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Hooligans

Originaltitel: Green Street

Herstellungsland:Großbritannien (2005)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama
Alternativtitel:Green Street Hooligans
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,65 (17 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Matt (Elijah Wood) fliegt kurz vor Abschluss seines Journalismus Studiums ohne Verschulden von der Elite-Uni Harvard und reist kurzentschlossen nach London, um seine dort lebende Schwester Shannon (Claire Forlani) zu besuchen. Durch den Bruder von Shannon’s Mann, kriegt Matt Zugang zur geheimen Welt der „Green Street Elite“, der Untergrund Fanorganisation des Westham United FC, eine Welt die von Brutalität und Kompromisslosigkeit gezeichnet ist, aber auch durch eine nie gesehene Verbundenheit untereinander, besticht. (ASCOT ELITE)

eine kritik von mcguinness:

" Und dann habe ich deine Schwester kennengelernt. Sie war mein Engel. Sie hat mich gerettet, mir ein ganz neues Leben gezeigt und mir geholfen, den Schwachsinn hinter mir zu lassen. Sie hat mir geschworen, dass sie mich verlässt, wenn ich jemals wieder zurückkehren würde. Und wenn er mich wieder überfällt dieser Wahnsinn, glaub mir, dass tut er ziemlich oft, dann höre ich aus der Ferne dieses Gebrüll aus dem Stadion am Spieltag und ich seh die Jungs, die mich runterrufen, damit wir uns gemeinsam besaufen sollen. In solchen Augenblicken denke ich daran, wieder damit anzufangen. Doch Shannon und Ben erinnern mich daran, dass das Leben mehr zu bieten hat als das "

 

 

Sie wurden phasenweise zum größten Exportschlager der Vereinigten Königreiche, eine Subkultur, die dem Fußballspiel in Großbritannien beinahe den gesellschaftlichen Todesstoß versetzt hätte... die Hooligans. Diese randalierenden, gewaltsuchenden Gruppen haben ihren Ursprung Mitte der 60er - Jahre in Großbritannien. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung konnten es sich immer mehr junge Männer leisten ins Stadion zu gehen und die Vereine bei Auswärtsspielen zu begleiten, wobei hier die Fußballspiele den idealen Rahmen zur Entstehung von Gewalt boten. Zum einen trafen nämlich im Stadion viele Personen zusammen (junge Männer der Arbeiterklasse) die niedrige Hemmschwellen in Bezug auf Gewalt hatten, zum anderen traf man bei den Spielen immer auch auf gegnerische, ebenso gewaltbereite Gruppen und da der Fußball selbst körperbetont und aggressiv ist, konnten hier regionale Rivalitäten ungehemmt ausgelebt werden und boten somit eine gute Grundlage für gewalttätige Auseinandersetzungen. In den 70er - Jahren drängte dann zunehmend die Skinhead - Bewegung in die Stadien, um ihre rechten Parolen und Gesänge darbieten zu können, welche von gewaltbereiten Fans leider nur allzu gerne übernommen wurden, auch wenn diese nicht mehr politischer Natur verstanden wurden, sondern lediglich zum provozieren des Gegners dienten. In den 80ern entstand dann die Art von gewaltbereiten Fan, den die meisten auch heute noch verkörpern und der sich durch das Tragen eleganter Markenkleidung von seiner Herkunft abzugrenzen versucht, sich in sogenannten ' Firms ' oder ' Crews ' zusammenschloss und sich dabei stets offen zur Gewalt bekennt.

Heute ist die englische Zivilgesellschaft zum Glück nicht mehr die Geisel der prügelnden Fußballfans, dieser Seuche der Gewalt in Englands Fußballstadien, bis in die 90er - Jahre hinein. So sorgen u. a. das Alkoholverbot, nummerierte Sitzplätze und Videoüberwachung dafür, dass sich Gewalt - Fans, denen die Möglichkeit zum Austoben genommen wird, langweilen und folglich nicht mehr zu den Spielen kommen. Zwar gehen solch elementare Einschränkungen laut altmodischer Fans zwar auf Kosten der Stimmung, sind jedoch ein recht schwaches Argument hinsichtlich solcher Katastrophen wie das Tribünen - Inferno von Bradford im Jahre 1985 sowie die darauffolgende Tragödie im Brüsseler Heysel - Stadion, als auch das Drama im Hillsborough - Stadion von Sheffield 1989, wo auf einer überfüllten Tribüne 96 Menschen zu Tode gedrückt wurden. Auch heute gibt es noch dann und wann Krawalle, vor allem bei manchen Problem - Derbys, denn, und hier zitiere ich den ehemaligen Everton - Hooligan Andy Nicholls wörtlich : " Um das Rowdytum ein für alle mal auszurotten, müsste man jeden Mann zwischen 14 und 40 packen und ihm Arme und Beine abhacken ".

