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Lone Wolf

Herstellungsland:USA (1988)
Genre:Horror, Krimi
Alternativtitel:Mörder ist ein Werwolf, Der
Bewertung unserer Besucher:
Note: 4,00 (2 Stimmen) Details

Inhaltsangabe:

Unheimliche Vorfälle versetzen die Umgebung von Fairview-High in Angst und Schrecken. Studenten verschwinden auf mysteriöse Weise, Tiere und Menschen werden grausam umgebracht. Der Computer-Spezialist Joel und seine Assistentin Julie verfolgen fieberhaft eine aufschlussreiche Spur und machen eine ebenso entsetzliche wie unglaubliche Entdeckung: Der Killer ist ein Werwolf – eine blutgierige Bestie, die sich bei Vollmond offenbart. Ohne zu ahnen, was sie riskieren, wollen sie mit Hilfe einer geheimnisvollen Silberkugel den Nächten des Grauens ein Ende bereiten. Der pure Wahnsinn, der reinste Selbstmord. (Splendid Video VHS Cover)

eine kritik von cecil b:

 

 

Wie einfach ich doch gestrickt bin. Ein Werwolf-Film verharrt lange Zeit auf dem Index, mir gefällt die Abbildung auf dem Cover, den will ich mal gesehen haben.

Studenten. Teens und junge Volljährige. Gezwungenermaßen wird ihr wilder Hormonhaushalt und damit ihr sexuelles Erwachen in Horrorfilmen oft zu einem Instrument. Sie rennen dann vom überschüssigen Ge­schlechts­trieb geplagt in vielen Fällen geistesabwesend ins offene Messer. Werwölfe brauchen keine Tatwaffe, sie sind eine. Die hormonal gesteuerte Aufbruchstimmung der menschlichen Beute kommt dem animalischen Mörder gelegen, sein Trieb raubt ihm bevorzugt in Vollmondnächten vollkommen die Kontrolle, im Affekt ist Frischfleisch angesagt. Der Blutrausch nimmt überhand, der Verzehr ist nicht so wichtig, der Kick der Schlachtung steht im Vordergrund. 

Das Zugpferd der Dramatik ist somit ein dürrer Leitfaden. 

In circa 50 Prozent aller Gespräche der Figürchen aus LONE WOLF geht es um Sex. Männliche Figürchen bekommen bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich Worte aus dem Mund, die man von besoffenen, bekifften, regressiven Teenagern erwartet. Gut, ein paar von diesen Personen sind ja noch jung, unabhängig davon, dass die Darsteller meist schon lange nicht mehr die Schulbank drücken. "Halt den Puller hoch und die Ohren steif!" Dieser Blödsinn ist aber nur dazu da, um darauf hinzuweisen, wozu eine schlechte Erziehung führen kann. Denn die Väter an der Bar sind keinen Deut besser. "Wenn hier Selbstbedienung ist, krall ich mir die Kellnerin!" Schallendes Gelächter. Das ist offensichtlich eine Kritik an der Bevölkerung, deren Gemächt die anderen Gehirnregionen lahmlegt.

Die Frauen werden gaaaanz anders dargestellt. Sie unterhalten sich praktisch durchgehend darüber, wie doof diese Männer sind. Hm. Ist ihr denkendes Organ etwa auch darauf ausgelegt, dasselbe triebgesteuerte Thema durchzukauen? Nein, ich lehne es entschieden ab, dass die Kritik im Sande verläuft! Weibliche Figürchen denken in diesem Film nämlich auch darüber nach, wie sie Kerle ins Bett kriegen können, total selbstbestimmt, voll emanzipiert! Außerdem ist es so, dass z. B. die Julie (einmalig 15 Minuten Ruhm für Dyann Brown) dabei helfen will, zusammen mit dem Computer-Spezialisten Joel (Kevin Hart: Mindkiller) den Fall Werwolf aufzudecken! Sie besucht genau wie der 'logischerweise' unsportliche und uncoole PC-Nerd die Schule, und kann sich ganz toll neben diesen Mann setzen, wenn dieser denkt. Die Inhaltsangabe degradiert sie unumstößlich auf die Beschreibung: "Assistentin." Julie kann aber vieles, was Joel nicht kann. Mit so viel Schminke könnte sie sich bei einem Banküberfall die Maske sparen, und ihre offensive Sexualisierung in Eigeninitiative weist entschieden die Bedeutung anderer Qualitäten von sich. Die animalische Idiotie herrscht, der menschliche Wolf ist der Auswurf davon. 

