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8MM - Acht Millimeter

Originaltitel: 8MM

Herstellungsland:USA, Deutschland (1999)
Standard-Freigabe:FSK 18
Genre:Drama, Krimi, Thriller, Mystery
Bewertung unserer Besucher:
Note: 8,10 (102 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Es scheint nur ein Routinefall zu sein, der den ehrgeizigen Privatdetektiv Tom Welles (Nicolas Cage) auf seiner Karriereleiter weiter nach oben bringen wird: Er soll für eine reiche Witwe die Herkunft und Echtheit einer kleinen Rolle Acht-Millimeter-Films recherchieren, den sie im Tresor entdeckt hat. Im Film ist zu sehen, wie eine junge Frau zu Tode gefoltert wird. Die Spur führt in die Hardcore-Porno-Szene, eine dunkle Hölle, in der Toms grauenvollste Vorstellungen Wirklichkeit werden... (Sony Pictures)

eine kritik von mcguinness:

" Ich kann dir nur sagen, es gibt Dinge, die du sehen wirst, die du nie wieder vergisst. Die sind in deinem Kopf und bleiben da auch. Wenn du dich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nicht der Teufel... der Teufel verändert dich "

 

 

Snuff - Filme, oder besser gesagt deren Mythos, basieren auf der angeblich authentischen und expliziten Darstellung eines Mordes an einem Menschen zur Unterhaltung oder sexuellen Erregung des Zuschauers. In einer Welt, dessen mediale Aufmerksamkeit nach immer neuen Extremen verlangt, gilt das Thema Snuff somit quasi als letzter großer Tabubruch, um die Sensationslüsternheit des zunehmend abgestumpften Publikums noch zu befriedigen. Im Internet dürften sich demnach zahlreiche solcher als real bezeichneten Todesfilme tummeln, deren Existenz ich nicht leugnen möchte, da ich von solch grausigen Aufnahmen aber alles andere als angetörnt bin und folglich deren Vorkommen auch nicht weiter recherchiere, kann ich die Echtheit dieser Filme allerdings auch nicht verneinen.

Regisseur Joel Schumacher, verantwortlich für sehr bekannte und beliebte Werke wie etwa " Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben " (1990) oder " Falling Down - Ein ganz normaler Tag " (1993), schuf mit dem im Jahre 1999 entstandenen Werk " 8MM - Acht Millimeter ", an dessen Produktion er auch beteiligt gewesen ist, einen äußerst spannenden und düsteren Film, in dessen Kern es um das besagte Thema bzw. die moderne Sage des Snuff - Films geht. Das Drehbuch hierzu verfasste Andrew Kevin Walker, welcher sein Können schon bei dem Genre - Meilenstein " Sieben " (1995) unter Beweis stellte und somit unter der mustergültigen Symbiose mit Regisseur Schumacher die idealen Voraussetzungen für einen kompromisslosen, enorm starken Thriller miteinbrachte, der für mich nach all den Jahren nicht auch nur das geringste an Faszination eingebüßt hat und den ich mir heutzutage immer noch sehr gerne ansehe, stets mit dem mulmigen Gefühl, dass irgendwo auf der Welt, einem kranken Hirn entsprungen, tatsächlich so eine Art Snuff - Film existiert.

Inhaltlich haben wir es dabei mit dem Privatdetektiv Tom Welles zu tun, der von einer reichen Witwe damit beauftragt wird, die Echtheit eines Super - 8 - Films (daher auch der titelgebende Name) zu überprüfen, welchen sie in dem Tresor ihres erst kürzlich verstorbenen Mannes entdeckt hat. Dieser Film zeigt die grausame Folterung und Ermordung eines jungen Mädchens und führt Tom an die Grenzen seiner Belastbarkeit, dennoch willigt er ein, sich der Herkunft und Echtheit des Bildmaterials anzunehmen und begibt sich auf Spurensuche, die ihn immer tiefer in die Porno - und BDSM - Szene (Bondage und Sadomaso) führt und dabei menschliche Abgründe eröffnet, die seine kühnsten Vorstellungen übertreffen, welche er nie für möglich gehalten hätte.

Verkörpert wird dieser routiniert agierende, clevere Privatdetektiv von Nicolas Cage, bekannt aus " Leaving Las Vegas " (1995) oder " Face Off - Im Körper des Feindes " (1997), der mit Scharf - und Spürsinn bisher noch jeden Fall zu lösen vermochte, erst kürzlich Vater einer kleinen Tochter geworden ist und sich durch scheinbar nichts aus der Ruhe bringen lässt. Toms Recherche im besagten Fall führt ihn nach Hollywood, wo er in einem Sex - Shop den Angestellten Max California kennenlernt, der ihn in die dunkle und verstörende Welt des BDSM - Porno einführt.

