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Alexandra’s Project

Herstellungsland:Australien (2003)
Standard-Freigabe:FSK 16
Genre:Drama, Thriller
Bewertung unserer Besucher:
Note: 6,50 (8 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Der Hass einer Frau kennt keine Grenzen. Diese Erkenntnis macht auch der Familienvater und Geschäftsmann Steve. Als er an seinem Geburtstag nach Hause kommt, wartet auf ihn eine ganz besondere Überraschung. Eine Überraschung, die dazu bestimmt ist sein Leben zu verändern und ihn bis ins tiefste Mark zu erschüttern. Seine Frau Alexandra hat sich für ihn was ganz spezielles ausgedacht. (I-ON New Media DVD)

eine kritik von tp_industries:

Ich formuliere diese Kritik spoilerfrei. Nur in einem Absatz werde ich minimal spoilern, was ich aber entsprechend kennzeichnen werde.

 

Das Grauen in den eigenen vier Wänden

Das Schlimmste was man sich vorstellen kann ist, wenn sich der Horror ins eigene Zuhause schleicht. Dahin wo man sich wohlfühlt. In den eigenen sicheren Hafen. Wie der obigen Inhaltsangabe zu entnehmen ist, handelt es sich bei dem Streifen nicht um einen weiteren Vertreter der Marke Haunted House oder Home Invasion. Hier ist es eine Ehefrau die ihrem Mann zu seinem Geburtstag das Leben zur Hölle macht. Eine Überraschungsparty erwartend, kommt der Ehemann Steve nachhause. Trifft aber keine Menschenseele an. Seine Frau Alexandra, seine zwei Kinder, seine Freunde und Arbeitskollegen, niemand ist da. Auch die Lampen im Haus funktionieren nicht. Dennoch ist das Wohnzimmer festlich geschmückt. Er entdeckt eine in Geschenkpapier verpackte Videokassette mit der Aufschrift Play Me. Er schiebt sie ins Abspielgerät. Zu Beginn gratulieren ihm seine Frau und seine Kinder zum Geburtstag. Dann werden die Kinder von der Mutter raus geschickt und Alexandra beginnt mit einem kleinen Striptease für ihren Mann. Steve ist sichtlich begeistert von seinem Geschenk. Dann jedoch kippt die Stimmung. Was nachfolgend in diesem Homevideo zu sehen ist, erschüttert Steve immer mehr. Und Steve erkennt dass er schon längst involviert ist. In Alexandra´s Project...

 

Die Inszenierung

Das Alles ist in einem Kammerspiel verpackt. Durch gewisse Umstände, welche an dieser Stelle nicht verraten werden, ist es für Steve unmöglich das Haus zu verlassen. Der Psychoterror im Video nimmt immer krassere Formen an und der Protagonist will es eigentlich nicht mehr sehen. Wie beim Zuschauer stellt sich aber das Gefühl der Neugierde ein. Denn wie auch Steve will man wissen warum Alexandra das tut. Der Zuschauer wird dabei mit zwei Elementen konfrontiert. Auf der einen Seite verfolgt man das Video um die Motive der Protagonistin zu ergründen, und auf der anderen Seite schaut man Steve dabei zu, wie er versucht irgendwie aus der Situation zu entfliehen. Selten hat das Wort Psychothriller so gut gepasst wie in diesem Film. Denn bis auf eine kurze Szene in welcher mal 2 Tröpfchen Blut zu sehen sind, ist der Film komplett befreit von körperlicher Gewalt. Hier wird ausschließlich psychische Gewalt betrieben. Und dieses Psychokammerspiel wurde auch extrem wirkungsvoll eingefangen. Kameramann Ian Jones liefert beklemmende Bilder, welche eine wohlige Sitzposition nahezu unmöglich macht. Dazu reiht sich auch der Schnitt von Tania Nehme ein. Und die Musik von Graham Tardif unterstützt das Visuelle perfekt. Dabei besteht die Musik im Grunde nur aus hochfrequentierten Tönen welche, je nach Szene, in ihrer Intensität variieren. Nicht aufwendig aber extrem effektiv! Das Drehbuch und die Dialoge von Regisseur Rolf de Heer sind ebenfalls durchdacht und machen diese australische Indieproduktion zu einer kleinen Perle des Psychothrillers.

