noch " Panic Room " (2002) einfallen, ergänzend zu deiner Auflistung von Werken, welche sich auf die eine Örtlichkeit beschränken und meiner Meinung nach das Maximum an Spannung rausholen können.
Die Darbietung eines Peter Lanzani scheint jedenfalls der einer Jodie Foster in nichts nachzustehen, dennoch gesellen sich einige eklatante Kritikpunkte hinzu, die du hier treffend beschreibst und welche dafür Rechnung tragen, dass sich dieser Titel hier zunehmend selbst entschleunigt.

Schade, wenn vorhandenes Potenzial ganz offensichtlich nicht genutzt bzw. schon zu Anfangs verfeuert wird, gut allerdings, dass es routinierte und ausdrucksstarke Autoren wie dich hier gibt, dessen Kritiken mir jedenfalls schon so manche Entscheidung hinsichtlich angestrebter Sichtung erleichtert haben 😉

28.12.2021 21:17 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
User-Level von sonyericssohn 21
Erfahrungspunkte von sonyericssohn 9.552
Danke Mc !
Ja Panic Room passt auch noch rein. Hatte ich nicht auf dem Schirm. Ach verdammt, den muss ich auch mal wieder !

kommentar schreiben

Um Kommentare auf Schnittberichte.com veröffentlichen zu können, müssen Sie sich bei uns registrieren.

Registrieren (wenn Sie noch keinen Account hier haben)
Login (wenn Sie bereits einen Account haben)