Joaquin Phoenix, unvergesslich aus " Walk the Line " (2005) und " Joker " (2019), mimt hier den smarten Verkäufer Max California, der Tom Welles, gegen entsprechendes Honorar versteht sich, bei seiner Suche nach dem oder den Tätern sowie der Herkunft des Snuff - Films behilflich ist. Max ist ein intelligenter junger Mann, der seine Tätigkeit im Sex - Shop nur nebenbei ausübt, um Geld für seine geplante Karriere als Musiker zu verdienen. Durch seinen Job und regen Kundenkontakt kennt sich Max in der Szene ziemlich gut aus, schafft es aber dennoch die nötige Distanz zu wahren und das gesehene und erlebte nicht allzu sehr an sich heranzulassen, ein Umstand, der Tom weniger gut zu gelingen scheint.

Max entführt Tom an immer verborgenere Orte, an denen sich das geistig pervertierte Klientel u. a. in einer Art Untergrund - Porno - Kino trifft, um sich stöhnend, ächzend und onanierend den aufgeführten Abnormalitäten hinzugeben oder um sich sabbernd durch Berge von verstörend pornographischen Material in Form von Fotos, Magazinen und Filmen zu wühlen. Gezeigtes Klientel wirkt dabei durchaus klischeehaft, dennoch absolut glaubwürdig, wobei man als Zuschauer keine Anstalten machen dürfte, über diese innerlich verrohten Porno - Zombies noch weiteres in Erfahrung zu bringen.

Ein besonders abstoßender Widerling offenbart sich dabei in der Figur des Eddie Poole, sehr gut gespielt von James Gandolfini, erinnerungswürdig aus der bekannten Fernsehserie " Die Sopranos " (1999 - 2007), der hier Nachwuchsdarstellerinnen für die Porno - Industrie castet und sich in einem " mündlichen Vorstellungsgespräch " nur allzu gerne von deren Talent überzeugen lässt. Eine dickliche, ungepflegte und keinerlei Empathie besitzende Kreatur wird uns hier präsentiert, die strunz - dumm ist und unter dem Bann seines Meisters Dino Velvet steht.

Großartig verkörpert von Peter Stormare, gesehen beispielsweise in " Windtalkers " (2002) oder " Bad Boys 2 " (2003), zieht dieser Prophet des Bösen und der Scheußlichkeit im Hintergrund die Fäden, besitzt seine eigene kleine Produktionsfirma und fertigt gegen entsprechende Bezahlung für Privatkunden ganz besondere, einmalige Filme an. Eddie besorgt demnach das Frischfleisch, Dino steht hinter der Kamera und ein Dritter im Bunde ist für die Ausführung bzw. Abschlachtung zuständig.

Dieses Trio - Infernale besteht als letztgenannten aus einem sadistischen Fleischberg namens " Machine ", dargestellt von Chris Bauer, bekannt aus den Fernsehserien " The Wire " (2003) und " True Blood " (2008 - 2014), den Dino oftmals als Folterknecht in seinen Filmen unterbringt. Wortlos und das Gesicht durch eine schwarze Ledermaske verhüllt, geht dieses Tier, mit einer Vorliebe für Messer, ans Werk und lebt seine dunklen Triebe dabei genüsslich vor der Kamera aus.

Dabei setzt sich " 8MM - Acht Millimeter " nicht bloß mit dem Thema Snuff - Film an und für sich auseinander, sondern versucht ebenso Licht ins Dunkel jenes Industriezweiges zu bringen, der im Sektor der Erwachsenenunterhaltung einen Jahresumsatz von mehreren Milliarden Dollar macht. Die Konsumenten verlangen dabei meist nach immer extremeren Auswüchsen geistiger Perversionen und die Branche liefert, stets mit Dollarzeichen in den Augen, wonach es der zahlenden Kundschaft giert. Mit dem Versprechen reich und berühmt zu werden sowie der Aussicht auf das schnelle Geld, dürften schon etliche junge Mädchen mit falschen Vorstellungen / Versprechungen ins Porno - Business eingestiegen sein und unter dem dort herrschenden Druck sich gegenseitig zu überbieten als auch den Anforderungen des Managers und der Fans gerecht zu werden, Dinge vor der Kamera getan haben, welche früher für sie noch undenkbar gewesen wären. Der Snuff - Film stellt somit die letzte moralische Hürde da, das Maximum an Perversion, der sich seines Mythos der Authentizität bewußt ist und durch bereits heute inszenierte Vergewaltigungen oder Strangulation bis zur Bewusstlosigkeit, gar nicht mal in allzu weite Ferne gerückt ist.