Teens, die nicht so schnell dem Wolf zum Fraß vorgeworfen werden oder kein Indikator für allgemeine Blödheit sind, kann man an einer Hand abzählen, sie sollen von Belang sein. Joel ist anders, denn er ist klug. Vor Ort die reinste Exotik. Deirdre (auch nur 15 Minuten Ruhm für Ann Douglas) ist auffällig, weil die theoretische Aufreißerin eine Draufgängerin ist. Ihre etwas pummelige untersetzte Freundin (15 Minuten für Siren) unterscheidet sich vom Pulk, da sie nicht dem gewohnten Beuteschema entspricht, und kein sonderliches Interesse daran hat, beim notgeilen Miteinander mitzuhalten: "Saftnase!" In der gern besuchten Dorfdisko (man lernt sich kennen) ist noch einer häufig anwesend, der untypisch ist, Eddie, gespielt von Jamie Newcomb ( I want to Keep My Baby). Eddie, ist der Sänger der Band, die dort regelmäßig auftritt, auf Bewährung, enttäuscht von seinen Eltern, nicht so triebhaft sowie leicht amüsiert wie seine Bandmitglieder, und bei seiner Tante Trudi wohnhaft. Diese Figuren müssen zusammenhalten. Denn in dieser harten Zeit, in der ab und zu jemand abhandenkommt, sind weder die Eltern hilfreich, noch die Lehrer, die sich lächerlich machen oder als Moralapostel die Verständigung erschweren, und schon gar nicht die Polizei. Die Gesetzeshüter wollen vieles vertuschen, und wissen es auch nicht besser: "Wie könnte ein Rudel wilder Hunde so etwas tun?" Voll der Generationskonflikt, ey. Von den vorherigen A NIGHTMARE ON ELMSTREET-Filmen (Freddy Krueger † 2010) hätte man sich ruhig eine größere Scheibe abschneiden können, die hatten das Prinzip besser in Szene gesetzt. Ein unterdurchschnittliches Drehbuch, von Michael Krueger († 1990, Mindkiller, Night Vision).