 

Die Darsteller

Ein solches Kammerspiel funktioniert natürlich nur, wenn auch die Darsteller liefern. Und diese Prämisse ist eindrucksvoll gegeben! Protagonist Steve wird von Gary Sweet verkörpert. Dieser legt seine Figur als von sich selbst überzeugte, leicht arrogante und vor Männlichkeit strotzende Person an. Trotzdem nicht gänzlich unsympathisch. So ist Steve etwa auch als liebender Vater zu sehen, der das Geld mit nachhause bringt und die anfallenden Rechnungen bezahlt. Anfänglich ist also erstmal nicht klar, warum seine Frau zu solch drastischen Mitteln greift um ihren Mann psychisch fertig zumachen. Und eben diesen psychischen Verfall weiß Herr Sweet ebenfalls überzeugend darzustellen. Es gibt Momente in denen man mit ihm richtig mitleidet. Die Protagonistin Alexandra wird von Helen Buday gemimt. Diese stellt ihre Figur anfangs als reservierte, traurige und in sich gekehrte Person dar. Man merkt aber immer wieder dass sie einen Plan hat. Wenn sie im Video dann nach und nach ihre Motive schildert, bekommt man ein fast schon komplett gegenteiliges Bild von ihr zu sehen. Mit fester Stimme und zum Teil psychotischen Sarkasmus, stellt sie sich als ernstzunehmende Bedrohung raus. Dabei beweist Frau Buday auch Mut zur Freizügigkeit, welche im Kontext der Handlung aber sinnig ist.

 

Kommunikation ist der Schlüssel ( minimale Spoiler in diesem Absatz )

Aber worauf läuft das Ganze jetzt nun hinaus? Ist Steve wirklich der arrogante, aber harmlose Mann der er vorgibt zu sein? Ist Alexandra´s Vorgehen vielleicht sogar nachvollziehbar oder hat sie einfach komplett den Verstand verloren? Selbstredend werde ich die Motive der Personen und den Ausgang der Handlung nicht spoilern. Eins will ich aber dazu loswerden. Eine klassische Auflösung, bei der Gut und Böse, Schwarz und Weiß klar definiert sind gibt es nicht. Man ist zwar über die Gefühlswelt der Protagonisten im Bilde, wer richtig oder falsch gehandelt hat muss aber jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Dabei ist das Ende keinesfalls frei interpretierbar. Man wird nur angehalten die Personen und deren Handeln für sich selbst einzuordnen. So ist der Film für mich ein als Psychothriller getarntes Beziehungsdrama. Es entsteht hier eine Situation die mit einer sachlichen und respektvollen Kommunikation hätte verhindert werden können. Zugegeben ist die Handlung am Ende etwas überspitzt dargestellt, aber keineswegs unrealistisch. Sie dient nur als extreme Metapher, was im schlimmsten Fall passieren kann. Ich sehe den Streifen als Plädoyer für mehr Kommunikation in Beziehungen an. Sei es mit dem Lebenspartner, den eigenen Kindern, den Verwandten, Freunden, Arbeitskollegen oder Bekannten.

 

Synchronisation

Für eine Indieproduktion bewegt diese sich auf einem anständigen Niveau. Gerade die beiden Protagonisten wurden super vertont. Bei einigen Nebencharakteren fallen aber lustlose deutsche Sprecher auf.