Regisseurin Lexi Alexander, die mir insbesondere durch den grandiosen " Punisher : War Zone " (2008) im Gedächtnis bleiben wird, schuf im Jahre 2005 mit " Hooligans " einen Film, der sich bei mir auch heutzutage noch größter Beliebtheit erfreut und neben Titeln wie " The Firm " (1988), " The Football Factory " (2004) und " Footsoldier " (2007) zum besten zählt, was dieses Genre hervorgebracht hat. Inhaltlich geht es dabei um den US - Amerikaner Matt Buckner, der unrechtmäßig von der angesehenen Harvard University fliegt und daraufhin zu seiner Schwester nach London reist. Dort angekommen macht er zunächst Bekanntschaft mit seinem Schwager Steve, aber auch mit dessen Bruder Pete, der ihn notgedrungen zum Fußballspiel mitnehmen muss, vorher aber noch auf ein paar Bier mit Matt in dessen Pub " The Abbey " geht und diesen seinen Freunden vorstellt. Diese eingeschworene Gemeinschaft gehört einer landesweit bekannten Hooligangruppierung, auch ' Firma ' genannt, an, und ist als Anhängerschaft dem Fusballclub West Ham United treu ergeben. Nach dem Spiel gerät Matt unverhofft in eine Schlägerei mit den Anhängern der Gegenseite, macht dabei allerdings auch die elektrisierende, aufregende Erfahrung des Kampfes und entwickelt im weiteren Verlauf ein nie dagewesenes Gefühl der Verbundenheit gegenüber Pete und seinen Jungs der " GSE " (Green Street Elite), welches ihn immer tiefer in die Szene führt, aber auch immer mehr von seiner Schwester entfremdet.

Gespielt wird Matt Buckner von Elijah Wood, bekannt aus der " Der Herr der Ringe " - Reihe (2001 - 2003) oder " Maniac " (2012). Oftmals festgelegt auf seine Rolle des Frodo Beutlin in besagter Reihe, haftete Wood stets das Image des weichen Kerls mit dem sanften Blick an, der keiner Fliege etwas zu leide tun könnte. In " Hooligans " jedoch durfte Wood einmal aus sich herauskommen, im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertig sein und dabei eine wesentlich reifere, erwachsenere Seite von sich präsentieren, ohne dabei den guten und anständigen Jungen in ihm aufgeben zu müssen.

Pete Dunham, der Bruder von Matts Schwager Steve, wird von Charlie Hunnam verkörpert, gesehen u. a. in " Nicholas Nickleby " (2002) oder " King Arthur : Legend of the Sword " (2017). Dieser hat die Firma (GSE) vom legendären Major übernommen, als es für diesen an der Zeit gewesen ist auszusteigen und ein bodenständiges Leben zu führen. Pete ist nie einem Bier und einer Prügelei abgeneigt, dabei jedoch alles andere als ein hirnloser Schläger, sondern hauptberuflich Lehrer für Sport und Geschichte.

Claire Forlani, gesehen in " Rendezvous mit Joe Black " (1998) und " Gone Dark " (2003) mimt hier die fürsorgliche Schwester von Matt, der alles andere als wohl bei dem Gedanken ist, dass ihr Bruder mit Pete und seinen Schlägern unterwegs ist, hat sie, Shannon, doch bereits Erfahrungen mit solch Klientel hinter sich und teilweise immer noch mit der Vergangenheit zu kämpfen.

Was " Hooligans " nun so besonders ausmacht und weshalb dieser immer noch für mich absolut sehenswert ist, ist zum einen der sehr authentische Einblick in die Organisation solch einer ' Firma ' als auch die knappe, doch sehr prägnante Charakterisierung ihrer jeweiligen Mitglieder, zum anderen die Verwandlung des ängstlichen, wehrlosen Matt Buckner, der sich bisher immer alles hat gefallen lassen, hin zum selbstbewußten Kämpfer, der fest geschlossen mit den Jungs zusammensteht. Anfangs noch als " Yankee " verschrien und insbesondere von einem Typen namens Bovver, der rechten Hand von Pete, abgelehnt, gewinnt Matt durch kreative Einfälle und Standhaftigkeit nach und nach das Vertrauen der Gruppe, bis diese ihn als vollwertiges Mitglied akzeptieren.

Die sehr gute Kameraarbeit von Alexander Buono (Snipes - 2001 und Dead End - 2003) überzeugt dabei gerade in den derben Prügeleien voll und ganz, bei welchen recht ordentlich das Blut fließt und obwohl dabei die Kamera oftmals hin und her wackelt, empfand ich diese Einstellungen keineswegs als störend, sondern diese trugen positiv zum dynamischen Kampfgeschehen bei. Der Score des deutschen Pioniers der elektronischen Musik, Christopher Franke (Universal Soldier - 1992 oder The Calling - 2000), einst Mitglied der Gruppe ' Tangerine Dream ', findet dabei zu der jeweiligen Szenerie immer den passenden Ton, sei es nun in sehr emotionalen Momenten sowie denen, die zum schmunzeln oder grübeln einladen, als auch der Ruhe vor dem Sturm, gekennzeichnet von enormer Anspannung, bis das die verfeindeten Gruppen aufeinandertreffen. Gerade auch der Song " One Blood " von Terence Jay, kurz bevor es in die finale Schlacht geht, weiß bei mir auch heute noch Gänsehaut zu erzeugen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl ungemein und lässt einen sich dabei fühlen, als könnte man es mit mehreren Leuten gleichzeitig aufnehmen.