Hat man die Figürchen im Ganzen erfasst, kann man sich voll und ganz auf den Horror konzentrieren. Party-Teens brauchen in Horrorfilmen wie bereits erwähnt meistens jemanden, der ihren Leichtsinn mit Blut beschmiert, ihre Mörder sind traditionsbewusst. Die HALLOWEEN-Reihe lässt ihren heißgeliebten Serienkiller meistens im Heimatort an einem Feiertag los, die FREITAG DER 13te -Reihe verlässt sich 7 -Teile -lang samt Remake auf den Crystal-Lake, und was das Vorstädtchen und der atmosphärische Waldsee den maskierten Mördern sind, das ist der verschneite Wald für den einsamen Wolf. Denn dort treffen sich Teens klammheimlich für möglichenfalls gemütliche Schäferstündchen auf dem Rücksitz von Autos, dessen Motoren nicht immer anspringen. Bei solchen Zuständen, so Klischee-beladen lächerlich, war mir beinahe klar, dass es sich um eine Komödie handeln muss, aus der Splatter-Trash-Fun-Produktionsstätte-Troma Entertainment (Atomic Hero). Ist aber nicht so. Wirklich nicht? Die überzogen zugeknöpfte Lehrerin, die "Psst" in der Bibliothek zischt, der chronischer-Lachkrampf-Bulle, die sich ständig wiederholenden Fehlalarm-Szenen, bei denen man nie, niemals nie, auf die Idee kommen könnte, dass es der Werwolf ist, der da 'überraschend' von hinten auf die Schulter klopft, werden doch durch Selbstironie gekennzeichnet. Mindestens dreimal: "Ich hätte mich fast zu Tode erschreckt!" Der gewollte Humor, der sich ständig selbst aushebelt, geht durch den unfreiwilligen, wirklich lustigen, herzergreifenden, lachhaften, naiven, einfallslosen Versuch der Romantik im Vergleich unter. Wer mit wem? Ist doch egal. Der Schmu überbrückt leidlich die langen Wartezeiten bis zum nächsten Schuss Blutspritzer. Der P.O.V.- Bösewicht (Das ist ein Geheimnis) naht heran. "Hast du das gehört?" Och nö. Ein bisschen Freude kommt auf, wenn der haarige Killer Körperteile ab- oder rausreißt. Minimalistische Unterhaltung bis zum Finale, das viel Kanonenfutter bietet. Und ja, dann legt er richtig los und... hört enttäuschend schnell damit auf. Es hätte egal sein können, dass die ganze Whodunit-Fährte mittelmäßig spannend ist, und das kennt man schon, dass die draufgehen, die einem sowieso vollkommen egal sind. Aber, wie kann man nur so blutig aufblühen, um dann beklagenswert abzuebben? Mein Highlight: Der Freund und Helfer über den sichtbaren Werwolf: "Der ist ja wahnsinnig!" Ja, stimmt, gut erkannt, Herr Wachtmeister. Die Auflösung bestätigt ihre Diagnose. Stecken Sie das Schießeisen besser wieder in das Holster. Nicht, dass Sie noch Knoblauch mit Silber verwechseln. 

LONE WOLF kann Vieles vorgeworfen werden. Ganz mies ist der aber nicht. Das Schmierentheater ist witziger als manche Komödien. Der Musiker, die Bitch und der Nerd werden aber nicht schlecht gespielt, der Splatter ist gar nicht übel, und das Wichtigste: Die Verwandlung sieht recht gut aus (Kostüm: Nancy Bassett: Kill Line). Wem das reicht, bitte sehr. John Callas's (No Solicitors) Regie, die Schnitte (Kurt Tiegs: Phantasm) und die Kameraarbeit (David Lewis: Pee Wee's Playhouse) sind auch vollkommen in Ordnung. Eine ausreichende Beleuchtung lässt das menschliche Untier nicht im Dunkeln stehen, der zwischenmenschliche Verkehr ist mit geläufigen Perspektiven solide festgehalten, und dadurch, dass die Kamera mal den Schritt in die Baumwipfel wagt, und sie in engen Gassen hin und wieder ein schönes senkrechtes Panorama erhascht, fallen die ausgelutschten Vollmondbilder und sonstige austauschbare inszenatorische Vorgehensweisen nicht ins Gewicht. Das Dröhnen aus den Boxen, und die gelegentlichen Unterbrechungen davon, mit einem kurzzeitigem Geschepper, sind kein Ärgernis, und der Pop-Rock, na ja, "Praise Rock n' Roll!" ist besser als Schlager. Immerhin, Jon Kull (Krampus).