 

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass man es hier mit einer besonders fiesen, kleinen Indieperle zu tun hat. Die Motive der Hauptpersonen halten den Zuschauer bei der Stange und sorgen für eine spannende Unterhaltung. Dabei hat die Handlung an sich auch eine tiefere und wichtige Aussage, welche wohl jeden von uns grübeln und reflektieren lässt. Wenn man aber einen klassischen Psychothriller mit klar definierten Gut und Böse erwartet, wird man enttäuscht. Dies ist ein Film auf dessen Handlung und Grundaussage man sich einlassen muss.

 

In diesem Sinne,

                             bleibt filmbegeistert!

8/10
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Kommentare

10.01.2022 14:56 Uhr - Kaiser Soze
3x
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Vollkommen richtig, dass du dich für eine spoilerfreie Besprechung entschieden hast. Solche Filme sollte man ohne Vorkenntnisse schauen und sich einfach umhauen lassen^^ Dein Review ist super strukturiert, gut & interessant verfasst. Da bekommt man glatt Lust auf eine erneute Sichtung!

Zum Film selbst: Anfang und Ende sowie einige Umbrüche sind spitze, aber mich "nervte" die Hauptdarstellerin, weshalb ich dem Film leider nicht allzu viel abgewinnen konnte. Das gleiche Werk 1:1 mit einer anderen Hauptdarstellerin wäre bestimmt bei mindestens 8 Punkten, wie bei dir, aber ich konnte die Fratze kaum ertragen :-(

10.01.2022 15:12 Uhr - tp_industries
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Vielen Dank für das Lob Kaiser! :)

Mit den spoilern hast du recht. Gerade bei diesem Film ist es besser, wenn man vorab so wenig wie möglich weiß. Trotzdem wollte ich im Absatz "Kommunikation..." etwas auf die Grundaussage des Films eingehen, weil ich es einfach für wichtig halte. Dennoch habe ich mich so bedeckt wie nur möglich gehalten. Ich hoffe es ist mir in soweit gelungen, dass nicht jeder potenzielle Sichter den Ausgang des Films errät.

Dein Problem mit gewissen Gesichtern kenne ich. Zwar nicht im Falle von "Alexandra's Project" ( wie geschrieben finde ich Helen Buday's Leistung großartig), aber bei anderen Leuten. Ich halte zum Beispiel George Clooney oder Matt Damon für super Schauspieler. Kann aber deren Gesichtern irgendwie nix abgewinnen. Ein seltsames Phänomen. Eventuell sind sie auch extrem cremig drauf. Aber hin und wieder sieht man halt Gesichter und kann damit von vornherein nix anfangen. Kennt aber glaube ich jeder. :)


10.01.2022 20:38 Uhr - Man Behind The Sun
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Kaum zu glauben, dass den noch einer kennt...

Du hast mit deiner wie immer sehr gut verfassten Review genau ins Schwarze geschossen. Ein sehr unterhaltsamer Film aus Down Under.

10.01.2022 21:49 Uhr - tp_industries
1x
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@Man behind the sun

Ich denke der Titel war leider schon immer recht unbekannt. Umso schöner wenn man den Streifen, in Form von Reviews, den Leuten näherbringen kann!

Freut mich auf jeden Fall dass auch dir der Film zusagt. Und noch mehr freut es mich dass dir meine Kritik gefällt.

Vielen Dank dafür! :)

11.01.2022 10:00 Uhr - cecil b
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Moderator
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Einfach wunderbar, wie du wohlüberlegt die Balance zwischen aussagekräftigen Informationen und der Wiedergabe des Inhalts gehalten hast!

Das, was du vorsichtig einen Spoiler nennst, finde ich von dir auch perfekt vermerkt. Man kann darin einen sehen, aber nicht zwangsweise, ich fühle mich beispielsweise dazu bekräftigt, den Film zu sehen, den du so spannend vorgestellt hast!

11.01.2022 10:18 Uhr - tp_industries
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Vielen Dank Cecil!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der etwas für dich sein dürfte.
Gehört, nebenbei bemerkt, auch zur "Störkanal" Reihe mit der du ja auch vertraut bist. ;)

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