" 8MM - Acht Millimeter " greift diese Thematik hervorragend auf und weiß diese gekonnt umzusetzen, geizt dabei nicht mit anstößigen Aufnahmen, ohne jedoch in den Hardcore - Bereich zu entgleiten, und ist durchweg spannend und düster inszeniert worden. Der Härtegrad ist ebenfalls angemessen, blutige Szenen sind erhalten, wirken aber nie übertrieben oder gar deplatziert. Der Film überzeugt mich auch heute noch durch seine stimmige und grundlegend düstere Atmosphäre, die tollen Darsteller, allen voran Nicolas Cage und Joaquin Phoenix, und dem Ausflug in eine geschmacklose Parallelwelt, welche die Grenzen des moralisch vertretbaren permanent zu verschieben versucht und leider auch ihr Zeilpublikum längst gefunden hat. Ein wirklich enorm starker Thriller wird mit Joel Schumachers Werk geboten, den man zumindest einmal gesehen haben sollte. 

9/10
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Kommentare

04.01.2022 11:25 Uhr - Man Behind The Sun
1x
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Sehr gut verfasste, detaillierte Kritik! Top!

Kaum zu glauben, dass es zu diesem Film in D immer noch keine HD-Auswertung gibt. EIne Schande. Hab immer noch die DVD im Schrank stehen.

04.01.2022 11:34 Uhr - McGuinness
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@Man Behind The Sun

Ah, ein Leidensgenosse, der ebenfalls sehnsüchtig auf eine angemessene und längst überfällige Blu - ray - Veröffentlichung wartet 😉
Wenigstens setzt die DVD bei mir keinen Staub an, da dieses Werk ab und an immer wieder gern gesehen wird 👍🏻

Besten Dank für dein Lob, worüber ich mich sehr freue 🤗

04.01.2022 21:02 Uhr - sonyericssohn
1x
Moderator
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Ach ich verwechsel den immer mit Acht Blickwinkel oder wie der heißt 😆
Ne Spaß beiseite. Den hab ich bis heute ausgelassen. Glaub zwar das Finale irgendwann mal im TV gesehen zu haben, aber recht erinnern...nö. Klingt zwar spannend aber ich weiß nicht ob der was für mich ist...
Trotzdem danke für die angenehme Lektüre ! 🙏👍

Nachtrag: Jetzt weiß ich mit welchem ich den verwechsel !!!! Spiel auf Zeit !!! Ich Dussel ! 😬

05.01.2022 08:35 Uhr - McGuinness
1x
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@sonyericssohn

Die von dir genannten Titel kenne ich ehrlich gesagt beide nicht, aber bei " 8MM - Acht Millimeter " machst du nichts falsch, auch wenn besagte Thematik nicht unbedingt deinen Geschmack trifft, so wird dennoch ein großartiger Thriller geboten... Danke für dein Feedback sony 😉

05.01.2022 09:58 Uhr - Stoi
1x
8MM ist sicherlich einer von Schuhmachers stärkeren Filmen und er greift die schwierige Thematik souverän auf und entführt den Zuschauer in eine abartige Parallelwelt aber das komplett lächerliche Overacting von Cage in einer Szene, hat für mich dem Film einen ziemlichen Schaden zugefügt.

05.01.2022 12:17 Uhr - McGuinness
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@Stoi

Schön, dass dir der Film offensichtlich ebenfalls gefällt 😊

Störendes Overacting konnte ich hier bei Cage nicht ausmachen, bin mir aber sicher, welche Szene du hier ansprichst.
Da fand ich seine Darbietung in " Face Off - Im Körper des Feindes " (1997) wesentlich mehr drüber.

05.01.2022 12:34 Uhr - Stoi
05.01.2022 12:17 Uhr schrieb McGuinness
Schön, dass dir der Film offensichtlich ebenfalls gefällt 😊

Man kann ihn sich anschauen. :)

05.01.2022 12:17 Uhr schrieb McGuinness
Störendes Overacting konnte ich hier bei Cage nicht ausmachen...

Ernsthaft? Für mich ist die eine Szene die Mutter des Overacting.

05.01.2022 12:17 Uhr schrieb McGuinness
...bin mir aber sicher, welche Szene du hier ansprichst.

Klar, die in der er sich den Snuff-Film anschaut. Sorry, da betreibt er peinliches Rumgehampel.

05.01.2022 12:17 Uhr schrieb McGuinness
Da fand ich seine Darbietung in " Face Off - Im Körper des Feindes " (1997) wesentlich mehr drüber.

Kann sein, lange nicht mehr gesehen. Aber hier ist der ganze Plot sowas von over the top, dass das warscheinlich nicht mehr auffällt.

31.01.2022 12:38 Uhr - Underdog78
1x
Klasse Review zum erstklassigen Film!
Der Film hat damals eine wirkung auf mich gehabt wie der kürzlich vom mir gesehene Film Small World den ich hier auch gleich empfehlen will.

02.02.2022 17:31 Uhr - McGuinness
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@Underdog78

Besten Dank auch dir für das lesen meiner Review und deinem Lob hierzu 😊

Den erwähnten " Small World " kenne ich leider (noch) nicht 😉

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