Am Ende weiß man endgültig, die Zuschauer sollen ihren Spaß haben. Damals oft mit in die Höhe geföhnten Haaren, LONE WOLF ist ein Zeitzeuge. Schminke für alle, die bei drei nicht auf den Bäumen sind, Nachahmungen von Twisted Sister und Billy Idol im Kassettenrekorder, Dosenbier en masse. Ein Abschluss, so zuverlässig wie der Kojote, der in der Zeichentrickserie Die Roadrunner Show immerwährend den Rennkuckuck jagt. LONE WOLF ist die perfekte Zugabe, für einen Tag, an dem der Weltvergessenheit Einlass gewährt wird. Jetzt noch auf dem Rummelplatz einen pinken Teddy an der Schießbude gewinnen, zur Belohnung ein Kuss in der Raupenbahn. Zuckerwatte aus Prinzip verzehren, und nicht weil man sie mag, und sich mit Kumpels kringelig lachen, weil der blecherne Werwolf in der Geisterbahn kein Haltbarkeitsdatum hat. Schön, dass es diesen Schrott gibt. 

4/10
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Kommentare

23.01.2022 17:39 Uhr - sonyericssohn
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Das Schaf im Wolfspelz. Wohl dann doch lieber -Metal Beast-...und nicht mal der is so besonders. 😁

23.01.2022 17:59 Uhr - cecil b
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Das Schaf haut ordentlich zu, aber das ist in etwa so aufregend wie so einem Tier beim Grasen zuzuschauen.

Metal-Beast: Ich hätte den beinahe mal gekauft. Ich denke, ich spar mir die Kohle. ;)

23.01.2022 18:03 Uhr - sonyericssohn
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Ein Tier beim grasen hat aber was beruhigendes ! 🤪
Metal Beast ist einfach zu viel SciFi. Gegen American Werewolf ein laues Lüftchen.

23.01.2022 18:12 Uhr - cecil b
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Ja, in Wirklichkeit mag ich das, mich von dieser Ruhe anstecken zu lassen. Ich kenne zwei Therapie-Esel, und habe mit Hunden schon so manches bewirken können, auch im beruflichen Rahmen.

Aber sie sind nicht aufregend! ;) Sie sollen es nicht sein. Und ein Werwolf hat ganz andere Aufgaben. Kicher. Ich liebe den in einer Geisterbahn, oder in wirklich guten Filmen. :)

Lone Wolf ist vollkommen in Ordnung, wenn man mal Bock auf gaaanz leichte Kost hat. ;)

23.01.2022 20:27 Uhr - tp_industries
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Jup.
Also dieser Titel ist mir absolut unbekannt.
Liegt vielleicht auch daran, dass ich bis auf "American Werwolf" und "Wolfen" (die ich beide klasse finde), nicht so mit dem Werwolfgenre vertraut bin.

Aber für eine stumpfe und entspannende Kur für's Gehirn scheint dieser Streifen ja zu taugen. Ich meine, asoziale und unsympathische Teens (jedenfalls ist das meine Interpretation deines Textes) die gemeuchelt werden und dazu noch Musik von "Twisted Sister" und "Billy Idol", gewürzt mit ein paar soliden Splattereffekten und unfreiwilligen Humor (noch dazu wenn der freiwillige Humor nicht funktioniert). Trash Herz, was willst du mehr?

Klingt nach einem tollen Film, um einen gebrauchten Tag doch noch irgendwie positiv abzuschließen.

Danke für die amüsante Vorstellung, sowie den Tipp! :)

23.01.2022 21:59 Uhr - cecil b
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Jup.

Gut 'erfasst', wie üblich. ;)

Danke dir. :)

Mein Fehler: Man kann das so verstehen, dass Twisted Sister" und "Billy Idol" im Film zu hören sind, war aber beispielhaft für die Zeit und die Pop-Rock Mucke gemeint, weil die jeder (?) kennt.

Da müsste ich vielleicht noch eine bessere Lösung für finden, heute schaffe ich das nicht.

Den ich vor LONE WOLF besprochen habe, WHEN ANIMALS DREAM, gehört zu den besten Werwolffilmen, die ich kenne, dazu Ginger Snaps 1 und 2, DAS BIEST https://www.schnittberichte.com/svds.php?Page=Titel&ID=191 ist interessant, habe ich alle besprochen.

Weitere folgen. :)

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