Es wäre jedoch falsch, " Hooligans " als reinen Prügelfilm abzustempeln, der sich nur an der Gewalt ergötzt, denn das ist er bei weitem nicht, denn ohne zu viel zu verraten kann ich nur sagen, dass dieser auch in dramatischen Momenten, verbalen Konversationen und dem offenen und ehrlichen Einfangen eines Lebensgefühls von einem durch bedingungslose Treue und Kameradschaft gekennzeichneten Haufen, vollends überzeugen kann. Was man nun im allgemeinen davon hält, wenn sich junge Erwachsene aus übersteigertem Männlichkeitsgefühl, teilweise nur unter dem Deckmantel des Fußballfans, gegenseitig die Köpfe einschlagen, muss ein jeder mit sich selbst ausmachen, so lange keine Unbeteiligten mit hineingezogen werden, ist mir persönlich das mehr oder weniger egal, zumal ich mit Fußball generell nur wenig Berührungspunkte habe, wobei das Unverständnis über derlei sinnlose Gewaltausbrüche bei mir bestehen bleibt.

Mit " Hooligans " schuf Regisseurin Lexi Alexander jedenfalls einen echt starken Film über eine Subkultur, die gerade in England ihren Ursprung hat, dort immer noch fest verankert ist, auch wenn sich die Gewalt Gott sei Dank größtenteils aus den Stadien verabschiedet hat, und einen authentischen Blick in Struktur und Organisation der jeweiligen ' Firmen ' bietet. Durchweg spannend, actiongeladen, ergreifend, aber auch zum Nachdenken regt dieses Werk an. Es offenbart sich dem Zuschauer eine Spirale der Gewalt, an dessen Ende es wohl keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben könnte, doch am besten ist es, man schaut sich den Film einfach selbst an und bildet sich ein eigenes Urteil. Kalt lassen dürfte dieser Titel garantiert niemanden. 

9/10
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Kommentare

29.12.2021 16:02 Uhr - dicker Hund
2x
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"Trinkfest und arbeitsscheu, doch sind wir United treu!"

Feine Vorstellung dieses ruppigen Sonderlings, den ich als sehenswert in Erinnerung habe.

29.12.2021 16:06 Uhr - McGuinness
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@dicker Hund

Ruppig und sehenswert, gut erschnüffelt mein Lieber 😉

29.12.2021 17:00 Uhr - Egill-Skallagrímsson
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Klasse Review, McGuinness!
Eine 9 ist mir aber zu hoch, da bei mir "The Football Factory" und "Rise of the Footsoldier" die Hooliganfilm-Referenzen sind. Aber da greift wohl das ewige Lied "Geschmackssache". Sieben Punkte wären bei mir aber noch für den Beitrag drin.

29.12.2021 17:19 Uhr - McGuinness
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@Egill-Skallagrimsson

Vielen Dank für dein Lob, worüber ich mich sehr freue 🤗

Die von dir genannten Titel finde ich ebenfalls sehr gut und insbesondere " Rise of the Footsoldier " (siehe entsprechende Review von mir 😉) führt bei mir die Hitliste in diesem Genre an.
Dieser wird ja oftmals als der große Bruder von " Hooligans " bezeichnet, da der Härtegrad deutlich höher ist, dennoch ist dies kein reiner Hooligan - Film, sondern ab ca. der Hälfte ein packender Gangster - Thriller 🤯💥🔫

29.12.2021 19:08 Uhr - JasonXtreme
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Also der hier hat mich damals dick überrascht, und dem hau ich auch gern ne 8 um die Ohren. Klasse Rezi!

29.12.2021 21:45 Uhr - cecil b
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Moderator
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Eine vorzügliche Review, ganz klar. Da hast du an alles gedacht, und vielleicht noch mehr. ;)

Ich brauche dazu nicht noch mehr 'sagen'. :)

Nazis haben übrigens ein ähnliches 'Lebensgefühl', wie diese Kämpfer hier. :(

29.12.2021 22:07 Uhr - McGuinness
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@JasonXtreme

Überrascht bin ich bei der Erstsichtung ebenfalls gewesen oder besser gesagt noch, richtig ergriffen war ich... Ein wirklich ziemlich starker Film 💪🏻

Danke für dein Lob 😊

29.12.2021 22:15 Uhr - McGuinness
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@cecil b

Auch dir gebührt mein bester Dank cecil und ich freue mich sehr, dass dir meine Review zu gefallen scheint 🤗

Dem Rowdytum / Hooligans kann ich allgemein nichts abgewinnen und wenn sich dann auch noch braune Genossen unter diese mischen, ist das gleich doppelt bedauerlich 👎🏻

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